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THEMEN

Der Dreißigjährige Krieg (2) 1624-1648

Der dänisch-niedersächsische Krieg 1625-1629

Koalition gegen die Kaiserlichen

Mit dem böhmisch-pfälzischen Krieg Der Dreißigjährige Krieg (1) 1618-1623 hatte Kaiser Ferdinand II. nicht nur Böhmen unter die absolute Herrschaft der Habsburger gebracht, sondern auch Gegenreformation im habsburgischen Sinne betrieben. Der Erfolg bewog den Kaiser und die Liga, den Krieg gegen die protestantische Partei im Reich fortzusetzen. Auch Spanien wollte seinen Krieg gegen die abtrünnigen Niederlande noch zum Sieg führen. Gegen eine solche Ausweitung der habsburgischen Macht verbündeten sich 1624 die Generalstaaten mit England und Frankreich. England, Dänemark, Friedrich von der Pfalz, die Generalstaaten und der Fürst Bethlen Gabor von Siebenbürgen vereinbarten mit der Zustimmung Frankreichs eine gemeinsame Aktion gegen die kaiserliche Partei. Christian von Dänemark, der als Herzog von Holstein zugleich Oberst des niedersächsischen Kreises war, sollte Niedersachsen von den gegnerischen Truppen befreien; Christian von Braunschweig sollte die Wittelsbachischen Bistümer am Niederrhein und in Westfalen angreifen; Ernst von Mansfeld sollte Böhmen und Mähren befreien, und Bethlen Gabor sollte in Österreich einfallen und sich mit Mansfelds Heer vereinigen. Erstmals stand der kaiserlich-ligistischen Partei nun eine Koalition europäischer Mächte mit einem gemeinsamen Feldzugsplan gegenüber.

Wallenstein - Sponsor der Kaiserlichen

Inzwischen hatte sich aber auch die militärische Position des Kaisers verstärkt. Albrecht von Wallenstein, der durch die Enteignung der Protestanten zum reichsten Grundbesitzer in Böhmen geworden war, hatte dem Kaiser angeboten, auf eigene Kosten ein Heer von 24 000 Mann anzuwerben. Das verschaffte Ferdinand größere Unabhängigkeit von Bayernherzog Maximilian und der Liga. Er beförderte Wallenstein 1625 zum Generalissimus aller kaiserlichen Truppen und zum Herzog von Friedland. Wallenstein hatte in seinen riesigen, gut verwalteten Ländereien in Nordböhmen ein Arsenal geschaffen, wo er Waffen, Ausrüstung und Truppen sammelte.

Wallenstein wurde am 24. September 1583 in Hermanitz (heute Hermanice, Tschechische Republik) geboren. Er wurde protestantisch erzogen, trat 1604 in habsburgische Dienste ein und konvertierte zwei Jahre später zum Katholizismus, eine wichtige Voraussetzung für seinen späteren Aufstieg. Im böhmischen Aufstand gegen die katholischen Habsburger zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 verlor Wallenstein als Kaisertreuer seinen gesamten Besitz. Mit einem eigenen Regiment kämpfte er gegen die böhmischen Rebellen, siegte zusammen mit dem kaiserlichen Oberbefehlshaber Tilly in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag (1620), wurde daraufhin Militärbefehlshaber in Nordböhmen und durch Konfiskation des Besitzes geflohener protestantischer Adliger zu einem der größten Grundbesitzer in Böhmen. 1621 wurde Wallenstein Mitglied des Wiener Hofkriegsrates, 1624 in den Reichsfürstenstand erhoben und 1625 Herzog von Friedland (in Nordböhmen). In Südmähren kämpfte er gegen Bethlen von Iktár, und 1625 bot er auf eigene Kosten ein Heer von 24 000 Mann zur Verstärkung der kaiserlich-katholischen Liga unter Tilly auf. Dieses Heer finanzierte er teils durch Kontributionen aus dem ganzen Reich, teils aus seinem Herzogtum Friedland. Wallenstein wurde zum Oberbefehlshaber ernannt und besiegte zusammen mit Tilly 1626 die Protestanten unter Ernst II. von Mansfeld bei Dessau. 1627 schlugen er und Tilly Christian IV. von Dänemark, der die Protestanten im Reich unterstützte, und konnten bis nach Nordjütland vordringen; zwei Jahre später scheiterte Wallenstein vor Stralsund. 1629 verlieh Kaiser Ferdinand II. Wallenstein das Herzogtum Mecklenburg, bestätigte ihm den Besitz des Fürstentums Sagan (in Schlesien) und ernannte ihn zum "General des ozeanischen und baltischen Meeres"

Den katholischen Reichsfürsten war unterdessen Wallenstein zu mächtig geworden. 1630 zwangen sie unter der Führung von Maximilian I. von Bayern den Kaiser, Wallenstein als Oberbefehlshaber zu entlassen und das Kommando wieder Tilly zu übertragen. Zur gleichen Zeit landete Gustav II. Adolf, Verbündeter der Protestanten, auf Usedom, drang unaufhaltsam nach Süden vor, brachte den Kaiserlichen unter Tilly mehrere Niederlagen bei und eroberte fast ganz Deutschland. In der Schlacht bei Rain am Lech 1632, in der Gustav Adolf wieder siegte, wurde Tilly tödlich verwundet. Der Kaiser bat Wallenstein, erneut das Kommando zu übernehmen; Wallenstein willigte nach einigem Zögern ein und erhielt als Oberbefehlshaber jetzt unbeschränkte Vollmachten für Kriegsführung und Friedensverhandlungen. Er stellte innerhalb von vier Monaten ein 100 000 Mann starkes Heer auf und konnte noch im Frühjahr die Schweden aus Süddeutschland zurückdrängen. Im September schlug er die Schweden bei Nürnberg zurück und traf im November 1632 bei Lützen erneut auf Gustav Adolf. Die Schlacht endete unentschieden; Gustav Adolf fiel.

