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THEMEN

Bayern

Im Überblick

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Landkarte des Bundeslandes Bayern

Mit einer Fläche von 70550 km2 ist Bayern das größte Bundesland Deutschlands. Nach der Zahl der Einwohner - im Jahr 2002 waren es 12,4 Millionen - steht es an zweiter Stelle. Bayern hat von allen Bundesländern die längste Außengrenze: Im Osten grenzt es an die Tschechische Republik, im Südosten und Süden an Österreich mit den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Im Südwesten hat Bayern noch Anteil am Bodensee. Die im Westen und Norden angrenzenden Bundesländer sind Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und Sachsen.

Entwicklung des Territoriums

Das Kernland Bayerns umfasst Oberbayern und Niederbayern, doch schon nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) kam die Oberpfalz hinzu. Erneut vergrößerte sich das Territorium in der Zeit von 1803 bis 1806, als Napoleon, mit dem sich Bayern verbündet hatte, eine Neuordnung Europas erzwang. Auf diese Weise kamen Franken mit Ober-, Mittel- und Unterfranken sowie das heute Bayerisch-Schwaben genannte Gebiet zwischen Lech und Iller zu Bayern, das 1806 vom Kurfürstentum zum Königreich aufstieg. Noch heute ist in der Bevölkerung der Gegensatz zwischen Franken und "Altbayern" lebendig. Unterschiede bestehen im Dialekt, im Brauchtum und teilweise auch in der Konfession.

Spätere territoriale Veränderungen brachten Bayern eine Ausdehnung nach Norden hin, wo 1920 nach einer Volksabstimmung das Gebiet um Coburg gewonnen wurde. Die einstmals zu Bayern gehörenden linksrheinischen Gebiete in der Pfalz wurden im Zuge der Neuordnung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg abgetrennt und gehören seit 1946 zu Rheinland-Pfalz. Von diesen Änderungen abgesehen, sind die Grenzen Bayerns seit 1815 im Wesentlichen unverändert geblieben. Dadurch hebt sich Bayern von den meisten anderen Bundesländern ab, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg ihren heutigen Zuschnitt erhalten haben.

Die Monarchie bestand in Bayern bis 1918, als der letzte König Ludwig III. außer Landes ging. Die Revolutionswirren jener Zeit ließen eine nur kurze Zeit existierende Räterepublik entstehen, bis sich die Reichsregierung durchsetzte und Bayern seinen Platz innerhalb des Deutschen Reiches als ein Land unter vielen einnahm.

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Ludwig III., letzter bayerischer König; 1845 - 1921

1934 wurde Bayern wie die übrigen Länder des damaligen Deutschen Reiches "gleichgeschaltet", d.h. seiner politischen Zuständigkeiten beraubt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bayern 1945 unter amerikanischer Besatzung als Land wiederhergestellt; das französisch besetzte Gebiet um Lindau am Bodensee wurde 1956 dem Land Bayern zugesprochen.

Das Land heute

Hauptstadt Bayerns ist wie schon zu Zeiten der Monarchie die heute über 1 Million Einwohner zählende Stadt München. Untergliedert ist das Land in die sieben Regierungsbezirke Oberbayern (Verwaltungssitz in München), Niederbayern (Landshut), Oberpfalz (Regensburg), Oberfranken (Bayreuth), Mittelfranken (Ansbach), Unterfranken (Würzburg) und Schwaben (Augsburg). Die untere Verwaltungsebene bilden die 25 kreisfreien Städte und 71 Landkreise.

Die Bezeichnung Bayerns als Freistaat bedeutet so viel wie "Republik" (frei von der Herrschaft eines Monarchen) und ist nur historisch zu verstehen. Sie ist kein Hinweis auf besondere Vorrechte gegenüber anderen deutschen Ländern.

Der Naturraum zwischen Alpen und Main

Bayern hat Anteil an sehr unterschiedlichen Landschaften. Den Süden bildet die Nordflanke der Kalkalpen von den Allgäuer Alpen im Westen bis hin zu den Berchtesgadener Alpen im Osten. Das teilweise schroff aufragende Gebirge erreicht in den Bayerischen Alpen mit der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands, eine Höhe von 2963 m. In den Berchtesgadener Alpen liegt der zweithöchste Gipfel, der 2713 m hohe Watzmann. Die Allgäuer Alpen erreichen mit der Mädelegabel 2645 m Höhe.

