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THEMEN

Biber

Lexikon: Biber

Der Biber ist das größte heimische Nagetier und fasziniert durch seine hervorragende Anpassung an das Leben im und am Wasser sowie seine landschaftsgestalterischen Tätigkeiten als Holzfäller und Dammbauer.

Merkmale

Der Biber hat eine gedrungene Gestalt mit recht kurzen Extremitäten. Die Vorderbeine kann der Biber wie Hände benutzen, die kräftigen Zehen der Hinterbeine sind durch Schwimmhäute miteinander verbunden. Am Ende des etwa 1 m langen Körpers befindet sich ein ca. 30 cm langer, abgeplatteter Schwanz ("Kelle"), der nicht mit Fell, sondern mit Schuppen bedeckt ist. Dies führte im Mittelalter dazu, dass der Biber als Fastenspeise zugelassen war: Er wurde zu den kaltblütigen Schuppenträgern gerechnet.

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Mit ihren mächtigen Nagezähnen können Biber in fünf Minunten etwa armstarke Stämme fällen

Sein hell- bis dunkelbraunes Fell ist ausgesprochen dicht und besteht aus Woll- und Grannenhaaren. Am Bauch befinden sich 23 000 Haare pro Quadratzentimeter Körperoberfläche und am Rücken sind es immerhin noch 12 000 Haare. Das Fell wird durch spezielle Drüsen eingefettet, so dass das Wasser nicht hindurchdringen kann. Sein Nagetiergebiss ist ausgesprochen stark, im Ober- und Unterkiefer hat er jeweils ein Paar großer Nagezähne, die ständig nachwachsen. Sie ermöglichen dem Biber einen meißelartigen Schnittbiss auch in hartes Holz. Die Zähne besitzen außen eine sehr harte Schmelzplatte, während der zentrale Teil und die Innenseite deutlich weicher sind. Auf diese Weise nutzen sich die Nagezähne beim Nagen so ab, dass sie sich selbst schärfen. Dadurch dass die Nagezähne weit hinten im Kiefer wurzeln, wird der Druck beim Beißen von den Kiefern dort abgefangen, wo die kräftigen Kaumuskeln ansetzen. Die daraus resultieren Beißkraft ist so groß (Kaudruck etwa 200 kg), dass auch Harthölzer wie z.B. die Eiche durchgenagt werden können. Auch Biberjäger mussten sich früher sehr vor diesem Gebiss in Acht nehmen.

Neben dem schuppigen Schwanz hat der Biber noch eine weitere Besonderheit, die lange Zeit Rätsel aufgab: Seine Geschlechtsorgane, insbesondere die des Männchens sind von außen kaum zu erkennen. So waren nur schwangere Weibchen klar zu erkennen. Das vermeintliche Fehlen eines Begattungsorgans beim Männchen gab dem Biber auch seinen lateinischen Namen "Castor", also kastriert. Erst spät könnte der Penis in einer taschenartigen Vertiefung am After ausgemacht werden. Auch die weiblichen Geschlechtsorgane münden in einer derartigen "Kloake". Diese Unterbringung der äußerst wichtigen und empfindlichen Körperteile ist eine hervorragende Anpassung an das Leben im Wasser, denn ein Ringmuskel verschließt die "Kloake" so dicht, dass kein Wasser einzudringen vermag. Eine Geschlechtsbestimmung ist also nur bei Röntgenbild möglich. Erfahrene Biberkenner meinen aber, den Penisknochen ertasten zu können. Dass sie bei einer derartigen Untersuchung einem großen Risiko ausgesetzt sind, vom Biber gebissen zu werden, ist einleuchtend.

Sein wärmendes Fell wird durch ein nach Moschus riechendes Öl, das aus einem Drüsenpaar im Afterbereich stammt, Wasser abweisend gemacht. Da es auch zur Markierung des Reviers benutzt wird - es hat einen individuellen Geruch -, spielt es eine ausgesprochen wichtige Rolle im Biberleben. Früher galt das Öl - Bibergeil oder Castoreum genannt - als besonderes Heil- und Wundermittel zur Stärkung der Potenz. Dass eine derartige Wirkung gerade der Absonderung eines Tiere, das man für kastriert hielt, zu getraut wurde, ist schon erheiternd, war allerdings für den Biber fatal: Dieser Aberglaube hatte noch schlimmere Nachstellungen als die Nutzung seines Fells zur Folge.

