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THEMEN

Carl Maria von Weber

... ich kann die Kunst nicht vom Menschen trennen, der in ihr lebend erst recht eigentlich das ganze Leben ehren lernen soll. (Carl Maria von Weber)

Biografie

Kindheit und Jugend

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Carl Maria von Weber (1786-1826) zur Zeit der Entstehung seiner letzten Oper "Oberon, König der Elfen"

Carl Maria Friedrich Ernst von Weber wird am 18. Dezember 1786 im schleswig-holsteinischen Eutin als Sohn des Kapellmeisters Franz Anton von Weber und seiner zweiten Frau Genovefa geboren. Musikalische Gene werden dem Knaben von beiden Elternteilen in die Wiege gelegt: der Vater ist ein fähiger Geiger und Kontrabassist und die Mutter eine begabte Sängerin. Und da die Musik nicht nur als Freizeitbeschäftigung dient, sondern auch den Lebensunterhalt der Familie sichert, wächst Carl Maria von klein auf in einem kreativen Umfeld auf, in dem nicht nur musikalische Inhalte in Theorie und Praxis, sondern auch verschiedene künstlerische Tätigkeiten vermittelt werden. Nimmt nach Carl Marias eigener Aussage in seiner autobiografischen Skizze aus dem Jahr 1818 zunächst die Malerei einen zentralen Stellenwert ein, so verschiebt sich dieser Schwerpunkt mit zunehmendem Alter endgültig auf die Musik.

Carl Marias Kindheit ist von Unstetigkeit gekennzeichnet, denn bereits ein Jahr nach seiner Geburt kommt es zwischen seinem eigensinnigen Vater und dessen Vorgesetzten zu einem Zerwürfnis, in dessen Folge sich beider Wege trennen. Franz Anton von Weber verlegt sich danach aufs Theater und zieht in den nächsten Jahren mit dem Familienbetrieb der "Weberschen Schauspielergesellschaft" durch die Lande. Von besonderer Bedeutung für Carl Marias weitere Zukunft erweist sich der im Winter 1796/97 ungewöhnlich lange Aufenthalt in Hildburghausen, wo der Zehnjährige in dem Pianisten und Organisten Johann Peter Heuschkel (1773-1853) einen fähigen und weit blickenden Lehrer findet, der die musikalischen Anlagen seines Schülers erkennt und nach Kräften in Theorie (Tonsatz) und Praxis (Klavier) fördert.

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Johann Heinrich Voss (1751-1826), deutscher Dichter und Mitglied des Göttinger Hainbunds

Nach einem pädagogischen Intermezzo bei Johann Michael Haydn (1737-1806), dem Bruder Franz Joseph Haydns, in Salzburg setzt Carl Maria Ende 1798 seine Kompositionstudien bei dem Hoforganisten Johann Nepomuk Kalcher (1766-1826) fort und ergänzt seine Kenntnisse durch Gesangsunterricht bei Johann Evangelist Wallishauser (Valesi, 1735-1811). Aus dieser Zeit stammen auch Carl Marias erste bühnendramatische Versuche: Nach der heute nicht mehr erhaltenen Oper Die Macht der Liebe und des Weins entsteht im Jahr 1800 auf ein Libretto Karl Ritter von Steinsbergs Das Waldmädchen, das am 24. November desselben Jahres mit Erfolg in Freiberg/Sachsen uraufgeführt wird und sich von dort schon bald mit Vorstellungen in Wien, Prag und St. Petersburg in Europa verbreitet. Ein Jahr später folgt mit Peter Schmoll und seine Nachbarn ein Bühnenwerk, das auch die Zustimmung seines Lehrers Johann Michael Haydn findet. Aus dieser Zeit stammt Carl Marias erster Versuch als Liedkomponist: durch die Bekanntschaft mit dem Dichter Johann Heinrich Voß beschäftigt er sich erstmals mit Lyrik und vertont das Gedicht Die Kerze von Friedrich Matthisson.

