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THEMEN

Buddhistische Fest- und Feiertage

Geburt, Erleuchtung und Eintritt in das Nirvana

Die wichtigsten buddhistischen Feste stehen in Zusammenhang mit der heiligen Geschichte und erinnern an die großen Augenblicke im Leben des Buddha: Geburt, Erleuchtung und Eintritt in das Nirvana. Früher wurden zu Ehren des Buddha große Feste gefeiert. Szenen aus seinem Leben wurden in Pantomimen dargestellt, feierliche Prozessionen und Opferzeremonien fanden an Schreinen statt, die eine Reliquie Buddhas oder seiner Anhänger bargen. Die meisten dieser Schreine existieren heute nicht mehr. Doch die wichtigsten Jahrestage werden auch heute noch feierlich gewürdigt.

Der Geburtstag des Buddha wurde nach dem alten Mondkalender am achten Tag des vierten Monats gefeiert. Heute wird er am 8. April begangen. Während der Zeremonie sagt ein Priester Gebete für die Kinder auf. Dabei wird eine Statue, die den Buddha als Kind darstellt, gebadet. Für dieses Bad wird ein Absud aus Chrysanthemen benutzt, dem eine heilende Wirkung nachgesagt wird.

Der Jahrestag der Erleuchtung des Buddha wird am 8. Dezember gefeiert. Er erinnert an die religiöse Askese und die Tage, die Buddha unter dem Bodhi-Baum, dem Baum der Erleuchtung, verbrachte. An diesem Tag wird in den Zen-Klöstern eine Periode besonders strenger Meditationsexerzitien (vom 1. bis zum 8. Dezember) beendet.

Der Jahrestag des Eintritts in das Nirvana findet am 15. des zweiten Mondes (nach dem Sonnenkalender am 15. Februar oder am 15. März) statt. Die Zeremonie ist auf ein Bild des in einem Wald bei Kusinara (Sterbeort Buddhas) liegenden Buddha ausgerichtet. Dieser ist, umringt von seinen untröstlichen Jüngern und einer Schar von Tieren, gerade dabei, ins Nirvana einzutreten.

Im Mai wird darüber hinaus das Lichter- und Fahnenfest Wesak gefeiert, bei dem dieser drei Stationen im Leben Buddhas gedacht wird.

Fest der siebenundvierzig herrenlosen Samurai

Ein weiteres berühmtes Fest mit Höhepunkt in einem buddhistischen Tempel in Tokio ist das Fest der siebenundvierzig herrenlosen Samurai ("ronin"). Die Samurai rächten den zu Unrecht erzwungenen Selbstmord ihres Herrn und nahmen sich nach vollbrachter Tat selbst das Leben. Seit Jahrhunderten werden sie für ihre Treue zu ihrem Herrn bewundert. Ihre Tat ist ein klassisches Beispiel für "harakiri" (ritueller Selbstmord) aus Gründen unauflösbarer Loyalität. In dem Drama "Chushingura", das jedes Jahr im Dezember aufgeführt wird, ist dieses Thema geschickt verarbeitet. Das Fest ihnen zu Ehren besteht aus einer Prozession, die darstellt, wie die 47 Samurai zum Tempel kommen, um von der Ausführung ihrer Rache zu berichten. Nach dieser Szene zünden Festteilnehmer Weihrauchstäbe an den Gräbern an.

Neujahrsfeste

Der erste Monat des Jahres enthält im Keim bereits das ganze bevorstehende Jahr. Darum finden in diesem Monat zahlreiche Feste statt. In Asien, wo man vom Mondkalender zum Sonnenkalender überging, haben sich diese Feste sogar verdoppelt. Neben dem Neujahrsfest des Sonnenjahrs (1. Januar) wird dort auch das alte Neujahrsfest des Mondjahres gefeiert. Bei dem auf dem Mondzyklus beruhenden Mondkalender (Monate von achtundzwanzig Tagen) beginnt das Jahr im Februar oder im März. Das buddhistische Neujahrsritual wurde in die chinesischen und japanischen Rituale integriert und zu einem äußerst komplexen liturgischen Gebilde erweitert. Den Höhepunkt stellt das Ritual der hundertacht Glockenschläge zu Beginn des neuen Jahres dar. Die Glockenschläge symbolisieren die 108 Leidenschaften, die man gelobt abzulegen.

Im Unterschied zu China und Vietnam wird in Japan der Beginn des Mondjahres nicht mehr als offizielles Neujahr begangen. Aber an diesem Tag wird doch die "Trennung der Zeiten", also der Frühjahrsbeginn, gefeiert. In dieser Zeit der "kosmischen Erneuerung" drohen besondere Gefahren, die exorziert werden müssen. So werfen die Menschen beispielsweise mit vollen Händen Bohnen auf ihre Türschwelle und rufen: "Dämonen hinaus! Glück herein!" Den Bohnen werden magische Kräfte nachgesagt. Zu dieser Zeit wird in bestimmten Tempeln auch eine Pantomime aufgeführt. Dabei verjagt ein Priester Anhänger, die sich als mächtige Dämonen verkleidet haben.

