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THEMEN

Bergisches Land und Sauerland

Im Überblick

Unmittelbar vor den Toren der Metropolen Köln und Düsseldorf sowie des Ruhrgebiets liegt eine Landschaft, die zu jeder Jahreszeit zum Wandern und Entdecken einlädt. Obwohl hier Hunderttausende Erholung suchen, gibt es noch wunderschöne Gegenden, in denen man einsam und allein der Natur auf die Spur kommen kann. Denn die Natur hat diese Landschaft üppig ausgestattet: Berge bieten weite Aussicht auf eine Landschaft mit idyllischen Tälern und ausgedehnten Wäldern, mit Höhlen und Heiden, mit prachtvollem Mosaik einer vielgestaltigen Flora und Fauna.

Attraktionen eigener Art sind schließlich die Stauseen, die der Mensch im wasserreichen Mittelgebirge angelegt hat, um Trinkwasser und Energie zu gewinnen; sie haben die Natur verändert und sind nebenbei zu Refugien für viele seltene Tier- und Pflanzenarten geworden. In ihrer Nähe sind Ferienanlagen entstanden, die sich vor allem bei Familien mit Kindern wachsender Beliebtheit erfreuen.

Geographie

Das Bergische Land und das Sauerland gehören zum Nordostflügel des Rheinischen Schiefergebirges. Der Landschaftsraum erstreckt sich von der Kölner Bucht im Westen bis zum Hessischen Bergland im Osten über rund 130 km. Vom Ruhrgebiet im Norden reicht er über circa 70 km bis zu den Hängen des Westerwalds im Süden. Rhein, Ruhr und Sieg begrenzen die Mittelgebirgslandschaft, die von zahlreichen tief eingeschnittenen Flusstälern in einzelne Höhenzüge untergliedert ist.

Im nördlichen Sauerland zwischen Möhne und Ruhr erhebt sich die Hochfläche des Arnsberger Waldes. Das Rothaargebirge im Südosten mit dem Langenberg (843 m) und Kahlen Asten (841 m) ist der höchste Teil des Sauerlands. Das Ebbegebirge im westlichen Sauerland erreicht in der Nordhelle eine Höhe von 663 m. Noch weiter westlich schließt sich das Bergische Land an (im Unnenberg 506 m), das in breiten Stufen - vom Rhein geschaffene Terrassen - zum Niederrheinischen Tiefland abfällt.

Das Bergische Land und das Sauerland gehören zu den regenreichsten Gebieten Deutschlands. Wolken, die von den vorherrschenden Westwinden herangetragen werden, stauen sich an den Höhen und regnen sich in heftigen Niederschlägen ab. So verwundert es nicht, dass hier viele bekannte Flüsse entspringen, etwa die Wupper, aber auch die Eder, die Sieg und die Lahn.

Das fließende Wasser hat Täler ins Gestein eingegraben, die oft geologische Besonderheiten oder wertvolle Feuchtgebiete mit vielen seltenen Tieren und Pflanzen aufweisen. Ein Beispiel hierfür ist die Sieg, die im Windecker Ländchen zahlreiche sich verlagernde Mäander bildet. Die zurückbleibenden Altwasserarme sind ein wertvoller Lebensraum für Wasserpflanzen und -tiere, die im strömenden Fluss keine Lebenschance hätten.

Auch der Mensch hat sich den Wasserreichtum zunutze gemacht. Er legte riesige Stauseen zur Energie- und Trinkwassergewinnung an. Die Talsperren ziehen Erholungsuchende aus nah und fern an, Wassersportler, Badefreunde und Wanderer. Aber auch die Natur hat ihre Hand auf die künstlichen Gewässer gelegt und eroberte weite Uferbereiche. So entstanden für viele bedrohte Lebewesen wertvolle Rückzugsgebiete wie an Bigge-, Diemel-, Henne- oder Möhnesee.

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Auch Schleiereulen leben im Windecker Forst

Was wäre eine Beschreibung des Bergischen Landes und des Sauerlandes, erwähnte man nicht die bedeutenden Wälder, die das Gebiet bedecken. Im Höhenzug des Nutscheid, der sich nördlich der Sieg zwischen Hennef und Waldbröl erstreckt, liegt oberhalb von Windeck der Windecker Forst. Mit über 1500 Hektar Fläche ist er einer der größten Wälder im Bergischen Land. Hier leben Rehe, Wildschweine und in jüngster Zeit angesiedelte Mufflons. Bemerkenswert ist die vielfältige Vogelwelt. Fast alle heimischen Spechtarten brüten hier, daneben Greifvögel wie Rotmilan, Habicht, Sperber, Schleiereule, Stein- und Waldkauz. Die Wälder gelten auch als ausgesprochen pilzreich.

