Christliche Fest- und Feiertage
Advent
Der Jahreskreis der Feste beginnt mit dem Advent. Das Wort "Advent" kommt vom lateinischen adventus (=Ankunft) und weist auf die Geburt (= Ankunft) Jesu hin. Seit Papst Gregor I., dem Großen, (590-604) umfasst Advent vier Sonntage vor Weihnachten und gilt als Zeit des Fastens (liturgische Farbe: violett) sowie der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Jesu Christi in der Heiligen Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Für die Protestanten beginnt am ersten Advent, dem vierten Sonntag vor Weihnachten, das neue Kirchenjahr.
In der Adventszeit bereiten sich die Menschen auf das Weihnachtsfest, auf die Geburt Jesu, vor. Diese Zeit wurde schon früh auf vierzig Tage vor dem 6. Januar festgelegt. In Gallien sah man im 6. Jahrhundert insbesondere die Wiederkehr Christi am Ende der Welt und gab der Adventszeit damit den Charakter einer Bußzeit.
Höhepunkte der Adventszeit sind die vier Sonntage, die ihr Symbol im Adventskranz mit den vier Kerzen haben. Für die Kinder gibt es Adventskalender, mit denen die 24 Tage vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend gezählt werden. Dabei gibt es zu jedem Tag ein kleines Geschenk, dass in einem Beutelchen oder hinter einem Türchen versteckt ist.
Weihnachten
Zunächst feierten die Christen als höchstes Fest die Taufe Christi am 6. Januar. Am 25. Dezember feierten noch viele Völker wie die Griechen, die Römer, die Ägypter oder die Perser die Geburt ihres Sonnen- oder Lichtgottes. Und auch nachdem die Menschen den christlichen Glauben angenommen hatten, wurde dieses Fest oft heimlich weiter begangen.
Niemand wusste ganz genau, wann Jesus geboren worden war, doch da er sich selbst als das "Licht der Welt" bezeichnet hatte, konnte man seinen Geburtstag auch am Tag des Lichtes, dem 25. Dezember, feiern. Dies legte die römische Kirche im 4. Jahrhundert n. Chr. fest, die damit auch gleichzeitig den heidnischen Festen entgegenwirken wollte.

Schon seit dem 11. Jahrhundert hatte es einfache Abbildungen der Geburt des Christuskindes in Kirchen oder Klöstern gegeben. Entscheidend zur Verbreitung der Krippe bzw. des Krippenspiels soll Franz von Assisi beigetragen haben. Er stellte im Jahre 1223 in Greccio das Weihnachtsgeschehen in einem geistlichen Spiel mit lebenden Tieren und einer Puppe mit der Größe eines Babys dar. Er gilt als "Vater der Krippe". Wie die Hirten in Bethlehem, so pilgerten auch hier die Menschen zur Krippe.
Früher wurde das Weihnachtsfest nur in den Kirchen gefeiert. Das Gotteshaus war für das Fest geschmückt und die Gläubigen kamen hier zur Feier zusammen. Während des Gottesdienstes wurden Lieder gesungen und Hirtenspiele aufgeführt. Das häusliche Weihnachtsfest bildete sich im 16. Jahrhundert in den evangelischen Gebieten heraus. Damit verbunden war die Bescherung der Kinder, die zwar an die Gaben der Heiligen Drei Könige erinnern sollte, aber nun durch das Christkind erfolgte.
Meist gab es nur kleine Geschenke, Teller mit Äpfeln und Nüssen und auch mal mit einem Geldstück darauf. Spielzeug zu verschenken, war lange Zeit nur in den wohlhabenden Kreisen möglich. Erst um 1900, mit der allgemeinen Übernahme der bürgerlichen Weihnachtsbräuche, verbreitete sich in allen gesellschaftlichen Kreisen das Weihnachsfest so wie wir es heute kennen: mit Adventskranz, Tannenbaum und Bescherung.
Die Farben der Weihnacht sind Rot und Grün. Das Rot erinnert an das Blut, das Christus für uns vergossen hat. Grün ist die Farbe der Treue, der Treue Jesu zu den Menschen und der Menschen zu Jesu.
