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Der Dom zu Braunschweig

Baugeschichte des Domes

Mitte des 11. Jahrhunderts hatten Markgraf Ludolf und seine Frau Gertrud aus dem sächsischen Grafengeschlecht der Brunonen das Burgstift Dankwarderode gegründet. Heinrich der Löwe, der Braunschweig als Residenz gewählt hatte, trieb den Ausbau der Anlage voran. Zur Burganlage gehörte eine kleinere Stiftskirche, die um 1030 vom Hildesheimer Bischof Godehard den Heiligen Petrus und Paulus geweiht worden war. Heinrich der Löwe ließ die Kirche nach seiner Pilgerreise ins Heilige Land, 1172, abreißen und begann mit dem Bau einer neuen, größeren Kirche; Baubeginn und Grundsteinlegung waren 1173. Die Stiftskirche wurde dem Heiligen Blasius und Johannes dem Täufer gewidmet; erst seit dem späten Mittelalter spricht man vom Braunschweiger Dom. Am 29.12.1226 wurde der Kirchenbau durch den Hildesheimer Bischof Konrad geweiht. Zugleich wurde Thomas Becket, Bischof von Canterbury, als dritter Patron aufgenommen. Seit 1542 ist die Kirche protestantisch. Ursprünglich handelte es sich um eine dreischiffige, kreuzgratgewölbte, romanische Pfeilerbasilika mit dem in Sachsen vielfach verwendeten kreuzförmigem Grundriss. Im Westen befindet sich eine Art zweitürmiges Westwerk, an das sich das Langhaus bis zum Querschiff mit der Vierung anschließt. Von den beiden Armen des Querschiffes geht jeweils eine Apside aus, an die Vierung schließt sich der hohe Chor mit halbkreisförmigem Abschluss an. Er besteht aus Chorquadrat und Apsis mit drei Fenstern. Unter Vierung und Chor liegt eine große, stark erhöhte dreischiffige Hallenkrypta, die bis ins Mittelschiff hineinreicht. Daraus ergibt sich für das Querhaus eine Aufteilung in zwei abgeschlossene Räume, gleichsam zwei Kapellen. Die Stiftskirche folgte im Grundriss dem Prinzip des Gebundenen Systems. Danach bildet das sogenannte Vierungsquadrat, das Quadrat, das bei der Durchdringung (Schnittpunkt) von Langhaus und Querhaus entsteht, die entscheidende Maßeinheit der Kirche. Die einzelnen Joche des Langhauses und Querhauses sowie des Chores sind genauso groß wie das Vierungsquadrat. Einem Mittelschiffjoch entsprechen in den Seitenschiffen je zwei quadratische Joche von genau halber Seitenlänge. Das Prinzip des Gebundenen Systems findet sich in zahlreichen romanischen Kirchen des 12. Jahrhunderts.

Neben den traditionellen Elementen wie dem kreuzförmigem Grundriss oder der an ein Westwerk erinnernden West-Fassade entstand mit dem Braunschweiger Dom der erste vollständig gewölbte Kirchenbau Norddeutschlands. Von diesem ursprünglichen Kirchenbau sind heute noch die beiden unteren Turmgeschosse, das Mittelschiff, das Querhaus, sowie Chor und Krypta erhalten, so dass der Kern der Anlage, trotz zahlreicher Umbauten, auch heute noch zu erkennen ist. Der Bau der neuen Stiftskirche begann im Osten. Vierung, Krypta, Chor mit Hauptapsis, sowie Querhaus mit je einer Nebenapsis waren schon 1188 so weit fertig gestellt, dass nach dem Hauptaltar der von fünf Bronzesäulen gestützte Marienaltar geweiht werden konnte; sein Standort war ursprünglich mitten im Chor. Man muss davon ausgehen, dass zu dieser Zeit auch die Arbeiten am Langhaus bereits weit fortgeschritten waren, denn ein Jahr später, 1189, wurde hier die Frau Heinrichs des Löwen, Herzogin Mathilde, beigesetzt. Aus dem Jahr 1194 wird über die Stiftung eines heute nicht mehr erhaltenen großen Triumphkreuzes berichtet, das unter dem westlichen Vierungsbogen errichtet wurde. 1195 wurde Heinrich der Löwe neben seiner Frau Mathilde bestattet. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nach ca. 20-jähriger Bauzeit Chor, Querhaus, Langhaus und Teile des doppeltürmigen Westriegels fertiggestellt. Dieser war breiter und höher geplant als das ursprüngliche Langhaus und schloss den Bau im Westen monumental ab. Geplant waren auch die Turmaufbauten, das Grabmal des Herzogpaares, sowie die monumentalen Wandmalereien; sie wurden aber erst im 13. Jahrhundert realisiert.

