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THEMEN

China (Zhongguo)

Einleitung

Das "Reich der Mitte" blickt auf eine mehr als dreitausendjährige Geschichte zurück, in der es das ostasiatische Zentrum zwischen Russland, Indien, Südostasien und Japan bildete. Seine kulturelle Ausstrahlung reichte bis weit in den Westen, seine Erfindungen waren weltbewegend. Wegen der frühzeitigen Ausbildung politisch-administrativer und geistig-politischer Institutionen galt die Kultur Chinas oft als starr. Der Vielvölkerstaat mit starker Han-Mehrheit veränderte sich jedoch bis zu Beginn der Neuzeit ebenso wechselvoll wie Europa. Nach einer Zeit der Stagnation und Abschottung von der Außenwelt brachen die imperialistischen Länder China im 19. Jh. gewaltsam auf und zwangen es in die Moderne. Der nationale Stolz konnte mit der Volksrepublik China 1949 wiederhergestellt werden. Heute ist das drittgrößte Land der Erde, in dem mehr als eine Milliarde Menschen leben, mit einem gewaltigen Wirtschaftsreformprogramm auf dem Weg zu einer Führungsmacht des 21. Jh.

Frühzeit (bis 11. Jh. v. Chr.)

Die Wiege chinesischer Zivilisation liegt im nördlichen China am Mittellauf des Gelben Flusses (Huanghe). Auch wenn der genaue Beginn einer eigenständigen chinesischen Zivilisation umstritten ist belegen Ausgrabungen hier die Yangshao- und die Longshan-Kultur, die etwa 2500-2000 v. Chr. verschiedene Kulturtechniken wie Jagd, Viehzucht, Ackerbau und Töpferei pflegte. Die legendäre Geschichtsschreibung berichtet von einer ersten Dynastie Xia (2205-1600). Unbestritten ist die Existenz der Shang-Zivilisation (16.-11. Jh.), die man der Bronzezeit zurechnet und die als das erste Staatswesen auf chinesischem Boden gilt. Möglicherweise ging sie aus der Longshan-Kultur hervor. Es handelte sich dabei um eine erste Stadtkultur mit wechselnden Hauptstädten, deren Mittelpunkt Herrschersitz und religiöses Zentrum zugleich war. Die Menschen lebten in einer Klassengesellschaft mit feudalen Zügen und wurden von Königen regiert, die sich auf einen bedeutenden Kriegeradel stützten. Der Herrschaftsbereich der Shang erstreckte sich bereits über die gesamte Tiefebene, an manchen Stellen bis ins Yangtsetal. Die Hochkultur zeichnete sich u. a. durch die Entwicklung einer Schrift aus. Gesellschaftsprägend war die Aufteilung in Familienclans und ein zusammengehörigkeitstiftender Ahnenkult. Die zweite Phase der Shang-Zivilisation (1401-1122), nach der damaligen Hauptstadt auch Yin-Dynastie genannt, erlebte eine große Blütezeit. Der Anbau von Reis neben Weizen und Hirse deutet auf Kontakte mit den südlicher gelegenen Nachbarn mit subtropischem Klima hin.

Klassische Feudalperiode (11. Jh.-221 v. Chr.)

Die Yin-Dynastie wurde um das Jahr 1050 oder 1025 vom Zhou-Staat gestürzt, dessen Träger westlich der Shang in Shaanxi lebten, kriegerischer waren (u. a. kannten sie den vierspännigen Pferdewagen) und als kulturell unterlegen galten. Während der Zhou-Dynastie expandierte das Herrschaftsgebiet beträchtlich. In der Zeit der Westlichen Zhou (11. Jh.-771) entstand ein Lehenswesen, an dessen Spitze der König stand, der an Mitglieder seines Familienclans und loyale Stammesführer Land vergab. Sie leisteten ihm dafür Abgaben und Waffenhilfe im Kriegsfall. Die Hauptstadt Zhouzong im Wei-Tal fungierte als Kultzentrum für den gesamten Staatenverband, in dem der König das alleinige Recht ausübte, der Gottheit Opfer darzubringen. Dort befand sich auch der Tempel der verstorbenen Könige. In den Kleinstaaten übten die "Fürsten" die religiöse wie militärische Macht aus und waren durch die Ausübung verschiedener religiöser Handlungen privilegiert. Der Zusammenhalt des Adels war zunächst durch das System des Familienkultes gewährleistet, der nur einem ganz bestimmten männlichen Nachkommen (meist dem Erstgeborenen der Hauptgattin) die Ahnenverehrung erlaubte.

Nach einem Brand in Zhouzong wurde die Hauptstadt nach Osten in die Nähe des heutigen Luoyang in Henan verlegt. Es begann die Periode der Östlichen Zhou (770-221), deren mittlere Phase 722 bis 476 auch Frühlings- und Herbst-Periode (Chunqiu) genannt wird. In dieser Zeit lockerten sich die Loyalitätsbande der Lehnsstaaten zum König von Zhou immer mehr. Mächtige Reiche der Song, Wei, Lu, Cao und Chen entstanden. Gleichzeitig wuchs die Bedrohung durch umgebende Staaten wie durch den südlich am Yangtse gelegenen Staat Chu mit seinem "König" Zhuang und Einfällen von im Norden Chinas ansässigen Stämmen. Innerhalb der traditionellen Lehnsstaaten gewannen militärische Faktoren an Gewicht, Agrarsteuern und Abgaben in Form von Waffen und Getreide wurden eingeführt, die ersten Gesetze erlassen. In der Zeit der Kämpfenden Reiche (475-221) verfiel das alte Feudalsystem vollends, die Zhou-Könige herrschten nur noch formal, das verbindliche Netz familiärer und religiös-kultischer Verpflichtung löste sich auf. Stattdessen kämpften die wenigen verbliebenen großen Staaten um die Vormachtstellung. Der Staat Qin, der im Westen seine Machtbasis hatte, gewann die Oberhand und führte 221 die Einheit Chinas herbei. Seitdem ist die Reichseinheit ein wesentliches Staatsziel.

Die starke gesellschaftliche und politische Verunsicherung dieser Umbruchzeit bewirkten eine Hochzeit philosophisch-geistiger Auseinandersetzung, deren Ergebnisse die Chinesen bis heute im politischen und gesellschaftlichen Denken beeinflusst haben. Aus "Hundert Schulen" kristallisierten sich der Konfuzianismus, der Legalismus und der Daoismus als große Denkrichtungen heraus. In der Ära der Kämpfenden Reiche obsiegte die Schule der Legalisten. Der Herrscher verfügte nun über eine absolute Machtstellung gegenüber dem Volk, das sich im zentralisierten Gemeinwesen kodifizierten Rechtsnormen zu unterwerfen hatte. In der Landwirtschaft entwickelte sich der Grundbesitz.