Heilige Drei Könige
Am 6. Januar wird das Fest der Heiligen Drei Könige begangen. Ursprünglich wurde an diesem Tag das Fest der Erscheinung des Herrn, Epiphania Domini, sowie die Taufe Christi gefeiert, bis der Geburtstag Christi im 4. Jahrhundert auf den 25.12. verlegt wurde.
Das Dreikönigsfest gedenkt dem Eintreffen der drei Weisen Caspar, Melchior und Balthasar, aus dem Morgenland. Am Vorabend des Dreikönigsfestes ziehen die Sternsinger durch die Straßen. Es sind Kinder, die sich als die drei Weisen verkleidet haben, mit einem großen Stern aus Goldpapier an einem langen Stab. Vor den Häusern singen sie ihr Sternsingerlied und bekommen dafür Obst und Gebäck oder Geld. Heute wird von den Sternsingern oft für einen guten Zweck gesammelt.
Den drei Königen werden besondere Schutzkräfte zugeschrieben, sie sollen das Böse von den Menschen fern halten. Am Fest der Heiligen Drei Könige lassen sich auch Vorhersagen über die Zukunft machen. So kann man an dem Tag das Wetter für das kommende Jahr vorhersagen. Dabei soll jede Stunde des Tages einem Monat entsprechen.Vielerorts bleiben die Weihnachtsbäume bis zum Dreikönigstag stehen. Dann werden sie geplündert und aus dem Haus gebracht. In einigen Gegenden sammelt man die Bäume, schichtet sie auf und verbrennt sie am Abend.
Lichtmess
Am 2. Februar, also vierzig Tage nach Weihnachten, wird Mariä Lichtmess als Abschluss der weihnachtlichen Feste gefeiert. Der früher gebräuchliche Name "Mariä Reinigung" erinnert an den jüdischen Brauch, auf den sich das Fest bezieht: Nach den Vorschriften des Alten Testaments galt die Mutter vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein. Die Frau musste ein Reinigungsopfer darbringen, wahlweise eine oder zwei Tauben oder in besonders gravierenden Fällen ein Schaf. Maria pilgerte also zu dieser ihrer "Reinigung" in den Tempel. Da außerdem Jesus der erste Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von den Eltern zuerst ausgelöst werden: er wurde zum Priester gebracht und vor Gott "dargestellt".
Der historische Ursprung des Festes liegt in einer heidnischen Sühneprozession, die alle fünf Jahre in Rom abgehalten und nun mit diesem Fest ins Christentum übernommen wurde, deshalb stand die Kerzenweihe und Lichterprozession im Mittelpunkt und wird das Fest auch "Mariä Lichtmess" genannt. Das Fest ist im 5. Jahrhundert in Jerusalem bezeugt, wurde im 7. Jahrhundert in Rom eingeführt und zunächst am 14. Februar gefeiert. An Lichtmess wurde der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen geweiht, die Leute brachten auch Kerzen für den häuslichen Gebrauch zur Segnung, diese gesegneten Kerzen sollten vor allem in der dunklen Jahreszeit das Gebetbuch beleuchten, oder als schwarze Wetterkerzen Unwetter abwehren.
Aschermittwoch
Mit dem Aschermittwoch beginnt seit dem 7. Jahrhundert die vierzig Tage dauernde Fastenzeit vor dem Osterfest. Der Tag hat seinen Namen von der Asche, mit der ursprünglich die Büßer bestreut wurden, die ein sackähnliches Büßergewand trugen. Die Asche steht für Vergänglichkeit, Trauer und Buße. Die Büßer mussten früher die Kirche verlassen, nachdem sie mit Asche bestreut wurden. Bis sie am Gründonnerstag wieder aufgenommen wurden, durften sie bei den Gottesdiensten nur auf der Armesünderbank, im Vorraum der Kirche, sitzen.
In der katholischen Kirche wird auch heute noch bei einem Gottesdienst am Aschermittwoch den Gläubigen ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet. Dabei sagt der Priester die Worte "Gedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst!" Die Asche wurde durch das Verbrennen der Palmzweige vom letztjährigen Palmsonntag gewonnen.
