Anton von Webern
Leben und Werk
Kindheit
Anton Friedrich Wilhelm von Webern wird am 3. Dezember 1883 in Wien als Sohn des Bergbauingenieurs Carl von Webern und seiner Frau Amalie geboren. Antons musikalisches Interesse wird frühzeitig durch seine pianistisch begabte Mutter geweckt, die ihren Kindern regelmäßig am Klavier die großen und kleinen Meisterwerke der Musikgeschichte nahe bringt. Amalie von Webern ist es denn auch, die dem überdurchschnittlich aufnahmebereiten und begabten Anton mit fünf Jahren den ersten Klavierunterricht erteilt. Doch auch die Geschwister zeigen musikalisches Interesse und als Anton auch mit Cellounterricht beginnt, entsteht ein Familientrio mit der jüngsten Schwester Rosa auf der Geige, Anton am Cello und der älteren Schwester Maria am Klavier, das die Hausmusikabende regelmäßig bereichert. Diese Erfahrungen werden für den jungen Anton ebenso prägend wie die Ferienaufenthalte auf dem großväterlichen Gut Preglhof bei Bleiburg in Niederkärnten, die in ihm eine lebenslange Liebe zur Natur wecken und in dem aus beruflichen Gründen unsteten Leben der Familie eine Oase der Beständigkeit darstellen.
Als die Familie 1894 von Graz nach Klagenfurt zieht, sollte das für Antons weitere musikalische Zukunft einen Glücksfall bedeuten, denn er findet in Edwin Komauer einen fähigen und engagierten neuen Lehrer, bei dem er nicht nur seine pianistischen Kenntnisse verbessert und als zweites Instrument das Violoncello erlernt, sondern erstmals auch fundierte Einblicke in musiktheoretische Inhalte erhält. Aus dieser Zeit datiert seine grenzenlose Bewunderung für das Schaffen des Altmeisters Johann Sebastian Bach sowie der Zeitgenossen Richard Strauss und vor allem Richard Wagner, dessen Oper "Tristan und Isolde" bei einer Aufführung in Graz im April 1901 zu einem überwältigenden und unvergesslichen Erlebnis wird. Im Alter von 15 Jahren unternimmt Anton erstmals auch eigene kompositorische Versuche. Von großer Bedeutung sind die vielfältigen kulturellen Anregungen des regen Konzertlebens ebenso wie die ab 1898 gesammelten praktische Erfahrungen als Cellist im Klagenfurter Konzertvereinsorchester, wo er ein breites Repertoire unterschiedlichster Werke kennen lernt sowie seine regelmäßigen Auftritte als Pianist und Cellist vor dem heimischem Publikum.
Mit zunehmendem Alter zeichnet sich für Anton immer deutlicher eine berufliche Zukunft als Musiker ab. Gleichwohl favorisiert er dabei zunächst eine Karriere als Dirigent, durch die er die Möglichkeit hätte, verkannte Komponisten wie Franz Liszt und nahezu unbekannte Meisterwerke wie dessen Oratorium "Christus" einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Carl von Webern steht diesen Plänen jedoch alles andere als positiv gegenüber, denn als einziger männlicher Erbe ist Antons Zukunft als Gutsbesitzer längst beschlossene Sache. Nichts desto trotz erfüllt der Vater seinem Sohn nach der bestandenen Matura seinen sehnlichsten Wunsch und unternimmt eine "Pilgerfahrt" zu den Wagner-Festspielen in Bayreuth, wo Anton von der grandiosen Musik des "Parsifal" und "Fliegenden Holländers" ebenso hingerissen und überwältigt ist wie er sich von dem oberflächlichen Verhalten der meist mondänen Festspielgäste abgestoßen fühlt. Ob Carl von Webern während dieser Reise begriffen hat, wie viel seinem Sohn die Musik bedeutet, bleibt Spekulation. Tatsache ist jedoch, dass er sich danach mit Antons Berufswunsch einverstanden erklärt.
