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THEMEN

Chronik der Frauen: Gleichberechtigung in Familie und Arbeit - Früheres Mittelalter 500-1000

Die Quellenlage erschwert ein genaues Bild

Wenn in zahlreichen Publikationen der letzten 15 Jahre der Anschein erweckt wurde, man könne von der Frau im frühen Mittelalter sprechen, und es gäbe tatsächlich den Stand derselben festzustellen, dann ist dies sicherlich falsch.

Das frühe Mittelalter bietet große Probleme hinsichtlich einer kurz gefassten Geschichte der Frauen, denn es fehlen nicht nur detaillierte Einzelforschungen auf diesem Gebiet, auch die Quellen fließen nicht sehr reichlich (nicht nur in Bezug auf die Frauen, sondern allgemein). Es gibt auch keine Quelle, die uns speziell über Frauen (oder Männer) Auskunft gäbe, sondern einzelne weibliche Persönlichkeiten sind in Annalen, Chroniken oder Heiligenleben erwähnt, wenn es von ihnen eine Geschichte zu berichten gibt. Frauen erscheinen in Urkunden als Bittstellerinnen, Schenkerinnen oder Empfängerinnen von Land; sie werden in den normativen Quellen, also den Volksrechten, Gesetzestexten, kirchlichen und klösterlichen Satzungen oder Bußbüchern als Personen erwähnt, welche Gesetze übertreten oder aber geschädigt werden. Nur in der Zusammenschau aller Quellengattungen kann man einigermaßen zuverlässige Aussagen gewinnen und die Einseitigkeit des Ergebnisses vermeiden, das z.B. bei der ausschließlichen Analyse von Rechtstexten aufträte, bei denen Frauen hauptsächlich als Opfer erscheinen.

Alle Fragen, die man über Frauen im Frühmittelalter an die Quellen richtet, müssen zudem die Besonderheiten dieser Zeit in Rechnung stellen. Man kann nicht über Rechte, Pflichten und Beschränkungen von Frauen sprechen, ohne sich der Schichtung der Gesellschaft in Adel, Freie und Hörige bewusst zu sein. Ähnlich schwierig gestaltet sich die Einschätzung der unterschiedlichen Einflüsse - der römischen, christlichen, byzantinische, germanischen, keltischen - auf die Stellung der Frauen in den verschiedenen Regionen: Das keltische Irland, das angelsächsische England, das Frankenreich mit seinen starken römischen Traditionen, das langobardische Italien, das westgotisch geprägte Spanien, all dies lässt sich nur sehr schwer miteinander vergleichen, und es bedarf noch vieler genauer Einzelforschung, bevor man Ähnliches und Unterschiedliches bezüglich der Lebenssituation der Frauen und ihrer Stellung in ihrer jeweiligen Gesellschaft und Schicht in den ersten 500 Jahren des abendländischen Mittelalters wird herausgefunden haben.

Im Folgenden sollen einige bis jetzt erkennbare große Linien aufgezeigt werden insoweit sie die Frau in der Familie, dem öffentlichen Leben und im kulturellen bzw. kirchlichen Bereich betreffen, sowie die Einstellung der Umwelt zu den Frauen.

  1. Die Quellenlage erschwert ein genaues Bild
  2. Frauen waren im Privaten nicht schlechter gestellt
  3. Teilhabe am öffentlichen Leben
  4. Starke Stellung der Frauen im kulturellen Leben
  5. Die Einschätzung der Frauen wandelte sich unter dem Einfluss der Kirche
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