Das Klavier
Geschichte
Bis zum Beginn der Barockzeit stand die Vokalmusik ganz im zentralen Interesse der Komponisten. Im Verlaufe des 17. Jahrhunderts begann sich dies diesbezüglich eine Umgewichtung abzuzeichnen, die der Instrumentalmusik einen immer größeren Raum zugestand. In diesem Zusammenhang stand auch die Entwicklung des Klaviers.
Eine wichtige Neuerung am Ausgang des Barockzeitalters war die Entwicklung eines Klaviers mit Hammermechanik. Das erste solche Instrument wurde um 1700 von dem Italiener Bartolomeo Cristofori (1655- 1732) gebaut, der sich im italienischen Padua einen Namen als Cembalobauer gemacht hatte. Seit ungefähr 1687 lebte und arbeitete er in Florenz, wo er um 1709 bereits vier von seinen neuen Klavierinstrumenten gebaut hatte. Cristofori bemühte sich, ein Tasteninstrument zu schaffen, das auf den Anschlag besser ansprach als das Cembalo. Die Saiten des neuen Instruments wurden von Hämmern angeschlagen und nicht gezupft wie beim Cembalo, um dem Spieler eine größere Kontrolle über das Tonvolumen und für dynamische Differenzierungen zu geben. Aus diesem Grunde lautet die korrekte Bezeichnung für das Klavier auch Hammerklavier, doch verwendet man diesen Begriff heute eigentlich nur noch für historische Klaviere. Eines seiner ersten solchen Instrumente nannte Cristofori entsprechend der dynamischen Gestaltungsfähigkeit "Gravecembalo col piano e forte" (Cembalo mit Leise und Laut) . Dieses Modell hatte die Flügelform des Cembalos, andere wiederum waren in der Form eines Klavichords oder Spinetts gebaut.
Durch Cristofori wurde Gottfried Silbermann (1683-1753) in Deutschland angeregt, ebenfalls solche Klaviere zu bauen. Seine Instrumente wurden als Hammerklaviere bezeichnet und wurden u.a. von Johann Sebastian Bach geschätzt. 1760 brachte Johann Christian Zumpe (1735-um 1800), ein Schüler Silbermanns die Klavierbauerkunst nach England. Dort entstand um 1768 der vor allem von Ludwig van Beethoven geschätzte Broadwood-Flügel, der über einen besonders vollen Klang verfügte. In England entwickelte wenig später John Landreth um 1787 ein kleines rechteckiges Klavier (Upright pianoforte). Doch erst rund vierzig Jahre später war diese Technik so ausgereift, dass ein Instrument mit senkrecht verlaufenden Saiten (im Gegensatz zu den horizontal verlaufenden Saiten des Flügels) zufriedenstellende Ergebnisse brachte. Wesentliche Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Engländer R. Wornum zu, der sich 1826 sein neues aufrecht stehendes Klavier patentieren ließ. Ignaz Pleyerl (1757-1831) führte dafür wenig später die Bezeichnung Pianino ein. Weitere Entwicklungen vor allem in Amerika und England führten schließlich zu den modernen Instrumenten der heutigen Zeit.
Neben der unterschiedlichen Art der Besaitung verfügen Klavier und Flügel (der Name weist auf die Form des Instruments) aufgrund ihrer jeweiligen Größe auch über einen anderen Klang. Der Flügel wird als "große Schwester" des Klaviers daher vor allem im Konzertsaal und als Soloinstrument eingesetzt. Das Klavier ist heute eines der meist verbreiteten und vielseitigsten Instrumente und in der Hausmusik als Solo- und Begleitinstrument gleichermaßen gefragt.
Bibliografie:
- Georgii Walter: Klaviermusik. Geschichte der Musik für Klavier zu zwei und vier Händen, Atlantis Musikbuch-Verlag, Zürich 6. Auflage 1984
- Klaus Wolters: Das Klavier. Einführung in Bau und Geschichte des Instruments und in die Geschichte des Klavierspiels, Schott Musik International, Mainz Neuauflage 1996









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