"Higan"

Ein anderes wichtiges Fest ist "higan" (wörtlich: "Das andere Ufer"). "Higan" wird zur Zeit der Tagundnachtgleiche im Frühjahr und im Herbst begangen und dauert eine Woche. Während dieser Zeit werden in allen Tempeln Sutras (Lehrreden Buddhas) gelesen, und die Familien besuchen die Friedhöfe. "Das andere Ufer" steht für die endgültige Erlösung oder das Nirvana. Die Tagundnachtgleiche symbolisiert das Gleichgewicht zwischen Tag und Nacht und steht für den "mittleren Pfad" zwischen der Klarheit der Weisheit und der Dunkelheit der Unwissenheit. "Higan" ist aber auch ein Erntefest.

Fest der "universellen Erlösung"

Das Fest der "universellen Erlösung" oder der "Versammlung des Wassers und der Erde" entspricht unserem Allerheiligenfest. Wurde es traditionell am 15. des siebten Mondes begangen, so findet dieses Fest heute vom 13. bis 16. Juli statt. Während des Festes kehren die Ahnen auf die Welt zurück und besuchen die Lebenden. Man sucht zu dieser Zeit die Familiengräber auf und bringt dem Beschützer der verstorbenen Seelen (Bodhisattva Jizo) Opfer. Den Geistern, die wie hohe Gäste empfangen werden, wird ein Bankett ausgerichtet. Außerdem werden ihnen "bonodori" genannte Tänze gewidmet. Am Abend des 15. Juli stellen die Menschen Kerzen in kleine Papier- und Bambusboote und lassen sie mit dem Strom schwimmen. Die Geister leiten die Nachen dann zu den "Gelben Quellen", ihren unterirdischen Behausungen.

Das Fest des Padmasambhava

Padmasambhava war ein Tantriker aus Udyana (Swat), der im 8. Jahrhundert nach Christi das älteste Kloster Tibets und die Nyingmapa-Sekte gründete. Von Tibet aus brachte er den Buddhismus nach Sikkim, Bhutan und Ladakh. Zu Tausenden ziehen die Ladakhis in jedem Sommer zum 4 300 Meter hoch gelegenen Kloster Hemis, um dort den Geburtstag des Padmasambhava u.a. mit Maskentänzen und Mysterienspielen zu feiern. Im Innenhof des Klosters Hemis bilden die Akteure und das Publikum dann eine wie durch Magie gebannte Gemeinschaft. Da es keine Bühne gibt, ist die Berührung unmittelbar. Die Zuschauenden hocken auf dem Boden, auf dem Dach über dem Eingang, an den Fenstern sowie auf Balkonen und Erkern. Der gesamte Innenhof ist mit Tüchern geschmückt, in die tantrische Zeichen gestickt oder gewebt sind. Mönche in der rotbraunen Toga der Entsagung rufen: "Brüderlicher Gruß dir, o Padmasambhava! In vergangenen Zeitaltern hast du die Lehren Buddhas gehütet und hast alle schädlichen Geister vernichtet. Nun habe ich diese Aufgabe übernommen, o Heiliger Padma! Lehre mich, wie du den Prinzen Perle belehrt hast und deine hellhäutige Frau - du siegreicher Ozean der Vorausschau. Du hast die Riten einst aufgeschrieben und in einer Höhle versteckt - das Geheimnis ist versiegelt!"

Den Beginn des dreitägigen Festes bestimmt der Lama-Astrologe; zumeist ist es ein Tag zwischen dem 10. und 15. Juni. Gleichzeitig mit dem Fest zu Ehren des Padmasambhava wird der große Jahrmarkt von Ladakh eröffnet.

Todestage

Neben den Gedenkfeiern der wichtigsten Stationen im Leben des Buddha werden auch die Todestage der Gründer und der Patriarchen der buddhistischen Sekten begangen. So feiert man in den Zen-Klöstern beispielsweise den Todestag des Bodhidharma, des legendären indischen Mönchs, der die Zen-Lehre nach China brachte. Darüber hinaus feiert jedes Kloster den Todestag seines Gründers.

Bibliografie:

  • Ursula Baatz: Buddhismus, 2002
  • Bhikkhu Bodhi: In den Worten des Buddha, 2008
  • Karin Bruckner: Tibetischer Buddhismus. Handbuch für Praktizierende im Westen. Geschichte, Lehre und Praxis, Feste Rituale und Feiertage, 2003
  • Thubten Chodron: Buddhismus: Antworten auf die häufigsten Fragen, 2003
  • Wilhelm K. Essler, Ulrich Mamat: Die Philosophie des Buddhismus, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2005
  • Bradley K. Hawkins: Buddhismus, 2000
  • Heinz Scheel: Vom Tanz des Werdens. Buddhas Lehre - Religion der Moderne?, Kassel 2007
  • Hans W. Schumann: Der historische Buddha - Leben und Lehre des Gotama, München 2004
  • Thomas Schweer: Buddhismus, 2000

Institution(en):

  • Deutsche Buddhistische Union
    Buddhistische Religionsgemeinschaft e.V. Deutschland
    Amalienstraße 71
    80799 München
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