Arnold Schönberg
Biografie
Arnold Schönberg wird am 13. September 1874 als erstes von drei Kindern des Kaufmanns Samuel Schönberg und seiner Frau Pauline in Wien geboren. Die Familie lebt von den Einnahmen aus einem kleinen Schuhgeschäft. Obwohl künstlerische Interessen von den Eltern in keinster Weise gefördert werden, interessiert sich Arnold bald für Musik. Im Alter von acht Jahren bringt er sich selbst das Violin- und später auch das Cellospiel bei und versucht sich auch in ersten Kompositionen, die die musikalischen Einflüsse seiner Zeit verarbeiten. Ab 1885 besucht Arnold das Gymnasium, muss die Schule jedoch 1891, ein Jahr nach dem frühen Tod des Vaters, verlassen und beginnt eine Banklehre. Als das Bankhaus vier Jahre später Konkurs anmelden muss, fühlt Arnold jedoch nur grenzenlose Erleichterung, denn die Ausbildung hatte für ihn eine wirtschaftliche Zwangsjacke bedeutet, in der er seine schöpferischen Kräfte vollkommen eingeengt sah. So nutzt er die Stunde des Schicksals und verkündet der Familie ohne Umschweife, dass er nun Musiker zu werden gedenke. Zu dieser Zeit lernt Arnold den Dirigenten und Komponisten Alexander von Zemlinsky kennen, mit dem ihn von da an eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Schönberg wird als Cellist Mitglied in Zemlinskys Orchester "Polyhymnia" und darüber hinaus dessen Schüler. In den folgenden Jahren entstehen v.a. Lieder und Werke für Streicher. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich in dieser Zeit u.a. als Leiter des Metallarbeiter-Chores Stockerau.
Berlin
1901 heiratet Arnold Schönberg Mathilde Zemlinsky, die Schwester seines Freundes und Lehrers. Gemeinsam ziehen sie nach Berlin, wo Schönberg eine Kapellmeisterstelle am Kabarett "Überbrettl" annimmt und auch eigene Chansons zum Repertoire beisteuert. Der Berliner Aufenthalt beschert ihm auch die Bekanntschaft mit Richard Strauss, die für Schönbergs künstlerische Entwicklung in mehrfacher Hinsicht von großer Bedeutung sein sollte. Strauss verschafft dem jungen Kollegen das Liszt-Stipendium des Allgemeinen Deutschen Musikvereins sowie eine Lehrstelle am Sternschen Konvervatorium, die Schönberg für eine Weile von den nagenden Existenzsorgen befreien. Gleichzeitig inspiriert er ihn zur Vertonung des Maeterlinck-Dramas "Pelleas und Melisande", zu dem 1903 anstatt der ursprünglich geplanten Oper eine Symphonische Dichtung entsteht. In diesen Jahren erscheinen eine Oper von Claude Debussys, eine Bühnenmusik von Gabriel Fauré sowie eine symphonische Dichtung von Jean Sibelius zu diesem Stoff. Die Uraufführung von Schönbergs Version 1905 in Wien ist allerdings noch nicht von Erfolg gekrönt, denn das Publikum kann sich an die neue, zunehmend atonale Musiksprache nur schwer gewöhnen.
Wien

1903 kehrt Schönberg in ein von kulturell-revolutionären Umbrüchen gekennzeichnetes Wien zurück, in dem Künstler verschiedenster Art wie der Architekt Adolf Loos, der Schriftsteller Karl Kraus, der Maler Oskar Kokoschka oder der Komponist Gustav Mahler nach neuen Formen der Kunst suchen, in der klare Linien an die Stelle ornamentalen Ausdrucks gesetzt werden. Schönberg fasst diese Gedanken für seine Arbeit in den Worten "Musik soll nicht schmücken, sie soll wahr sein" zusammen.