Danach tritt eine mehrmonatige Schaffenspause ein: Angeregt von seinem nächsten Lehrer, dem Komponisten und Musiktheoretiker Abbé Vogler (1749-1814), zwingt sich Carl Maria über fast neun Monate hinweg konsequent zum kompositorischen Stillschweigen, um sich stattdessen intensiv dem Studium der Musikgeschichte zu widmen und sich von den Werken zeitgenössischer Komponisten wie Franz Joseph Haydn, Antonio Salieri oder Paul Wranitzky inspirieren zu lassen.

Theaterkapellmeister in Breslau

Abbé Vogler verdankt der knapp achtzehnjährige Weber 1804 auch seine erste Stellung als Kapellmeister am Breslauer Theater. Doch der so hoffnungsvoll angetretene Posten erweist sich schon bald als Charakter- und Geduldsprobe für den jungen und engagierten Musiker. Zum einen erwächst ihm in dem Konzertmeister Joseph Schnabel, der insgeheim selbst auf die Stelle spekuliert hatte, ein erbitterter Gegner, der in den nächsten Monaten mit allen Mitteln gegen seinen Rivalen intrigiert. Zum anderen macht sich Weber mit seinem perfektionistischen Hang zu einer Verbesserung nicht nur des musikalischen, sondern des gesamten künstlerischen und technischen Niveaus von Anfang an an allen Fronten Feinde - ähnlich sollte es knapp ein Jahrhundert später Gustav Mahler an der Wiener Hofoper ergehen. Darüber hinaus stößt Weber mit seinem ambitionierten Spielplan ein künstlerisch anspruchsloses Publikum und einen finanziell anspruchsvollen Theaterdirektor gleichermaßen vor den Kopf. Doch trotz aller Steine, die dem jungen Dirigenten in den Weg gelegt werden, gelingen ihm mit Mozarts Opern "Don Giovanni", "La Clemenza di Tito" und "Così fan tutte" künstlerisch bedeutende Aufführungen. Als Weber jedoch im Sommer 1806 durch einen unglücklichen Zufall eine schwere Salpetersäurevergiftung zuzieht und in der Folge für zwei Monate das Krankenlager hüten muss, verlieren seine Gegner keine Zeit und führen eine "Gegenreformation" am Theater durch, die innerhalb kürzester Zeit die alten Zustände wieder herstellt. Weber sieht nach seiner Genesung nun keine andere Wahl mehr als zu kündigen.

"Geheimer Sekretär" am Stuttgarter Hof

Nach einem Intermezzo auf Schloss Carlsruhe unweit des oberschlesischen Brieg - wo der stets finanzschwache Weber auf der Flucht vor seinen Gläubigern beim kunstliebenden Herzog Eugen Friedrich Heinrich von Württemberg-Öls "Asyl" findet und aus Dankbarkeit für die fürstliche Kapelle u. a. seine einzigen zwei Symphonien in C-Dur komponiert - greifen die kriegerischen Ereignisse dieser Jahre auch in Carl Maria von Webers Leben ein: Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt im Jahr 1806 rücken die französischen Truppen unter Kaiser Napoleon ein Jahr später in Schlesien ein. Webers nächste Station wird nun Stuttgart, wo er für drei Jahre als Geheimer Sekretär des frankophonen regierenden Herzogs Ludwig Friedrich Alexander von Württemberg ein zwar luxuriöses, jedoch künstlerisch unbefriedigendes Leben führt.