Die Schroffheit der Grate und Felswände ist auf das Einwirken verstärkter Frostsprengung während der Eiszeit zurückzuführen. In der Eiszeit entstanden auch die zahlreichen Seen in den Alpen und im Süden des Alpenvorlandes. Manche von ihnen sind durch die ausschürfende Kraft des Gletschereises, das weit in das Vorland vordrang, entstanden. Andere verdanken ihre Entstehung der Aufschüttung von Wällen (Endmoränen) aus Gesteinsmaterial (Geschiebe), das die Gletscher aus den Alpen in das Vorland transportierten.

Bayerisches Alpenvorland

Das Alpenvorland dacht sich nach Norden zur Donau hin ab. Es ist eine wellige, von einzelnen Hügeln überragte Landschaft, die von zahlreichen nord- oder ostwärts strömenden Flüssen durchzogen wird. Typisch sind aber auch weite Ebenen, in denen während der Eiszeit die einstigen Schmelzwasserströme Kies und Sand abgelagert haben. Diese Schotterebenen sind wasserdurchlässig, so dass in ihnen viel Grundwasser nach Norden strömt. Wo die Schotterschicht an Mächtigkeit verliert und schließlich endet, tritt das Grundwasser häufig wieder an die Oberfläche. Deshalb haben sich hier große Moore gebildet. Das Dachauer Moos und das Erdinger Moos, die bekanntesten der großen bayerischen Moore, wurde allerdings trockengelegt und sind heute überwiegend intensiv genutzte Ackerbauflächen.

Die Schichtstufenlandschaft der Fränkischen Alb

Die Fränkische Alb ist die Fortsetzung der Schwäbischen Alb und besteht wie diese aus mächtigen Kalkschichten der Jurazeit. Die Südgrenze dieser Landschaft wird ungefähr vom Verlauf der Donau zwischen Donauwörth und Regensburg markiert. Stellenweise hat sich der Fluss aber auch in die Kalksteintafel eingetieft. Besonders eindrucksvoll ist das Durchbruchstal der Donau oberhalb von Kelheim bei Weltenburg.

Insgesamt aber ist die Fränkische Alb eine an Flüssen arme Karstlandschaft. Ursache ist die Lösungskraft, die Wasser auf Kalkgestein ausübt. Dadurch bilden sich im Gestein Spalten, die sich zu größeren Senken, so genannten Dolinen, erweitern können. Gelangt das Wasser in größere Tiefe, kann es das Gestein so weit auflösen, dass Höhlen entstehen. Eine der größten und schönsten Höhlen, die auch von zahlreichen Touristen besucht wird, ist die Teufelshöhle bei Pottenstein.

Zu den wenigen Flüssen der Fränkischen Alb gehört die Altmühl, die sich ihren Weg in einem tief eingeschnittenen, windungsreichen Tal geschaffen hat. Der nordöstliche Abschnitt der Alb mit seinen eindrucksvollen Felsbildungen wird als Fränkische Schweiz bezeichnet.

Wegen der außerordentlichen Schönheit der Landschaft sind große Teile der Fränkischen Alb und des Veldensteiner Forstes zum Naturpark erklärt worden. Mit einer deutlichen, in Vorsprünge und Buchten gegliederten Schichtstufe, dem Albtrauf, findet die Fränkische Alb ihre nördliche Begrenzung.

Das tief gelegene Vorland der Fränkischen Alb gehört zu den fruchtbarsten Landschaften Bayerns. Es wird von einzelnen Höhenrücken wie der Frankenhöhe und dem Steigerwald durchzogen. Auch sie sind Schichtstufenlandschaften wie die Fränkische Alb, ohne allerdings deren Großartigkeit zu erreichen.

Mittelgebirge im Norden und Osten Bayerns

Die nördlichsten Landschaften Bayerns liegen bereits jenseits des Mains. Hierzu gehören der dicht bewaldete Spessart und die Rhön, ein altes Vulkangebirge, dessen Nordosthälfte mit der Wasserkuppe bereits im Nachbarland Hessen liegt. Mit ihrem typischen Basaltgestein, Mooren und einer besonderen Pflanzenwelt nimmt die Rhön mit dem 928 m hohen Kreuzberg eine Sonderstellung unter den Gebirgen Bayerns ein.