Musikstudent in Wien
Anton von Weberns Geburtsstadt Wien, die er nun erstmals bewusst erlebt, ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine lebendige kosmopolitische Stadt, die für einen wachen und aufnahmebereiten Geist beinahe unbegrenzte Anregungen bietet. Gleichwohl moniert Webern die unüberschaubare Fülle an Veranstaltungen ohne gemeinsames künstlerisches Konzept, das zwangsläufig zu einer unüberhörbaren Diskrepanz zwischen künstlerisch hochwertigen und anspruchslosen Aufführungen ohne Niveau führt und ihn zu leidenschaftlichen Kritiken provoziert. Dennoch ist er ein ständiger Gast in der Wiener Hofoper, wo er seinen musikalischen Horizont beträchtlich erweitert und noch die letzten Jahre der Ära Mahler erlebt, dessen dirigentische Fähigkeiten ihn tief beeindrucken.
Und so wird Wien ab 1902 für mehrere Jahre seine musikalische Heimat. Er beginnt seine Studien an der Universität in Musikwissenschaft bei Guido Adler (1855-1941), für deren zum Teil ferne und trockene Inhalte über Musiktheorien des 13.-15. Jahrhunderts er sich nur wenig begeistern kann. Parallel dazu belegt er Harmonielehre bei Hermann Graedener sowie Kontrapunkt bei Karl Navrátil. Webern erweist sich in allen Fächern als begabter Student und widmet sich - in seinem musikalischen Selbstvertrauen gestärkt - zunehmend auch wieder dem kompositorischen Schaffen. Das Jahr 1903 ist in dieser Hinsicht äußerst fruchtbar und bringt neben zahlreichen Liedern mehrere Sammlungen von Klavierstücken, drei Klaviersonaten und vier Streichquartette hervor. 1904 entsteht mit der Idylle Im Sommerwind erstmals ein Werk für großes Orchester.
Instinktiv spürt Webern, dass er mit seiner bisherigen Ausbildung seine schöpferischen Grenzen erreicht hat. Auf der Suche nach einem inspirierenden Lehrer stößt er eines Tages auf ein Inserat in einer Wiener Tageszeitung, in dem die Schwarzwaldschule Kurse Arnold Schönbergs ankündigt. Webern, der zu diesem Zeitpunkt bereits von Werken wie der symphonischen Dichtung "Pelleas und Melisande" oder dem Streichsextett "Verklärte Nacht" tief beeindruckt ist, fühlt, wie sich in diesem Moment sein musikalisches Schicksal entscheidet. Schönberg nimmt den neun Jahre Jüngeren denn auch als einen seiner ersten Schüler an, gefolgt von Alban Berg, zu dem sich spontan eine enge Freundschaft entwickeln sollte. Über Nacht gerät Webern durch diese Verbindung in das Herz der zeitgenössischen musikalischen Avantgarde. Der Unterricht bei Arnold Schönberg wird für Anton von Webern zu der gesuchten und erhofften Offenbarung, die nicht von Theorien lebt, sondern die individuelle schöpferische Kreativität stärkt und fördert. Darüber hinaus entsteht zwischen Lehrer und Schüler schon bald eine enge persönliche Beziehung, die seitens des Jüngeren zeitweise jedoch eine Art von unterwürfiger Hörigkeit annimmt.
Im Sommer 1906 schließt Webern seine Universitätsstudien mit einem Diplom als Doktor der Philosophie ab. Während er sich noch von den anstrengenden Monaten der Vorbereitung in der heilsamen Landschaft des Preglhofes erholt, stirbt seine Mutter am 7. September mit nur 53 Jahren an Diabetes. Anton von Weberns Schmerz über diesen Verlust ist grenzenlos und so stehen denn nicht nur seine nächsten Werke wie die Sechs Stücke für Orchester op. 6 ganz unter dem Eindruck dieser Trauer, sondern wird sein ganzes kompositorisches Schaffen von diesem Moment an dem Andenken seiner Mutter gewidmet sein.