Dennoch sollte auch Stuttgart eine wichtige Station in Carl Maria von Webers Leben sein, lernt er doch dort den Komponisten Franz Danzi (1763-1826) kennen, der dem gut zwanzig Jahre Jüngeren vor allem in instrumentationstechnischer Hinsicht wertvolle Anregungen gibt. Zeugnis davon legen insbesondere seine Klavierkompositionen aus dieser Zeit ab: das Grand Quatuor für Klavier und Streichtrio oder die Grande Polonaise pour le Pianoforte op. 21, aber auch die Kantate Der erste Ton über die Schöpfungsgeschichte sowie das Grand Pot-Pourri für Violoncello und Orchester op. 20. Darüber hinaus beschäftigt Weber sich wieder mit Opernplänen: Der Schriftsteller Franz Carl Hiemer soll das Libretto des "Waldmädchens" zu einem neuen Werk namens Silvana umarbeiten. Bevor Weber jedoch die Uraufführung erleben kann, greift das Schicksal dramatisch in sein Leben ein.

Am 9. Februar 1810 wird der durch das prunkvolle Leben bei Hofe noch mehr als bisher zu verschwenderischem Lebensstil verführte sowie durch die immer neuen Schulden seines Vaters um weitere Verbindlichkeiten belastete Weber verhaftet; ihm werden Bestechung, Unterschlagung und Diebstahl zur Last gelegt. Obwohl alle drei Anklagepunkte nach und nach fallen gelassen werden, hat der Prozess doch genug Staub aufgewirbelt, um auch alle anderen, bisher mit Erfolg geprellten rund vierzig Gläubiger auf den Plan zu rufen. Schließlich wird die Haftstrafe unter der Voraussetzung aufgehoben, dass Carl Maria von Weber in den nächsten Jahren konsequent seine Schulden zurückzahlt.

Musikalisches Wanderleben

In den nächsten drei Jahren zieht Weber konzertierend und komponierend durch die deutschen Lande. Seine erste Station ist Mannheim, wo am 2. April 1810 seine Kantate Der erste Ton uraufgeführt wird. Als sich dort seine Hoffnungen auf eine Anstellung bei Hofe nicht erfüllen, schlägt er im nahe gelegenen Darmstadt seine Zelte auf. Dort trifft er wieder auf seinen einstigen Lehrer Abbé Vogler, macht die Bekanntschaft des fünf Jahre jüngeren Giacomo Meyerbeer und weitet seine Aktivitäten durch die Gründung des "Harmonischen Vereins" auf andere Gebiete aus. Dieser Verein - ein erster Vorläufer zu ähnlichen Zusammenschlüssen wie der Beljajew-Kreis in den 1880er Jahren in Russland oder Schönbergs "Verein der schaffenden Tonkünstler" aus dem Jahr 1904 - setzt sich neben der Verbreitung von Werken seiner Mitglieder vor allem die Förderung anspruchsvoller neuer Werke zum Ziel, um das allgemein niedrige künstlerische Niveau zu heben. Der ehrgeizige Plan bleibt jedoch schon in den Kinderschuhen stecken und der Verein wird drei Jahre später wieder aufgelöst. Carl Maria von Weber aber haben diese Monate dauerhaft zu einer Tätigkeit als Musikschriftsteller inspiriert.

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Theaterzettel zur Uraufführung von Webers "Türkenoper" Abu Hassan

Auch im benachbarten Frankfurt am Main wird man auf den jungen Komponisten aufmerksam. Dort findet am 16. September die Uraufführung seiner Oper "Silvana" statt, vor allem jedoch werden hier die Weichen für sein privates Leben gestellt, denn er lernt bei den Proben die Sängerin Caroline Brandt kennen, aus der sieben Jahre später Frau von Weber wird. Doch Darmstadt kann den ehrgeizigen jungen Mann auf Dauer nicht halten und so bricht er im März 1811 gen Süden auf. Eine wichtige Station auf dieser Reise ist München, wo Weber nicht nur als Pianist mit offenen Armen empfangen wird, sondern am 4. Juni auch die Uraufführung seines orientalischen Einakters Abu Hassan dirigieren kann. Aus dieser Zeit stammt die Bekanntschaft mit dem Klarinettisten Heinrich Joseph Bärmann (1784-1847), der Weber zu einigen der schönsten Werke in der Sololiteratur für dieses Instrument inspiriert hat: Concertino für Klarinette op. 26, Konzerte Nr. 1 und 2 für Klarinette und Orchester f-Moll und Es-Dur op. 73 und 74. Gemeinsam gehen die musikalischen Freunde wenig später auf Konzertreise nach Prag, Dresden, Leipzig, Gotha, Weimar und Berlin. München wird auch in den nächsten Jahren neben Berlin einen zentralen Platz in Webers Schaffen einnehmen, wo im Sommer 1815 mit glänzendem Erfolg die überarbeitete Fassung seines Concertinos für Horn und Orchester op. 45 uraufgeführt wird.