Die im geologischen Sinne ältesten Landschaften Bayerns finden sich längs der Grenze zur Tschechischen Republik. Es ist der Bayerische Wald mit dem Pfahl. Der 1456 m hohe Große Arber ist der höchste Punkt Bayerns außerhalb der Alpen. Typisch für dieses alte Gebirge sind kristalline Gesteine wie Gneis und Granit. Große Teile des in den höheren Lagen stark bewaldeten Gebirges sind zu Naturparks erklärt worden. Der Oberpfälzer Wald, der sich im Nordwesten anschließt, besteht gleichfalls aus Gesteinen des Erdaltertums. Eine Besonderheit bilden hier die in einzelnen Kuppen zutage tretenden vulkanischen Gesteine. Am Parkstein zeigt der Basalt seine typische säulenförmige Absonderung am deutlichsten. Noch einmal bis in über 1000 m Höhe erhebt sich das Land im urtümlichen Fichtelgebirge. Mit seinen strengen Wintern gehört es zu den klimatisch rauesten Landschaften Bayerns.

Flüsse und Wasserstraßen

In Bayern fließen die Hauptflüsse nicht wie in den anderen Regionen Deutschlands nach Norden. In östliche Richtungen fließen die Donau und die größten ihrer in Bayern mündenden Nebenflüsse, nämlich Altmühl, Isar und Inn. In die entgegengesetzte Richtung strömt in mehreren großen Schleifen der Main. Die Einzugsbereiche der beiden Flüsse werden durch die europäische Hauptwasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer bzw. Mittelmeer getrennt. Sie verläuft in Bayern von der Frankenhöhe zum Fichtelgebirge, weist jedoch im Rednitzbecken eine große Ausbuchtung nach Süden auf. Zum Einzugsgebiet der Nordsee gehören auch Flüsse wie Selbitz, Saale und Eger, die vom Fichtelgebirge und aus dem Frankenwald der Elbe zufließen.

Größere Bedeutung für die Schifffahrt hatte schon im Mittelalter die Donau als wichtiger Verkehrsweg nach Österreich und weiter nach Ungarn. Für kleine Schiffe ist sie streckenweise ab Ulm, für größere ab Regensburg befahrbar. Schon früh sann man darauf, wie der Nutzen dieser Wasserstraße durch eine Kanalverbindung zum Einzugsgebiet des Rheines gesteigert werden könnte. Ein erster Kanalbau zwischen Altmühl und Rezat geht auf die Zeit Karls des Großen zurück. Reste des alten Kanals haben sich bei Treuchtlingen erhalten. Nachdem eine Reihe anderer Projekte verworfen wurden, wurde eine durchgehende Wasserstraße im Jahre 1992 durch den Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals fertiggestellt. So ist Bayern nun zu einem Durchgangsland für die Binnenschifffahrt geworden. Von Rotterdam, dem wichtigsten Hafen Europas, können Waren per Schiff durch Bayern in die Donauländer bis hin zum Schwarzen Meer und selbst nach Russland transportiert werden.

Die großen Flüsse, die der Donau von Süden zuströmen, nämlich Iller, Lech, Isar und Inn, haben ihren Ursprung in den niederschlagsreichen Alpen und werden teilweise von Gletscherwasser gespeist. Da sie ganzjährig viel Wasser führen und ein kräftiges Gefälle aufweisen, bieten sie gute Möglichkeiten zur Anlage von Wasserkraftwerken. Besonders leistungsfähige Wasserkraftwerke wurden am Lech und am Inn errichtet. Auch einige der kleineren Flüsse, wie Günz und Vils, die im Alpenvorland ihren Ursprung haben, tragen zur Stromerzeugung bei.

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Das Walchenseekraftwerk im Jahr 1924

Zu den ältesten, aber immer noch sehr leistungsfähigen Wasserkraftwerken Deutschlands gehört das 1918-1924 erbaute Walchenseekraftwerk. Das auf seine gewaltigen Turbinen geleitete Wasser erhält seine Kraft durch das Gefälle zwischen dem Walchensee und dem 203 m tiefer gelegenen Kochelsee.

Vielseitige Landwirtschaft

Die Landwirtschaft war noch im 19. Jahrhundert in weiten Teilen Bayerns der wichtigste Wirtschaftssektor. Auch wenn das Bild der Kulturlandschaft immer noch durch Äcker, Wiesen und Weiden geprägt wird, spielt die Landwirtschaft bei gesamtwirtschaftlicher Betrachtung doch nur eine untergeordnete Rolle.

Die natürlichen Gegebenheiten für die Nutzung des Landes sind sehr unterschiedlich. Zu den besonderen Gunsträumen für den Ackerbau gehören die Gäulandschaften, die sich am Nordrand des Alpenvorland beiderseits der Donau erstrecken. Die größte Ausdehnung unter ihnen hat der Dungau oder Gäuboden im Vorland des Bayerischen Waldes. Neben dem Anbau von Getreide spielt hier der Anbau von Zuckerrüben eine besondere Rolle.

