Arthur Rubinstein
Kurzbiografie
Der US-amerikanische Pianist Art(h)ur Rubinstein wurde am 28.1.1887 in Łódź (Polen) geboren. Er studierte in Warschau und bei Professor Karl Heinrich Barth in Berlin, wo er 1899 mit einem Mozartkonzert debütierte. Danach konzertierte er u. a. in Paris und den USA sowie vor allem mit wachsendem Erfolg in Spanien und Lateinamerika. Der eigentliche Durchbruch gelang ihm jedoch erst 1937 bei seinem zweiten US-Debüt. Rubinstein galt vor allem als bedeutender Mozart-, Beethoven- und Chopin-Interpret. Daneben setzte er sich für zeitgenössische Werke, insbesondere auch spanischer und lateinamerikanischer Komponisten ein. Außerdem arbeitete er als Kammermusiker mit Künstlern wie Pablo Casals, Eugène Ysaye, Jacques Thibaud, Jascha Heifetz und Igor Piatigorsky zusammen. Arthur Rubinstein starb am 20.12.1982 in Genf.
Eine Kindheit in Polen
Artur (später anglisiert zu Arthur) Rubinstein wird am 28. Januar 1887 als jüngstes von sieben Kindern des jüdischen Handwebers Ignatz Rubinstein und seiner Frau Felicia (geb. Heyman) im polnischen Łódź geboren. Noch bevor er richtig sprechen kann, hat ihn die Musik bereits in ihren Bann gezogen. Vor allem das 1889 eigentlich für seine ältesten Schwestern bestimmte Klavier hat es ihm angetan und sorgt für so manchen Familienstreit, weil der junge Artur das Instrument zunehmend für sich beansprucht und darauf einmal gehörte Melodien dank seines absoluten Gehörs einwandfrei nachspielen kann. Angesichts des immer deutlicher zutage tretenden Talentes wenden sich die Rubinsteins 1890 hilfesuchend an den berühmten Geiger und Brahms-Freund Joseph Joachim, der den Jungen wenige Monate später in Berlin auf Herz und Nieren prüft und ihm eine große Zukunft prophezeit.
In den folgenden Jahren sammelt Artur musikalische Eindrücke bei Konzerten, erhält ab dem sechsten Lebensjahr systematischen Klavierunterricht und fasst auch schon mal seine alltäglichen Kindheitserlebnisse in kleinen improvisierten Stücken zusammen. Am 14. Dezember 1894 debütiert er mit Werken von Mozart, Schubert und Mendelssohn bei einem heimischen Wohltätigkeitskonzert. Als im kommenden Jahr seine Cousine und erste Liebe Noemi an Scharlach stirbt, verfällt der junge Artur in tiefe Depression, so dass sich die Eltern zu einem Ortswechsel entschließen und ihn zu Verwandten nach Warschau bringen, wo ihn fortan der renommierte Pianist und Klavierpädagoge Aleksander Rózyckí unter seine Fittiche nimmt. Doch zwischen Lehrer und Schüler springt kein Funken über und so kehrt der Jungpianist nur wenige Monate später ins heimatliche Łódź zurück. Dort allerdings zerbricht schon bald die familiäre Idylle, als Vater Ignatz eines von vielen Opfern der Industrialisierung wird und seine Existenz verliert.
Studienjahre in Berlin
In Berlin ist es 1897 wiederum Joseph Joachim, der die entscheidenden Weichen für die weitere Zukunft des jungen Musikers stellt. Er vermittelt ihm nicht nur mit Karl Heinrich Barth (1847-1922) einen fähigen Klavierlehrer, sondern nimmt zum Teil auch selbst Arturs musiktheoretische Ausbildung in seine Hände und sorgt durch großzügige Sponsoren für das entsprechende finanzielle Polster, von dem u. a. ein Privatlehrer für die Vermittlung einer fundierten Allgemeinbildung engagiert wird. All diese (musik)pädagogischen Wohltaten sind jedoch nichts im Vergleich zu dem kulturellen Umfeld, das Arthur im Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorfindet. Die Metropole ist gerade dabei, sich zu einem musikalischen Zentrum Europas zu entwickeln: Hier führt der berühmte Dirigent Arthur Nikisch die noch jungen Berliner Philharmoniker auf ihren ersten künstlerischen Zenit und gefeierte Solisten aus aller Welt geben sich die Klinke in die Hand. Die Werke von Beethoven und Mozart, die Klänge von Tschaikowskij, César Franck und Richard Strauss erschließen dem jungen Rubinstein neue Tonwelten und er entdeckt Johannes Brahms, dessen Werke er wie ein Besessener (ein)studiert.