Erdgeschichte

Rund 400 Millionen Jahre ist es her, dass sich im Bereich des westlichen Deutschlands ein riesiges, flaches Meer erstreckte. Auf seinem Boden lagerten sich damals, in der Devonzeit, mächtige Sedimentschichten ab - aus Material, das die Flüsse von Nord und Süd herbeischafften. Kleinlebewesen hinterließen große Kalkmengen, die ebenfalls zu Boden sanken; Korallen schufen Riffe von unglaublichen Ausmaßen. In die Sedimentgesteine wurden natürlich auch abgestorbene Tiere eingebettet, die sich als Fossilien bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Bekannte Fossilienfundstätte ist das Strundertal bei Bergisch-Gladbach, das mittlerweile als Naturdenkmal unter Schutz gestellt worden ist. Auch im Felsenmeer bei Hemer in der Nähe von Iserlohn sind deutlich muschelähnliche Fossilien und versteinerte Korallen zu erkennen.

Im Karbon, vor rund 300 Millionen Jahren, verschob sich die Erdkruste und drückte mit gewaltiger Kraft den ehemaligen Meeresgrund nach oben. Das Variszische Gebirge entstand. Es zog sich von den Ardennen bis zu den Sudeten. Das Bergische Land und das Sauerland gehören zum Nordostflügel eines Teils dieser gewaltigen Höhenkette, des Rheinischen Schiefergebirges. Wind und Wetter haben die Berge über Jahrmillionen hinweg zum großen Teil abgeschliffen; nur ganz besonders harte Gesteine konnten ihnen widerstehen und prägen heute als markante Felsen - wie die Bruchhauser Steine bei Olsberg und die Albaumer Klippen im Rothaargebirge - das Landschaftsbild.

Das Wasser wirkte aber auch unter der Erdoberfläche. Eingesickertes Regenwasser wusch aus dem Kalkgestein Höhlen heraus, deren weit verzweigte Gänge, Hallen und Dome mit bizarren Tropfsteinen man nur bewundern kann: z. B. in der Aggertalhöhle, der Tropfsteinhöhle Wiehl, der Attahöhle oder der Dechenhöhle.

In der Erdneuzeit entstand die Senke der Kölner Bucht als Ergebnis von Verschiebungen in der Erdkruste, die hier auch heute noch zu kleineren Erdbeben führen. West- und Ostteil des Rheinischen Schiefergebirges wurden voneinander getrennt. Der Rhein nagte von Westen her das Bergische Land an und schuf gigantische Terrassen; dort, wo der Boden zu schlecht für die Landwirtschaft ist, haben sich eindrucksvolle Heidelandschaften erhalten.

Über mächtigen Lagen von Rheinschottern liegt in der Ohligser Heide seit dem Ende der letzten Eiszeit eine Flugsanddecke, die Dünen gebildet hat. In den Senken sammelte sich Regenwasser, es entstanden Weiher und Moore. Trotz Entwässerung sind Teilflächen naturnah erhalten geblieben und stehen unter Naturschutz. Ein großer Teil der Heide ist jedoch aufgeforstet und für Spaziergänger erschlossen. Den Charakter der Landschaft prägt vor allem das Heidekraut; im August breiten die Zwergsträucher einen prachtvollen lila Blütenteppich aus. Neben Wacholderbüschen wachsen einzelne Birken, Kiefern und Fichten. Überall steht die Preiselbeere, an vielen Stellen wird sie von der Moosbeere begleitet. An den Birken sitzen oft wild wuchernde Zweigbüschel, so genannte Hexenbesen; eingedrungene winzige Pilze bewegen die Bäume zu diesem "unordentlichen" Wachstum. Schöne Heidelandschaften findet man übrigens auch in den höheren Lagen des Sauerlands, z. B. die Heinsberger Hochheide.

Neandertal

Ganz im Norden des Rheinischen Schiefergebirges hat die Erosionskraft der Düssel dieses Tal aus den harten Kalken des Erdaltertums (Oberdevon) herausgeschnitten. Oft durchwanderte der Kirchenlieddichter Joachim Neander (1650-1680) die Schlucht mit ihren Wasserfällen, Felsen und Grotten, um zu innerer Einkehr zu gelangen. Durch seine Beschreibungen wurde das Düsseltal zunächst regional bekannt. Dies änderte sich, als Johann Carl Fuhlrott 1856 die Schädelplatte eines Frühmenschen fand und die Bezeichnung "Neandertaler" weltweit berühmt wurde.