Theaterkapellmeister
Weberns erster Einblick in die Welt des Theaters ist für den anspruchsvollen Musiker nicht gerade künstlerisch beflügelnd, denn ab Sommer 1908 wirkt er als Korrepetitor, Chordirektor und zweiter Kapellmeister im noblen Kurort Bad Ischl, wo das Programm zum überwiegenden Teil aus Operetten u.ä. leichten Unterhaltungsstücken besteht. Einen künstlerischen Lichtblick bedeutet da die Uraufführung der Passacaglia für Orchester op. 1, die unter seiner Leitung am 4. November im Wiener Musikvereinssaal stattfindet. Auch sein nächstes "Gastspiel" im folgenden Jahr am Innsbrucker Theater ist so unbefriedigend, dass Webern fluchtartig diese Niederungen der Kunst verlässt. Zwar kann er seine musikalischen Bedürfnisse durch ausgiebiges kompositorisches Schaffen kompensieren, doch wird die Notwendigkeit für ein nicht nur befriedigendes, sondern angesichts seiner im Sommer 1908 eingegangenen Verlobung mit seiner Cousine Wilhelmine Mörtl vor allem auch finanziell ertragreiches Engagement immer dringlicher. Dennoch sollte Weberns nächste Zukunft für mehrere Jahre das Theater bleiben. Zeitweise kann er sich mit den jeweiligen Bedingungen arrangieren, insbesondere wenn er selbst als Dirigent verantwortlich für eine Aufführung zeichnet. Indes wird auch er bald Opfer der alltäglichen Theaterintrigen, die ihn vor allem von seiner schöpferischen Tätigkeit und dem menschlich und künstlerisch gleichermaßen inspirierenden Zusammensein mit seinem Idol Schönberg fern halten; deshalb wechselt der nicht unbedingt mit diplomatischem Geschick gesegnete Musiker innerhalb kürzester Zeit seine Wirkungsstätten:
- April/Mai - Juni 1910: Stadttheater Teplitz
- September 1910 - April 1911: Stadttheater Danzig
- Juli 1912 - Januar 1913: Stadttheater Stettin
- Januar 1916: Deutsches Landestheater Prag
- August 1917 - April 1918: Deutsches Landestheater Prag
- August - Oktober 1920: Deutsches Landestheater Prag
Umso erfüllender ist für Webern in diesen Jahren seine kompositorische Tätigkeit, der er sich vor allem während der Sommermonate auf dem Preglhof intensiv widmet und die eine Vielzahl bedeutender Werke hervorbringt:
- Fünf Lieder aus "Der siebente Ring" von Stefan George op. 3
- Sechs Stücke für großes Orchester op. 6
- Vier Stücke für Geige und Klavier op. 7
- Sechs Bagatellen für Streichquartett op. 9
- Fünf Stücke für Orchester op. 10
Darüber hinaus fertigt Webern zunehmend Klavierauszüge von Schönbergs Werken an. Während dieser Zeit hatte sich auch des Komponisten privater Status entscheidend verändert. Trotz aller Bedenken gegen eine Heirat unter Vettern ersten Grades und dem dafür fehlenden, aber notwendigen päpstlichen Dispens vermählt sich Anton von Webern am 22. Februar 1911 in Danzig mit seiner zu diesem Zeitpunkt bereits hochschwangeren Cousine Wilhelmine Mörtl. Trotz massiver Widerstände auch seitens der Familien wird die Ehe überaus glücklich. Wilhelmine wird ihrem Mann eine treue Weggefährtin, die ihr eigenes Leben ganz in den Dienst seines künstlerischen Schaffens stellt und nach der erstgeborenen Amalie die Töchter Maria (1913) und Christine (1919) sowie 1915 den Sohn Peter zur Welt bringt.
