"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"/ "A la Recherche du Temps Perdu" (Marcel Proust)
Der Autor
Marcel Proust wurde am 10.07.1871 im Pariser Stadtteil Auteuil als Sohn einer begüterten Arztfamilie geboren. An der Sorbonne besuchte er Vorlesungen des Philosophen Henri Bergson. Der von Bergson entwickelte Gedanke von der bewahrenden Kraft des Gedächtnisses gewann großen Einfluss auf Prousts Zeitbegriff.
Proust führte, beeinträchtigt von einem Asthmaleiden, das Leben eines reichen Müßiggängers. Einen Brotberuf übte er zeitlebens nicht aus. In den mondänen Pariser Salons war der eigenwillige Dandy ein gern gesehener Besucher.
1892 begann er mit dem Schreiben; zunächst entstanden essayistische und kunsttheoretische Texte. Intensiv beschäftigte er sich mit den Schriften des englischen Autors, Kunstkritikers und Sozialreformers John Ruskin. Einige seiner Werke übersetzte Proust ins Französische. Als erstes eigenes Buch publizierte Marcel Proust 1896 das Bändchen "Les plaisirs et les jours" ("Tage der Freuden"); Anatole France schrieb ihm ein Vorwort dazu.
Mit zunehmender Krankheit zog sich Marcel Proust immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und widmete sich ganz seiner literarischen Arbeit. Der siebenteilige Romanzyklus "A la Recherche du Temps Perdu" ("Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"), den er ab 1905 erarbeitete, zeichnet auf mehr als viertausend Seiten das fein verästelte Beziehungsgeflecht der Pariser Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg mit ihren Emotionen und Empfindlichkeiten nach. Heute zählt das Werk zur Weltliteratur.
Dabei erschien der Kampf um die Veröffentlichung zunächst geradezu aussichtslos. Alle Verlage lehnten ab. Endlich erklärte sich Bernard Grasset bereit, das Buch in sein Verlagsprogramm aufzunehmen. Für die Druckkosten allerdings musste der Autor selber aufkommen. Es war ihm noch vergönnt, den Erfolg der ersten Bände zu erleben.
1913 erschien der erste Band mit dem Titel "In Swanns Welt". 1919 erhielt er für "Im Schatten junger Mädchenblüte", den zweiten Teil des Romanzyklus, den Prix Goncourt.
Marcel Proust starb am 18.11.1922 im Alter von nur 51 Jahren in Paris. Er wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise neben seinen Eltern beigesetzt. 1927, fünf Jahre nach seinem Tod, erschien der siebente und letzte Band seines Hauptwerkes. Die erste deutsche Übersetzung wurde erst 1953 veröffentlicht.
Bibliografie:
- Angelika Corbineau-Hoffmann: Marcel Proust: A la recherche du temps perdu. Einführung und Kommentar, Tübingen/Basel 1993
- Jean Firges: Marcel Proust. Die verlorene Zeit. Die wiedergefundene Zeit. Exemplarische Reihe Literatur und Philosophie, 28. Sonnenberg, Annweiler 2009
- Ronald Hayman: Marcel Proust. Die Geschichte seines Lebens, Frankfurt/M. 2000
- Achim Hölter (Hrsg.): Marcel Proust. Leseerfahrungen deutschsprachiger Schriftsteller, Frankfurt/M. 1998
- Erich Köhler, Angelika Corbineau-Hoffmann: Marcel Proust, Berlin 1994
- Klaus Kremp: Der Roman von Proust. Ein Überblick, Basel, Frankfurt/M. 1988
- Olof Lagercrantz: Marcel Proust oder Vom Glück des Lesens, Frankfurt/M. 1997
- Claude Mauriac: Marcel Proust in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Hamburg 1993
- Philippe Michel-Thiriet: Das Marcel Proust Lexikon, Frankfurt/M. 1999
- Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. 7 Bde. Frankfurt/M. 1994ff. (= Bde. 2.1-2.7 der Frankfurter Proust-Ausgabe)
- Renate Wiggershaus: Marcel Proust. Leben und Werk in Texten und Bildern, Frankfurt/M. 1992
Institution(en):
- marcel proust gesellschaft e.V.Brahmsstr. 17
50935 Kölnwww.marcel-proust-gesellschaft.dec/o. Prof. Dr. Reiner Speck









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