An der Prager Oper

Insbesondere seit seinen Münchner Erfolgen hatte sich Carl Maria von Weber in der Musikwelt einen Namen gemacht und so wird ihm im Januar 1813 in Prag ein vor allem angesichts seiner immer noch beträchtlichen Schulden finanziell verlockendes Angebot gemacht: die Übernahme der Prager Oper in Personalunion als Kapellmeister und Operndirektor. Durch diese Bündelung der verschiedenen Verantwortlichkeiten in einer Person wird es Weber erstmals möglich, seine engagierten Opern-Reformpläne, die bereits die Wagnersche Idee vom Gesamtkunstwerk vorwegnehmen, zu verwirklichen. Und so hat der frisch gebackene Direktor schon bald alle Hände voll zu tun, geht es doch nicht nur um die Ausarbeitung eines ausgewogenen Spielplans, der klassische und zeitgenössische Werke gleichermaßen berücksichtigt, sondern auch um die Verpflichtung neuer und fähiger Künstler, darunter die begabte Caroline Brandt, die sich um eine der Vakanzen bemüht. Auch diesmal bleiben Webers durchgreifende und umfassende Maßnahmen nicht ohne leidenschaftlichen Widerspruch seitens der Musiker und Mitarbeiter, doch diesmal verfügt er nicht nur über die Autorität, sondern auch die Position, um seine Ideale zu realisieren. Innerhalb der nächsten drei ein halb Jahre bringt Weber mehr als 60 Opern von dreißig verschiedenen Komponisten auf die Bühne und obwohl nicht immer mit Beifall aus dem Lager des Publikums bedacht, hält er an seiner kulturmissionarischen Aufgabe fest. Das kann jedoch nichts daran ändern, dass auch in Webers Fall - wie ein knappes Jahrhundert später bei Gustav Mahler - die aufopferungsvolle Tätigkeit kaum gewürdigt und dem Operndirektor mit Banalitäten das Leben schwer gemacht wird, so dass der Dirigent schließlich 1816 kündigt.

Darüber hinaus hat die zeit- und kräfteraubende Arbeit einen hohen Preis gefordert: Der sonst so gesellige Weber vereinsamt in dieser Zeit zusehends, die schöpferischen Quellen versiegen und schließlich fordert der ausgebeutete Körper sein Recht: immer häufiger klagt Weber über plötzliches Unwohlsein oder ist sogar ans Krankenlager gefesselt. Eine ärztlich empfohlene Kur in Bad Liebwerda im Sommer 1814 hilft nicht nur, die physischen Kräfte wieder herzustellen, sondern öffnet dem Komponisten plötzlich auch die Augen über seine Beziehung zu der Sopranistin Caroline Brandt, die sich unmerklich in Liebe gewandelt hatte und die er nun schmerzlich vermisst. Doch einem Heiratsantrag, den Weber der geliebten Frau nach seiner Rückkehr macht, steht Caroline Brandt zunächst gleichgültig gegenüber. Eine lange Reihe von Missstimmigkeiten und sogar eine vorübergehende Trennung stürzen Carl Maria von Weber in den nächsten Jahren immer wieder in tiefe Verzweiflung, bevor am 4. November 1817 schließlich doch noch der Bund fürs Leben geschlossen wird. Aus der Ehe gehen die drei Kinder Marie Caroline Friederike Auguste (*22.12.1818) sowie die Söhne Phillip Christian Maximilian Maria (*25.04.1822) und Alexander Heinrich Viktor Maria (*6.01.1825) hervor, von denen jedoch die Tochter bereits im Alter von vier Monaten stirbt.

