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Das Bernsteinzimmer

Das Bernsteinzimmer

Ende November 1991 konnte man im thüringischen Jonastal den kalifornischen Goldrausch nacherleben. Eine große Reisewelle von entdeckungsfreudigen Menschen überschwemmte das Gebiet zwischen den Orten Arnstadt und Ohrdruf. Familien aus Deutschland sowie Holländer und Belgier hatten sich mit Bergsteigersachen, mit Spitzhacken, Spaten und Berglampen ausgerüstet und waren zu einem etwa 60 Quadratkilometer großen sowjetischen Truppenübungsplatz gekommen, um in ein weitverzweigtes Bunkersystem unter einem Kalkmuschelgebirge einzudringen. Denn in diesem Bunkersystem wurde das "achte Weltwunder" vermutet, wie das legendäre Bernsteinzimmer einmal von einem britischen Gesandten in Petersburg genannt wurde.

Auslöser für dieses Fieber, das beweist, dass der Mythos Bernsteinzimmer - auch nach einem halben Jahrhundert seines Verschwindens - lebt, war die Aussage des russischen Präsidenten Boris Jelzin anlässlich eines Deutschland-Besuchs. Er hatte froh geäußert "Ich weiß, wo es ist", da er den Artikel einer Moskauer Publikation mit dem Titel "Bernsteinzimmer gefunden" kannte. Bei diesem Artikel hingegen hatte der Setzer das Fragezeichen im Titel vergessen. Damit mussten sich russische Hoffnungen auf die Rückkehr des legendären Kleinods nach St. Petersburg, aber auch deutsche Hoffnungen auf eine im Gegenzug angebotene russische Rückgabe von Kunstschätzen, die die Rote Armee nach dem Zweiten Weltkrieg mitnahm, zerschlagen.

Aber das Bunkersystem im Jonastal in Thüringen steigerte das Jagdfieber nach dem Bernsteinzimmer weiter. Das Bunkersystem wurde 1944 als das letzte Führerhauptquartier unter dem Tarnnamen "Olga" angelegt. Den Bau der unterirdischen Anlagen, bei dem fünfundzwanzig Stollen in das Bergmassiv getrieben wurden, mussten Häftlinge aus dem KZ Buchenwald errichten, die alle 5000 den Tod fanden. Aber durch das Kriegsende kamen die Arbeiten an der unterirdischen Wohnstatt des Führers und den Kavernen nicht zum Abschluss. Noch im Frühjahr 1945, vor der Eroberung durch die Alliierten, sprengte die SS die Zugänge innerhalb der Stollen. Die äußeren Zugänge zu der verwinkelten unterirdischen Anlage wurden später von den Russen eingesprengt und damit ein Wiederaufwinden von möglicherweise eingelagerten Kunstschätzen, wie dem Bernsteinzimmer, erheblich erschwert.

  1. Das Bernsteinzimmer
  2. Das achte Weltwunder
  3. Widersprüche
  4. Weiterer Verlauf

Bibliografie:

  • Manfred John, Gabi Liebegall: Gebunkerte Geheimnisse. Auf den Spuren des Bernsteinzimmers in Sachsen, Taucha 2008
  • Guido Knopp, Das Bernsteinzimmer, 2003
  • Natalja Semjonowa (Hrsg.), Das Bernsteinzimmer. Ein Weltwunder kehrt zurück, 2003
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