Von der einst wildromantischen Landschaft ist infolge des Kalkabbaus kaum etwas geblieben. Dennoch bieten gerade die verlassenen Steinbrüche vielen Pflanzen und Tieren neue Lebensräume. Buntspecht, Baumfalke, Waldkauz, Eisvogel, Blauflügel- und Prachtlibelle sowie Geburtshelferkröte besiedeln das zum Naturschutzgebiet erklärte Tal.

Sehenswert ist das Neandertalmuseum in Erkrath. Hier wird die Entwicklung des etwa 1,60 m großen und mit überproportional langen Armen ausgestatteten Urzeitmenschen anschaulich dargestellt. Typische Merkmale der Neandertaler sind eine fliehende Stirn, starke Überaugenwülste, ein unterentwickeltes Kinn und eine breite Nase. Vor über 60 000 Jahren hatten diese frühzeitlichen Menschen das Tal der Düssel bewohnt.

An vergangene Zeiten erinnert auch das Wildgehege im Neandertal, in dem Urrinder, Wildpferde und Wisente gehalten werden.

Tropfsteinhöhlen

Im Naturpark Bergisches Land zwischen Engelskirchen und Ründeroth liegt die Aggertalhöhle. Im devonischen Kalkgestein dieser Gegend, ursprünglich ein riesiges Korallenriff, sind zwei große, miteinander in Verbindung stehende Höhlen ausgewaschen worden. Besichtigen kann man lediglich eines der Höhlensysteme auf einer Länge von 600 m. Die Gänge sind 2-3 m hoch, einzelne Klüfte erreichen sogar eine Höhe von 18 m. Den Boden bedeckt Verwitterungslehm, an einigen Stellen haben sich kleine Seen gebildet. Ungewöhnliche Aragonitkristalle sind die Besonderheit der Aggertalhöhle. Höhlen im Kalk werden oft von oberirdisch erkennbaren Dolinen begleitet. Die Einstürze der zwischen den beiden Höhlensystemen gelegenen Hohlräume sind am Altenberg zu beobachten. Ein 3,3 km langer Rundwanderweg führt durch das Naturschutzgebiet mit herrlichem Buchenwald.

Südöstlich von der Aggertalhöhle kann man bei Wiehl eine zweite wunderschöne Tropfsteinhöhle besuchen. Ein bezauberndes Farben- und Formenspiel entfalten die Kristalle der Wiehler Höhle im Lichtkegel der Lampe. Bei einer halbstündigen Führung kann man 1,2 km der insgesamt 1,6 km langen Höhle besichtigen. Ihre Besonderheit machen die vielfältigen Tropfsteinbildungen und dabei vor allem die prachtvollen Sinterkaskaden aus.

Bei Attendorn im Herzen des Naturraums Bergisches Land/Sauerland liegt die Attahöhle. Die sicher zu den schönsten Tropfsteinhöhlen Deutschlands zählende Attahöhle wurde 1907 bei Sprengungen in einem Kalksteinbruch entdeckt. Durch einen 80 m langen Stollen gelangt der Besucher in eine faszinierende Unterwelt. Schon die erste Station des etwa 45 Minuten dauernden Rundgangs wartet mit einem zu Kristallen erstarrten "Wasserfall" auf, dessen Tropfen in der Höhlenbeleuchtung wie Edelsteine schimmern. Über Stationen mit für sich sprechenden fantasievollen Namen wie Alhambragrotte, Wolkenhalle, Burgengrotte, Kapelle, Ruhmeshalle oder Kristallpalast kommt man zum prächtigen Thronsaal der Fürstin Atta, der sagenhaften Gründerin Attendorns. Wer einmal die Attraktionen der Höhle, etwa die 5 m langen "Gardinen", die zum Teil zu Säulen zusammengewachsenen Stalaktiten und Stalagmiten und die kristallisierten "Kronen" gesehen hat, wird dieses Erlebnis nie vergessen. 1986 wurden weitere Gänge, Grotten und Hallen mit kristallklaren Seen und Flüssen in der Attahöhle entdeckt, die jedoch nicht öffentlich zugänglich sind.

Die weiten Grotten und Hallen der Dechenhöhle bei Iserlohn mit ihrem großen Schatz an Tropfsteinen ziehen seit Generationen Besucher in ihren Bann. In klaren Seen spiegeln sich marmorartige Tropfsteingebilde, umgeben von steinernen Wolken, Vorhängen und Säulen. Besonders beeindrucken die hauchdünnen Sintervorhänge, die, fast durchsichtig, im künstlichen Licht kristallartig glitzern. Die Gänge haben eine Länge von 870 m, davon sind 400 m begehbar. Wenige Meter unterhalb des Eingangs befindet sich ein Höhlenkundemuseum, wo Entstehung und Entwicklung der Dechenhöhle anschaulich aufbereitet sind. Die Nachbildung eines Höhlenbären aus der Eiszeit ist die Hauptattraktion.