Insbesondere Pianisten wie Eugen d’Albert, Ferruccio Busoni oder Arthur Schnabel hinterlassen bei Rubinstein unauslöschliche Spuren. Ersterer verhilft ihm bei einer persönlichen Begegnung hinter der Bühne 1899 sogar ganz unerwartet zu seinem ersten öffentlichen Auftritt, als er ihn nach Konzertschluss zu einer Demonstration seines pianistischen Könnens auf der Bühne auffordert. Noch im selben Jahr präsentiert sein Mentor Joachim den erst 12-jährigen Rubinstein im großen Saal der Berliner Musikhochschule einem kritischen Publikum, das den jungen Nachwuchskünstler und dessen Interpretation von Mozarts A-Dur Klavierkonzert als vielversprechenden Nachwuchskünstler feiert. Ein Jahr später beschert ihm ein eigener Konzertabend im Berliner Beethovensaal mit demselben Mozartkonzert sowie mit Werken von Schumann, Chopin und Saint-Saëns den ersten musikalischen Triumph sowie weitere Engagements in Hamburg und Dresden, vor der Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, in seiner polnischen Heimat (u. a. anlässlich der Eröffnung der Warschauer Philharmonie) - und die Bekanntschaft und Gunst des berühmten Pianisten und Landsmannes Ignacy Jan Paderewski (1860-1941).
In Paris
Künstlerische Differenzen mit Professor Barth in der Repertoire-Auswahl und ein von ihm geforderter (interpretations)technisch detailversessen-kalter statt musikalisch inspirierter Vortragsstil sowie ein ermüdend-trockener Theorieunterricht und nicht zuletzt auch die von Rubinstein als zunehmend antisemitisch empfundene Atmosphäre in der deutschen Hauptstadt führen 1904 zu einer neuen Zäsur in seinem Leben, die ihn zurück in seine Heimat führt. Aller bisherigen (künstlerischen) Bindungen ledig, beginnt er auf Einladung einer befreundeten Familie ein freies Künstlerleben in der polnischen Hauptstadt, dem sog. "Paris des Ostens". Dort lässt sich der lebenslustige, bis dahin meist diszipliniert arbeitende Musikstudent schon bald zu einem Bohèmeleben verführen.
Wenige Monate später lockt ihn die Aussicht auf eine französische Karriere in das "westliche" Paris, wo ihn der einflussreiche Impresario Gabriel Astruc unter Vertrag nimmt. Damit ist nun sein pianistischer Ehrgeiz wieder geweckt und in den folgenden Monaten arbeitet Rubinstein konsequent an der Erweiterung seines Repertoires und der Vervollkommnung seines musikalischen Vortrages. Daneben genießt er zunehmend sein Leben in der Stadt an der Seine, die vom Geist bedeutender Zeitgenossen und großer Künstler wie Paul Dukas, Maurice Ravel, Pablo Picasso, Camille Saint-Saëns, Pablo Casals und Fjodor Schaljapin erfüllt ist und von denen viele Arturs Leben persönlich bereichern sollten. Jedoch ist das musikalische Niveau in der Stadt mehr als enttäuschend und angesichts ausbleibender Engagements erscheint seine (künstlerische) Zukunft in den düstersten Farben. Da erscheint eines Tages ein amerikanischer Konzertagent auf der Bildfläche und engagiert Rubinstein für eine viermonatige USA-Tournee.
Auf Konzertreisen
Ende 1905 macht sich Arthur - wie sein Vorname fortan anglisiert lauten sollte - von Le Havre aus auf die seinerzeit noch abenteuerlich-lange Reise über den großen Teich. Am 8. Januar 1906 ist es dann so weit: Rubinstein gibt sein US-Debüt in der berühmten New Yorker Carnegie Hall. Begleitet vom Philadelphia Orchestra unter der Leitung von Fritz Scheel erobert er mit Saint-Saëns’ g-Moll Klavierkonzert bereits an diesem ersten Abend das amerikanische Publikum. Die folgenden drei Monate sind mit Engagements in Sälen unterschiedlichsten Niveaus gefüllt - vom Varieté-Theater bis zum Konzertsaal - und von einer ebensolchen Bandbreite an Publikums- und Kritikerreaktionen. Doch trotz mancher Erfolge hat die Tournee Rubinstein weder der künstlerischen noch den finanziellen Durchbruch verschafft und so kehrt er im April 1906 - unterstützt von einflussreichen und finanzkräftigen Freunden - nach Paris zurück.