Lebensraum, Verbreitung und Häufigkeit

Biber leben an den Ufern von Bächen und Flüssen und Seen. Sie brauchen eine ausreichende Wassertiefe (die sie durch Staudämme auch selbst regulieren), Wasser- und Uferpflanzen sowie Bäume, deren Rinde sie vor allem im Winter fressen. Ihr Lebensraum sollte möglichst nicht durch Straßen zerschnitten sein. Das Wasser muss sauber sein. Detergentien (waschaktive Substanzen) aus Abwässern würden die Wasser abweisenden Eigenschaften des Bibergeils aufheben, so dass ihr Fell durchnässt würde: bei niedrigen Temperaturen das Ende für den Biber.

Bis ins 17. und 18. Jahrhundert hinein erstreckte sich das Vorkommen des Bibers über fast ganz Europa sowie Nord- und Zentralasien. Auch Nordamerika war fast flächendeckend durch den Biber besiedelt, wobei sich die Fachwelt streitet, ob der Kanadabiber eine eigene Art ist oder eine Unterart unseres Bibers.

In den letzten 200 Jahren wurde der Biber aber derart heftig verfolgt, dass er in vielen Gegenden ausstarb und z. T. nur noch Inselpopulationen übrig blieben. Um 1860 waren die Bestände fast überall nahezu vernichtet. An der Elbe zwischen Dessau und Magdeburg, an der unteren Rhone und in unzugänglichen Gebieten Südnorwegens waren die letzten europäischen Biber zu finden. Auch in den Weiten Sibiriens war der Biber fast gänzlich ausgerottet worden, ebenso in Nordamerika. Dort allerdings erkannte man zuerst, nämlich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, welche wichtige Rolle Biber im Naturhaushalt spielen, und leitete die Notwendigkeit von Schutz- und Wiedereinbürgerungsmaßnahmen daraus ab. Z.T. wurden einfach nur Holzkisten mit Bibern darin von Flugzeugen aus abgesetzt, so dass sich die Biber selbst in die Freiheit knabbern konnten. Heute ist Nordamerika wieder gut durch den Biber bevölkert.

In Europa brauchte die Erkenntnis, dass der Biber schützenswert ist, länger. Zuerst holten sich die Schweden Biber aus Südnorwegen. Heute sind alle möglichen Lebensräume in Schweden wieder "bebibert". Nachdem Polen derart nachgezogen hatte, wurden auch in Deutschland in den 1960er Jahren Überlegungen angestellt, den Biber wieder in der Bundesrepublik heimisch werden zu lassen (die DDR hatte ja immerhin noch Restbestände des Elbebibers). Anfang der 1970er Jahre wurde in Bayern begonnen, in russischen Biberfarmen gezogene Biber auszusetzen. In den Auen des oberen Inns und an der Donau westlich von Regensburg sowie an weiteren Stellen gelang es zuerst, überlebensfähige Biberbestände zu schaffen. 1985 waren es auf diese Weise schon 200 Biber. Jetzt sind es in Bayern 1 500-1 700 Tiere in 350 bis 400 Biberrevieren! Inzwischen werden sogar aus Bayern Tiere zur Wiederansiedlung in andere Länder - z.B. nach Kroatien - geschickt.

Seit Ende der 1980er Jahre wandern Biber nach Niedersachsen ein. Die Bereiche Lüchow-Dannenberg und Lüneburg wurden auf diese Weise von den Elbe entlang wandernden Bibern besiedelt, ohne dass menschliche Eingriffe dazu notwendig waren.

Die Erfolge der Wiederansiedlungen bringen allerdings auch Probleme mit sich. Die vielfältigen z.T. landschaftsverändernden Aktivitäten der Biber stoßen nicht auf ungeteilte Freude. Landwirte beklagen Schäden an Ufern, Überschwemmungen und Fruchtdiebstähle der Großnager. Durch Schadenersatzleistungen, diplomatisches Geschick und naturschützerische Überzeugungskraft gelingt es aber in den meisten Fällen, die Landwirte mit den Bibern zu versöhnen.

Lebensweise

Der Biber ist hervorragend an das Leben im und am Wasser angepasst. Das Wasser ist ein guter Lebensraum, da es wesentlich geringere Temperaturextreme hat als das Land. Selbst im Winter wird es unter dem Eis nicht weniger als 0 0C und die Biberburgen sind meist so geschickt angelegt, dass es in ihnen auch nicht kälter wird.

Biber leben in Einehe im Familienverband. Die Biberfamilie besteht aus dem Elternpaar und zwei Generationen von Jungtieren. Im dritten Jahr wandern die Jungbiber ab und besiedeln neue Reviere. So ist auch das Wiederauftauchen von Bibern in Niedersachsen zu erklären.