Berlin

Berlin wird in diesen Jahren mehr als einmal zum künstlerischen Asyl des sensiblen Künstlers Carl Maria von Weber. Erstmals weilt der Komponist im Februar 1811 während seiner Tournee mit dem Klarinettisten Bärmann in der preußischen Metropole, wo er vom kulturellen Geist der Stadt so inspiriert ist, dass er den Aufenthalt auf sechs Monate ausdehnt. Während dieser Zeit kann Weber nicht nur die erfolgreiche Berliner Erstaufführung der Oper "Silvana" einstudieren, sondern auch viele wertvolle Kontakte knüpfen, die ihm in den nächsten Jahren sehr nützlich sein sollten. Berlin bedeutet von da an für ihn menschliche und künstlerische Heimat gleichermaßen und wird ihn in schöpferisch unproduktiven Zeiten zu neuem Schaffen inspirieren.

Als sich der Komponist 1814 im Anschluss an seine Kur in Bad Liebwerda wieder in Berlin aufhält, befindet sich die Stadt im Freudentaumel über die Abdankung des Diktators Napoleon. Carl Maria gehört sofort wieder dazu und fühlt innerhalb weniger Tage seine kreativen Kräfte neu hervorsprudeln. Eine musikalische Zukunft in dieser Stadt bleibt für ihn jedoch nur Traum, denn ein eifersüchtig sein Reich beherrschender Hofkapellmeister namens Bernhard Anselm Weber fürchtet unliebsame Konkurrenz.

Auch nach dem unrühmlichen Ende seiner Prager Zeit führt Weber sein erster Weg wieder nach Berlin. Entbunden von den bisherigen zeitraubenden Verpflichtungen genießt der Komponist die neu gewonnene Freiheit, in der u. a. die Klaviersonaten Nr. 2 As-Dur op. 39 und Nr. 3 d-Moll op. 49 entstehen. Einen seiner größten Triumphe erlebt Carl Maria von Weber dort am 18. Juni 1821, als im Königlichen Schauspielhaus seine Oper "Der Freischütz" uraufgeführt wird.

Dresden

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Carl Maria von Weber in verschiedenen karikierenden Dirigierposen; den späteren Taktstock ersetzt hier eine Notenrolle.

Nachdem sich die Hoffnungen auf eine Stelle an der Berliner Oper auch bei seinem dritten Besuch im Sommer 1816 nicht erfüllen, nimmt der scheidende Prager Operndirektor nach zähen Verhandlungen das Angebot des Grafen Heinrich Vitzthum von Eckstädt an, Intendant des Dresdner Hoftheaters, der in seiner Stadt neben der etablierten italienischen eine deutsche Oper begründen will - was gleich zu Beginn von Webers neuem Wirken von Eifersüchteleien und Intrigen seitens des italienischen Kapellmeisters Francesco Morlacchi begleitet wird. Auch in Dresden legt Weber wieder die bekannten hohen Maßstäbe an und verschafft sich damit von Anfang an unter den Künstlern nicht unbedingt Freunde. Insbesondere die revolutionäre Einführung und präzise Verwendung des Taktstocks zur Leitung des Orchesters wird von den Musikern mit "beträchtliche(m) Murren" quittiert. Doch das erfolgreiche und auch von Seiner Majestät, König Friedrich August I., gewürdigte Debüt des neuen Kapellmeisters mit Etienne Nicolas Méhuls Oper "Joseph" am 30. Januar 1817 gibt dem Visionär Recht. Dennoch wird auch dieser Posten, obwohl er ihn bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1826 beibehält, Carl Maria von Weber in den nächsten Jahren immer wieder Kopfschmerzen bereiten und zu Differenzen mit seinen Vorgesetzten führen. Dennoch schlägt er das künstlerisch und finanziell verlockende Angebot vom August 1821 für eine Operndirektorenstelle in Kassel zum fürstlichen Lohn von 2500 Talern (zwei Drittel mehr als in Dresden) aus, da er sich inzwischen in Dresden heimisch fühlt und vor allem seine gesundheitliche Konstitution nicht mehr einem erneuten Wechsel gewachsen ist.