Einzige Lichtblicke sind in den folgenden Jahren die zunehmend (finanziell) erfolgreichen Auftritte in seiner polnischen Heimat. Daneben konzertiert er u. a. in Berlin, Karlsbad, München und Bukarest sowie mit großem Erfolg in Wien und vor allem immer wieder in Rom. 1910 nimmt er in St. Petersburg am renommierten Anton-G.-Rubinstein-Klavierwettbewerb (den sein berühmter Namensvetter, aber nicht Verwandter 1890 ins Leben gerufen hatte) teil und wird für seine Darbietung mit einem ersten Sonderpreis ausgezeichnet. Dieser bringt ihm ein lukratives Engagement durch den aufstrebenden Dirigenten Sergej Kussewitzky für eine Russlandtournee u. a. durch Moskau, Kiew und St. Petersburg ein. 1912 verschafft er mit Sonderkonzerten in Berlin, Leipzig und Wien der Musik seines Freundes und Landsmannes Karol Szymanowski einen Durchbruch und wenig später erobert er mit dem gefeierten Cellisten Pablo Casals auch das Londoner Publikum in einem Kammermusikkonzert, bei dem er - ebenso wie im Folgejahr - ebenfalls sein besonderes Talent als Ensemblespieler unter Beweis stellen kann.
Künstlerischer Durchbruch
Zu Beginn des verhängnisvollen Jahres 1914 absolviert Arthur Rubinstein eine neue Konzertsaison in der britischen Hauptstadt. Als am 28. Juli der Erste Weltkrieg ausbricht, reist Rubinstein kurzerhand nach Paris, wo er eigentlich als engagierter Patriot in einer polnischen Legion seinen Beitrag zum Kampf gegen den deutsch-österreichischen Vormarsch leisten will. Statt dessen kann er sich dank seiner vielfältigen Sprachkenntnisse zunächst als Dolmetscher und Übersetzer nützlich machen. Doch das Elend des Krieges und vor allem die von deutschen Soldaten verübten Gräueltaten sollten in seiner Seele so unauslöschliche Spuren hinterlassen, dass er bis zu seinem Lebensende nie wieder in Deutschland konzertieren wird. Zwei Jahrzehnte später sollten die Geschehnisse während der Naziherrschaft (1933-1945), insbesondere der millionenfache Mord an den Juden, diese Entscheidung noch einmal bekräftigen.
Anfang 1915 gastiert Rubinstein dank seiner zahlreichen einflussreichen Kontakte erneut in London, wo er erstmals auch als Klavierlehrer tätig wird und u. a. mit dem namhaften Geiger Eugène Ysaye mehrere Wohltätigkeitskonzerte gibt, während sein Heimatland in deutsche Besatzerhände fällt. Wiederum aufgrund guter Beziehungen kann er wenige Monate später sogar eine Konzerttournee durch Spanien absolvieren, die so erfolgreich ist, dass er 1916/17 gleich ein zweites Mal und zu einer ausgedehnten Konzertreise eingeladen wird, während der er erstmals auch Werke des spanischen Komponisten Isaac Albéniz in sein Programm mit aufnimmt. Die Kunde von seinem künstlerischen Triumphzug verbreitet sich bis nach Südamerika, wohin er im Anschluss ein weiteres, auch finanziell glänzendes Angebot für Auftritte u. a. in Argentinien, Uruguay und Chile erhält. Von da an ist die internationale Karriere des Starpianisten Arthur Rubinstein nicht mehr aufzuhalten und besonders Spanien und Lateinamerika werden in den nächsten Jahren zu seiner zweiten musikalischen Heimat. Er absolviert nun ein regelrechtes Konzertmarathon, das ihn u. a. durch Mexiko und nach Kriegsende durch Großbritannien, Paris, ferner von Skandinavien bis nach Italien, von Belgien bis nach Griechenland sowie bis nach Rumänien, Ägypten und in die Türkei führt. Neben diesem Fleiß beruhte sein außerordentlicher Erfolg jedoch noch mehr als ein Jahrzehnt lang überwiegend auf einem Zusammenspiel von faszinierender Künstlerpersönlichkeit und musikalischer Aussagekraft. Dies war Rubinstein selbst durchaus bewusst: "Immer erfasste ich die Struktur einer Komposition, und immer konnte ich mich in die Absichten des Komponisten einfühlen, doch die Genauigkeit im Detail und eine aufs höchste geschliffene Wiedergabe schwieriger Passagen vernachlässigte ich oft. Ich legte damals alles Gewicht auf den Gehalt der Komposition."