Der Aschermittwoch ist kein Glück bringender Tag. An ihm soll Luzifer aus dem Himmel gestürzt worden sein. So vermied man in früherer Zeit neues Vieh in den Stall zu stellen, das Haus zu reinigen, das Dorf zu verlassen, den Wald zu betreten und vieles mehr.
Palmsonntag
Der Palmsonntag ist der letzte Sonntag vor Ostern. Der Name bezieht sich auf den Brauch, an diesem Sonntag eine Prozession bis in die Nähe der Auferstehungskirche zu machen. Dabei werden Palmzweige und auf einer Bahre ein Kreuz oder ein Evangelienbuch getragen. Dieser Brauch besteht seit dem 8. Jahrhundert.
Die Palme ist das Zeichen des Sieges. Der Baum wurde früher als heilig verehrt. Vom Christentum wurden die Palmzweige als Symbol des Lebens übernommen. In Mitteleuropa wurden die Zweige durch Äste von Saalweiden, Buchsbaum, Wacholder oder Haselzweigen ersetzt. Die geweihten Zweige sollen vor Bösem schützen. Glück bringen sollen auch die ersten Frühlingsblumen, die man am Palmsonntag pflückt.
Gründonnerstag
Der Gründonnerstag ist der Donnerstag vor Ostern. Jesus soll an diesem Tag das letzte gemeinsame Mahl mit seinen Jüngern gefeiert und ihnen zuvor, dem Brauch entsprechend, die Füße gewaschen haben.
Am Gründonnerstag wird das Chrisam geweiht. Er wurde früher aus Olivenöl mit etwas Balsam hergestellt, heute werden auch noch weitere Aromastoffe verwendet.
Der Name des Tages ist in seinem Ursprung nicht geklärt. Möglicherweise wurde er von einer grünen Soße oder Suppe abgeleitet, die man an dem Tag zu essen pflegte. Sie enthielt sieben Gemüse oder Kräuter: Spinat, Salat, Lauch, Petersilie, Schnittlauch, Sauerampfer und Löwenzahn. Die "grünen Gerichte", die an dem Tag zubereitet und gegessen wurden, variierten in den verschiedenen Gegenden.
Möglichweise leitet sich der Gründonnerstag aber auch von dem Wort "greinen" für "weinen" her. Er würde damit eine Erinnerung an die Büßer darstellen, die früher an diesem Tag zum ersten Mal wieder am Gottesdienst teilnehmen durften, und als sichtbares Zeichen ihrer vollendeten Buße mit jungem Grün geschmückt wurden.
Wenn auch verschiedene Arbeiten in der Karwoche nicht gestattet waren, so sollte es Glück bringen am Gründonnerstag im Garten Kräuter und Blumen zu säen.
Karfreitag
Das Wort "Karfreitag" leitet sich vom althochdeutschem Begriff "chara" ab, was Klage, Elend oder Trauer bedeutet. Die frühen Christen beklagten das Sterben und den Tod von Jesus, weil sie glaubten, dass Alles verloren sei.
Der Karfreitag galt früher für die evangelischen Christen als strenger Bußtag und ist heute der höchste protestantische Feiertag. Vor allem im Tod Jesu sahen die Reformatoren die Erlösung aus Sünde und Schuld. Für die Katholiken ist jedoch das Osterfest der höchste kirchliche Feiertag. In der römisch-katholischen Kirche besteht der Karfreitag aus drei Teilen: Wortgottesdienst, die Verehrung des Kreuzes und die Feier der heiligen Kommunion.
Der Karfreitag ist der Überlieferung nach der Todestag von Jesus. An diesem Tag fand der Prozess, die Hinrichtung und die Beerdigung Jesu in Jerusalem statt. In der Bibel finden sich in den vier Evangelien die Abläufe und Ereignisse der Geschehnisse in den Passionsgeschichten wieder.