Biber graben sich in steilen Uferböschungen Baue, deren Eingänge unter Wasser liegen, damit der Bau vor Feinden und der Winterkälte geschützt ist. Der Bau selbst liegt aber über der Wasserlinie. Nur geübte Kenner vermögen die Spuren zu deuten, die auf einen derartigen Bau hindeuten. Deutlicher sind dagegen die Spuren an Land: Sanduhrförmig angenagte oder bereits gefällte Baumstämme zeugen von der regen Tätigkeit, die sich häufig nachts abspielt. Span für Span nagen sie aus dem Stamm, bis der Baum nach vielleicht 150 oder sogar 1 000 Spänen fällt. Das gelingt bei Bäumen mit 30 cm Stammdurchmesser in einer Nacht, andere Bäume - vor allem wenn sie ausnahmsweise einmal ein junge Eiche fällen - sind erst nach mehreren Nächten durchgenagt. Umsonst gearbeitet hat der Biber, wenn ein gefällter Baum nicht umstürzt, weil er in benachbarten Kronen hängen bleibt. Hier zeigt sich dann die Erfahrung des Bibers: Alten Haudegen passiert solch ein Malheur natürlich nicht.

Haben die Gewässer nur flache Ufer, legen sich Biber geschützte Biberburgen an, die sogar mehrere Meter Höhe erreichen können. Auch sie haben natürlich ihren Eingang unter Wasser.

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In den wald- und gewässerreichen Gebieten Kanadas bauen Biber oft riesige Staudämme, die mehrere Meter breit sein können

Besonders markant sind die Spuren, wenn Biber Flüsse oder Bäche aufstauen. Ist der Wasserstand zu niedrig, um gut schwimmen und tauchen zu können, bauen sie Dämme. Dazu verarbeiten sie Stämme, Äste und Zweige zu einem Geflecht, das sie mit Schlamm abdichten. Das Festklatschen machen sie mit den Vorderpfoten - nicht etwa mit der Kelle. Die manchmal sogar über 100 m langen Dämme stauen das Wasser in genau der richtigen Höhe, so dass der Burgeneingang unter Wasser liegt und Nahrungsgründe gut schwimmend erreichbar sind. Dass Biber durch die Überflutung auch gleich den Baumbestand zu ihrem Nutzen selektieren (siehe Nahrung), ist dabei fast gewollt.

Nahrung

Die Nahrung der Biber im Sommer besteht fast nur aus Wasser-, Ufer- und Landpflanzen. Dabei hat der Biber keine besonderen Ansprüche, vielmehr frisst er Hunderte verschiedener Arten, sogar Brennnesseln. Besonders schätzen Biber allerdings die stärkehaltigen Knollen und Wurzelstöcke von Kalmus, Schwertlilien, Rohrkolben oder Seerosen. Im Winter, wenn keine nährstoffreichen Pflanzen zur Verfügung stehen, leben Biber von Baumrinde. Sie fällen Bäume, um an die Äste heranzukommen, die noch keine dicke Borke haben, und entrinden diese. Baumrinde ist allerdings keine "leichte" Nahrung: Sie ist erstens nur sehr schwer verdaulich und zweitens erschweren Schutzstoffe, die die Bäume in die Rinde einlagern, die Verdauung zusätzlich. Die Weide enthält beispielsweise Salizylsäure, die wir zum Konservieren von Lebensmitteln benutzen, in ihrer Rinde, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Die Verdauung der Biber muss also ganze Arbeit leisten: In seinen langen Blinddärmen befinden sich dazu Mikroorganismen, die nicht nur den Nahrungsbrei aufschließen, um z.B. Zucker verfügbar zu machen, sondern die dabei auch noch Bakterieneiweiß produzieren, das für den Biber ebenfalls sehr wichtig ist.

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Eine wichtige Nahrung des Bibers ist die Rinde verschiedener Laubbäume, die er säuberlich von den meist selbst gefällten Stämmen und Zweigen abschält.

Eine große Schwierigkeit dabei ist, dass die Mikroorganismen nicht mit allen möglichen Inhaltsstoffen gleichzeitig fertig werden. Vielmehr gibt es gerade für jeden Schutzstoff spezialisierte Bakterienarten. Stellt der Biber seine Nahrung im Herbst von der leicht verdaulicheren Kräuter- und Blätternahrung auf Rinde um oder wechselt er zu einer anderen Baumart, muss sich auch die Verdauung erst langsam umstellen. Besonders schwierig ist diese Umstellung für die Jungbiber. Der Zeitraum, in dem sie das erste Mal ausschließlich Rinde fressen, ist der kritischste Zeitpunkt im Biberleben.

