Barrakudas
Lexikon: Barrakudas
Die Pfeilhechte (Barrakudas) gehören zur Familie der Sphyraenidae, zur Ordnung der Barschartigen Fische (Perciformes) und der Klasse der Knochenfische (Osteichthyes).
Merkmale
Barrakudas haben einen langgestreckten, torpedoförmigen Körper mit langem zugespitzten Kopf und zwei weit auseinanderliegenden Rückenflossen. Ihr weites Maul reicht bis an die großen Augen. Der Unterkiefer ist länger als der Oberkiefer. Beide sind mit langen, spitzen Fangzähnen ausgestattet, die vor allem im Unterkiefer auffallend groß sind. Der Vorderkiemendeckel ist beim Mittelmeer-Barrakuda (Sphyraena sphyraena) beschuppt, beim Atlantischen Barrakuda (Sphyraena viridis) hingegen fehlen diese Schuppen. Der Rücken ist dunkelgrau bis graublau; die Flanken und der Bauch sind silbrig mit dunklen Querbinden, die vom Rücken bis knapp unter die Seitenlinie reichen. Entlang der Seitenlinie sitzen 125 bis 145 Schuppen. Alle Barrakudas (es gibt 18 Arten) haben zwei weit auseinanderstehende Rückenflossen und eine gegabelte Schwanzflosse. Die beiden kleinsten Arten, der Nördliche Barrakuda (Sphyraena borealis) aus dem Nordwestatlantik und der Japanische Barrakuda (Sphyraena japonica) aus Japan, werden gerade 30 cm lang, der Kalifornische oder Pazifische Barrakuda (Sphyraena argentea) kommt auf eine Länge von ungefähr 1,20 m; die größten Arten, wie zum Beispiel der Atlantische Barrakuda, erreichen bis zu 3 m Körperlänge. Die Weibchen wachsen schneller und werden größer als die Männchen.

Verbreitung und Lebensraum
Der Atlantische Barrakuda ist im Ostatlantik von den Kanarischen und den Kapverdischen Inseln bis zum Senegal und im Mittelmeer verbreitet. Der Europäische oder Mittelmeer-Barrakuda kommt im Ostatlantik von der Biskaya bis Westafrika (Angola) sowie im Schwarzen Meer und im Mittelmeer vor. Im Westatlantik ist er von den Bermuda Inseln bis Brasilien anzutreffen. Er lebt sowohl in der offenen See als auch nahe der Küste in Tiefen bis zu 100 m. Der Kalifornische oder Pazifische Barrakuda kommt von Alaska im Norden bis Niederkalifornien im Süden vor. Der Große Barrakuda (Sphyraena barracuda) kommt zu beiden Seiten des Atlantik und im Pazifik vor. Eine kleinere Art von nur 45 cm Länge ist der entlang der amerikanischen Küste vorkommende Nördliche Barrakuda. Man findet ihn von den Bermudas bis nach Panama.
Lebensweise
Die meisten Barrakudas sind typische Bewohner warmer Meereszonen, manche wandern regelmäßig in gemäßigtere Gebiete, wenn im Sommer die Sonne das oberflächennahe Wasser aufgewärmt hat. Sie laichen in diesen Regionen gewöhnlich aber nicht. Zum "Überwintern" kehren sie im Spätherbst in den Süden zurück. Barrakudas halten sich meist in Küstennähe auf, häufig sind sie in den großen Buchten zu finden, manche sind Bewohner von Korallenriffen. Vor allem die jüngeren Tiere schließen sich zu Schwärmen zusammen, während ältere Barrakudas auch als Einzelgänger leben und eher freies Wasser bevorzugen. Eine besonders schwarmbildende Art ist der Kalifornische Barrakuda. Von dem bis 3 m langen australischen Gestreiften Barrakuda (Sphyraena obtusata) wird berichtet, dass sich die großen, als bösartig angesehenen Einzelgänger gerne einen markanten, erhöhten Platz auf einem Felsen oder der Kante eines Korallenriffs als "Feldherrnhügel" suchen, der rundum einen guten Ausblick erlaubt und als Ausgangspunkt für die Jagd dient. Von diesem Platz werden alle Eindringlinge, selbst große Haie verjagt. Die Angriffslust der Barrakudas wird auch von Badenden und Tauchern gefürchtet. Viele so genannte "Haiangriffe", von denen berichtet wird, sind vermutlich auf Barrakudas zurückzuführen. Besonders angriffslustig sind der Atlantische und der Mittelmeer-Barrakuda. Keine Angst vor Barrakuda-Angriffen haben bestimmte Lippfische, die sich als Putzerfische bis ins Maul Korallenriff bewohnender Barrakudas vorwagen, um es als lebende Zahnbürsten zu reinigen. Sie kommen stets unbeschadet aus der "Höhle des Löwen" wieder hervor.