Privater und künstlerischer Wendepunkt
Indes hatte gerade diese Art der Konzertvorbereitung es Arthur Rubinstein ermöglicht, in den vergangenen Jahren sein Repertoire stetig zu erweitern. 1926 führt ihn wieder einmal eine Konzertverpflichtung in seine polnische Heimat, wo er in Warschau mit dem Dirigenten, Komponisten und Mitbegründer der Warschauer Philharmonie Emil Młynarski (1870-1935) auftritt - eine Zusammenarbeit von schicksalhafter Bedeutung, denn die Begegnung mit dessen 18-jähriger Tochter Aniela, genannt Nela, verändert sein ganzes weiteres Leben. Nach einem jahrelangen Bonvivantleben fühlt sich der 39-Jährige an einem Wendepunkt angekommen und weiß instinktiv, dass er in ihr die Frau seines Lebens gefunden hat. Gleichwohl sollte es noch weitere sechs Jahre dauern, in denen Rubinstein sich u. a. angesichts des Altersunterschieds über seine Gefühle im Klaren zu werden bemüht, bevor die beiden am 27. Juli 1932 in London heiraten.
Nela sollte in den folgenden Jahrzehnten nicht nur sein Privatleben mit einer Kinderschar von zwei Söhnen und zwei Töchtern auf den Kopf stellen, sondern vor allem auch Arthur Rubinsteins künstlerische Arbeit entscheidend prägen. Erst durch sie mutiert er nach eigener Überzeugung von einem improvisierend-temperamentvollen Starpianisten zu einem gewissenhaft arbeitenden und gereiften Klavierinterpreten (Ich war nun versessen, alle Noten klar artikuliert zu hören), bei dem erstmals Technik, musikalische Phrasierung und künstlerische Ausdruckskraft auf gleichem Niveau miteinander harmonieren. Zu dieser Metamorphose hatte ihn ohne Zweifel auch die Konkurrenz des 16 Jahre jüngeren Klaviergenies Wladimir Horowitz beflügelt, der seit Mitte der 1920er Jahre auf den Konzertbühnen Europas für Furore sorgt. In diesen Jahren entstehen - angefangen mit Chopins "Barcarole" im Jahr 1928 - auch Rubinsteins erste LP-Einspielungen, die ihm fortan zur kritischen Analyse seiner künstlerischen Arbeit dienen.
Dritte Heimat Amerika
Nachdem Arthur Rubinstein in den 1920er Jahren Paris zu seiner zweiten Heimat erkoren hatte und dort am Montmartre sesshaft geworden war, stellen die weltpolitischen Ereignisse in den 1930er Jahren sein Leben erneut auf den Kopf. Bereits während einer Konzertreise im Jahr 1932 nach Moskau werden bei der Durchreise nicht nur die Veränderungen im prä-nationalsozialistischen Deutschland (ein Jahr vor der Machtübernahme Hitlers), sondern ganz besonders auch die Reglementierungen und der stets gegenwärtige lange Arm der stalinistischen Terrorregierung spürbar. Zunächst ist jedoch Arthur Rubinsteins Welt noch in Ordnung: 1933 kommt Tochter Eva zur Welt, 1935 Sohn Paul und neue berufliche Herausforderungen führen erstmals in den Fernen Osten, wo Konzerte u. a. in Japan, China und auf den Philippinen auf dem Programm stehen, sowie 1937 nach Australien. Den wahren Höhepunkt dieser Jahre stellt aber Rubinsteins triumphale Rückkehr in der Wintersaison 1937/38 in die US-amerikanische Konzertszene dar, in der er bis dahin nur mäßigen Erfolg gehabt hatte. Das diesmalige Debüt im Dezember 1937 in der New Yorker Carnegie Hall, begleitet vom New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Sir John Barbirolli, wird zu einem Meilenstein in seiner Pianistenlaufbahn und erhält gleichzeitig eine schicksalhafte Bedeutung. Denn nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 sollte Amerika der durch die deutschen Besatzer in Paris ihrer bisherigen Bleibe beraubten Familie zur neuen Heimat werden, was 1946 offiziell durch die Annahme der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft besiegelt wird.