Der Biber beschränkt sich seinen Darmmitbewohnern zuliebe auf möglichst wenige Baumarten als Nahrungsquelle, meist die, an die er seit seiner Jugend gewöhnt ist. Am liebsten hat der Biber Weiden und Espen (Zitterpappel), da er mit ihrem weichen Holz sehr gut zurecht kommt. Außerdem wachsen diese Bäume sehr schnell, so dass die Umtriebszeit kurz ist.

Durch Dammbau und die dadurch verursachten Überschwemmungen sorgt der Biber selbst dafür, dass seine Lieblingsbaumarten bevorzugt werden: Sie stehen gerne in feuchtem Boden oder sogar im Wasser. Andere Arten werden verdrängt. Wenn sie absterben, nutzt der Biber ihr Holz höchstens zum Damm- oder Burgenbau.

Es wird geschätzt, dass ein 25 kg schwerer Biber etwa 5 kg pro Tag braucht. Im Jahr sind das ungefähr 4 000 kg Holz mit Rinde. Eine Biberfamilie benötigt 100-180 Weiden, um über den Winter zu kommen. Damit genügend Bäume zur Verfügung stehen, richtet sich die Reviergröße nach dem Bedarf. Ein gutes Revier erstreckt sich über 700 m Uferstrecke, ein schlechtes (mit weniger Baumbestand) über drei Kilometer. Im Revier fällt der Biber nun gezielt kleine Baumgruppen, so dass Lichtungen entstehen, auf denen schnell wieder Weiden oder Pappeln nachwachsen können. In den Inn-Auen in Bayern haben Untersuchungen gezeigt, dass jährlich 5-10 % des Weiden- und Pappelbestandes durch Biber gefällt werden. Bei einer Umtriebszeit von 10-20 Jahren, in der die Bäume gut wieder heranwachsen, fällt der Biber also nur höchstens die Menge an Bäumen, die tatsächlich nachwächst.

Fortpflanzung

Im Februar und März - noch bei Eis und Schnee - beginnen Biber mit ihren Balzspielen. Kurz darauf erfolgt die Begattung, der nach einer Tragzeit von 105 Tagen die Geburt von 1-5 Jungen folgt. Die bereits 700 g schweren Biberkinder können schon sehen, aber noch nicht ihr Fell einfetten. So bleiben sie eine ganze Weile im Bau und werden von der Mutter versorgt. Der Vater ist zu dieser Zeit nicht im Bau. Das enge Zusammensein mit der Mutter ist besonders wichtig, weil dadurch die Wasserfestigkeit des Fells gefördert wird. Nach zwei Monaten werden die zuerst sehr wasserscheuen Jungen von der Mutter erstmals aus dem Bau geschafft. Dabei muss die Mutter schon mal Gewalt anwenden, wenn die Kleinen so gar nicht wollen. Erst wenn die eigene Fettabsonderung das Fell richtig schützt, erobern die Jungen auch freiwillig und spielerisch ihren Lebensraum Wasser. Nach 3 Monaten sind die Jungen vollständig entwöhnt.

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Bibermütter sind sehr besorgt um ihre Jungen - hier wird gerade ein Junges mit dem Mund transportiert. Die Jungbiber leben mindestens ein Jahr lang und oft noch länger mit den Eltern zusammen.

Der folgende Herbst bringt nun die gefährlichste Zeit im Biberleben: Die Nahrungsumstellung auf Baumrinde, zu der sich im Blinddarm die richtigen Mikroorganismen ansiedeln und vermehren müssen, gelingt durchaus nicht immer, so dass manche Biber verhungern. Ist diese Krise überstanden, ist die Überlebensrate hoch. Mit drei Jahren verlassen sie das elterliche Revier und werden auch etwa zu dieser Zeit geschlechtsreif.

Feinde

Natürliche Feinde hat der Biber kaum. Wenn überhaupt vorhanden, können höchstens Luchse, Bären, Kojoten, Vielfraß und Wölfe gefährlich werden. An den Jungtieren sind gelegentlich Otter interessiert. Wirkliche Probleme haben Biber bislang aber nur mit dem Menschen gehabt, der ihnen aus verschiedenen Gründen in früherer Zeit existenzbedrohend nachgestellt hat.

  1. Lexikon: Biber
  2. Steckbrief
  3. Hintergrund: Der Biber als Landschaftsveränderer

Bibliografie:

  • Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs, vollständige Ausgabe mit den Ergänzungsbänden, 2008
  • Marilyn F. Holmer: Der Biber. Ein Leben im Fluss, 2001
  • Sabine Steghaus-Kovac: Hamster, Biber und andere Nagetiere, 2009
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