Total votes: 25
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
THEMEN

Bismarck

Kurzbiografie

  • Name: Otto von Bismarck
  • geboren am: 1. April 1815
  • geboren in: Schönhausen bei Stendal
  • gestorben am: 30. Juli 1898
  • gestorben in: Friedrichsruh
  • als Gründer und erster Kanzler des Deutschen Reichs ein Staatsmann von Weltgeltung

Leben und Werk

Otto von Bismarck wurde am 1. April 1815 in Schönhausen bei Stendal geboren. Er entstammte einem Adelsgeschlecht, das seit dem 14. Jahrhundert in der Altmark ansässig war. Sein Vater war als Rittmeister aus der Armee ausgeschieden und bewirtschaftete das Gut Schönhausen, eines der Familiengüter; seine Mutter war die Tochter eines nichtadligen hohen Beamten. Bismarck besuchte das Gymnasium in Berlin und studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und Berlin; nach bestandenem Examen war er als Referendar an Gerichten und Behörden tätig, zugleich leistete er seinen einjährigen Militärdienst ab. 1838 verließ er den Staatsdienst, weil ihm der bürokratische Routinebetrieb nicht zusagte, und übernahm das Familiengut Kniephof in Pommern. Nach dem Tod des Vaters siedelte er 1846 nach Schönhausen über, wo er auch Deichhauptmann wurde. 1847 heiratete er Johanna von Puttkamer, die aus einer alten pommerschen Adelsfamilie kam

Bild
Bismarck

Bismarcks politische Tätigkeit begann 1847, als er Abgeordneter des Vereinigten Landtages wurde. In diesem ständischen Parlament und auch in der Zweiten Kammer des Landtages, der er 1849-1852 angehörte, war er einer der Wortführer des äußersten rechten Flügels. In den Revolutionsjahren 1848/49 trat er entschieden für Königsmacht und Adelsprivilegien ein und bekämpfte alle liberalen und demokratischen Bestrebungen. Einen auf Volkssouveränität gegründeten deutschen Nationalstaat, wie ihn die Frankfurter Nationalversammlung proklamierte, lehnte er ab - Preußen sollte Preußen bleiben.

Obwohl Bismarck keine diplomatische Ausbildung besaß, wurde er 1851 zum preußischen Gesandten beim Bundestag in Frankfurt ernannt. Der Bundestag war das einzige Organ des 1815 gegründeten Deutschen Bundes, ein ständiger Kongress der Gesandten von 32 Monarchien und vier Freien Städten, in dem der österreichische Gesandte den Vorsitz führte. Bismarck sah seine Aufgabe zunächst vor allem darin, die Gleichberechtigung Preußens mit Österreich zu demonstrieren. In den Frankfurter Jahren ging er, ohne seine konservative Grundhaltung aufzugeben, von einer "Prinzipienpolitik" allmählich zur "Realpolitik" über: Bestimmend sollten nicht mehr ideologische Grundsätze sein, sondern allein die Großmachtinteressen Preußens bei Berücksichtigung der Interessen anderer Großmächte. Was ihm als strategisches Ziel vor Augen stand, war die Hegemonie Preußens in einem Deutschland, dem Österreich nicht mehr angehören würde.

Im Deutsch-Dänischen Krieg ging es um Schleswig und Holstein. In den beiden Herzogtümern war der dänische König Landesherr, sie gehörten aber nicht zum dänischen Staatsverband. Als die dänische Regierung diesen Zustand ändern wollte, griffen Preußen und Österreich 1864 vereint Dänemark an und zwangen es zur Abtretung der beiden Herzogtümer, die sie zunächst gemeinsam verwalteten. Bismarck betrieb jedoch von Anfang an ihre Annexion und steuerte den offenen Konflikt mit Österreich an. 1866 kam es zum Deutschen Krieg, an dem neben den beiden Großmächten alle deutschen Staaten beteiligt waren, teils auf preußischer, teils auf österreichischer Seite. Nach dem raschen preußischen Sieg bei Königgrätz wurde der Deutsche Bund aufgelöst; Preußen annektierte Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt am Main. Bismarck gründete den Norddeutschen Bund, dem alle deutschen Staaten mit Ausnahme Bayerns, Württembergs und Badens beitraten, und wurde als Bundeskanzler dessen leitender Staatsmann. Nachdem er schon 1865 zum Grafen erhoben worden war, erhielt er jetzt vom preußischen Staat eine Dotation (Schenkung) von 400.000 Talern, die er zum Ankauf des Gutes Varzin in Pommern verwandte.