Das geeinte China (221 v. Chr.-220 n. Chr.)

Fürst Zheng (259-210) vom Reich Qin annektierte 247 die Reste des Zhou-Reiches. Nacheinander unterwarf er bis 221 die sechs anderen Reiche Qi, Chu, Yan, Zhao, Han und Wei und gründete den Ersten zentralistischen, einheitlichen feudalen Nationaliätenstaat der chinesischen Geschichte. Er selbst wurde erster Kaiser der Qin-Dynastie (Qin Shihuangdi = "erster erhabener Herrscher"). Die Bezeichnung "Huangdi" griff auf die Bezeichnung der frühen halbgöttlichen Herrscher der chinesischen Mythologie zurück und dokumentiert die Rolle, die dem Kaiser von nun an zukam: Als Repräsentant des Himmels regierte er die Menschen nach göttlichen Weisungen, als Repräsentant der Menschen erfüllte er die offiziellen Pflichten, d. h. den Opferkult gegenüber dem Göttlichen. Vom Legalismus nachhaltig beeinflusst schaffte der Erste Qin-Kaiser das Lehnswesen ab, die zivile Verwaltung des in zunächst 36, dann 48 Bezirke geteilten Landes übernahmen kaiserliche Beamte. Maße, Gewichte, Münzen und Schrift wurden vereinheitlicht, Verkehrswege zum Zentrum angelegt.

Der rasche Wandel vom aristokratisch geprägten Feudalsystem zu einem zentralistischen Staatssystem überforderte die Gesellschaft: Schon unter Ershi Huangdi (210-207) brach die Qin-Dynastie nach regionalen Aufständen der alten Feudalherren zusammen. Liu Bang, ein bäuerlicher Rebellenführer, begründete die Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.). Kaiser Wudi (141-87 v. Chr.) begann nach Entmachtung der "Sieben Königreiche" eine organisatorische Neuordnung des Reiches. Er machte den Konfuzianismus zur offiziellen Staatsdoktrin. Die wichtigsten Posten im Staat besetzten Beamtengelehrte (Mandarine), die über ein kompliziertes Prüfungssystem im ganzen Reich für die Ämter rekrutiert wurden. U. a. mussten sie eine lükkenlose Kenntnis der politisch-ethischen Lehre des Konfuzius nachweisen. Auch der Buddhismus gelangte in dieser Zeit aus Indien nach China (ca. 1. Jh. n. Chr.) und breitete sich langsam aus. In der Landwirtschaft entwickelte sich ein Pachtsystem in Händen der Familien der Beamtengelehrten. Der Fernhandel über die "Seidenstraße" von China bis zum Mittelmeer nahm weiter zu.

Kennzeichnend für die Han-Dynastie ist außerdem die großflächige Ausdehnung des Territoriums nach Süden bis Vietnam, nach Norden über die Mandschurei bis Korea. Die permanente Bedrohung durch Steppenvölker Zentralasiens machte den Ausbau der von den Qin begonnen Mauer nötig. Sie bildete die Grundlage für die berühmte Chinesische Mauer der Ming-Zeit (1368-1644).

Zeit der Zerrissenheit (220-581)

Der Ruhe, Entwicklung und Gelehrsamkeit der Han-Zeit folgten kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den regionalen Militärführern, die das chinesische Reich erneut in mehrere Reiche spalteten (220-280): den Staat Wei im Norden, Han in Sichuan und Wu am Yangtse. Die Einigung unter der Jin-Dynastie (280-316) hielt nur vorübergehend. Im Norden gründeten eingedrungene nicht-chinesische Völker wenig stabile regionale Staaten. Im Süden folgten kurzlebige Dynastien aufeinander. Immerhin entwickelte sich der Süden (das heutige Mittelchina) wirtschaftlich dem alten Gründungszentrum am Huanghe ebenbürtig.

Sui- und Tang-Dynastie (581-906)

Die Wiedervereinigung des Südens mit dem Norden vollzog Kaiser Wen (581-604), der 589 das Reich der Chen zerstörte und damit die Einheit Chinas zum dritten Mal herstellte. Er hatte als General Yang Jian 581 in Changan (heute Xian) die Sui-Dynastie (581-618) gegründet. Unter strategischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten bauten er und sein Nachfolger, Kaiser Yang (605-617), die Schifffahrtswege des Reiches weitläufig aus. Das bedeutendste Werk, der Kaiserkanal, verband den Yangtse (Hangzhou) mit dem Huanghe (Peking). Eine Politik der maritimen Expansion unter Yang, der den Bau einer Kriegsflotte und militärische Expeditionen nach Taiwan, auf die Ryukyu-Inseln, nach Sumatra sowie Vietnam veranlasste, war für China prestigeträchtig, aber auch kostspielig. Bauernaufstände und eine Adelsrebellion begünstigten schließlich die Machtübernahme von General Li Yuan, der als Kaiser Gaozu (618-626) die Dynastie der Tang (618-906) gründete.

Während der Tang-Dynastie war China bis zur Mitte des 8. Jh.s ein kosmopolitisches Zentrum mit vielleicht der größten Ausstrahlungskraft seiner Geschichte. In der Hauptstadt Changan (Xian) mischten sich Einflüsse Zentralasiens, Indiens und des Iran. Auf der Grundlage der territorialen Ausdehnung der Sui-Dynastie leiteten die Tang-Kaiser Taizong (626-649) und Gaozong (649-683) eine der größten Expansionen der chinesischen Geschichte ein, die sich besonders in Richtung Westen vollzog und China die Anerkennung als Suzerän mehrerer Länder Südostasiens, Einfluss in Korea und sogar in Patna (Nordindien) einbrachte.

Der Buddhismus war inzwischen in China so mächtig geworden, dass er bis zur Mitte der Tang-Dynastie den Konfuzianismus als Staatsideologie zu verdrängen schien. Diesem Umstand wird auch die Regierung der einzigen Kaiserin Chinas, Wu, zugeschrieben. Die erste Gattin Gaozongs, die nach dessen Tod 683 faktisch die Regentschaft übernahm und sich 690 offiziell zur Kaiserin (690-705) krönen ließ, bediente sich für ihren Aufstieg und die Verwaltung des Reiches der Unterstützung der buddhistischen Kirche. Erst eine um 800 einsetzende "nationalistische" Bewegung mit starken fremdenfeindlichen Zügen drängte um 842 mit einem Verbot ausländischer Religionen den Einfluss des Buddhismus nachhaltig zurück.