Karriere dritter Teil
Künstlerisch gereift, mit neuem Selbstbewusstsein und als zugkräftige amerikanische "Exportware" baut Arthur Rubinstein in den folgenden Jahrzehnten seine Position als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Pianisten aus und konzertiert unermüdlich in der ganzen Welt, wobei Lateinamerika mit insgesamt 12 Konzerttourneen eine zentrale Stellung einnimmt. Er musiziert mit allen namhaften Orchestern und Dirigenten wie Arturo Toscanini, gibt Kammermusikabende, ist gern gesehener Gast bei internationalen Festivals wie in Edinburgh und erweitert unermüdlich sein Schallplattenrepertoire. Von frühester Jugend an mit einem wachsamen Interesse für das (welt)politische Geschehen und insbesondere das Schicksal seines jüdischen Volkes ausgestattet, nimmt er nach 1945 regen Anteil am Schicksal Israels. So willigt er im Jahr 1946 auch nur zu drei Konzerten in der Londoner Albert Hall ein, wenn deren Erlös den jüdischen Flüchtlingen in Hamburg zugute kommt, denen - wie vielen anderen in jenem Jahr - die Einreise nach Palästina von der noch bevollmächtigten britischen Mandatsregierung verweigert wird.
Trotz gesundheitlicher Einbußen (Seh- und Gehörprobleme) bleibt Arthur Rubinstein bis in sein 90. Lebensjahr hinein künstlerisch aktiv. Zu den Höhepunkten seiner Nachkriegskarriere gehören eine vierwöchige Konzerttournee durch seine polnische Heimat im Jahr 1958 sowie Galakonzerte in der New Yorker Carnegie anlässlich seines 60. US-amerikanischen Konzertjubiläums im Jahr 1966, in der Londoner Royal Festival Hall im Jahr 1970, in seiner Geburtsstadt Łódź 1975 sowie sein bewegendes Abschiedskonzert am 31. Mai 1976 in der Londoner Wigmore Hall. Von Publikum und Kollegen gleichermaßen bewundert und geschätzt und mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, stirbt Arthur Rubinstein am 20. Dezember 1982 in Genf; seine Asche wird später in einem nach ihm benannten Wald in Israel beigesetzt. Rubinstein lebte zuletzt, von seiner Ehefrau getrennt, mit seiner 58 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Annabel Whitestone. Heute erinnern an den großen Pianisten u. a. Denkmäler in Łódź und New York sowie das nach ihm benannte Artur Rubinstein Chamber Orchestra in seiner Heimatstadt und der 1974 von der Internationalen Arthur Rubinstein Gesellschaft in Tel Aviv gestiftete Klavierwettbewerb, der alle drei Jahre stattfindet.
Künstlerische Würdigung
Arthur Rubinstein war ein begnadeter Pianist, der über die Gabe verfügte, Menschen mit seiner Musik zu bereichern und zu verzaubern. Und er war ein Mensch, der seit einem missglückten Selbstmordversuch in seiner Berliner Studienzeit das Leben in guten wie in schlechten Tagen bejahte und voll auszukosten verstand. Seine Lebensfreude durchdrang auch sein Spiel und sprang unmittelbar auf seine Zuhörer über - viele Jahre allerdings auf Kosten einer nicht ausgereiften Technik. Auch wenn Rubinstein selbst dieser Mangel von frühester Jugend an bewusst war, so begeisterte doch sein ausdrucksvolles Spiel immer wieder den Großteil seines Publikums. Erst als 45-Jähriger begann er, sich diszipliniert die fehlende technische Perfektion zu erarbeiten.
Rubinsteins Repertoire umfasste die ganze Bandbreite der Klavierliteratur, von Bach bis Brahms, von Schumann bis Liszt. In die Musikgeschichte ging er jedoch vor allem als kongenialer Beethoven-, Mozart- und Chopin-Interpret ein. Daneben engagierte er sich für die Werke zeitgenössischer Komponisten, mit denen ihn vielfach eine (enge) Freundschaft verband wie im Falle seines Landsmannes Karol Szymanowski (der ihm die "Symphonie Concertante" für Klavier und Orchester widmete) sowie bei Sergej Prokofjew und Igor Strawinsky. Ein besonderes Faible zeigte er dabei seit seinen ersten Engagements in Spanien und Lateinamerika für die zeitgenössischen Komponisten dieser Länder, mit denen ihn teilweise ebenfalls eine lebenslange Freundschaft verband und die ihm oft ihre Werke auf den pianistischen Leib schrieben wie Isaac Albéniz, Manuel de Falla ("Fantasia Bética") oder Heitor Villa-Lobos ("Rudepoêma"). Von seiner außergewöhnlichen pianistischen Begabung zeugt heute eine umfangreiche Diskografie, die in einer Gesamtedition von 94 CDs vorliegt.
Bibliografie:
- Arthur Rubinstein: Erinnerungen. Die frühen Jahre, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1976
- Ders.: Mein glückliches Leben, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1980
- Harvey Sachs: Arthur Rubinstein. Die Biographie, Kindler Verlag, München 1997









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