Das Zusammenwachsen Deutschlands wurde in Frankreich als bedrohlich empfunden und stieß auf Ablehnung. Der Krieg von 1870/71, der durch einen an sich unbedeutenden diplomatischen Konflikt ausgelöst wurde, bot Bismarck eine willkommene Gelegenheit, den französischen Widerstand zu brechen. Ob er den Krieg bewusst provoziert oder nur eine günstige Situation ausgenutzt hat, ist eine unter den Historikern bis heute umstrittene Frage. Das besiegte Frankreich musste hohe Reparationen zahlen und Elsass-Lothringen an Deutschland abtreten, was zu einer dauernden Feindschaft führte. In der nationalen Hochstimmung des Sieges wurde die deutsche Einheit vollendet. Die süddeutschen Staaten schlossen sich, nachdem ihnen Sonderrechte gewährt worden waren, mit dem Norddeutschen Bund zum Deutschen Reich zusammen. Wilhelm I. von Preußen wurde Deutscher Kaiser, und Bismarck vertauschte den Titel des Bundeskanzlers mit dem des Reichskanzlers. Er wurde in den Fürstenstand erhoben und erhielt als weitere Dotation die Domäne Lauenburg mit dem Sachsenwald bei Hamburg. Bismarck war nun ein sehr reicher Mann mit einem Grundbesitz von 16.000 Hektar. Auf seinen Gütern betrieb er neben der Land- und Forstwirtschaft Sägewerke, Papierfabriken und Brennereien.

Die Verfassung, die Bismarck dem neuen Reich gab, war ganz auf seine Person zugeschnitten. Der Reichskanzler wurde vom Kaiser ernannt und war nur diesem verantwortlich. Die "Reichsämter" für Auswärtiges, Inneres usw. wurden nicht von selbständigen Ministern geleitet, sondern von Staatssekretären, die bloße Gehilfen des Kanzlers waren. Der Reichstag wurde nach allgemeinem und gleichem Wahlrecht (das freilich nur Männern über 25 Jahre zustand) gewählt, ganz im Gegensatz zu dem in Preußen geltenden Dreiklassenwahlrecht, das die Wohlhabenden begünstigte. Bismarck führte das allgemeine Wahlrecht in der Annahme ein, dass die Landbevölkerung überwiegend konservativ stimmen und so die städtischen Demokraten schwächen würde. Der Reichstag hatte sehr viel geringere Rechte als der heutige Bundestag; vor allem hatte er keinen Einfluss auf die Regierungsbildung. Allerdings brauchte Bismarck die Zustimmung der Reichstagsmehrheit für seine Gesetzesvorlagen und den Reichshaushalt. Da es keine "Regierungskoalition" im heutigen Sinne gab, musste sich Bismarck seine Mehrheiten von Fall zu Fall suchen. In den ersten Jahren fand er sie vor allem bei der Nationalliberalen Partei, die den rechten Flügel des besitzenden Bürgertums vertrat; seit 1879 stützte er sich stärker auf die konservativen Gruppierungen.