"Verein der schaffenden Tonkünstler"
In das Jahr 1903 fällt auch eine weitere wichtige Begegnung in Schönbergs Leben. Sein Schwager Zemlinsky macht ihn mit Gustav Mahler bekannt, den Schönberg als einen Ganz-Großen, (einen) Heiligen (und einen) der größten Menschen und Künstler verehrt. Bald entwickelt sich zwischen allen drei Komponisten ein reger Gedankenaustausch, aus dem 1904 die Idee für einen "Verein der schaffenden Tonkünstler" geboren wird. Ziel dieses Vereins ist die Verbreitung und Pflege zeitgenössischer Musik, um "das Publikum in fortlaufender Kenntnis über den jeweiligen Stand des musikalischen Schaffens zu halten." Dem Projekt sollte jedoch nur eine kurze, einjährige Lebensdauer beschieden sein. Seit 1903 lehrt Arnold Schönberg außerdem an der reformistischen Schwarzwaldschule, wo im folgenden Jahr Alban Berg und Anton von Webern seine Schüler werden.
Atonale Musik
Das Jahr 1906 markiert eine Wende in Schönbergs kompositorischer Arbeit, die in der Kammersymphonie op. 9 ihren Anfang nimmt. In diesem Werk hat Schönberg nicht nur formal durch die Konzentration beispielsweise der traditionellen vier Sätze in einen einzigen, sondern auch in der Harmonik mit einer beginnenden Emanzipation der Dissonanz neue Wege eingeschlagen. Diese revolutionäre musikalische Sprache stößt beim Publikum zunächst jedoch noch auf allgemeines Unverständnis, und bei den Uraufführungen sowohl der beiden Streichquartette als auch der Kammersymphonie kommt es im Publikum zu Tumulten.
Erste Erfolge
Sowohl die Uraufführung der Fünf Orchesterstücke op. 16 im Jahr 1912 in London durch Sir Henry Wood als auch die Wiener Premiere der Gurrelieder ein Jahr später unter Franz Schreker bescheren Schönberg erste internationale Anerkennung. Außerdem gelangen einige seiner Werke in Amsterdam und St. Petersburg zur Aufführung. Umso größer ist daher die Enttäuschung, als es am 31. März 1913 während eines Konzerts mit Kompositionen von Schönberg, Berg und Webern abermals zum Skandal kommt. Nachdem seine Bewerbung um eine Professorenstelle an der Wiener Akademie abgelehnt worden ist, lebt Schönberg seit 1911 mit seiner Frau und inzwischen zwei Kindern wiederum in Berlin, wo er als Dozent Vorlesungen über Ästhetik und Komposition am Sternschen Konservatorium hält. Gleichzeitig werden in diesem Jahr die Arbeiten an der Harmonielehre vollendet. Ein Jahr später entsteht auf Anregung der Schauspielerin und Sängerin Albertine Zehme die Komposition Pierrot Lunaire, 12 Melodramen auf Texte von Albert Giraud, die am 16. Oktober 1912 uraufgeführt werden. Auch diesmal gibt es seitens des Publikums wieder mehr Missfallens- als Beifallsbekundungen. Aber das Werk sollte auch renommierte Kollegen wie Igor Strawinksy und Giacomo Puccini zu anerkennenden Äußerungen bewegen, was Schönberg mit Freude zur Kenntnis nimmt.
Kriegszeit
Eine herbe Zäsur für Schönbergs kompositorisches Schaffen bedeutete der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Zahlreiche, bereits geplante Konzerte werden abgesagt, und die Einberufung zum Wehrdienst lässt schöpferischer Arbeit wenig Raum. Als einziges Werk dieser Jahre entsteht das Oratorium Die Jakobsleiter. Nach Kriegsende ist es Schönbergs wichtigstes Anliegen, einen adäquaten Rahmen für die Aufführung zeitgenössischer Musik zu schaffen. Daraus entsteht im November 1918 in Wien ein neuer Verein in Anlehnung an die Ideen des bereits 1904 gegründeten.