Talsperren

Der Biggesee, durch eine 57 m hohe Staumauer vom schmalen Listersee getrennt, gehört mit einem Fassungsvolumen von 172 Millionen m3 zu den größten künstlichen Seen Deutschlands. Zwischen 1957 und 1965 wurde die vor allem der Energiegewinnung und dem Hochwasserschutz dienende Talsperre südwestlich von Attendorn errichtet. Ein rund um den 710 Hektar großen See führender asphaltierter Fahrweg mit vielen Parkplätzen und Bänken zum erholsamen Rasten gestattet von jeder Stelle den Blick auf den bei gutem Wetter mit Segelbooten und Fahrgastschiffen belebten See. In den umliegenden Wäldern, vor allem jenen am Ostufer des Biggesees, wachsen die Zweiblättrige Schattenblume, daneben Fichtenspargel und, als ganz große Seltenheit, Mittleres Wintergrün.

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Brütender Haubentaucher im Naturpark Diemelsee

Im Osten des Sauerlands, auf beiden Seiten der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen, liegt der von insgesamt fast 1000 km Wanderwegen erschlossene Naturpark Diemelsee, dessen artenreiche Wälder und Hochheiden den Naturfreund begeistern. Namensgeber und Herzstück des Schutzgebiets ist der 1920 bis 1924 aufgestaute 165 Hektar große See, der heute viele Erholungsuchende anlockt. Durch eine 42 m hohe Staumauer werden zur Energiegewinnung und Trinkwasserversorgung bis zu 20 Millionen m3 Wasser aufgestaut. Der westlichste Zipfel, dort wo die Itter in den See fließt, ist als Naturschutzgebiet Tieren und Pflanzen vorbehalten. Bei einem Spaziergang entdeckt man vielleicht den Graureiher, der regungslos auf seine Beute lauert, oder beobachtet den markanten Haubentaucher bei seinen schier endlosen Tauchgängen. Den schönsten Blick auf alle drei Arme des Sees genießt man vom Aussichtspunkt St. Muffert oberhalb von Heringhausen.

Der 1913 fertig gestellte Möhnesee hat bei einer Fläche von 1040 Hektar ein Fassungsvermögen von 134,5 Millionen m3. An der 40,3 m hohen Staumauer wird in zwei Kraftwerken Strom erzeugt. Der Hevearm des Sees ist ein waunderschönes, 256 Hektar großes Naturschutzgebiet mit einzigartiger Vogelwelt. Auf seiner Süd- und Nordseite gestatten jeweils kilometerlange Wanderwege das Beobachten vor allem von Wasservögeln. Hier ist das Fernglas der wichtigste Begleiter, denn Stockenten, Reiher, Haubentaucher, Sturm- und Silbermöwen, Höcker- und Singschwäne sowie Kormorane flüchten, sobald Menschen sich nähern. Sollten die Vogelscharen nicht den Hevearm bevölkern, so hält man mit dem Glas Ausschau zur Körbecker Brücke und zum Stockumer Damm, die weiter östlich über den See führen. Manchmal fliegen die Vögel dorthin, um in den Vorstaubecken nach Nahrung zu suchen. Im Sommer empfiehlt sich eine Fahrt mit dem Schiff; Rundfahrten beginnen an der Delecker Brücke nördlich des Hevearms, führen an der Sperrmauer vorbei und schließlich in das Naturschutzgebiet hinein. Die Vögel haben sich an die langsam und gleichmäßig fahrenden Schiffe gewöhnt und flüchten kaum noch.

Bibliografie:

  • Bernd Fischer: Das Bergische Land, Köln 1996
  • Ferdinand Fischer, Wolfgang Detemple: Talsperren im Sauerland, Wiehl 1999
  • Hans Gorges, Bergisches Land, 2003.
  • Günter Richter: Bergisches Land, Ostfildern 1995

Institution(en):

  • Landesverkehrsverband Rheinland e. V.
    Bad Godesberg
    Rheinallee 69
    53173 Bonn
    0228/362922
    0228/363929
    lw@rheinland-info.de
  • Landesverkehrsverband Westfalen
    Friedensplatz 3
    44135 Dortmund
    0231/527506
    0231/524508
  • Fremdenverkehrsverband Sauerland
    Le-Puy-Str. 23d
    59872 Meschede
    0291/1475
  • Tourist-Information Rheinisch-Bergischer Kreis
    Schloßstr. 82
    51429 Bergisch Gladbach
    02204/58116
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