Total votes: 10
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
THEMEN

Chicago

Im Überblick

Bild
St.-Lorenz-Seeweg nach Chicago

In der drittgrößten Stadt der USA im Bundesstaat Illinois leben rund 2,7 Mio. Einwohner, in der erweiterten Metropolitan Area sogar über 9,7 Mio. Nach tief greifenden Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur ist Chicago heute wieder einer der Motoren der amerikanischen Industrie und nach wie vor das zweitgrößte Handels- und Finanzzentrum des Landes. Chicago stand und steht als Synonym für den freiheitlichen Kapitalismus amerikanischer Prägung. Die so genannten Chicago Boys der University of Chicago, überzeugte Verfechter der Ideen des Monetarismus-Begründers Milton Friedman, gewinnen in Zeiten der viel zitierten „Globalisierung“ verstärkt an Bedeutung. Aber auch auf anderen Gebieten hat die Stadt Akzente gesetzt. In der Architektur gilt die „Chicagoer Schule“ des ausklingenden 19. Jahrhunderts nach wie vor als richtungsweisend für den Bau moderner Hochhäuser. Weiße Jazzmusiker haben durch den „Chicago-Stil“ der 1920er Jahre wichtige Impulse erhalten, die bis heute weiterwirken. Somit verkörpert die Metropole am Michigansee ein besonderes Wechselspiel zwischen Kunst und Kommerz.

Geographie

Chicago liegt am südwestlichen Zipfel des Michigansees im Nordosten der Vereinigten Staaten. Westlich von Chicago beginnen die großen Prärielandschaften des Staates Illinois, die bis zum Mississippi reichen. Östlich von Chicago liegt der US-Bundesstaat Indiana. Vom See her weht häufig ein heftiger Wind in die Stadt hinein, im Winter begleitet von starken Schneefällen.

Chicago ist eine der größten Industrie- und Handelsstädte der Welt. Der Flughafen OHare Field gehört zu den größten der Welt, zumindest was die Zahl der Fluggäste angeht. Der Bahnhof von Chicago, die Union Station, ist der wichtigste Knotenpunkt des Amtrak-Verkehrs in den USA. Von dort gibt es Bahnverbindungen nach Westen (Los Angeles, Seattle), Süden (St. Louis, Dallas, New Orleans) und Osten (New York, Philadelphia). Seit der Eröffnung des Sankt-Lorenz-Seewegs besitzt Chicago auch einen der größten Binnenhäfen der Erde. Das traditionell gut ausgebaute Straßennetz in den USA verbindet Chicago mit allen wichtigen Städten im Umland, die schnellsten Verbindungen sind die Interstates 55 (Springfield), 65 (Indianapolis), 80/90 (Toledo), 88 (Davenport) und 94 (Milwaukee).

Stadtbild

Chicago ist wie die meisten amerikanischen Großstädte überwiegend rechteckig angelegt, fast alle Straßen treffen in rechten Winkeln aufeinander. Zur Orientierung, in welchem Teil der Stadt man sich befindet, dienen dabei die Kürzel zu Beginn der Straßennamen (z.B. N. Michigan Ave.), wobei N. für North, S. für South, W. für West und E. für East steht. Als erste Orientierungshilfe kann der Chicago River dienen. Er führt vom Hafen am Michigansee westlich bis zur Canal Street im Zentrum und teilt sich dann in einen nördlichen und einen südlichen Arm auf. Parallel zu den beiden Flussarmen verläuft die Interstate 90/94, die im nördlichen Teil der Stadt John F. Kennedy Expressway und im südlichen Teil Dan Ryan Expressway heißt. Am Ufer des Sees verläuft der Lake Shore Drive, der sich entsprechend in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufteilt. Zwischen der Interstate und dem Drive findet man den Großteil der Sehenswürdigkeiten Chicagos.

Wer nicht zu Fuß gehen möchte, fährt am besten mit den Schnellbahnen der Chicago Transit Authority (CTA). Insgesamt gibt es sieben Strecken, auf denen die Bahnen teilweise auch als Hochbahn fahren (EL = Elevated Train).