Der "Verein für musikalische Privataufführungen"
Sinn und Zweck dieses Vereins ist es, unter Ausschluss der Öffentlichkeit "Künstlern und Kunstfreunden eine wirkliche und genaue Kenntnis moderner Musik zu verschaffen." Nach nur drei Jahren muss der Verein aus finanziellen Gründen jedoch wieder aufgeben. Aber die Mitglieder können trotzdem auf eine stolze Bilanz zurückblicken: in 117 Konzerten sind Werke von so verschiedenen zeitgenössischen Komponisten wie Reger, Bartók, Debussy, Busoni, Strawinsky, Skrjabin, Zemlinsky, Mussorgsky, Dukas und natürlich Schönberg und seinem Kreis der Wiener Schule uraufgeführt worden. Die folgenden Jahre sind geprägt von Unterrichtstätigkeit, der Beschäftigung mit der Zwölftonlehre sowie der literarischen Arbeit am Schauspiel Der biblische Weg und der musikalischen Arbeit an der Oper Moses und Aron. 1923 stirbt Schönbergs Frau Mathilde, und ein Jahr später heiratet der Komponist in zweiter Ehe Gertrud Kolisch, die ihm in den folgenden Jahren drei weitere Kinder schenkt. Der Tod Ferruccio Busonis im Juli 1924 hat für Arnold Schönberg bedeutsame Konsequenzen, denn das Preußische Kultusministerium bietet ihm die Nachfolge des renommierten Musikers in der Meisterklasse für Komposition an. Und so zieht Schönberg zum dritten Mal nach Berlin um. Unter seiner Leitung entwickelt sich die Klasse zu einem international geschätzten Forum. Leider sollten die sich rasant verändernden politischen Verhältnisse und die neuen "kulturellen Reinigungsgesetze" auch Schönbergs Arbeit ab 1933 unmöglich machen. In einem Brief vom 23. Mai wird er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt "beurlaubt", worauf eine Woche später die offizielle Entlassung folgt. Ohne lange zu überlegen, zieht Schönberg mit seiner Familie unmittelbar die Konsequenzen und reist über Frankreich in die Vereinigten Staaten aus.
Amerika
In Amerika wird Arnold Schönberg als erstes eine Lehrtätigkeit am Malkin Konservatorium in Boston angeboten, die allerdings musikalisch nicht besonders befriedigend ist. Eine Einladung der Juilliard School of Music muss er aus gesundheitlichen Gründen ablehnen, weil er das New Yorker Klima nicht verträgt, und so zieht die Familie schließlich nach Los Angeles an die Westküste. Ab 1935 hält Schönberg dort Vorträge an der University of Southern California und 1936 folgt die Ernennung zum Professor für Musik an der University of California. Nach zwei "pädagogischen Werken", in denen Schönberg die Schüler in einer Harmonik, die zu modernen Empfindungen leitet, auf moderne Spieltechnik vorbereitet, vollendet er im September 1936 das Violinkonzert op. 36, ein Meisterwerk der Zwölftontechnik. Es sollte jedoch eines einjährigen intensiven Studiums bedürfen, um das Werk schließlich auch aufzuführen. Nachdem Jascha Heifetz das Konzert aufgrund technischer Schwierigkeiten als unspielbar abgelehnt hat, findet Schönberg in Louis Krasner einen neuen Solisten, der das Werk zunächst in einer Fassung für Geige und Klavier aufführt. Ab 1944 leidet Arnold Schönberg vermehrt unter gesundheitlichen Problemen (Asthma, Diabetes, Sehstörungen), und im August 1946 kommt es zu einem Schlaganfall. Trotzdem sollte er in seinen letzten Lebensjahren mit Ein Überlebender aus Warschau noch eines seiner eindringlichsten Werke komponieren. Die Komposition für Sprecher, Männerchor und Orchester verarbeitet die Geschehnisse im Warschauer Ghetto und basiert auf einem Text, den Schönberg aus authentischen Berichten selbst formuliert hat. Bis zuletzt ist seine Schaffenskraft trotz massiver gesundheitlicher Probleme ungebrochen, und als Arnold Schönberg am 13. Juli in Los Angeles stirbt, befindet er sich mitten in der Komposition seiner Modernen Psalmen. Dieses Werk war als religiöses Credo des Komponisten gedacht, mit dem er zu den Menschen unserer Zeit in unserer Sprache zu sprechen wünschte und von unseren Problemen.
- Biografie
- Werk
- Schönberg als Lehrer
- Schönberg als Maler
- Schönberg als Schriftsteller
- Forschungs- und Gedenkstätten
Bibliografie:
- Eberhard Freitag: Arnold Schönberg, Reinbek 1990
- Alexander L. Ringer: Arnold Schönberg und seine Zeit, Laaber 1999
- Arnold Schönberg: Das bildnerischeWerk, Klagenfurt 1991
- Arnold Schönberg: Gesammelte Schriften. Kommentierte Ausgabe in 4 Bänden, Laaber 2000ff
- Arnold Schönberg: Die Grundlagen der musikalischen Komposition, Wien 1979
- Arnold Schönberg: Harmonielehre, Wien 1966









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