Nahrung
Die Nahrung der Barrakudas besteht überwiegend aus Fischen, seltener auch aus Tintenfischen. Beim Beutefang stoßen die Räuber nur einmal gezielt zu - mit ihren großen Augen können sie das Opfer vorher genau beobachten und fixieren. Es wird erzählt, dass der Barrakuda, wenn er sich vollgefressen hat, anschließend zuweilen kleinere Fische in eine Bucht treibt und sich dann davor aufhält, um sie zu bewachen. Während der Nahrungssuche nehmen die Räuber ihre Beute weniger durch den Geruch als mit den Augen wahr. So erregen besonders Farben oder besondere Bewegungen ihre Aufmerksamkeit, wie zum Beispiel ein verwundeter Fisch. Ganz anders als die Haie unternehmen die Barrakudas nur einen einzigen Angriff, nach dem sie eine Wunde hinterlassen, deren Ränder nicht ausgezackt sind.
Fortpflanzung
Die Männchen werden nach zwei bis drei, die Weibchen nach drei bis vier Jahren fortpflanzungsfähig. Die meisten Kalifornischen Barrakudas erreichen die Geschlechtsreife schon mit 2 Jahren. Die Laichzeit des Mittelmeer-Barrakudas ist von Juli bis September. Im Verlauf einer Saison laichen die Weibchen je nach Alter und Größe 40 000 bis 500 000 Eier "in Raten" ab. Die im freien Wasser schwimmenden Eier treiben mit der Strömung. Nach einem Jahr sind die jungen Fische etwa 35 cm lang, nach 4 bis 5 Jahren haben sie 70 cm erreicht. Über die Fortpflanzung des Atlantischen Barrakudas ist kaum etwas bekannt.
Feinde
Die kleineren Barrakudas und die Jungtiere werden vermutlichen auch von älteren und damit größeren Artgenossen und Vertreter anderer größerer Arten gefressen. Der größte Feind der Barrakudas ist der Mensch. Abgesehen von der Tatsache, dass man nach ihrem Genuss mitunter an der tropischen Fischvergiftung Ciguatera erkranken kann, gelten alle bekannten 18 Arten als ausgezeichnete und schmackhafte Speisefische mit festem, weißen Fleisch. Die wirtschaftlich wichtigste Art ist der Kalifornische oder Pazifische Barrakuda. Vor Kalifornien und Mexiko werden die Tiere in großen Mengen gefangen und dann überwiegend als Frischfleisch verkauft. Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung spielen sie auch in der Sportfischerei eine Rolle als angriffslustige und kämpferische Fische.
- Lexikon: Barrakudas
- Steckbrief:
- Wie gefährlich sind Barrakudas wirklich?
- Hintergrund: Wie Fische ihre Beute fangen
Bibliografie:
- Hans A. Baensch (Hrsg.): Meerwasseratlas, Band 7: Perciformes (Barschartige), Mergus Verlag, Melle 1998
- Evzen Kus: Illustriertes Lexikon der Fische, Eggolsheim 1999
- Andreas Wilcinskas: Meerestiere der Tropen. Ein Bestimmungsbuch für Taucher, Schnorchler und Aquarianer, Kosmos Verlag, Stuttgart 2000









0 Kommentare