Auf den künstlerische Gipfel mit dem "Freischütz"

1810 trifft Carl Maria von Weber erstmals auf das "Gespensterbuch" von August Apel und Friedrich Laun und ist sofort fasziniert von der darin enthaltenen Erzählung "Der Freischütz", zu der er bereits erste Skizzen für eine Oper entwirft. Doch erst sieben Jahre später sollte sich das Projekt durch die Zusammenarbeit mit Friedrich Kind konkretisieren. Beide machen sich mit Feuereifer an die Arbeit. Das Werk gedeiht zunächst unter dem Titel "Der Probeschuss", wird dann in "Die Jägersbraut" verändert, bevor sich der endgültige Titel durchsetzt.

Und wieder einmal wird Berlin zur Schicksalsstadt in Carl Maria von Webers Leben, denn dort erlebt sein heute berühmtestes Bühnenstück nach mehrfacher Verzögerung am 18. Juni 1821 im Königlichen Schauspielhaus eine umjubelte Premiere. Dieser unmittelbare Erfolg liegt nicht zuletzt in dem Zeitgeist begründet, der für Geister- und Schauergeschichten jeglicher Art empfänglich ist. Gleichzeitig verhilft Weber damit der deutschen Oper nach der jahrzehntelangen Vorherrschaft der italienischen Oper und insbesondere der Rossini-Ära zu einem eigenen Stellenwert und begründet mit diesem Werk die deutsche Sonderform der Romantischen Oper.

Webers Musik zu diesem Werk setzt neue Maßstäbe und verwendet Töne und Klangfarben zur akustischen Veranschaulichung von sowohl äußeren Vorgängen als auch inneren Konflikten sowie Stimmungsbildern und Landschaftsbeschreibungen. Doch obwohl das Werk nach der Uraufführung umgehend seinen Siegeszug durch die Opernhäuser Europas antritt - mitunter allerdings in verstümmelten Fassungen - hält sich Dresden mit einer Aufführung der Oper seines Hauskomponisten zunächst noch zurück und bringt das Werk erst sieben Monate später am 16. Januar 1822 auf die Bühne.

Im Zuge dieses Erfolges erhält Weber im Herbst 1821 vom Wiener Kärtnertortheater den Auftrag für die Komposition einer neuen Oper. Er entscheidet sich für die Figur der Euryanthe und bittet die Dresdner Schriftstellerin Helmina de Chézy um ein Libretto, das diese aus der Erzählung "L'Histoire du très-noble et chevalereux prince Gérard, comte de Nevers, et de la très-vertueuse et très-chaste princesse Euriant de Savoye" erarbeitet. Leider stehen die Fähigkeiten der Librettistin in keinem Verhältnis zu denen des Komponisten und so verfällt die "Euryanthe", Webers reifste bühnendramatische Leistung und u. a. in ihrer harmonischen Kühnheit auf Wagner hinweisend, nach ihrer umjubelten Wiener Uraufführung am 25. Oktober 1823 in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf, aus dem sie nur hin und wieder für eine - zumeist wenig geglückte - Neuinszenierung erwacht. Neben den Ehrenbezeigungen, die Weber nach der Premiere der "Euryanthe" in Wien entgegen gebracht werden, gerät vor allem eine Begegnung mit dem 53-jährigen ertaubten Beethoven in Baden bei Wien zu einem unvergesslichen und wertgeschätzten Erlebnis, denn die Anerkennung von Webers Schaffen durch den "Titanen" Beethoven kommt für den Jüngeren einem musikalischen Ritterschlag gleich.