Der eigentliche Kern von Chicago ist das Viertel Loop, das sich südlich des Rivers zwischen Interstate und Lake Shore Drive befindet. Hier befinden sich zahlreiche Hochhausbauten, wie z.B. das Amoco Building, das dritthöchste Gebäude der Stadt, das neo-romanische Auditorium Building, das Artdéco-Gebäude des Chicago Board of Trade oder das umstrittene James R. Thompson Center. Des Weiteren sind im Loop zahlreiche öffentlich zugängliche Skulpturen zu finden. Darunter befinden sich Werke von Pablo Picasso, Joan Miró, Marc Chagall und Henry Moore. Weiter südlich, im Stadtteil South Loop, lohnt ein Besuch des DuSable Museums of African-American History. Die Geschichte der Schwarzen von der Sklaverei bis zur Bürgerrechtsbewegung ist hier nachzuvollziehen.

Nördlich des Chicago River befindet sich die zweite Hälfte von Alt-Chicago im Stadtteil River North. Der Rundgang zu den Hochhausbauten der Stadt wird fortgesetzt mit einem Blick auf den Water Tower aus dem Jahr 1869, das als eines der wenigen Gebäude den Brand von 1871 überstanden hat. Zum Abschluss empfiehlt sich ein Besuch der Cocktailbar im 95. Stock des zweithöchsten Gebäudes der Stadt, dem John Hancock Center. Interessant sind im nördlichen Innenstadtbereich noch zwei Museen: Im Museum of Contemporary Art sind Werke moderner Größen wie Magritte und Warhol zu sehen, aber genauso auch Videoinstallationen unbekannter zeitgenössischer Talente. Die Chicago Academy of Sciences wartet mit einem Blick auf den Bundesstaat Illinois vor einigen Millionen Jahren auf und zeigt verschiedene Ausstellungen zu Umwelt und Wissenschaft.

Sehenswürdigkeiten

Art Institute of Chicago

Das bekannteste und größte Chicagoer Museum liegt am Übergang vom Stadtteil Loop zum Grant Park. Dauerhaft zu sehen sind u.a. Bilder von Matisse und van Gogh, über 80 000 Entwürfe zur Architektur in Chicago und weitere Werke klassischer europäischer Kunst und Malerei. Extrem populär sind die Sonderausstellungen des Museums, die teilweise über 500 000 Besucher aus aller Welt anlocken.

Grant Park

Der Grant Park liegt am Ufer des Michigansees südlich des Chicago Rivers. Architekt und Stadtplaner Daniel Burnham legte den Park im französischen Stil an: geradlinig gepflanzte Bäume, symmetrische Rosenfelder, große Rasenflächen und im Zentrum die Buckingham Fontäne. Im Sommer finden in der Petrillo Music Shell kostenlose Konzerte statt. Am bekanntesten sind das Blues- und das Jazzfestival. Im Grant Park befindet sich auch das Adler Planetarium, das für seine spektakulären „Sky Shows“ berühmt ist.

Shedd Aquarium

Das größte Aquarium der Welt liegt im Grant Park in der Nähe des Yachthafens. Es besitzt ein Korallenriff und ein eigenständiges Ökosystem mit Riesenschildkröten und Tausenden von anderen Meeresbewohnern. Spektakulär ist vor allem, dass das Aquarium nur durch einen „Vorhang aus Glas“ vom Michigansee getrennt ist. Dadurch wirkt es in seinem Umfang unendlich groß. Der Schwerpunkt des Aquariums liegt auf der Erhaltung bedrohter Tiere. So sind hier u.a. vier Otter zu sehen, die nach der Ölkatastrophe der Exxon Valdez aus den Gewässern der Arktik gerettet wurden.

Lincoln Park

Der Lincoln Park ist die grüne Lunge von Chicago. Er liegt nördlich des Stadtteils Gold Coast am Ufer des Michigansees und wurde von Frederick Law Olmsted, dem Landschaftsarchitekten des New Yorker Central Parks, entworfen. Dort gibt es Tennisplätze, einen Zoo, ein Konservatorium und zahlreiche Strände. Man kann Rad fahren, spazieren, skaten und im Sommer auch surfen und segeln. Baden sollte man im Michigansee nicht: er gilt als eines der dreckigsten Gewässer der USA überhaupt. Dafür aber lohnt sich ein Besuch des Theatre on the Lake im Norden des Parks. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf den See und die Skyline von Chicago. In den Sommermonaten werden hier jedes Jahr acht Theaterproduktionen aufgeführt.