Trotz der zwingenden Notwendigkeit, nun für eine dreiköpfige Familie den Unterhalt zu verdienen, ist Anton von Webern zeitweise so auf sein Idol Schönberg fixiert, dass er neben der Sorge um dessen Wohlergehen alles andere vergisst und dem verehrten Meister 1911 nach Berlin folgt. Darüber hinaus widmet er sich nach dem Tod Gustav Mahlers am 18. Mai desselben Jahres zunehmend dem kompositorischen Andenken dieses "Heiligen". In den erneuten "Frondienst" am Stettiner Theater steigert er sich danach so sehr hinein, dass er nicht nur psychische Höllenqualen durchlebt, sondern schließlich auch einen körperlichen Zusammenbruch erleidet und sich während einer längeren Kur auf dem Semmering in der Nähe von Wien erholen muss.
Die Uraufführung seiner Sechs Stücke für Orchester am 31. März 1913 durch seinen Freund Schönberg im Wiener Musikvereinssaal bedeutet in dieser Zeit einen willkommenen Lichtblick, doch die Freude darüber währt nur kurz, denn das Konzert sorgt für einen weiteren der vielen Skandale, von denen zu dieser Zeit regelmäßig Schönberg’sche Aktivitäten begleitet werden. Der tragische Tod seines Neffen Theo, dem er wenige Monaten später mit dem Bühnenstück in sechs Bildern Tot ein akustisches Denkmal setzen sollte, werfen den gerade genesenden und hyper-sensiblen Webern gesundheitlich wieder völlig zurück, so dass er apathisch und kraftlos wiederum ärztlichen Beistand suchen muss. Diesmal wird er von Dr. Alfred Adler mit der Methode der Individualpsychologie erfolgreich therapiert. Ein besonderer Schwerpunkt stellt dabei das Bemühen dar, den Patienten aus seiner fatalen und zerstörerischen Abhängigkeit von seinem Abgott Schönberg zu befreien und statt dessen seine eigene künstlerische Persönlichkeit zu entfalten. Für einige kurze Monate scheint die Therapie Früchte zu tragen, aber dann gerät Webern zusehends wieder in den Bann Schönbergs und lässt von ihm sein Leben bestimmen.
Kriegsjahre
Seit dem Verkauf des Preglhofes zu Beginn des Jahres 1912 finanziell unabhängig und ausgestattet mit neuer Kraft zu künstlerischer Tätigkeit, stürzt sich Webern nach erfolgreich beendeter Therapie in eine neue Phase fruchtbarer schöpferischer Arbeit, während der u.a. mehrere Orchesterstücke, die Drei Orchesterlieder sowie 3 kleine Stücke für Violoncello und Klavier op. 11 entstehen. Trotz aller Frustration wartet auch wieder ein neues Theaterengagement - abermals in Stettin - auf ihn, doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 28. Juli 1914 macht zunächst alle weiteren Pläne zunichte.
Webern selbst lässt sich von der landesweit spontan und begeistert aufbrausenden Welle des Patriotismus mitreißen und empfindet den Krieg als "Kampf der Engeln mit den Teufeln" - vielleicht auch in Analogie zu seinen künstlerischen Kämpfen? - und meldet sich daher im Februar 1915 als Freiwilliger. Knapp zwei Jahre später lässt er sich - unter musikalischen "Entzugserscheinungen" leidend - vom Militärdienst befreien und tritt im Januar 1916 einen Posten als Korrepetitor am Deutschen Landestheater in Prag an. Doch Schuldgefühle sowohl gegenüber dem wenige Wochen vorher eingezogenen Freund Schönberg als auch gegenüber seinen vaterländischen Verpflichtungen lassen ihn nach weniger als einem Monat um eine vorzeitige Beendigung seines musikalischen "Asyls" ersuchen. Knapp ein Jahr später, am 21. Dezember 1916, wird Anton von Webern aufgrund seines schlechten Sehvermögens für kriegsdienstuntauglich erklärt und offiziell aus der Armee entlassen.