Die zentrale Verwaltung des Reiches wurde während der Tang-Dynastie weiter vervollkommnet. Die relativ autonome Beamtenschaft stellte ein Gegengewicht zu den Cliquen am Hof dar und etablierte sich als Trägerin eines Machtapparats, der dem Ideal eines nicht-persönlichen, nach abstrakten Verwaltungskriterien gestalteten Staatswesens folgte. Ein Hoher Gerichtshof und ein Zensorat dienten der Aufsicht über die Verwaltung. Die ökonomische Grundlage des Reiches bildete eine Agrarverordnung, das "System der gleichmäßigen Landverteilung" (624), das jeder Bauernfamilie die Erwirtschaftung der Steuern und des Lebensunterhalts ermöglichte. Der Niedergang der Tang-Dynastie begann mit der Besetzung Luoyangs und Changans durch den kaiserlichen Militärführer An Lushan (755-757). Nach der Rückeroberung steigerte die Regierung nur noch die für sie langfristig fatale Unabhängigkeit und Eigenmacht der Kommandanten der Militärbezirke und trug damit selbst zur Aufteilung des Reichs und zum Sturz der Dynastie bei.

Zersplitterung und Song-Dynastie (907-1279)

Eine Zeit der Wirren unter den "Fünf Dynastien" im Norden und den "Zehn Staaten" im Süden (907 bis 960) folgte. Regionale Vereinigungen bereiteten eine erneute Reichseinigung vor, die General Zhao Kuangyin (960-976) mit Gründung der Song-Dynastie in Kaifeng vorbereitete (960-1126). Bis 979 einten er und sein Nachfolger die sechs bis dahin unabhängigen Reiche.

Das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben veränderte sich radikal. Der südliche Landesteil wurde eindeutig zum wirtschaftlichen Zentrum, u. a. zurückzuführen auf die systematisch verbreiteten Fortschritt im Nassreisanbau. Technische Neuerungen führten zu höherer Produktivität und Ansätzen von Massenproduktion. China erlebte eine Blüte des Binnenhandels, eine reiche städtische Kaufmannsschicht bildete sich aus. 1024 tauchte das erste staatliche Papiergeld (der Welt) auf, das sich aus Wechseln und "Lagerscheinen" entwickelt hatte. Der Staat zog sich von preis- und marktüberwachenden Funktionen zurück und führte stattdessen Handelsabgaben ein. Agrarabgaben waren nicht länger an Personen und Land gebunden, sondern berechneten sich nach dem Ertrag. Gleichzeitig hielt der Staat die einträglichen Monopole auf Salz, Tee, Alkohol und Parfum.

Politisch übten die Mandarine, die kaiserlichen Beamten, eine wirksame Kontrolle der Staatsführung aus. Ein Staatsrat bestimmte unter Vorsitz des Kaisers die allgemeine Politik. Innerhalb der Beamtenschaft bildeten sich Fraktionen, politischen Parteien nicht unähnlich. Gleichzeitig erreichte das Prüfungssystem zur Rekrutierung von Beamten als Auswahl der Besten im Reich ein Höchstmaß an Effizienz. Der Staat befasste sich außerdem zunehmend mit Wirtschaftsfragen, da hauptsächlich Handel und Industrie die Staatseinkünfte erbrachten. Die chinesische Seefahrt nahm seit dem 11. Jh. einen Aufschwung, der im 13. Jh. seinen Höhepunkt erreichte. Zum Flottenaufbau, Fortschritten im Schiffbau und dem Ausbau der Wasserwege gesellten sich die Erfindung des Kompasses und die Entwicklung einer ausgefeilten Kartographie.

Militärisch war das Song-Reich schwach. Bereits 1004 zwang das Reich von Kitan (946-1125) im Nordosten die Song zu einem Friedensvertrag mit Tributzahlungen. 1044 wurde das Song-Reich auch dem nordwestlichen Nachbarn, dem Reich der Westlichen Xia (1038-1227), tributpflichtig. Das tungusische Volk der Dschurdschen (von 1115 bis 1234 unter der Jin-Dynastie) bedrohte zunächst im Bündnis mit den Song das Reich der Kitan, das 1125 zerstört wurde. Dann brachen sie das Bündnis und besetzten 1126 ganz Nordchina bis zum Huai-Tal (Friedensvertrag 1142). 1152 erhob der Jin-Kaiser erstmals Peking zur Hauptstadt. Die Song flüchteten in das Gebiet südlich des Yangtse und machten Hangzhou zur provisorischen Hauptstadt. Von dort herrschten sie als Südliche Song-Dynastie (1127-1279) noch bis zur Eroberung durch die Mongolen.

Yuan-Dynastie (1227-1368)

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Dschingis Khan (1206-1227)

Der Sturm der Mongolen in Ostasien vollzog sich im Vergleich zu Westasien und Europa eher langsam. Die Truppen des Großkhans der Mongolen, Dschingis Khan (1206-1227), verdrängten den Hof des Jin-Reiches aus der Mandschurei nach Kaifeng. 1227 zerstörten seine Armeen das Reich der Xia. 1229 flohen die Jin vor den weiteren Offensiven, bis sie nördlich von den Mongolen, im Süden von den Song eingekesselt waren und der Kaiser 1234 Selbstmord beging. Damit fiel Nordchina an die Mongolen, die die eroberte Bevölkerung mit Massakern einzuschüchtern suchten. Zur besseren Kontrolle überzogen die Mongolen das besiegte Reich mit Streitkräften, während sie seine Ausbeutung über Mittelspersonen des alten Jin-Reiches und nicht-chinesiche Ethnien aus Zentralasien, dem Mittleren Orient und Europäern betrieb. Dagegen behielten sie sich die Abgabe von Grundsteuern für den Staat und die Einrichtung von Poststationen im Reich selbst vor. Chinesische Berater veranlassten Kublai Khan (1260-1294), seine Regierung an die chinesische Staatsführung anzupassen. Nach dem Sieg über die Südliche Song-Dynastie 1271 nahm Kublai Khan für seine mongolische Dynastie den Namen Yuan an, ebenfalls ein Zeichen der beginnenden Sinisierung der Mongolen. Peking ließ er zum Herrschersitz und zur neuen Hauptstadt Khanbalik ausbauen (1274).