Der Karfreitag ist der Gedächtnistag der Kreuzigung. Er wird als Fasttag und im Zeichen der Trauer in Stille und Besinnlichkeit begangen. Am Nachmittag um drei Uhr, zur Todesstunde von Jesus, versammeln sich die katholischen Christen zum Wortgottesdienst mit Verlesung der Passionsgeschichte (Leidensgeschichte Jesu), zur Kreuzverehrung (das mit einem violetten Fastentuch bedeckte Kreuz wird enthüllt und durch Kniebeugen verehrt) und der anschließenden Kommunionfeier.
Der Karfreitag steht auch hinsichtlich der Kirchengestaltung ganz im Zeichen der Trauer. Es stehen keine Blumen und keine Kerzen auf dem Altar, Orgel und Glocken schweigen. In vielen Gemeinden finden am Morgen des Karfreitag oder zur Sterbestunde Jesu um 15 Uhr Kreuzwegandachten und Karfreitagsprozessionen statt.
Am Karfreitag werden heute noch verschiedene Brauchtümer gepflegt. Christen essen am Karfreitag Fisch, weil der Fisch eines der ältesten Symbole ist, mit dem sie sich zu erkennen geben. Das Wort "Fisch" heisst auf Griechisch "Ichthys". Das sind die Anfangsbuchstaben von "Iesus Christos Theos Yos Soter". Auf Deutsch: "Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter".
Karsamstag
Der Karsamstag steht unter dem Zeichen der Vorbereitung auf Ostern. Das Haus wird gereinigt und die Speisen für das Fest werden vorbereitet.
Der Name Färbersamstag kommt wohl daher, dass an diesem Tag die Ostereier gefärbt werden.
In der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag, Ostervirgil, dem eigentlichen Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten, wird das Feuer für die Osterkerze entfacht und zusammen mit Weihrauchkörnern geweiht. Die Osterkerze gilt als Symbol für den Auferstandenen. In die Kerze werden zur Erinnerung an die Wunden Christi fünf Weihrauchkörner gesteckt. Am Licht der Osterkerze werden alle anderen Kerzen angezündet. Die Osterkerze steht auf einem gesonderten Leuchter bis Pfingsten neben dem Hochaltar. Die Kerzen der Christen, die in der Osternacht geweiht wurden, werden mit nach Hause genommen. Sie werden bei Krankheiten und anderen Nöten im Laufe des Jahres angezündet.
Schließlich wird in dieser Nacht das Taufwasser geweiht und es werden auch Taufen durchgeführt. In früheren Zeiten wurden die Taufen nur zu Ostern und zu Pfingsten durchgeführt. In der Messe zur Osternacht erklingen auch wieder die Orgel und die Glocken, die zu Karfreitag schweigen mussten.
Das Osterfest
Ostern ist das älteste und höchste christliche Fest. Die christlichen Kirchen feiern die Auferstehung Jesu nach seinem Tod am Kreuze am Karfreitag. Der Ursprung des Wortes Ostern ist umstritten. Verschiedenene Erklärungsmodelle leiten das Wort von altgermanisch austro "Osten" als Himmelsrichtung der Morgenröte ab und damit zusammenhängend von althochdeutsch ostara als Bezeichnung für ein heidnisches Frühlingsfestes. Möglicherweise haben wir es hier aber auch mit dem althochdeutschen Wort eostarum zu tun, das eine Übersetzung der lateinischen Bezeichnung hebdoma alba "Woche der weißen Kleider" (als Sinnbild für die um diese Zeit getauften Menschen) war.
Für das christliche Osterfest war ursprünglich das jüdische Paschafest maßgeblich, das am ersten Frühlingsvollmond (egal auf welchen Wochentag es fällt) zur Erinnerung an die wunderbare Befreiung aus der Knechtschaft der Ägypter begangen wird. Es war ursprünglich ein Hirtenfest, an dem ein Lamm geschlachtet wurde. Darauf wird auch die Verbreitung des Osterlamms zurückgeführt. Im Christentum wurde das Osterlamm mit Christus gleichgesetzt. Bei der Gestaltung der heutigen Osterfeiern vermischen sich heidnische Bräuche und christliche Gebote. Vielen alten Bräuchen wurden nachträglich christliche Inhalte gegeben.