Kompositorisch völlig ausgehungert, stürzt er sich unverzüglich in neue schöpferische Aktivitäten. Im August 1917 kehrt er ans Prager Landestheater zurück, wo er zunehmend selbstständige Aufgaben übernimmt. Aber wieder einmal ist Schönbergs magische Ausstrahlung stärker als alle Vernunft und lässt Webern seine viel versprechende Zukunft in Prag abbrechen, um bei seinem Meister in Wien zu sein, der nun wieder Seminare an der Schwarzwaldschule abhält.
Die Wiener Zeit
Von seinem neuen Domizil Mödling und später Wien aus sollte Anton von Webern in den nächsten Jahren seine künstlerischen Aktivitäten entfalten. Zunächst engagiert er sich als einer der sogenannten Vortragsmeister, denen die künstlerische Vorbereitung der Konzerte obliegt, in Arnold Schönbergs 1918 gegründetem "Verein für musikalische Privataufführungen". Ziel dieses Vereins ist es, zeitgenössische Musik vor einem lediglich aus Mitgliedern und ausgewählten Gästen bestehenden Publikum unter Ausschluss der Presse und strengstem Verbot von Bei- oder Missfallsbekundungen auf hohem Niveau darzubieten. Doch auf die fruchtbare Zusammenarbeit fallen schon bald dunkle Schatten, als Webern aus finanziellen Gründen parallel auch nach anderen Tätigkeitsfeldern sucht. Zwar bleibt auch ein neuerliches Prager Engagement nur ein kurzes Gastspiel, aber es sollte ausreichen, um einen ernsthaften Bruch zwischen dem dominanten Lehrer Schönberg und seinem einstigen und bis dahin immer noch hörigen Schüler Webern herbeizuführen. So sehr dieser entschiedene Schritt für die künstlerische und persönliche Emanzipation Weberns von dem Übervater begrüßenswert erscheint, so wenig dauerhaft ist er, denn nur wenige Wochen später kommt es zu einer Versöhnung, in deren Folge Webern erneut zum folgsamen Jünger Schönbergs wird. Andererseits sollte die Arbeit im "Verein für musikalische Privataufführungen" sich inspirierend auf Weberns kompositorisches Schaffen auswirken und Werke wie die Sechs Lieder nach Gedichten von Georg Trakl op. 14 sowie die Fünf Geistlichen Lieder op. 15 und die Fünf Canons nach lateinischen Texten op. 16 hervorbringen.
Die finanzielle Lage der Familie Webern ist jedoch nach wie vor - nicht zuletzt auch angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage - prekär. In dieser Situation bedeutet daher der Vertrag mit der Wiener Universal Edition nicht nur eine willkommene Hilfe, sondern v.a. auch den künstlerischen Durchbruch. Weberns Werke stehen von da an regelmäßig auf den internationalen Konzertprogrammen und der Komponist erhält darüber hinaus zunehmend Engagements als Dirigent, um nicht zuletzt seine eigenen Werke aufzuführen. Daneben wird er in den nächsten Jahren auch in Amateurkreisen als Dirigent künstlerische Maßstäbe setzen. Sein ähnlich anspruchsvolles Arbeiten wie Gustav Mahler verschafft ihm dabei allerdings nicht nur Anerkennung, sondern provoziert zuweilen auch lebhaften Widerspruch.