Londoner Schwanengesang mit "Oberon"

Im Sommer 1824 gibt Charles Kemble, der Direktor der Londoner Oper Covent Garden, ein neues Werk bei Carl Maria von Weber in Auftrag. Vor dem Hintergrund der Märchenwelt von Shakespeares Sommernachtstraum entsteht auf ein Libretto des englischen Schriftstellers Robinson Planché Webers letzte Oper und sein künstlerisches Vermächtnis "Oberon". Zu dieser Zeit ist der Gesundheitszustand des Komponisten bereits ernstlich angegriffen, so dass die Arbeit an dem neuen Werk immer wieder unterbrochen werden muss. Für die adäquate Umsetzung des englisch sprachigen Librettos hatte der Komponist übrigens eigens einen Schnellkurs in dieser Sprache absolviert.

Am 16. Februar 1826 bricht Carl Maria von Weber mit einem Umweg über Paris, wo es u. a. mit Gioacchino Rossini zu einer freundschaftlichen Begegnung kommt, zur Uraufführung des Oberon nach London auf - wohl wissend, dass ihn diese Strapazen das Leben kosten und er die Insel nicht mehr als Lebender verlassen wird. Webers Londoner Aufenthalt wird zu einem einzigen großen Triumph im Leben dieses oft kritisierten und inzwischen von den Kämpfen und gesundheitlichen Problemen ausgezehrten Mannes. Die Uraufführung des "Oberon" am 12. April 1826 gestaltet sich zu einem beispiellosen Erfolg. Danach fällt die mühsam aufrecht erhaltene Fassade zusammen und Carl Maria von Weber kann die noch ausstehenden zwölf Vorstellungen nur unter Aufbietung übermenschlicher Kräfte bewältigen. Ende Mai bereitet er sich voller Vorfreude bereits auf die Heimreise vor, doch es kommt wie bereits vorausgeahnt: Am 5. Juni stirbt Carl Maria von Weber an den Folgen einer jahrelangen Tuberkulose im Haus des englischen Dirigenten Sir George Smart. Der Komponist wird am 21. Juni in der Kirche von Moorfields beigesetzt. Es sollte fast zwei Jahrzehnte dauern, bis die Überführung des Leichnams in heimischen Boden nicht zuletzt durch eine Initiative Richard Wagners endlich durchgesetzt werden kann. Am 15. Dezember 1844 findet der Komponist auf dem Friedhof Dresden-Friedrichstadt in der Familiengruft seine letzte Ruhe.

  1. Biografie
  2. Werk

Bibliografie:

  • Werner Abegg: Carl Maria von Weber: Der Freischütz, Musiktheater Band 3, Augsburg 2005
  • Michael Leinert: Carl Maria von Weber, Reinbek bei Hamburg, 5. Auflage 2003 (Rowohlts Monographien)
  • Joachim Veit u.a. (Hrsg.): "... die Hoffnung muß das Beste thun" Die Emser Briefe Carl Maria von Webers an seine Frau, München 2003

Institution(en):

  • Internationale Carl Maria von Weber-Gesellschaft e. V.
    Geschäftsstelle:
    Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
    Musikabteilung
    Frau Eveline Bartlitz
    Unter den Linden 8
    D-10117 Berlin
    030/266-1786
    030/266-1624
    weber-gesellschaft@sbb.spk-berlin.de
    Internet: http://www.sbb.spk-berlin.de/deutsch/abteilungen/musikabteilung/weber_gesellschaft/
  • Museum "Carl Maria von Weber"
    Desdner Str. 44
    D-01326 Dresden
    0351/2618234
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    weber@stmd.de
    Internet: http://www.stmd.de
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