Museum of Science and Industry

Ein Experimentiermuseum in bester amerikanischer „Hands-on“-Manier liegt im Süden Chicagos. Die Besucher können alle möglichen Versuche durchführen, Videofilme gucken, Tonbänder anhören usw. Zu den zahlreichen Attraktionen gehören u.a. ein simulierter Flug ins Weltall, der Abstieg in ein Kohlebergwerk, der Besuch eines deutschen U-Boots aus dem Zweiten Weltkrieg und ein Spaziergang auf einer authentisch rekonstruierten Straße aus der Zeit um die Jahrhundertwende.

Oak Park

Etwa neun Meilen westlich von Downtown Chicago liegt das Mekka aller Freaks amerikanischer Einfamilienhaus-Architektur. Im Oak Park schlug die Geburtsstunde des so genannten Prärie-Schul-Stils von Frank Lloyd Wright. Hier lebte der Architekt von 1889 bis 1909 und entwarf und baute zahlreiche Häuser dieses Stils, von denen 25 im Park selber zu sehen sind, darunter auch das erste Haus im Prärie-Stil (Frank W. Thomas House). Das Revolutionäre an Wrights Architektur war die Konzeption eines organischen Baustils, der sich an der Natur orientierte und naturverwandte Formen und Materialien benutzte. Die häufige Verwendung von Holz als Baumaterial stand in krassem Widerspruch zum damals vorherrschenden viktorianischen Baustil.

Sears Tower

Der Sears Tower liegt im Viertel Loop und ist mit einer Höhe von 443 m das höchste Gebäude der Stadt. Er umfasst 109 Stockwerke und hat im 103. Stock eine Aussichtsplattform. Im ehemals höchsten Gebäude der Welt arbeiten 17 000 Angestellte. 102 Aufzüge befördern Besucher und Arbeitende in die entsprechenden Etagen. Das Hochhaus wurde 1974 vom Architekturbüro Skidmore, Owings & Merrill für das Waren- und Versandhaus Sears, Roebuck & Comp. fertig gestellt. Das Besondere an ihm ist das Konstruktionsprinzip: er besteht aus neun Einzeltürmen, die auf unterschiedlichen Ebenen (49.,67.,90. und 109. Stock) enden.

Geschichte

Die Stadt wurde 1803 als Fort Dearborn gegründet. Ab 1833 nannte sich die Siedlung offiziell „Chicago“ und erhielt 1837 Stadtrechte. Chicago erlebte durch die Fertigstellung des Atlantik-Mississippi-Wasserstraßennetzes (1848) und den Anschluss an das Union Pacific-Eisenbahnnetz (1869) einen enormen Aufstieg und entwickelte sich zum Zentrum der Fleischverarbeitung und der Stahlindustrie. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg nahm auch die Zahl der Einwohner sprunghaft zu. 1871 zerstörte ein Feuer fast die komplette Stadt. Der von Industriellen finanzierte Neuaufbau gab zahlreichen Architekten die Möglichkeit, moderne Stadtplanung zu verwirklichen.

Ihren Ruf als „Gangsterloch“ verdankt die Stadt der Prohibition in den Jahren zwischen 1919 und 1933, als rivalisierende Banden den Alkoholschmuggel kontrollieren wollten und Chicago zum Zentrum der amerikanischen Mafia wurde. Der berühmteste Sohn der Stadt, Al Capone, wurde 1931 wegen Steuerhinterziehung verurteilt.

Ihre größte Krise erlebte die Stadt mit dem Bedeutungsverlust der Schwerindustrie und der Fleischproduktion. Heute bieten die Unterhaltungselektronik, die chemische Industrie, der Maschinenbau und die Lebensmittelindustrie alternative Arbeitsmöglichkeiten. Die größten Arbeitgeber sind mittlerweile aber der Handel und der Dienstleistungsbereich.

Bibliografie:

  • Manfred Braunger: Chicago und die großen Seen, 2008
  • David Hooekstra u.a.: The Unofficial Guide to Chicago, 2009
Total votes: 10
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

Fest- und Feiertage