Das Datum des Festes wurde beim Konzil von Nicäa 325 auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gelegt.
Rogate-Sonntag
Das Wort "Rogate" kommt aus dem Lateinischen und heißt "bitten". Der Feiertag wird in der evangelischen Kirche am fünften Sonntag nach Ostern und in der katholischen Kirche am sechsten Sonntag in der Osterzeit begangen. Mit Informationen, Gebeten und Fürbitten soll die Öffentlichkeit über die Missionsarbeit aufgeklärt werden.
Christi Himmelfahrt
Himmelfahrt ist ein beweglicher Festtag und wird stets an einem Donnerstag, 40 Tage nach dem Ostersonntag, begangen. 40 Tage deshalb, da in der Bibel geschrieben steht: "Den Aposteln hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt. Vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen". Dieses Geschehen ist sowohl im Lukas-Evangelium als auch in der von Lukas verfassten Apostelgeschichte festgehalten. Nachdem Jesus am 3. Tage von den Toten auferstanden war und mit seinen Jüngern gesprochen hatte, so heißt es dort, wurde er vor ihren Augen empor gehoben und eine Wolke nahm ihm auf, entzog ihn ihren Blicken. Das Fest Christi Himmelfahrt wurde schon um das Jahr 400 vierzig Tage nach Ostern gefeiert, es ist damit eines der ältesten christlichen Feste.
Bei uns ist Himmelfahrt auch als "Vatertag" bekannt. Viele Männer ziehen mit alkoholischen Getränken hinaus ins Freie. Dieser Brauch steht jedoch in keinerlei Verbindung zu dem eigentlichen Fest. Er ist vielmehr als Gegenstück zum Muttertag entstanden.
Pfingsten
Das Wort "Pfingsten" kommt von dem griechischen pentecoste, was der Fünfzigste (Tag) bedeutet. Gemeint ist der fünfzigste Tag nach Ostern. Zunächst feierte man Pfingsten an dem jüdischen Feiertag der Weizenernte, sieben Wochen nach dem Paschafest. Vermutlich waren die Anhänger Jesu zum Erntedankfest nach Jerusalem gekommen. Etwa ab dem zweiten Jahrhundert feierten die Christen ihr Pfingstfest, das als Abschluss der Osterzeit verstanden wurde. Im Laufe der Zeit entwickelte es sich zunehmend zum Fest des Heiligen Geistes. Wie Ostern war Pfingsten früher ein Tauftag. Beim Gottesdienst wurde symbolisch eine Taube herabgelassen. Zu diesem Termin wurde das Vieh zum ersten Mal auf die Weide getrieben. Man trieb einen Ochsen durch das Dorf, der anschließend geschlachtet wurde. Dieser Brauch ist vermutlich aus einer Opferhandlung hervor gegangen.
Pfingsten ist ein Sommerfest und man findet deshalb ähnliche Bräuche wie am 1. Mai. Vielerorts wird der "Maibaum" aufgestellt und man schmückt reichlich mit Maigrün.
Dreifaltigkeitssonntag
Der Sonntag nach Pfingsten ist der Dreifaltigkeitssonntag, Trinitatis. Das Fest erinnert an den dreifaltigen Gott, die Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Seinen Ursprung hat das Fest in Gallien. Rom stand dem Fest lange skeptisch gegenüber, es wurde 1334 eingeführt und mit ihm beginnt das "normale Jahr". Dieses Datum wurde häufig zum Anlass für Sommerfeste genommen.
An diesem Tag oder in der Nacht soll eine goldene Wunderblume aufblühen, mit deren Hilfe man verwunschene Jungfrauen erlösen sowie Berge öffnen und verborgene Schätze finden kann. Gleiche Wunder sollen Christen gelingen, wenn sie an diesem Tag drei Mal in die Kirche gehen.