Trotz allmählicher Anpassung der Mongolen zogen sie eine scharfe Trennungslinie zwischen sich und den "Hanren" (Chinesen) und übten Diskriminierung in vieler Hinsicht. Obwohl sie sich auf den chinesischen Beamtenapparat stützten, besetzten sie die Führungspositionen selbst oder mit von ihnen bevorzugten Ausländern. Berater und Gelehrte kamen aus allen Teilen des mongolischen Weltreichs.

1260 schufen sie eine nationale Währung, deren Konvertierung verboten war. Rege Tätigkeit von Händlern aus Zentralasien und dem Mittleren Orient über die Steppenrouten und die alte Seidenstraße bewirkte den Abfluss chinesischen Silbers. Gegen die Konfiszierung der Felder kleiner Bauern und Verschonung des Großgrundbesitzes, die Verdammung der Handwerker zur Vererbung ihres Berufes und Zwangsarbeit der Salinenarbeiter baute sich ein Widerstandspotenzial in der Bevölkerung auf, das sich zunehmend in Konflikten entlud.

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Marco Polo (1254-1324)

Der Austausch mit der Welt gestaltete sich äußerst rege. Die Westeuropäer sendeten Franziskanermönche wie Giovanni de Monte-Corvino nach Ostasien. Die venezianischen Kaufleute Niccolò und Maffeo Polo bereisten den Orient (1254-1269), Marco Polo übernahm 1271-1295 sogar Aufgaben für Khublai Khan. Der Marokkaner Ibn Battuta berichtete detailliert über die Technikentwicklung in China.

Der Widerstand der Chinesen gegen Fremdherrschaft, Korruption, Willkür und Privilegien der Reichen organisierte sich in Geheimgesellschaften, die teils politische, aber oft auch religiöse Ziele verfolgten. Die bedeutendste war die der "Roten Turbane", die bei Erhebungen nach Überschwemmungen des Huanghe (ab 1327) und den darauf folgenden schlimmen Hungersnöten den Widerstand anführten. Ausgehend von der nordchinesischen Tiefebene und Anhui zum einen und vom Gebiet am unteren Yangtse zum anderen breiteten sich die Aufstände aus.

Ming-Dynastie (1368-1644)

Als Führer der Rebellenheere setzte sich Zhu Yuanwang, ein Mann einfacher Herkunft, durch. 1363 eroberten die Aufständischen Zentralchina, 1368 gründete Zhu als Kaiser Wu (1368-1399) unter der Regierungsdevise Hongwu die Ming-Dynastie in Nanking und nahm Peking ein.

Nach den Jahrzehnten mongolischer Ausbeutung trieb Wu den nun erforderlichen wirtschaftlichen Aufbau mit Respekt einflößenden Ergebnissen voran. Landwirtschaftliche Flächen, Dämme, Kanäle und Wasserreservoirs mussten wiederhergestellt werden, durch den Krieg verlassene Gegenden wurden wieder besiedelt. In einem Aufforstungsprogramm (für den Bau einer Flotte) setzte die zu Pflanzungen verpflichtete Bevölkerung Millionen Bäume. Landverteilungsprogramme stützten die Agrarproduktion, auf deren Besteuerung sich der Staat der Ming-, aber auch der folgenden Qing-Dynastie hauptsächlich stützte. Die Kehrseite der Medaille war die despotische Regierungsweise des Kaisers aus dem Volk, der dem Kabinett nur noch Beratungsfunktion zuwies, seiner Beamtenschaft misstraute und deshalb eine Geheimpolizei einrichtete.

Die Zeit des dritten Ming-Kaisers Yongle (1403-1424) steht für starke Expansion, militärische Expeditionen und Profilierung Chinas als überlegene Seemacht. Der Eunuch Zheng He (* um 1371, um 1434) leitete 1405-1433 sieben Expeditionen nach Südostasien, Indien, Ostafrika und Arabien, die China neben hohem Ansehen vermehrten Handel in Form von Tributlieferungen einbrachten. Gleichzeitig wurde in Richtung der Steppenvölker die Chinesische Mauer ausgebaut und verstärkt. Sie erreichte damals die Gesamtlänge von beinahe 5000 km. Dennoch geriet 1449 Kaiser Zhengtong (1436-1465) in mongolische Gefangenschaft und wurde erst 1457 gegen Lösegeld freigelassen. Mitte des 16. Jh.s erreichte die Bedrohung durch vereinte Tataren unter dem Mongolen Altan Khan (auch Anda Khan, 1507-1582) einen neuerlichen Höhepunkt, die erst der Friedensvertrag von 1570 beseitigte. Eine weitere massive Gefahr ging von der japanischen Piraterie im 16. Jh. an der gesamten Ostküste aus, die mit wachsendem Seehandel zunahm. 1577 landeten die Portugiesen auf Macao. 1592-1598 unternahmen die Ming-Armeen im Bündnis mit den Dschurdschen einen kostspieligen Kriegszug nach Korea und drängten die Invasion der Japaner zurück. Nach 1600 begann die christliche China-Mission.

Für die Ming-Zeit charakteristisch ist der Machtgewinn der Eunuchen am Hofe, auf deren politische Betätigung die Todesstrafe stand. Durch das Misstrauen des Kaisers gegenüber seinen Beamten gewannen aber die Eunuchen, stets im persönlichen Umgang mit der kaiserlichen Familie, einen starken Einfluss, der einen Keil zwischen Verwaltung und Kaiser trieb. Intrigen der Eunuchen führten zu einer tiefen Krise im Konflikt mit der Donglin-Partei, einer anti-absolutistischen Opposition von Gelehrten (1615-1627). Brodelnde Unzufriedenheit durch Hungersnöte und wachsende soziale Spannungen zwischen reichen Großgrundbesitzern und Mittellosen machte sich ab 1630 in permanenten Bauernaufständen Luft, die zu anarchischen Zuständen führten. Die Instabilität nutzten die Dschurdschen, die sich nach 1635 Mandschu nannten. Dank bester militärischer Organisation nach chinesischem Vorbild unterwarfen sie von der Mandschurei aus den Norden. Ab 1636 führte Abahai, Nachfolger des Nurhaci, den Dynastienamen Daqing (Große Qing). Hauptstadt war Mukden (Shenyang).

Die letzten Kaiser (1644-1911)

Während sich die Mandschu im Norden Chinas auch wegen der Unterstützung der chinesischen Oberschicht rasch durchsetzten, leistete der Süden (Südliche Ming, 1645-1661) erfolgreich Widerstand gegen die Fremdherrschaft. Erst 1683 besiegelte die Einnahme Taiwans den endgültigen Sieg der Mandschu.