Bild
Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck

Die Außenpolitik, die Bismarck als Reichskanzler betrieb, war im Wesentlichen Friedenspolitik. Sein Ziel war es, das Erreichte zu sichern und zu bewahren. Dazu diente ihm ein System von Bündnissen und Verträgen, das den Kriegsfall möglichst ausschließen sollte. Alle Mächte außer Frankreich sollten gute Beziehungen zu Deutschland nötig haben und von antideutschen Koalitionen möglichst abgehalten werden. Um Europa die Furcht vor weiterer deutscher Expansion zu nehmen, erklärte Bismarck das Reich für "saturiert", d.h. ohne irgendwelche Gebietsansprüche. Von Kolonialpolitik hielt er wenig; mit dem Erwerb afrikanischer Kolonien in den Achtzigerjahren folgte er eher dem Zeitgeist als seinen eigenen politischen Überzeugungen.

Viel kritischer ist Bismarcks Innenpolitik zu bewerten. Nach einem Wort des großen Soziologen Max Weber hat er der Nation die äußere Einheit gegeben, nicht aber die innere. Ihm fehlte das Verständnis für die demokratischen Tendenzen der Zeit; politische Oppositionelle waren für ihn "Reichsfeinde". Die beiden größten innenpolitischen Kämpfe, die er führte - gegen die katholische Kirche und gegen die organisierte Arbeiterbewegung -, endeten mit Niederlagen. Den politischen Katholizismus vermochte er im "Kulturkampf" der Siebzigerjahre ebenso wenig niederzuringen wie die Sozialdemokratie mit dem "Sozialistengesetz" von 1878-1890. Seine Politik entfremdete die Arbeiterschaft auf lange Zeit dem Staat, woran auch die umfassende, damals einzigartig dastehende Sozialversicherung nichts änderte, die er in den Achtzigerjahren einführte.

Von Kaiser Wilhelm II., der 1888 den Thron bestiegen hatte, wurde Bismarck 1890 entlassen. Vorangegangen waren Meinungsverschiedenheiten in einer Reihe von politischen Fragen; das eigentliche Motiv war aber, dass der alte Kanzler dem jungen Kaiser, der selbst regieren wollte, im Wege stand. Den Titel eines Herzogs von Lauenburg, der Bismarck zum Abschied verliehen wurde, hat er nie geführt; er verweigerte sogar die Annahme von Briefen, die diese Adresse trugen. Er zog sich nach Friedrichsruh im Sachsenwald zurück und übte in Reden, Interviews und von ihm angeregten Zeitungsartikeln vernehmlich Kritik an der kaiserlichen Politik. 1894 kam es zu einer oberflächlichen Aussöhnung mit dem Kaiser. Am 30. Juli 1898 starb Bismarck in Friedrichsruh.

Ehrungen

Bismarck war ein bedeutender Parlamentsredner und ein hervorragender Stilist. Seine Denkschriften und Briefe haben nicht nur historisch-politischen Wert, sondern auch hohen literarischen Reiz. Das Gleiche gilt für sein Memoirenwerk "Gedanken und Erinnerungen", von dem die beiden ersten Bände 1898 kurz nach seinem Tod erschienen, während der dritte Band, der scharfe kritische Äußerungen über Wilhelm II. enthält, erst 1921 herauskam. Allerdings darf dieses Werk nicht als objektive Geschichtsquelle gelesen werden.

Bibliografie:

  • Konrad Canis, Bismarcks Außenpolitik 1870-1890. Paderborn. 2. Auflage 2008
  • Dominik Haffer, Europa in den Augen Bismarcks. 2010
  • Lothar Gall, Bismarck. Der weiße Revolutionär. Neuausgabe. Berlin 1997
  • Eberhard Kolb, Bismarck. München 2009
  • Otto Pflanze, :Bismarck. Bd. 1: Der Reichsgründer. München 2008; Bd. 2: Der Reichskanzler. München 2008
Total votes: 25
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Wissenstest

"Biologie" aus Allgemeinbildungstest 49 1/2

Woran erkennt man u.a. das Imponierverhalten eines Hundes?

RÄTSEL DES ALLTAGS

Rätsel des Alltags

Warum haben Schiffsnamen immer einen weiblichen Artikel?