Fronleichnam
Fronleichnam, lateinisch Corpus Christi, wird in vielen katholischen Gegenden als das höchste Fest des Jahres empfunden. Es ist das Fest der Eucharistie oder des Altarsakramentes. Der Name leitet sich vom althochdeutschen Frô (= Herr) ab. Fronleichnam bezieht sich auf die Hostie, den verwandelten Leib Christi. Das Fest wurde Mitte des 13. Jahrhunderts von Papst Urban IV. als Erinnerung der Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes gestiftet. Die Texte für die Messe schrieb Thomas von Aquin.
Die Legende sagt, dass die Nonne Juliana von Lüttich in einer Vision eine Lücke im Mond sah, die nur mit dem Fest gefüllt werden konnte.
Den Mittelpunkt des Festes bildet die prächtige Prozession, die sich im Mittelalter entwickelte, mit den vier Evangelienaltären. An der Prozession nimmt die ganze Gemeinde mit Vereinen und Kapellen teil. Der Weg ist mit Blumen geschmückt und überall sind grüne Birken aufgestellt. Die Häuser, an denen die Prozession vorbeizieht, sind mit Blumen, Bildern und Fahnen geziert.
Oft findet eine Kräuterweihe statt. Doch auch das Grün der Altäre gilt als gesegnet und wird von den Gläubigen mit nach Hause genommen. Es soll alles Böse vertreiben. Am Nachmittag wird der Herrgottswein getrunken.
Herz-Jesu-Fest
In der Woche nach Fronleichnam wird am Freitag das Herz-Jesu-Fest begangen. Die Entstehung des Festes geht auf die Ordensfrau Margarete Maria Alacoque zurück, die in einem Kloster in Burgund lebte. Sie hatte von 1673 bis 1675 Visionen, in denen sie von Christus den Auftrag erhielt das Fest einzuführen. Seit 1856 ist das Fest für die Kirche verbindlich. Das Herz-Jesu-Fest soll an das Leiden erinnern, das Jesus aus Liebe zu den Menschen auf sich genommen hat.
Erntedank
Das Erntedankfest wird an einem nicht genau festgelegten Sonntag im Oktober gefeiert, da der Termin sehr vom Klima abhängig ist. Für Deutschland wurde 1972 von der Bischofskonferenz der erste Sonntag im Oktober festgelegt.
Nach der Ernte wird überall gefeiert. Es werden Erntekränze und Erntekronen aus Laub, Moos, Tanne und Buchsbaum, aus Früchten und Beeren gebunden. Das Mädchen, dass die letzte Garbe gebunden hatte, die Haferbraut, trägt den Erntekranz feierlich vor dem Erntezug her. Manchmal wird der Kranz auch mit der letzten Fuhre auf den Hof gefahren. Immer wird der Kranz jedoch vom Bauern feierlich empfangen. Beim Fest wird eine große Mahlzeit aufgetragen, das Essen beginnt mit einem Gebet oder Segensspruch. Danach wird getanzt und gespielt.
Reformationsfest
Das Reformationsfest ist ein Feiertag zum Andenken an die Einführung der Reformation. Es wird am 31.10., dem Tag, an dem Martin Luther 1517 seine Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg anschlug, gefeiert, teilweise auch am nächstliegenden Sonntag. Kurfürst Georg von Sachsen ernannte den 31. Oktober zum Feiertag.
Allerheiligen
Das Fest Allerheiligen wird seit dem 9. Jahrhundert am 1. November begangen und steht damit am Ende des Kirchenjahres. Seit dem 7. Jahrhundert kam immer mehr der Wunsch auf, ein Fest für alle Heiligen, nicht nur für die Märtyrer, zu feiern. In Mitteleuropa entstand dieser Feiertag vermutlich durch irischen Einfluss und fand zunächst im Salzburger Raum Verbreitung. In Irland setzte man den Termin auf den Anfang des keltischen Jahres, den Winteranfang, auf den 1. November. Der Abend zuvor wird heute bei den Katholiken in den USA noch als Halloween gefeiert. Halloween ist der Vorabend des den Heiligen (hallows) geweihten Tages.
Kaiser Ludwig der Fromme förderte seine Verbreitung im Frankenreich dann auf Bitten des Papstes Gregor IV., der das Allerheiligenfest 835 für die ganze Kirche eingeführt hatte.