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr der Braunschweiger Dom viele Um- und Ausbauten, sowie zahlreiche neue Innenausstattungen. Bereits um 1250 wurde das östlichste Fensterpaar des Langhauses zu einem großen spitzbogigen Kleeblattfenster umgebaut. Fünfundzwanzig Jahre später erhielt die unvollendete Fassade des Westriegels einen gotischen Glockenturm zwischen den mit Notdächern geschlossenen Türme. Anfang des 14. Jahrhunderts benötigte man für die Aufstellung weiterer Altäre mehr Platz. So wurde unter Herzog Otto dem Milden (1292-1344) die Wand des südlichen Seitenschiffes durchbrochen und ein zweites Seitenschiff mit gotischen Formen und spitzbogigen Rippengewölben angebaut. Der östliche Teil dieses neuen Seitenschiffes wurde 1334 fertiggestellt, der westliche Teil 1346. Im 15. Jahrhundert wurde das zum Burgplatz weisende nördliche Seitenschiff abgerissen und durch eine weiträumige, zweischiffige spätgotische Halle ersetzt. Durch die Verbreiterung stößt die Nordseite des Domes direkt an einen Saalbau auf der Westseite der Burg Dankwarderode. Dies führte zu einer weiteren Betonung der Nordseite des Domes: hier befand sich schon immer der Haupteingang und das ursprüngliche Portal, das beim Anbau der gotischen Halle ersetzt wurde, war gegenüber den anderen Portalen hervorgehoben. Dies zeigt auch das Kirchenmodell, das sich am Grabmonument Heinrichs des Löwen und seiner Frau in der Hand Heinrichs befindet. Der Anbau führte darüber hinaus zu einer stärkeren Gliederung der Nordseite.

Große Veränderungen gab es im Inneren des Domes. Zahlreiche Grabmonumente und Altäre hinter Schranken oder hohen Altaraufbauten bestimmten das mittelalterliche Bild des Domes. Vieles ging im Zuge der Reformation verloren. Andere Teile ließen die Herzöge Rudolf August und Anton Ulrich im 17. und 18. Jahrhundert entfernen oder abreissen, um sie durch Ausstattungsstücke zu ersetzen, die dem barocken Zeitgeschmack besser entsprachen. Im Zuge dieser barocken Umgestaltung entstand auch die Treppenanlage vom Langhaus in den Hochchor. Sie enthält auch den Abgang in die Krypta. In einer Vitrine ist dort das Faksimile des Evangeliars Heinrichs des Löwen ausgestellt. Seit 1681 diente die Krypta als Grablege für die Herzöge von Braunschweig-Bevern; in der Fürstengruft der Welfen und unter der Sakristei befinden sich heute 53 Sarkophage.

Im 19. Jahrhundert verschwand die barocke Dekoration und wurde durch eine monumentale neu-romanische Ausstattung mit einer Serie neuer Wandmalereien ersetzt. Während des Nationalsozialismus wurde der Dom 1940 zur "nationalen Weihestätte" erklärt und umgebaut; der Kirchenbau wurde auch für politische Kundgebungen genutzt. Im Zuge dieser Baumaßnahmen errichtete man westlich der Krypta die sogenannte Stiftergruft aus Granit, die in ihrer Massigkeit und Monumentalität dem Geschmack der Machthaber entsprach. Die steinernen Sarkophage der Herzogin und eines Kindes konnten umgesetzt werden, für Herzog Heinrich den Löwen musste ein neuer Sarkophag angefertigt werden, da er in einem Holzsarg bestattet worden war. Die Gruft ist bis ins Detail erhalten und beherbergt darüber hinaus den Sarkophag der brunonischen Gräfin Gertrud (gest. 1077), sowie seit 1968 die Gebeine des Grafen Ekbert II. (gest. 1090) und seiner Schwester Gertrud (gest. 1117). Während des 2. Weltkrieges kam der Dom kaum zu Schaden. Als der Bau nach dem Krieg an die Braunschweigische Landeskirche zurückgegeben wurde, begann eine behutsame Instandsetzung und die Entfernung der nationalsozialistischen Dekorationen.

  1. Baugeschichte des Domes
  2. Der Braunschweiger Löwe
  3. Der siebenarmige Leuchter
  4. Das Imervardkreuz
  5. Das Grabmal Heinrichs des Löwen und seiner Gemahlin Mathilde
  6. Wandmalereien in Dom

Bibliografie:

  • Friedrich Berndt: Der St. Blasius-Dom zu Braunschweig, München/Berlin 1973
  • Martin Möhle: Der Braunschweiger Dom Heinrichs des Löwen. Die Architektur der Stiftskirche St. Blasius von 1173-1250, Wolfenbüttel 1995.
  • Adolf Quast: Der Sankt-Blasius-Dom zu Braunschweig, Braunschweig 1985
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