Camille Saint-Saëns
Einführung

Camille Saint-Saëns war nicht nur ein äußerst produktiver Komponist, dessen vielfältiges Œuvre rund 400 Werke verzeichnet, sondern auch ein aufgeschlossener und kulturell vielseitig interessierter Mensch, der sich nicht nur mit Fragen der Musik auseinander setzte. Gleichwohl provozierte er sowohl durch seine als traditionalistisch und konservativ empfundene Musiksprache als auch durch seine brillanten und oft scharfzüngigen Essays und fachwissenschaftlichen Publikationen seine Zeitgenossen, die ihn nicht selten als "Wilderer" in ihren Fachgebieten betrachteten und den Amateurwissenschaftler zum Teil mit harscher Kritik bedachten.
Camille Saint-Saëns war ein unbequemer Zeitgenosse. Er hatte frühzeitig gelernt, zu seinen Überzeugungen zu stehen, auch wenn das gesellschaftliche und menschliche Isolation bedeutete, und setzte sich mit Vorliebe für verlorene Sachen und Außenseiter ein. Über die musikalische Welt hinaus bekam sein stets wacher und aufnahmefähiger Geist auf seinen zahlreichen Reisen immer neue Anregung und Nahrung.
Als Musiker ist Camille Saint-Saëns ein ähnliches Multitalent wie sein Zeitgenosse Franz Liszt oder im 20. Jahrhundert Leonard Bernstein. Hoch geschätzt als Pianist, Organist und Dirigent bleibt er als Komponist jedoch ein Leben lang eher im Schatten seiner ausübenden Künstlerpersönlichkeit. Doch trotz aller Anfeindungen und zum Teil beißender Kritik bleibt er seiner Berufung als Komponist von seinem vierten Lebensjahr an bis zu seinem Tode im 86. Lebensjahr treu.

Hinter all diesen wissenschaftlichen, künstlerischen und pädagogischen Tätigkeiten verschwindet jedoch der Mensch Camille Saint-Saëns. Frühzeitig durch eine isolierte Kindheit und später durch die Wankelmütigkeit der öffentlichen Meinung zum Einsiedler geworden, zieht er sich ähnlich von der Welt zurück wie Anton Bruckner aufgrund seiner tief verwurzelten Unsicherheit. Beide Komponisten stürzen sich stattdessen wie Besessene in ihre künstlerische Arbeit - eine Flucht aus der Welt und vor den Menschen? Beide berauben sich damit auch einer erfüllten Lebensgemeinschaft mit einem Ehepartner.
Beide leiden schließlich auch unter dem Titanen Wagner, der wie kein anderer vorher und nachher die (Musik-)Welt polarisierte. Sowohl Anton Bruckner als auch Camille Saint-Saëns schätzen das Werk Richard Wagners, beide geraten jedoch mehr oder weniger unfreiwillig in die Mühlen der (Musik-)Geschichte zwischen Wagnerianern und Wagner-Gegnern - Bruckner durch die Identifizierung seiner Musik mit dem Schreckgespenst der Neudeutschen Schule, Saint-Saëns durch die kritische Stellungnahme zu der ideologisch überhöhten Kultfigur Richard Wagner.
Bibliografie:
- Michael Stegemann: Camille Saint-Saëns. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek 2000
Institution(en):
- Saint-Saëns-Museum Dieppe (Le salon Camille Saint-Saëns): Château-Musée de DieppeRue de Chastes F-76372 Dieppe Cedex+33/23/5841976Fax: +33/23/2901279musee-dieppe@wanadoo.frInternet: http://www.mairie-dieppe.fr/chateau-musee/b-museeF.html (französischsprachige Website)









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