Allerheiligen steht auch für den Abschluss des Sommers und der der Ernte. Der Lohn wird gezahlt und man deutet die Zukunft. Viel erinnert an die Wende im Kirchenjahr.
Allerseelen
Allerseelen ist der Gedächtnistag der armen Seelen. Er wird am 2. November begangen. Falls das jedoch ein Sonntag ist, wird Allerseelen auf den 3. November verschoben. Der Feiertag war schon im frühen Mittelalter bekannt. Der Tag des zweiten Novembers geht auf den heiligen Abt Odilo von Cluny zurück.
Seit dem 15. Jahrhundert ist dieser Gedenktag zu Ehren der Toten in der Kirche festgelegt. Mancherorts wird allerdings der ganze November als Monat zum Gedächtnis der Toten begangen.
Früher glaubte man, dass Tote, die auf besondere Weise betrogen oder geschädigt wurden, als Seelengeister, Hexen, Kröten oder Ähnliches erscheinen könnten um an die Schuld zu erinnern. Um ihnen zur endgültigen Erlösung zu verhelfen entstanden Stiftungen und Spenden wurden verteilt. Man wollte besonders den Armen Gutes tun und damit den armen Seelen im Jenseits helfen.
Zum Gedenktag werden die Gräber der Verstorbenen hergerichtet und Lichter werden aufgestellt. Es finden Prozessionen statt, auf den Friedhöfen werden Gottesdienste abgehalten und man opfert viele Kerzen für die Toten.
Da Allerseelen heute ein gewöhnlicher Arbeitstag ist, sind die Bräuche stark im Schwinden.
Buß- und Bettag
Am Mittwoch vor Totensonntag wird in der evangelischen Kirche der Buß- und Bettag begangen. Im Jahr 1532 wird der Buß- und Bettag zum ersten Mal in Straßburg genannt. Auf Anordnung des Kaisers sollte Gott gnädig gestimmt und Unheil abgewehrt werden.
Obwohl der Buß- und Bettag in Deutschland 1995 als gesetzlicher und mithin arbeitsfreier Feiertag abgeschafft wurde, bleibt er doch ein wichtiger kirchlicher Feiertag.
Totensonntag
Der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag steht unter dem Zeichen des Gedenkens an die Toten und an Sterbende. Er ist von Trauer und Abschied bestimmt. Hinzu kommt der Gedanke an den anderen Anfang nach dem Tode. Man erinnert das Leben der Verstorbenen und wendet sich der Ewigkeit zu. Der Totensonntag beendet das Kirchenjahr, mit dem ersten Advent beginnt das neue.
Gedenktage für die Toten gibt es in fast allen Kulturen, der Totensonntag in unseren Kirchen ist im 19. Jahrhundert entstanden. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ordnete 1816 den letzten Sonntag des Kirchenjahres als "allgemeinen Feiertag zur Erinnerung an die Toten" an. Er wurde dabei insbesondere von der Erinnerung an die Gefallenen der Befreiungskriege bewegt.
Christ-König-Sonntag
Am letzten Sonntag des Kirchenjahres, also dem letzten Sonntag vor dem Advent, feiert die katholische Kirche das Hochfest vom Königtum Christi. Papst Pius XI. führte den Feiertag 1925 ein. Er wollte mit der Anerkennung der Königswürde Christi den zerstörenden Kräften der Zeit entgegenwirken. Zunächst lag der Termin am ersten Sonntag nach Pfingsten, am Dreifaltigkeitssonntag. Das II. Vatikanische Konzil verschob das Datum.
Bibliografie:
- Eckhard Bieger: Das Kirchenjahr zum Nachschlagen. Entstehung - Bedeutung - Brauchtum, Kevelaer 1997
- Karl H. Bieritz: Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart, München 1998
- Stephan Cezanne: Was feiern wir. Eine Lesereise durch das Kirchenjahr, 2003.
- Christel Evenari: Kirchenjahr, Kirchengeschichte, Feste und Heilige, Donauwörth 2000
- Renate Schneider: Mit Kindern durch das Kirchenjahr, Lahr 2001









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