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Kaiser Kangxi. Peking, Palastmuseum

Kurz nach der Eroberung Pekings installierten die Mandschu ein wahres Terrorregime mit Massakern, Enteignungen und demütigenden Zwangsmaßnahmen wie das Tragen des geflochtenen Zopfes, eine Sitte der Steppenvölker. Als Herrscher in der ethnischen Minderheit, waren sie sehr auf Absonderung von den Chinesen bedacht, was ihre Sinisierung aber nicht verhinderte. Sie übernahmen den Verwaltungsapparat im Wesentlichen unverändert, Ämter wurden meist paritätisch mit Mandschu und Chinesen besetzt. Unter den Kaisern Kangxi (1662 bis 1722), Yongzheng (1723-1736) und Qianlong (1736-1796) erreichte China mit der Eingliederung der Mandschurei, der Mongolei, Ostturkistans (1759, ab 1884 Provinz Xinjiang) und Tibets (1751) seine größte territoriale Ausdehnung in der Geschichte. Für die eroberten Gebiete brachte das Kaiserreich nach streng konfuzianischen Ordnungsprinzipien allgemeinen Wohlstand. Politische Opposition wurde allerdings konsequent und brutal unterdrückt. 1740-1800 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl auf 300 Millionen, parallel wuchs die Kluft zwischen Grundbesitzerklasse und dem am sozialen Frieden interessierten Kaiserhof.

Die ersten formellen Außenbeziehungen zu einem europäischen Land besiegelte 1689 der Vertrag von Nertschinsk mit Russland, der die Grenzstreitigkeiten im Amur-Gebiet beenden sollte. Der Außenhandel wurde einzig über den Hafen von Kanton abgewickelt. Neun chinesische Kaufleute, so genannte Co-hong, fungierten als Unterhändler zwischen chinesischen Provinzbehörde und ausländischen Händlern. Als Gesandter Georgs III. von Großbritannien forderte Lord Macartney 1793 vergeblich eine Verbesserung des Handels und die Abschaffung der Co-hong. Mitte des 19. Jh.s begann eine Periode der nationalen Demütigung: Als Kaiser Daoguang (1820-1850) 1839 versuchte, den über Kanton abgewickelten Opiumhandel der Engländer zu unterbinden, griffen die ohnehin von den chinesischen Handelsbeschränkungen entnervten Briten 1840 zu den Waffen und fügten dem chinesischen Reich im Opiumkrieg die erste einer Serie militärischer Niederlagen bis ins 20. Jh. hinein zu. Der Vertrag von Nanking 1842 erzwang die Öffnung fünf weiterer Häfen, die Abschaffung des Handelsmonopols der Co-hong und die Abtretung der Insel Hongkong. Ein Zusatzvertrag 1843 enthielt eine Meistbegünstigungsklausel für Großbritannien, die Zeit der Ungleichen Verträge begann. Zugeständnisse an die USA und Frankreich folgten.

Zugleich zermürbte der bürgerkriegsähnliche Taiping-Aufstand (1851-1864) unter Hong Xiuquan (1864) die mandschurische Herrschaft. Weitere Aufstände der Nian, Miao und der chinesischen Muslime (bis etwa 1875) kosteten hunderttausende Menschen das Leben. Die Zentralregierung war so geschwächt, dass sich Frankreich und England 1858 mit dem Vertrag von Tianjin eine weitere Öffnung des Kaiserreichs herausnahmen. Eine militärische Strafexpedition der Europäer, die Peking besetzten und den Sommerpalast zerstörten, brach 1860 den Widerstand der maroden mandschurischen Herrschaft: China musste der englischen Kronkolonie Hongkong ein Stück des Festlandes abtreten (Kowloon), den Opiumhandel legalisieren und ausländischen Schiffen das Befahren der Binnengewässer gestatten. Tianjin wurde Freihafen. Russland erhielt durch Verträge (1858, 1860) das Gebiet vom Ussuri bis zum Pazifik.

In den folgenden Jahren versuchte China, Grundlagen für eine moderne Industrie (Rüstung, Bergbau, Werften etc.) zu schaffen und sich durch Entsendung chinesischer Gesandter in westliche Hauptstädte auf die neuen Erfordernisse einzustellen. Ab 1872 besuchten chinesische Studenten Universitäten in den USA und Europa. Allerdings bremste die traditionell gebildete und wissenschaftsfeindliche Beamtenschaft die Modernisierung. Hinzu kam der ökonomische Druck durch hohe Kriegsentschädigungszahlungen, den die britische Handelspolitik noch verschärfte.

1874 vereinnahmte Frankreich das China tributpflichtige Annam. Japan griff Taiwan an, "öffnete" Korea (1876) und annektierte die Ryukyu-Inseln (1879). Birma wurde britisches Protektorat (1885). Nach der katastrophalen Niederlage im chinesisch-japanischen Krieg (1894/95) musste China Taiwan und die Pescadores an Japan abtreten, verlor Korea als Einflussgebiet, musste weitere Häfen öffnen und wiederum hohe Kriegsentschädigungen leisten. 1897 besetzten deutsche Truppen Qingdao (Tsingtao), nach der Ermordung eines Missionars auch Kiautschou (Jiaozhou) in Shandong und erzwangen ab 1898 die Verpachtung ans Deutsche Kaiserreich. Das Zarenreich bot sich den Chinesen als Verbündeter gegen Japan an und erreichte durch Bündnisvertrag die Möglichkeit, die Transsibirische Eisenbahn durch die Mandschurei nach Wladiwostock zu verlängern.

An der politischen Spitze Chinas spielten sich heftige Machtkämpfe zwischen "Modernisten" und "Patrioten" ab. Seit 1875 regierte für den minderjährigen Kaiser Guangxu (1875-1908) die ebenso ehrgeizige, wie reaktionäre Ci Xi (* 1835, 1908). 1898 gelang es einer kleinen Gruppe von Intellektuellen um Kang Youwei (* 1858, 1927) und Liang Qichao (* 1873, 1929), mit Unterstützung des Kaisers Reformen in Verwaltung, Erziehungswesen und Wirtschaft durchzusetzen ("Reform der 100 Tage"). Nach dem Verlust der Unterstützung des Armeeführers Yuan Shikais (* 1859, 1916) und des Provinzgouverneurs Zhang Zhidongs (* 1837, 1909) entzogen sich Kang und Liang durch Flucht nach Japan der Hinrichtung. Ci Xi übernahm wiederum die Macht und hielt Guangxu bis zu seinem Lebensende gefangen.