| Zeit/Periode | Tätigkeit |
| ab Sommer 1921 | Leiter des Schubertbunds Wien; aufgrund künstlerischer Differenzen endet die Arbeit jedoch bereits nach fünf Monaten |
| ab Herbst 1921 | Dirigent des Mödlinger Männergesangvereins |
| ab Frühjahr 1922 | Gastdirigate bei den Arbeiter-Symphoniekonzerten |
| 5. Juni 1922 | Aufführung der Passacaglia beim Allgemeinen Deutschen Tonkünstlerfest in Düsseldorf |
| ab September 1922 | Arbeit mit dem Wiener Symphonischen Orchester |
| 5. Juni 1923 | Aufführung der Passacaglia in Berlin |
| ab Dezember 1923 | Dirigent des Wiener Singvereins; einen der Höhepunkte mit diesem Chor stellt am 18. und 19. April 1926 die Aufführung von Mahlers 8. Symphonie, der sogenannten Symphonie der Tausend, dar |
| 20. Juli 1924 | Dirigiert während der Donaueschinger Musiktage |
| ab 1925 | Musiklehrer am Israelitischen Blindeninstitut Wien |
| 23. Juni 1926 | Dirigent beim IGNM-Festival in Zürich |
| ab Mai 1928 | Leiter des Chores Freie Typographia Wien |
| 1. Mai 1928 und 1929 | Dirigiert Rundfunkkonzerte zum Mai-Feiertag, die in den nächsten Jahren zu weiteren Verpflichtungen bei der Ravag, der österreichischen Rundfunkgesellschaft, führen |
| November/Dezember 1929 | Konzerttournee nach München, Frankfurt und London sowie Rundfunkkonzert in Berlin |
| 24. Februar 1930 | Europäische Erstaufführung der Symphonie op. 21 in Wien |
| 12. April 1931 | Umjubelte Aufführung von Brahms' "Deutschem Requiem" mit dem Wiener Singverein |
| 21. Februar 1932 | Konzert mit zeitgenössischer amerikanischer Musik, initiiert von der Pan-American Association of Composers |
| 5. und 7. April 1932 | Dirigiert in Barcelona das 1919 gegründete Orquesta Pau Casals |
| 29. Dezember 1932 | Konzert für den Frankfurter Rundfunk |
| 21. und 23. April 1933 | Zwei Konzerte für die BBC in London; weitere regelmäßige Zusammenarbeit in den folgenden Jahren |
Bedeutende Werke aus diesen Jahren sind:
- Symphonie op. 21 (Anwendung der Reihentechnik), uraufgeführt am 18. Dezember 1929 durch die League of Composers in New York
- Drei Gesänge aus "Viae inviae" von Hildegard Jone op. 23
- Konzert für neun Instrumente op. 24
Die nationalsozialistische Ära
Auch Österreich sollte nach 1933 von dem Bazillus des Nationalsozialismus nicht verschont bleiben, was zu weit reichenden Konsequenzen im kulturellen Leben führen sollte. Einer der Ersten, der angesichts der demütigenden neuen Situation im Oktober 1933 das Land verlässt, ist Arnold Schönberg - ein Verlust, der Anton von Webern tief schmerzt. Ganz real treffen ihn darüber hinaus die finanziellen Verluste, nachdem er verschiedene, bis dahin unter der Verwaltung der sozialdemokratischen Kunststelle stehende Posten eingebüßt hatte. Obwohl auch er sich kurzfristig mit dem Gedanken an Emigration trägt, bleibt Webern letztlich doch in Wien, nachdem die Existenzgrundlage finanziell gesichert ist - allerdings zum Preis künstlerischer Unzufriedenheit. Darüber hinaus trägt er sich mit der trügerischen Hoffnung, dass der braune Spuk innerhalb kürzester Zeit vorbei sein werde sowie dem einfältigen Glauben, dass die neue Politik fruchtbare Auswirkungen auf die kulturelle Situation haben könne.
Doch die politische Situation wirkt sich zunehmend auch auf sein Leben aus. Am 26. Oktober 1937 erlebt er noch einmal eine positive Resonanz auf die Uraufführung seiner Variationen für Klavier op. 27. Zu diesem Zeitpunkt ist seine Musik in Deutschland bereits mit dem Schlagwort "Entartete Kunst" belegt. Als Österreich am 12. März 1938 als eigenständiges Land von der Weltkarte verschwindet und zu einer Provinz des Deutschen Reiches wird, sollte auch Anton von Webern schnell ins künstlerische Abseits geraten. Viele seiner Freunde verlassen, so lange sie noch können, das Land - oft genug ohne ihr gesamtes Hab und Gutes und einer ungewissen Zukunft entgegen, so dass es zunehmend einsamer um den Künstler wird. Trotzdem glaubt Webern immer noch - vielleicht als eine Art Überlebensstrategie - unerschütterlich an eine vorübergehende politische Erscheinung. Und trotz aller Einschränkungen seines Wirkungskreises wählt er, da er die drastischen Konsequenzen einer Emigration vor allem seelisch nicht verkraftet hätte, den Weg in die innere Emigration.
