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THEMEN

Argentinien (Argentina)

Die neue Demokratie (seit 1983)

Alfonsín kündigte bei der Amtsübernahme die Wiedererrichtung des Rechtsstaates und wirtschaftspolitische Reformen an. Bei seinem Amtsantritt betrug die jährliche Inflation bereits 500 %. Die Auslandsschuld war extrem hoch, Anfang 1985 erreichte sie 45 Milliarden US-Dollar. Durch eine neue Währung, den Austral, erreichte Alfonsín 1986 ein Absinken der Inflationsrate auf 50 %.

Zur Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen während der Militärherrschaft setzte er eine nationale Untersuchungskommission ein, die mehr als 8000 Menschen für »verschwunden« erklärte. 1985 verurteilte ein Militärgericht Angehörige der ehemaligen Militärjunta zu hohen Haftstrafen, darunter den früheren Präsidenten Videla zu einer lebenslangen Haftstrafe. Die Aufarbeitung der Verbrechen von Armeeangehörigen beendete 1986 ein Verjährungsgesetz und die Amnestie 1987. Außenpolitisch erreichte Alfonsín 1985 die Beilegung des argentinisch-chilenischen Grenzstreits durch Vermittlung des Vatikans.

Bei den Präsidentenwahlen 1989 konnte Alfonsín laut Verfassung nicht noch einmal kandidieren. Der Kandidat der Peronisten, Carlos Saúl Menem (seit 1989), entschied die Wahlen klar für sich. Seine Regierung wertete 1990 angesichts einer Inflation von 20 000 % die Währung um 50 % ab, führte eine Austeritätspolitik ein und begann mit der Privatisierung von Staatsunternehmen. Mit Großbritannien wurden 1990 die diplomatischen Beziehungen, die nach dem Krieg 1982 eingestellt worden waren, wieder aufgenommen. Da die Inflation mit den bisherigen Mitteln nicht zu bewältigen war, führte Menem Anfang 1992 die neue, an den US-Dollar gebundene Währung des Peso ein. Dank eines ansehnlichen Wirtschaftswachstums und einer auf 3,9 % gesunkenen Inflationsrate wurde er 1995 im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. Die Präsidentschaftswahlen 1999 gewann Fernando de la Rúa, Kandidat des von der Radikalen Bürgerunion dominierten linksliberalen Parteienbündnisses Allianz für Arbeit, Gerechtigkeit u. Bildung (Alianza para el Trabajo, la Justícia y la Educación). Die neue Regierung sah sich mit einer schweren wirtschaftliche Rezession konfrontiert, die das Land bis in die Zahlungsunfähigkeit führte. Parlamentswahlen im Oktober 2001 gewannen die Peronisten. Nach schweren Unruhen trat Staatspräsident de la Rúa im Dezember 2001 zurück. Am 1. 1. 2002 wählte der Kongress den Peronisten Eduardo Duhalde zum neuen Staatschef. Er ließ die Dollar-Bindung des argentinischen Pesos aufheben, um die massive Kapitalflucht zu unterbinden. Die soziale Lage der Bevölkerung blieb desolat. Nach anhaltenden Protesten gegen die Regierung setzte Duhalde für April 2003 vorzeitig Präsidentschaftswahlen an. Den ersten Wahlgang gewann der frühere Präsident Menem knapp vor seinem peronistischen Parteirivalen Néstor Kirchner. Da Menem zur Stichwahl nicht mehr antrat, fiel die Präsidentschaft an den von Duhalde protegierten Kirchner. Seiner Regierung gelang es im Gefolge des weltweiten Rohstoffbooms, von dem besonders die argentinische Exportindustrie profitierte, die schwere wirtschaftliche Krise zu überwinden. Gleichzeitig schuf Kirchner durch die Aufhebung von Amnestiegesetzen die Voraussetzung für eine juristische Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen während der Zeit der Militärdiktatur. In der Außenpolitik belastete ein Konflikt um den Bau zweier Zellulosefabriken an der gemeinsamen Grenze seit 2006 die Beziehungen zu Uruguay. Ende Oktober 2007 wurde Cristina Fernández de Kirchner, die Ehefrau des bisherigen Staatschefs, Siegerin der argentinischen Präsidentschaftswahlen.

  1. Argentinien
  2. Kolonisation und Unabhängigkeit (bis 1816)
  3. Schwierige Staatsbildung (1816-1880)
  4. Agrarmacht und Wirtschaftskrise (1880-1943)
  5. Herrschaft Peróns (1943-1955)
  6. Nachperonistische Ära (1955-1976)
  7. Militärdiktatur (1976-1983)
  8. Die neue Demokratie (seit 1983)
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