In den letzten Jahren des 19. Jh.s gründete sich die Bewegung der "Boxer", die das chinesische Boxen als physisches und moralisches Training begriffen. Extrem fremdenfeindlich richteten sich ihre Aktionen, regional auf drei Provinzen beschränkt, u. a. gegen Eisenbahnen, Geschäfte mit Importwaren, Missionare. Als sie 1900 den deutschen Gesandten Klemens von Ketteler ermordeten und das Gesandtschaftsviertel besetzen, unterstützte der chinesische Kaiserhof die Aufständischen und erklärte den Westmächten den Krieg. Alliierte Truppen eroberten Tianjin und Peking und zwangen die Kaiserin zur Flucht nach Xian. Wieder wurde China zu demütigenden Zugeständnissen gezwungen. Russland nutzte die Gelegenheit zur Besetzung der Mandschurei und provozierte so den Krieg mit Japan (1904/05), in dem die Japaner durch ihren Sieg auf chinesischem Boden ein Zeichen für ganz Asien setzten.

Soziale Spannungen und antimandschurische Stimmung nahmen zu, Geheimgesellschaften schmiedeten Umsturzpläne. Eine Revolution bereitete auch Sun Yatsen (* 1866, 1924) vor, der, vom Kaiserreich verfolgt, bei den Auslandschinesen um Unterstützung warb und dazu in Japan die "Liga der Verbündeten" (Tongmenghui) gründete. Er vertrat eine Staatsphilosophie der "drei Prinzipien" (Nationalismus, Demokratie und Volkswohlfahrt). Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen verhalf ein Garnisonsputsch in Wuchang der Revolution am 10.10.1911 zum Sieg. Sun Yatsen wurde zum provisorischen Präsidenten der Republik China (1912).

Nationale Befreiung (1911-1949)

Nach Abdankung des Qing-Kaisers (1912) verzichtete Sun Yatsen zu Gunsten von General Yuan Shikai (1912-1916) auf das Präsidentenamt. Im selben Jahr gründete Sun die Kuomintang (KMT, Nationalchinesische Volkspartei). 1913 fanden die ersten Wahlen statt, die die KMT gewann. Yuan Shikai erwies sich als Revanchist und begründete 1915 eine Dynastie, die am Widerstand der südlichen Provinzen und der Großmächte scheiterte.

Als Yuan 1916 starb, verfiel die Zentralmacht in Peking. Zehn Jahre lang kämpften regionale Kriegsherren auf eigene Rechnung oder waren Spielball der Großmachtinteressen. China spaltete sich und hatte bis 1928 teilweise zwei Regierungen - eine vom Ausland anerkannte in Peking und eine revolutionäre unter Sun Yatsen im Süden. Zudem zog Japan China durch die Besetzung der deutschen Pachtgebiete in den Ersten Weltkrieg hinein. Die chinesische Rückgabeforderung beantwortete das zur Großmacht aufgestiegene Japan mit "21 Forderungen", die ihm weit gehende Privilegien in China sichern sollten. Heftige chinesische Proteste mündeten in antijapanische Demonstrationen, die sich in der Vierte-Mai-Bewegung 1919 als Reaktion auf die Versailler Verträge zu Waren- und Geschäftsboykotten auswuchsen.

In der Nationalbewegung sammelten sich Studenten und Intelligenz, die um die Jahrhundertwende zunächst Chinas Erneuerung nach westlichem Vorbild gefordert hatten. Enttäuscht von der egoistischen, kaltblütigen Interessenpolitik der Westmächte wandten sie sich bald dem Marxismus und der Sowjetunion zu. 1921 wurde die Kommunistische Partei Chinas (KP) in Shanghai gegründet, ihre Zeitschrift "Neue Jugend" betrieb auch den kulturellen Wandel wie den Eingang der gesprochenen in die Schriftsprache und damit die Verallgemeinerung von Bildung. Der Krieg in Europa hatte indirekt die Industrialisierung Chinas und damit die Entstehung eines Proletariats gefördert.

Moskau allerdings unterstützte Sun und die KMT. Ab 1923 übernahm der Komintern-Berater Michael Borodin die Reorganisation der KMT nach Vorbild der KPdSU, 1924 eröffnete die Militärakademie Whampoa, in der Chiang Kai-shek (* 1887, 1975) und Zhou Enlai (* 1898, 1976) Schlüsselpositionen einnahmen. KMT und KP schlossen sich auf Drängen der Komintern zur Einheitsfront zusammen. Chiang Kai-shek, der Nachfolger Suns nach 1925, trat mit der KMT-Armee Anfang 1926 den zwei Jahre dauernden Eroberungsfeldzug Richtung Norden an und erreichte 1927 den Yangtse und Shanghai. Latentem Antikommunismus machte er in einem Massaker an Kommunisten und der KP nahe stehenden Arbeitern in Shanghai und Nanking auf brutale Weise Luft und brach die Beziehungen zu Moskau ab. Die kommunistische Führung unter Mao Zedong (* 1893, 1976) und Zhu De (* 1885, 1976) errichtete mit dem Rest ihrer Verbände ein Sowjetgebiet in Jiangxi, dem weitere folgten. In der neuen Hauptstadt Nanking wählte die KMT 1928 eine neue Nationalregierung.

1931 fiel Japan in die Mandschurei ein und erklärte 1932 deren Unabhängigkeit als Mandschukuo. Auf Boykottmaßnahmen der chinesischen Bevölkerung reagierte Japan mit der Bombardierung Shanghais und Nankings mit Kanonenbooten. Chiang Kai-shek konzentrierte die militärischen Kräfte dennoch auf die Verfolgung der Kommunisten, denen er 1934 eine vernichtende Niederlage in Jiangxi zufügte. Die übrig gebliebenen Verbände flüchteten auf dem "Langen Marsch" (11000 km) in das in Shaanxi gelegene Yanan (1935). Dort konnte Mao sich als Führer in der KP durchsetzen. Vor einem erneuten Feldzug gegen die Kommunisten ließ ein General der KMT-Truppen Chiang in Xian verhaften, um ihn zum Kampf gegen die Japaner zu bewegen. Verhandlungen, an denen auch Zhou Enlai für die KP teilnahm, erreichten seine Freilassung und eine härtere Gangart gegenüber Tokio. Es entstand die zweite Einheitsfront der KMT und KP, von der Sowjetunion mit einem Bündnis unterstützt (1937).