Im folgenden Jahr versuchte Wallenstein, durch geheime Friedensverhandlungen mit dem Gegner sowie durch seine militärische Überlegenheit die Grundlage für einen allgemeinen Frieden zu schaffen, und rief damit wieder das Misstrauen des Kaisers und der katholischen Reichsfürsten hervor. Die Fürsten kritisierten vor allem Wallensteins religiöse Toleranz, seine Konzessionsbereitschaft gegenüber den protestantischen Sachsen und seine Bereitschaft zu einem raschen Friedensschluss, der seiner Auffassung nach im Interesse des Reiches unbedingt notwendig war. Man unterstellte Wallenstein Hochverrat, den man aus seiner hinhaltenden Kriegsführung und seinen Friedensgesprächen mit den protestantischen Gegnern ableitete, der aber nie bewiesen werden konnte. Ferdinand ächtete Wallenstein und entließ ihn im Januar 1634. Am 25. Februar 1634 wurde Wallenstein zusammen mit seinen engsten Vertrauten hin in Eger ermordet.

Norddeutschland in kaiserlicher Hand

Wallenstein marschierte mit seinem Heer von Eger nach Norden und besetzte die protestantischen Bistümer Magdeburg und Halberstadt. 1626 besiegte er Mansfeld an der Dessauer Elbbrücke. Ähnlich erfolgreich war Tilly gegen Christian IV. von Dänemark, den er bei Lutter am Barenberge besiegte. Nachdem Christian von Braunschweig und Mansfeld kurz hintereinander gestorben waren, bat der Dänenkönig um Frieden. So war ganz Norddeutschland in die Hand des Kaisers gefallen. Der belehnte Wallenstein für die geleistete Hilfe mit dem Herzogtum Mecklenburg. Dadurch kam der Friedländer Herzog in den Reichsfürstenstand. Als Generalissimus wurde ihm das Recht zur Werbung und Entlassung von Truppen sowie der Ernennung und Beförderung aller Offiziere bis zum Oberst übertragen. Gleichzeitig erhielt er den Titel "General des ozeanischen und baltischen Meeres".

Bild
Dänisch-niedersächsischer Krieg 1625-1629

Ferdinands Fehlspekulation

Der Kaiser verfolgte mit all diesen Auszeichnungen seines Heerführers weit reichende Pläne. Die Hansestädte, teils Nachbarn des Herzogtums Mecklenburg, sollten unter kaiserlichem Schutz eine Gesellschaft für den Spanienhandel errichten und die Holländer möglichst vom Ostseehandel fern halten. Doch Wallenstein gelang es nicht, die wichtige Hafenstadt Stralsund einzunehmen, weil er über keine Flotte verfügte und die Stadt von der See aus versorgt wurde. Elf Jahre nach Kriegsbeginn - im Jahr 1629 - kam es dann zum Frieden von Lübeck. Christian IV. von Dänemark behielt sein Land und das Herzogtum Holstein, musste aber auf jede Einmischung im Reich verzichten.

  1. Der dänisch-niedersächsische Krieg 1625-1629
  2. Der Kaiser überzieht
  3. Der schwedische Krieg 1630-1635
  4. Der schwedisch-französische Krieg 1635-1648
  5. Der Westfälische Frieden 1648
  6. Teste dein Wissen!

Bibliografie:

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  • Axel Gotthard: Das Alte Reich 1495-1806, Darmstadt 2003
  • Michael Kaiser: Politik und Kriegsführung. Maximilian von Bayern, Tilly und die Katholische Liga im Dreißigjährigen Krieg, Münster 1999
  • Bernhard R. Kroener und Ralf Pröve (Hrsg.): Krieg und Frieden. Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1996
  • Benigna von Krusenstjern und Hans Medick (Hrsg.): Zwischen Alltag und Katastrophe. Der Dreißigjährige Krieg aus der Nähe, Göttingen 1999
  • Olav Moorman van Kappen und Dieter Wyduckel (Hrsg.): Der Westfälische Frieden in rechts- und staatstheoretischer Perspektive, Berlin 1998
  • Geoffrey Parker: Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt/M. 1991
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  • Konrad Repgen: Der Dreißigjährige Krieg und Westfälischer Friede. Studien und Quellen, Paderborn u.a. 21999
  • Georg Schmidt: Der Dreißigjährige Krieg, München 41999
  • Gerhard Schormann: Der Dreißigjährige Krieg, Göttingen 1985
  • Anuschka Tischer: Französische Diplomatie und Diplomaten auf dem Westfälischen Friedenskongress. Außenpolitik unter Richelieu und Mazarin, Münster 1999
  • Edgar Wolfrum: Krieg und Frieden in der Neuzeit: Vom Westfälischen Frieden bis zum Zweiten Weltkrieg, Darmstadt 2003
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