Barock - Weltlust und Weltflucht
Panorama einer Epoche
Ursprünglich war der Ausdruck "Barock" ein Schimpfname aus dem Gebiet der Kunstgeschichte (baroque: französisch = sonderbar, bizarr; barocco: portugiesisch = schiefrunde Perle, ist damit ebenso verwandt wie barocco: italienisch = künstliche Vokabel für Syllogismus), und so gebraucht ihn auch die französische Enzyklopädie von 1751, die damit, aus der Sicht der klassizistischen Theorie, ein unregelmäßiges architektonisches Werk bezeichnen will. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff jedoch wertfreier oder sogar im positiven Sinne gebraucht. Die Epoche, die im deutschen Sprachgebiet zugleich das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges ist, gilt anderen europäischen Staaten, vor allem in Spanien und Frankreich, geradezu als ein "goldenes Zeitalter" der Literatur. Dass dies in den deutschen Landen nicht der Fall ist, hat - neben den Kriegsursachen - verschiedene Gründe. Das Barockzeitalter löst das Zeitalter der Renaissance ab, und es wird andererseits von der Aufklärung verdrängt, für die es viele Grundlagen legte.
Das 17. Jahrhundert steht im Zeichen von Absolutismus und Gegenreformation. In allen europäischen Staaten konzentriert sich die Machtfülle in der Hand eines Herrschers, eines absoluten Regenten, der über Wohl und Wehe seiner unmündigen Untertanen entscheidet. In Frankreich ist es Ludwig XIV., der gesagt haben soll, der Staat sei er selbst, in Spanien Philipp II. und seine Nachfolger, in den deutschen Staaten ist es die Vielzahl von Landesfürsten, die ihre Untertanen befehligen. Die absoluten Herrscher richten sich eine prunkvolle Hofhaltung ein, bauen prachtvolle Residenzen mit breiten Ehrenhöfen und regelmäßig angelegten Parkanlagen und wollen sich in Macht- und Prachtentfaltung gegenseitig übertreffen. An ihren Höfen halten sich z.T. Dichter auf, die zur Unterhaltung beitragen und zum Ergötzen der adligen Oberschicht ihre Kunstfertigkeiten zeigen. Von der Kirche her und vor allem durch den Jesuitenorden wird die Bewegung der Gegenreformation ausgelöst, die sich besonders in den Niederlanden und in Deutschland auswirkt. Mit allen Mitteln wird versucht, die durch die Reformation dem katholischen Glauben verloren gegangenen Gebiete und Städte zurückzuerobern, so dass wieder ein einheitliches Glaubensgebiet entsteht.
Das 17. Jahrhundert ist ein Zeitalter der großen Kriege und Glaubenskämpfe, denn außer dem Dreißigjährigen Krieg, der weite Landstriche verwüstet, kommt es im gleichen Jahrhundert zu den Kämpfen der Niederlande gegen die Spanier, finden die Auswanderungen der französischen Hugenotten statt. Kriegsgräuel und Verfolgungen, brennende Städte und zerstörte Landschaften sind ein Kennzeichen des Jahrhunderts, das gleichzeitig in der Kunst, Malerei, Architektur, Literatur und Musik Werke von einmalig hohem Rang geschaffen hat.
- Panorama einer Epoche
- Das Weltbild des Barock
- Die deutsche Barockdichtung
- Die hohe Zeit der spanischen Literatur
- Frankreichs klassische Literatur
- Meisterwerke des Barock
Bibliografie:
- Heinz Duchardt: Barock und Aufklärung. München 2007
- Herbert A. u. Elisabeth Frenzel: Daten deutscher Dichtung. Chronologischer Abriß der deutschen Literaturgeschichte (1953)
- Peter Hersche: Muße und Verschwendung. Europäische Gesellschaft und Kultur im Barockzeitalter. 2 Bände. Freiburg 2006
- Volker Meid: Barocklyrik, Metzler 2008
- Erwin Panofsky: Was ist Barock?, Hamburg 2005









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