Ein nichtiger Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke im Juli 1937 bot den Japanern schließlich die Gelegenheit zum Eroberungskrieg in China, das, militärtechnisch überlegen, Shanghai und Nanking bereits im Dezember 1937 besetzte. Die Nationalregierung floh über Hankou (Wuhan) nach Chongqing. Die kommunistischen Einheiten leisteten den Japanern in einem Guerillakrieg Widerstand. Die UdSSR sandte Militärmaterial und Berater. Nach Einnahme der gesamten Ostküste setzte Tokio 1940 in Nanking die Marionettenregierung Wang Jingwei ein und versuchte, das Land für Japan auszubeuten. Als die USA Japan 1945 zur Kapitulation zwangen, versuchten kommunistische und nationalchinesische Truppen sofort, die von ihnen besetzten Gebiete in China zu vergrößern. Vermittlungsversuche der USA schlugen fehl: 1947 begann der Bürgerkrieg, den die KP auf Grund ihrer stärkeren Verankerung in der ländlichen Bevölkerung 1949 zu ihren Gunsten entschied.

Ära der Kommunistischen Partei (seit 1949)

Am 1.10.1949 rief Mao als 1. Vorsitzender der Zentralen Volksregierung auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik aus. Die Flucht der Nationalregierung Chiang Kai-sheks nach Taiwan bremste den nationalen Aufbau nach einem Jahrhundert des politischen Zerfalls, blutiger Kämpfe, imperialistischer Invasion und des Bürgerkriegs zunächst ebenso wie Chinas Eingriff in den Koreakrieg. Gleichzeitig demonstrierten die Chinesen durch ihren Einmarsch in Tibet, das sich seit 1912 faktisch von China gelöst hatte, ihren Hoheitsanspruch. Für den innenpolitischen Aufbau richtungsweisend war 1950 ein Freundschaftsbündnis mit der UdSSR, nachdem die USA auf Avancen mit der fortgesetzten Bevorzugung Taiwans reagiert hatte. Trotz scheinbarer ideologischer Übereinstimmung gab es grundlegende Differenzen, die 1960 im Abzug der sowjetischen technischen Berater und im Bruch zwischen Moskau und Peking gipfelten. Bis 1979 bekriegte China die "revisionistische" UdSSR ideologisch aufs Schärfste. 1969 kam es bei blutigen Grenzgefechten beinahe zum Krieg (Ussuri-Konflikt).

Grundlegende sozioökonomische Veränderungen leitete das neue Agrarreformgesetz 1950 ein. Die Großgrundbesitzer wurden enteignet, zu Beginn auch oft getötet, die Nutzflächen neu verteilt. Schwerindustrie, Außenhandel und Verkehr wurden verstaatlicht. Das neue Ehegesetz (1950) brach mit der traditionellen Familienstruktur. 1953 startete der 1. Fünfjahresplan nach sowjetischem Modell. Sein Schwerpunkt lag auf der industriellen Entwicklung, während Investitionen in Landwirtschaft und Konsumgüterindustrie zweitrangig blieben. 1954 beschloss die 1. Nationalversammlung eine neue Verfassung, die keinen Zweifel an der Führungsrolle der KP aufkommen ließ. Demgegenüber besaß die Politische Konsultativkonferenz, in der alle nicht-kommunistischen politischen Kräfte zusammengefasst waren, nur noch Beratungsfunktion. Ab 1956 übten die sieben Mitglieder des Ständigen Politbüros (Mao Zedong, Liu Shaoqi, Zhou Enlai u. a.) die Macht aus.

Mao trieb die Kollektivierung entschieden voran (1955/56). Zhou Enlai versuchte gleichzeitig, die Intellektuellen zu mobilisieren. 1956 leitete Mao die Kampagne "Lasst 100 Blumen blühen und 100 Schulen miteinander wetteifern" ein. Die gewünschte offene Diskussion uferte im Mai 1957 jedoch in tief greifende Kritik am Führungsanspruch der KP und an der Führung aus. Bestrafung der "Rechtsabweichler" und "Konterrevolutionäre" durch soziale Degradierung und die Absetzung von Fachleuten waren die Folge, die in den folgenden Jahre fatale Konsequenzen hatten.

Die von Mao initiierte Wirtschaftsstrategie "Großer Sprung nach vorn" 1958 zielte auf die rasche Industrialisierung auf dem Land und suchte den Fortschritt allein durch die Mobilisierung der Landarbeiter zu erzielen. Außerdem sollte die Einrichtung von Volkskommunen (Zusammenfassung von 4000 bis 5000 Höfen) den Übergang zur kommunistischen Gesellschaft beschleunigen. Die radikalen, traditionszerstörenden Maßnahmen mündeten in ein wirtschaftliches Chaos, dessen unmittelbarste und schlimmste Folge 1960/61 eine Hungersnot war, auch die Industrie traf große Schäden. Maos Position war seitdem bedeutend geschwächt, die politisch Gemäßigten gewannen die Oberhand. Die Bauern erhielten Parzellen für den eigenen Anbau, in der Industrie wurden wieder materielle Arbeitsanreize geschaffen. Die Entwicklungspriorität lag nun auf der Landwirtschaft. Außenpolitisch lehrte China 1964 mit der Zündung seiner ersten Atombombe nicht nur seine Nachbarn das Fürchten.

Im August 1966 rief Mao die "Große proletarische Kulturrevolution" (bis 1969) aus, die ihm unter dem Deckmantel des unverminderten Klassenkampfes die Säuberung der KP (Liu Shaoqi, Deng Xiaoping u. a.) und der politischen und gesellschaftlichen Institutionen ermöglichte. In der hauptsächlich von Jugendlichen, den Rotgardisten, getragenen "permanenten Revolution" wurden im Kampf gegen "Reste des Feudalismus" alte Kulturschätze unwiederbringlich zerstört. Der Angriff auf "alte Autoritäten" traf Universitätsprofessoren und Lehrer. Das Bildungswesen lag für mehrere Jahre gänzlich brach, ab 1968 wurden Schüler und Studenten zur Umerziehung aufs Land geschickt. In der von Mao in Kauf genommenen anarchistischen Zeit wurden viele hunderttausend Menschen ermordet, gequält oder in den Selbstmord getrieben. Erst der Armee gelang die Disziplinierung der Roten Garden.