Ein Gunstraum ist auch die Hallertau, das bedeutendste Hopfenanbaugebiet Deutschlands. In Nordbayern zeichnet sich die Beckenlandschaft Mainfrankens, umrahmt von den Hassbergen, Steigerwald, Spessart und Rhön durch günstige Boden- und Klimaverhältnisse aus. Es ist eines der wichtigsten Anbaugebiete für Zuckerrüben. Weinbau, der sonst in Bayern nicht verbreitet ist, wird an den Hängen des Maintales und der Fränkischen Saale und des Steigerwaldes betrieben. Bekannte Zentren des hier erzeugten Frankenweins sind Würzburg, Iphofen und Kitzingen.

Kleinere Gunsträume Bayerns sind das Ries, eine weite durch Meteoriteneinschlag entstandene Kessellandschaft zwischen Fränkischer und Schwäbischer Alb. Im Umkreis der Großstädte wird intensiver Gemüseanbau, teils in Treibhäusern, betrieben. Nordöstlich von München ist das Erdinger Moos und bei Nürnberg das Knoblauchsland zu nennen.

In den höheren, meist regenreichen Gebirgslagen tritt der Ackerbau zugunsten der Viehwirtschaft nahezu völlig zurück. Beispiel hierfür ist das Allgäu mit seiner ausgeprägten Milchwirtschaft. Milch und andere Molkereiprodukte wie Joghurt, Butter und Käse aus dem Allgäu werden über die Grenzen Bayerns hinaus in ganz Deutschland vermarktet.

Eine regionale Besonderheit ist die traditionsreiche Teichwirtschaft der Oberpfalz, deren Anfänge sich bis auf mittelalterliche Klosterwirtschaften zurückverfolgen lassen. Hier werden in künstlich angelegten Teichen vor allem Karpfen, aber auch andere Speisefische gezüchtet.

Bodenschätze des Landes

Bayern verfügt über eine Reihe von Bodenschätzen, die jedoch wirtschaftlich keine allzu große Bedeutung haben. Im Alpenvorland werden Erdöl und Erdgas gefördert. Die Kohlelagerstätten (Pechkohle am Alpenrand bei Hausham und Peißenberg sowie die Braunkohle bei Wackersdorf in der Oberpfalz) sind so weit erschöpft, dass ein Abbau nicht mehr lohnt.

Ertragreich ist der Abbau von Graphit im südlichen Bayerischen Wald bei Kropfmühl. Eine lange Tradition hat die Gewinnung von Salz, teils aus Sole (Bad Reichenhall), teils im Schachtbau (Aßling, Berchtesgaden). Weit verbreitet ist der Abbau von Kalkstein als Rohstoff für die Baustoffindustrie. Eine Besonderheit bilden die Plattenkalke von Solnhofen, die wegen ihrer besonderen Feinkörnigkeit zur Herstellung von Druckplatten (Lithografie) Verwendung fanden. Der Abbau von Ton sowie von Kaolin wurde zur Grundlage der feinkeramischen und der Porzellanindustrie in der Oberpfalz.

Wichtigste Zentren des Gewerbes

Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Industrie in Bayern nur schwach entwickelt, doch heute gibt es zahlreiche Standorte mit modernster Produktion. Trotz ihrer hohen Produktivität wird die Industrie in ihrer Wertschöpfung deutlich vom Dienstleistungssektor überflügelt.

München

München ist das Zentrum eines Wirtschaftsraumes, der weit über die Grenzen der Millionenstadt hinausgewachsen ist. Die vielseitige Industrie umfasst Maschinen- und Fahrzeugbau, insbesondere auch Autoindustrie, Elektrotechnik, Herstellung von Präzisionsgeräten, Feinmechanik, Optik, Brauereien und Nahrungsmittelherstellung sowie Druckereien. Hoch entwickelt ist in München der Dienstleistungssektor mit zahlreichen überregional tätigen Versicherungen, Banken, Verlagen und Forschungseinrichtungen.

Wie es für ein Wirtschaftszentrum dieses Ranges erforderlich ist, verfügt München über einen modernen, sehr leistungsfähigen Flughafen. Der neue Franz-Josef-Strauß-Flughafen im Erdinger Moos wurde 1992 in Betrieb genommen und steht nach dem Passagieraufkommen in Deutschland an zweiter Stelle. Hervorragend sind auch die Eisenbahn- und Straßenverbindungen. Für den Verkehr mit Italien sowie mit Österreich und den übrigen Donauländern bildet München den wichtigsten Knotenpunkt in Deutschland.

