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THEMEN

Berg Áthos

Fakten

Kulturdenkmal:bedeutende klösterliche Siedlung der griechisch-orthodoxen Kirche
Kontinent:Europa
Land:Griechenland, Chalkidike
Ort:Áthos, östliche Halbinsel von Chalkidike
Ernennung:1988
Bedeutung:die Mönchsrepublik Áthos als ein Zentrum orthodoxer Spiritualität

Geschichte

843erste schriftliche Erwähnung der frommen Männer von Áthos
963Gründung von Megístis Lávras
980Gründung von Ivíron
1030urkundliche Erwähnung von Dochiaríou und Esfigménou
1374Gründung von Dionysíou, im Refektorium Fresken der "Apokalypse"
1430-1912auch unter der Türkenherrschaft Zentrum der orthodoxen Welt
1924gesetzliche Festschreibung der Zahl der Klöster auf 20
1926Bekräftigung der Autonomie durch die griechische Regierung
1980im Beitrittsvertrag Griechenlands zur damaligen EWG Festschreibung des Sonderstatus der Klosterrepublik
seit 1990Abschaffung der Idiorrhythmie, des Privateigentums der Mönche
2004schwere Schäden durch Brand im serbischen Kloster Chiliandari

Eine reine Männerwelt

So manchen Wanderern mit Sinn für Ausgefallenes gilt die Region als Geheimtip, jener nordöstliche Finger der Chalkidike. Wandern auf alten Eselspfaden von Kloster zu Kloster, Übernachten in einfachen Zellen eines alten Klostertraktes und die kurzzeitige Teilnahme am abgeschiedenen Leben der orthodoxen Mönche - so mancher Reiseveranstalter würde eine solche Erlebnistour gerne in sein Programm aufnehmen. Doch auf Áthos gehen die Uhren anders.

Für einen Besuch der Mönchsrepublik, die 1963 bereits ihr tausendjähriges Bestehen feierte, sind einige Hürden zu überwinden. Eine davon ist für die Hälfte der Menschen unüberwindbar: Ein aus dem 11. Jahrhundert stammender und bis heute gültiger Erlass verbietet Frauen den Zutritt zum heiligen Berg, selbst weibliche Tiere sind verpönt. Frauen sind auf Áthos nur als Abbildungen weiblicher Heiliger und religiöser Gestalten zu finden, sieht man einmal von den Gebeinen weiblicher Märtyrerinnen ab, die in einigen Klöstern als Reliquien aufbewahrt werden. Ein aufwendiger Prozess, um die begehrte Besuchserlaubnis und einen Termin zu erhalten, sowie die Beschränkung der täglichen Zahl auf 120 Gäste, davon lediglich 10 Ausländer, die die Mönchsrepublik besuchen dürfen, ist der Garant dafür, dass der Alltag der Mönche nicht von einem Strom Neugieriger bestimmt wird.

Rings um den über 2000 Meter hohen, namensgebenden Berg Áthos verstreuen sich Großklöster und zahlreiche kleinere Niederlassungen, in denen heute etwa 2200 Mönche leben und die abgeschiedene Bergwelt einem Alltag in einer rastlosen Industriegesellschaft vorziehen. Neben der Mehrheit der griechisch-orthodoxen Klöster und Mönche bekennt sich je ein Kloster zur russisch-, bulgarisch- oder serbisch-orthodoxen Tradition, auch wenn alle Mönche zwangsweise griechische Staatsbürger sein müssen. Arbeiten und Beten bestimmen den Tagesablauf, so ist es schon seit Jahrhunderten. Einige Mönche arbeiten in der Landwirtschaft, andere sind mit handwerklichen Tätigkeiten oder dem Anfertigen von Ikonen beschäftigt. Soziale Aufgaben und missionarischer Eifer sind den Mönchen von Áthos gänzlich fremd; Gott näher zu kommen ist das einzige Ziel der mönchischen Gemeinschaft. Doch die Glanzzeiten der Klosterrepublik sind längst Vergangenheit, als bis zu 40 000 Mönche das Zentrum orthodoxer Kultur und Gelehrsamkeit bildeten. Durch Schenkungen und Stiftungen byzantinischer Kaiser und Adliger waren die Klöster darüber hinaus mächtige Großgrundbesitzer. Geblieben sind zumindest die Ländereien auf der Halbinsel, geblieben ist auch eine weit gehende Selbstverwaltung innerhalb des griechischen Staates.

Auch wenn Handy und Jeep längst Einzug gehalten haben und zahlreiche angestellte Arbeitskräfte in der Mönchsrepublik tätig sind, ein fast unwirklicher Zauber blieb der Halbinsel Áthos bis heute erhalten. Am eindringlichsten verspürt das derjenige, dem sich nach stundenlangem, oft mühevollem Marsch das Tor einer immer wieder neuen Klosterwelt öffnet. Das relativ junge, aus dem 14. Jahrhundert stammende Kloster Grigoríou wurde unmittelbar am Wasser errichtet. Es nimmt Besucher gerne auf - was nicht auf alle Klostergemeinschaften zutrifft, die eine "Überfremdung" befürchten. In Sichtweite von diesem thront das malerisch gelegene Kloster Símonos Pétras auf einem 230 Meter hohen Felsen. Eine Tageswanderung entfernt ist das Kloster Dionysíou, dessen bis zu acht Geschosse sich in den Himmel recken. Auf Spreizbalken ruhende Balkone und Zimmer befinden sich zum Teil über einem Schwindel erregenden Abgrund. Die hiesige Klosterbibliothek ist mit Tausenden von Handschriften und Drucken eine wahre Schatzkammer. Das älteste Kloster, Megístis Lávras, gleicht mit seinen Türmen, Kirchen und Mauern auf einem Felsplateau einer mittelalterlichen Festungsanlage. Farbenfrohe Kuppeln, mächtige Fassaden und Holzbalkone kennzeichnen schon von weitem das im 12. Jahrhundert gegründete russische Kloster Ágios Panteléimonos, das noch vor einigen Jahrzehnten 2000 Mönchen Platz bot und heute nur noch von wenigen Mönchen bewohnt wird.

Helmuth Weiß
Jg. 1953, Diplompsychologe, freier Reisebuchautor und Lektor, Veröffentlichungen zu Bulgarien, Griechenland und Prag sowie zu diversen Reisethemen im Internet
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