Das gesamte gesellschaftliche Leben wurde nach der maoistischen Ideologie ausgerichtet (Mao-Kult). Im April 1969 wurde Mao als Parteivorsitzender vom Zentralkomitee im Amt bestätigt. Von nun an steuerte Ministerpräsident Zhou Enlai, der sich neben Mao während der Kulturrevolution trotz Anfeindungen hatte im Amt halten können, einen konsequenten Kurs der politischen und wirtschaftlichen Konsolidierung. 1970 entmachtete Mao seinen designierten Nachfolger Lin Biao. Um Maos Ehefrau Jiang Qing (* 1913, 1991) bildete sich eine Gruppe mit Zhang Chunqiao, Yao Wenyuan und Wang Hongwen, die als linksextremer Gegenpol zu den Parteipragmatikern um Zhou Enlai zumindest weitgehend mit der Billigung Maos politisch agierten. Seit 1972 versuchten sie mit mehreren Kampagnen erfolglos, sich der Gemäßigten um Zhou Enlai zu entledigen. 1973 wurde Deng Xiaoping rehabilitiert, der an Stelle des erkrankten Zhou Enlai die Regierungsgeschäfte übernahm. 1975 beschloss der IV. Nationale Volkskongress die Politik der "Vier Modernisierungen" (Landwirtschaft, Industrie, Landesverteidigung, Wissenschaft und Technik), ein deutlicher Gegenkurs zu Maos Wirtschaftspolitik.

Nach Zhou Enlais Tod im Januar 1976 enthob die Parteilinke Deng Xiaoping erneut aller Partei- und Regierungsämter, Hua Guofeng wurde Ministerpräsident (1976-1980) und erster Stellvertreter Maos als Parteivorsitzender (1976-1981). Trauerkundgebungen für Zhou auf dem Platz des Himmlischen Friedens gerieten zu Protestkundgebungen und wurden gewaltsam unterdrückt. Nach dem Tod Maos im September 1976 wurde die als "Viererbande" disqualifizierte Linksfraktion entmachtet und inhaftiert. Unter Hua Guofeng begann der langwierige Prozess der Abrechnung mit der Kulturrevolution und der Ablösung vom Personenkult um Mao Zedong. Deng Xiaoping wurde 1977 erneut rehabilitiert und treibende Kraft der Modernisierungspolitik.

Seit 1969 an begann China sich aus der Isolation zu lösen. Dank der US-amerikanisch-volkschinesischen Annäherung erhielt die Volksrepublik 1971 den Sitz in den Vereinten Nationen und dem Weltsicherheitsrat zu Ungunsten Taiwans. 1972 leitete der Besuch des US-Präsidenten Richard Nixon offiziell die Wende in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen ein, die die diplomatische Anerkennung durch die Bundesrepublik Deutschland und Japan nach sich zog. 1974 stellte Deng Xiaoping der UN-Vollversammlung seine "Dreiwelten-Theorie" als neue außenpolitische Maxime vor. Mit Japan schloss China 1978 einen Friedens- und Freundschaftsvertrag. Seit 1979 fand auch eine vorsichtige Annäherung an die UdSSR statt, die der Besuch Präsident Michail Gorbatschows 1989 besiegelte.

Die einschneidendsten Veränderungen in China verursachten seit 1978 Reformen der Planwirtschaft, die inzwischen zur "sozialistischen Marktwirtschaft" fortgeschritten ist. Die Wirtschaftspolitik förderte in hohem Maß die technische Modernisierung, privates Unternehmertum, freie Märkte und ausländische Investitionen und löste besonders in Sonderzonen einen Wirtschaftsboom aus, von dem vor allem die Küstenprovinzen profitierten.

Ende 1986 und im Frühjahr 1989 wurde der Ruf nach politischen Reformen in der Öffentlichkeit laut. Den Studentenprotesten schlossen sich 1989 auch Arbeiter an, eine unabhängige Gewerkschaft wurde gegründet. Nach offensichtlichem Kampf um das Vorgehen in der chinesischen Führung räumte die Volksbefreiungsarmee in der Nacht vom 4./5.Juni 1989 mit blutiger Gewalt den Platz des Himmlischen Friedens. Bei der folgenden "Säuberung" von "Konterrevolutionären" wanderten viele Beteiligte in die Gefängnisse, die Atmosphäre der Gesinnungsschnüffelei aus der Kulturrevolution lebte wieder auf. Die Niederschlagung der Demokratiebewegung beendete vorläufig die Periode kultureller und gesellschaftlicher Öffnung der 1980er Jahre, der absolute Führungsanspruch der KP blieb bestehen. Der Parteiführer Zhao Ziyang wurde abgesetzt; als Generalsekretär folgte ihm Jiang Zemin. 1992 wandte sich China auf Initiative Deng Xiaopings wieder verstärkt der Reformpolitik zu. In der Verfassung wurde der Begriff »Planwirtschaft« durch »Sozialistische Marktwirtschaft« ersetzt. Privatwirtschaftliche Tätigkeit wurde in weitestem Umfang zugelassen. In der Wirtschaftsentwicklung zeigten sich große Unterschiede zwischen den Küstenprovinzen und dem Landesinneren. Eine Änderung des politischen Systems wurde weiterhin ausgeschlossen. Im Juli 1999 gingen die staatlichen Sicherheitskräfte massiv gegen landesweit demonstrierende Anhänger der Heilsbewegung Falun Gong (dt. »der Weg des Rades«) vor. Die Bewegung wurde von der Regierung offiziell verboten. In der Außenpolitik verschlechterten sich im gleichen Jahr durch die Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad die Beziehungen zu den NATO-Staaten. Auch das Verhältnis zu Taiwan blieb nach wie vor gespannt. Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon 2001 unterstützte China den politischen Kurs der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Mit Russland wurde im gleichen Jahr ein neuer Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Durch die am 11. Dezember 2001 erfolgte Aufnahme in die WTO erhoffte sich die chinesische Führung weitere wirtschaftliche Fortschritte.

Auf dem 16. Parteitag der Kommunistischen Partei wurde im November 2002 erstmals in der Geschichte der Volksrepublik ein geordneter Führungswechsel vollzogen. Hu Jintao übernahm von Jiang Zemin das Amt des Generalsekretärs. Gleichzeitig öffnete sich die Partei mit der so genannten Theorie der drei Vertretungen (Orientierung an den fortschrittlichen Produktivkräften, an der fortschrittlichen Kultur sowie an den Interessen der großen Mehrheit der Bevölkerung) auch für das private Unternehmertum und passte sich damit an die Realität der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre an. 2003 wurde Hu Jintao auch Staatspräsident. Gleichzeitig löste Wen Jiabao Zhu Rongji im Amt des Ministerpräsidenten ab.

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