Mit aller Kraft setzt er sich in den folgenden Jahren für verfolgte Freunde und Musiker ein und widmet sich intensiv seinem kompositorischem Schaffen, das noch einmal Werke wie Das Augenlicht op. 26 für gemischten Chor und Orchester, das Streichquartett op. 28 im Auftrag für die Amerikanerin Elizabeth Sprague Coolidge oder die Variationen für Orchester op. 30 entstehen lässt. Und während der Komponist in seiner Heimat öffentlich verstummt, erklingt seine Stimme in den Konzertsälen der Welt umso lauter. Gleichwohl wird die finanzielle Lage immer brenzliger, als Webern im Herbst 1939 auch seine Stelle beim Rundfunk verliert. Die Universal Edition reicht ihm in dieser Situation zwar die rettende Hand, aber die Arbeit ist künstlerisch uninteressant und stiehlt Webern kostbare Zeit für seine Kompositionen, so dass er sie schon bald als "Frondienst" empfindet. Umso bedeutender sind daher in jeder Hinsicht zwei Konzertreisen in die Schweiz im Februar 1940 sowie im Februar 1943, wo am 3. März 1943 in Winterthur seine Variationen für Orchester uraufgeführt werden. Gleichzeitig erwecken die ersten schnellen Siege Deutschlands eine Hoffnung nicht nur auf eine baldige Beendigung des Krieges, sondern auch eine trügerische Illusion über eine bedeutende deutsche Zukunft.
Im August 1943 rückt der Krieg auch ins entlegene Mödling vor, die siegreiche Stimmung ist längst in Depression und Hoffnungslosigkeit umgeschlagen. Im April 1944 wird auch der 60-jährige Webern noch zum Kriegsdienst eingezogen und muss im Luftschutzdienst anstrengende körperliche Arbeit verrichten. Wenige Monate vor Kriegsende trifft die Familie von Webern ein schwerer Schlag, als der Sohn Peter am 14. Februar 1945 nach einem Bombenangriff seinen Verletzungen erliegt. Das Ehepaar Webern flieht vor der zunehmenden Bombardierung Wiens ins stille Mittersill bei Zell am See, wo bereits die beiden Töchter Maria und Christine mit ihren Kindern Unterschlupf gefunden hatten. In der Abgeschiedenheit der Berge und seiner geliebten Natur findet der Komponist langsam zu seiner seelischen Kraft zurück und beginnt bereits wieder Zukunftspläne zu schmieden. Doch dann verstricken sich unglücklich zwei Lebenslinien miteinander, die sich für Webern als tödlich erweisen sollten. Am 15. September macht er sich mit seiner Frau auf den Weg zum Haus seines Schwiegersohnes Benno Mattel, der seine Stellung bei den amerikanischen Besatzern zu einem schwungvollen Schwarzhandel missbraucht und an diesem Abend verhaftet werden soll. Anton von Webern gerät unschuldig in die ganze Aktion und wird versehentlich für einen Angreifer gehalten und mit drei Schüssen tödlich verletzt. Sechs Tage später wird er auf dem Dorffriedhof von Mittersill beigesetzt.
- Leben und Werk
Bibliografie:
- Hanspeter Krellmann: Anton Webern (rororo monographie 229), Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2001
- Hans und Rosaleen Moldenhauer: Anton von Webern. Chronik seines Lebens und Werkes, Atlantis Musikbuch-Verlag, Zürich 1980
Institution(en):
- Von 1962-1990 bestand die International Webern Society, über deren Arbeit man sich unter folgender Anschrift informieren kann:Washington State University LibrariesPullman, WA 99164-5610
USA - Washington State University Libraries









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