Nürnberg

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Nürnberg: Blick über den Christkindlesmarkt

An zweiter Stelle unter den Wirtschaftszentren Bayerns steht Nürnberg, das zusammen mit den Nachbarstädten Erlangen und Fürth den leistungsfähigsten Standort in Franken bildet. Elektrotechnik, Feinmechanik, Optik, Maschinen- und Fahrzeugbau, Anlagenbau, Papier- und Druckgewerbe sind die wichtigsten der hier vertretenen Branchen. Die traditionsreiche Spielzeugindustrie tritt demgegenüber zurück, doch immer noch ist Nürnberg in dieser Branche führend in Deutschland.

Auch Nürnberg ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Bahn- und Straßenverkehr, im internationalen Verkehr vor allem mit der Tschechischen Republik. Durch den Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals ist Nürnberg mit seinem Binnenhafen an das Netz der europäischen Binnenwasserstraßen angeschlossen worden, so dass Waren von Nürnberg aus per Schiff auf dem kostengünstigen Wasserweg versandt werden können.

Kleine Standorte mit spezialisiertem Gewerbe

Weitere wichtige Wirtschaftszentren Bayerns sind Augsburg (Fahrzeug- und Maschinenbau), Würzburg (Maschinenbau), Ingolstadt (Fahrzeugbau, Raffinerie, chemische Industrie). Hinzu kommen viele kleinere Standorte mit teilweise sehr speziell ausgerichteter Industrieproduktion. Hierzu gehört u.a. Schweinfurt (Kugellagerherstellung), Kaufbeuren mit der Schmuckwarenindustrie im Stadtteil Neugablonz, Dingolfing (Fahrzeugbau), Zwiesel (Glasherstellung) und eine Reihe kleinerer Standorte der Textilindustrie sowie der Porzellanindustrie in der Oberpfalz. Die Eisen produzierende Industrie ist nach der Stilllegung der Maxhütte (endgültig in den 1990er Jahren) in Sulzbach-Rosenberg zum Erliegen gekommen.

Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor

Große wirtschaftliche Bedeutung kommt in Bayern dem Fremdenverkehr zu. Mit einem Bestand von 560 000 Gästebetten und über 70 Millionen Gästeübernachtungen pro Jahr übertrifft Bayern alle übrigen Bundesländer bei weitem.

Für den Erholungsurlaub und den Wintersport stehen die Alpen als beliebteste Fremdenverkehrsregion an erster Stelle. Zwei Saisonzeiten weist auch der Bayerische Wald auf. Auf das Sommerhalbjahr konzentriert ist der Fremdenverkehr an den Seen des bayerischen Alpenvorlandes und auf der Fränkischen Alb.

Zentren des Fremdenverkehrs sind auch die zahlreichen Heilbäder und Kurorte Bayerns. 25 Orte tragen das Prädikat "Bad". Hinzu kommen 18 anerkannte heilklimatische Kurorte. Viele der meistbesuchten Bäder, darunter Bad Füssing, Bad Wörishofen, Bad Reichenhall, Bad Wiessee und Bad Aibling liegen am Alpenrand oder im nahen Alpenvorland. In Franken sind Bad Kissingen, Bad Neustadt an der Saale und Bad Brückenau die bekanntesten Kurorte.

Noch höhere Übernachtungszahlen verzeichnet München. Mit jährlich rund 7 Millionen Gästeübernachtungen ist es nach Berlin die meistbesuchte Großstadt Deutschlands. Aber auch manche Mittel- und Kleinstädte haben sich dank ihres schönen Stadtbildes zu Zentren des Fremdenverkehrs entwickelt. An erster Stelle ist hier Rothenburg ob der Tauber zu nennen, das mit seinem mittelalterlich wirkenden Stadtbild insbesondere auch auf Touristen aus den USA und Japan anziehend wirkt und auf keiner Besichtigungstour durch Deutschland fehlen darf. Mit Abstand folgen auf der Beliebtheitsskala andere "mittelalterliche" Städte wie Dinkelsbühl, Nördlingen und Wasserburg am Inn.

Wie diese Städtchen weist auch Dachau ein außerordentlich reizvolles Stadtbild auf. Viele Besucher kommen allerdings nicht deswegen in die Stadt, sondern wegen der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, in dem während der Zeit des Dritten Reiches schon von 1933 an Hunderttausende von politischen Gegnern des Regimes unter härtesten Bedingungen inhaftiert waren. Allein von den Insassen dieses Konzentrationslagers haben mindestens 34000 Menschen das Schreckensregime nicht überlebt.

Bibliografie:

  • Bayern 2006, SKV-EDITION, 2005
  • Gerhard Launer: Bayern von oben, München 2005
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