Die Bayreuther Festspiele
Kleines Bayreuth-Lexikon
Bayreuther Festspiele
Die Bayreuther Festspiele finden alljährlich im Sommer von Ende Juli bis Ende August statt und sind dem bühnendramatischen Schaffen Richard Wagners gewidmet, der mit dem Bau eines Festspielhauses in Bayreuth seine Idee verwirklichte, den "Ring des Nibelungen" auf einer eigens dafür geschaffenen Bühne aufzuführen. 1876 wurde das Haus mit "Rheingold" eröffnet, danach fanden aufgrund finanzieller Probleme die nächsten Festspiele erst 1882 statt, bevor sie ab 1883 zumeist im Zweijahres-Rhythmus abgehalten wurden. Kriegsbedingt fanden zwischen 1914 und 1924 sowie zwischen 1945 und 1950 keine Festspiele statt. 1951 wurde der bereits seit 1936 eingeführte alljährliche Turnus wieder aufgenommen. Die Leitung hatten seit dem Tod Richard Wagners (1883) zunächst seine Frau Cosima (bis 1906), 1906-1930 sein Sohn Siegfried und nach dessen Tod seine Witwe Winifred. Sie übertrug 1949 die Leitung auf ihre Söhne Wieland (1966 gestorben) und Wolfgang. Nach 57 Jahren Leitung der Bayreuther Festspiele zog sich Wolfgang Wagner 2008 in den Ruhestand zurück. Anfang September 2008 traten die Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner die Nachfolge ihres Vaters Wolfgang Wagner an. Seit 1973 werden das Festspielhaus und Richard Wagners künstlerisches Erbe von der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth verwaltet.
Richard Wagner

Richard Wagner wurde am 22.5.1813 in Leipzig geboren. Er erhielt seine musikalische Ausbildung in Dresden und Leipzig, wo er u. a. bei dem Thomaskantor Theodor Weinlig studierte. Nach Stationen in Würzburg und Bad Lauchstädt wirkte er als Theaterkapellmeister in Magdeburg, Königsberg und Riga. Ab 1839 lebte er in Paris, wo er die Opern "Rienzi" und "Der Fliegende Holländer" vollendete, die 1842 bzw. 1843 in Dresden uraufgeführt wurden. 1843 übernahm er dort die Stelle des Hofkapellmeisters; 1845 folgte die Premiere des "Tannhäuser" und 1850 wurde "Lohengrin" in Weimar erstaufgeführt.
In den nächsten Jahren verfolgte Wagner die Revolutionierung der Oper von der Nummernoper zu einem Gesamtkunstwerk aus Wort, Bild und Ton. Er hielt diese Überlegungen zunächst in theoretischen Schriften wie "Das Kunstwerk der Zukunft" (1850) und "Oper und Drama" (1851) fest. Musikalisch verlieh er ihnen Gestalt in den neuen Musikdramen "Tristan und Isolde" sowie vor allem in dem vierteiligen "Ring des Nibelungen". 1864 berief ihn König Ludwig II. von Bayern an den Münchner Hof, wo er in den folgenden Jahren neben dem "Tristan" die "Meistersinger von Nürnberg" (1868), "Das Rheingold" (1869) und "Die Walküre" (1870) zur Uraufführung brachte. In Bayreuth verwirklichte er seine Idee von einem eigenen Festspielhaus, das 1876 mit der Uraufführung des vollständigen Zyklus’ "Ring des Nibelungen" eröffnet wurde. Richard Wagner starb am 13.2.1883 in Venedig.
Cosima Wagner
Cosima Wagner wurde am 24.12.1837 in Como als (uneheliche) Tochter des Komponisten Franz Liszt und der Gräfin Marie d'Agoult geboren. Sie war in erster Ehe seit 1857 mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratet, aus der zwei Töchter stammten. 1867 verließ sie ihren Ehemann, um mit Richard Wagner bis zu ihrer Eheschließung am 25. August 1870 in wilder Ehe zusammenzuleben. Aus dieser Verbindung stammten die zwei Töchter Eva und Isolde sowie Sohn Siegfried. Nach Richard Wagners Tod übernahm Cosima im Jahr 1883 die Leitung der Bayreuther Festspiele, denen sie zwar zu internationaler Bedeutung verhalf, die gleichzeitig jedoch künstlerisch stagnierten, da sie sich in den Inszenierungen als gehorsame und damit unflexible Testamentsvollstreckerin ihres Mannes und seiner Ideale verstand. Gleichzeitig bescherte sie Wagners Werken mit ihrer deutschnationale Gesinnung und politischen Nähe zum Antisemitismus, zur NSDAP und zu Adolf Hitler, der sich zu einem engen Freund der Familie entwickelte, eine Jahrzehnte lange negative Publicity, die u. a. dazu führte, dass Wagners Musik bis zum Jahr 2000 in Israel verboten war. Cosima Wagner leitete die Festspiele bis 1906; sie starb am 1.4.1930 in Bayreuth.
Siegfried Wagner
Siegfried Wagner wurde am 6.6.1869 als Sohn von Cosima von Bülow und Richard Wagner im schweizerischen Tribschen bei Luzern geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1889 studierte er Musik bei Engelbert Humperdinck und Felix Mottl. Ab 1893 wirkte er als Dirigent am Bayreuther Opernhaus. 1908 leitete er erstmals eigenverantwortlich die Bayreuther Festspiele, die er in den nächsten Jahren behutsam für neue Impulse und Konzepte öffnete. Gleichzeitig setzte er mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber Adolf Hitler und der politischen Vereinnahmung der Festspiele ein bewusstes Gegengewicht gegen die imageschädigende Ideologisierung durch seine Mutter. Kompositorisch stand Siegfried Wagner ein Leben lang im Schatten seines berühmten Vaters; er schuf 17 Opern, von denen heute gelegentlich noch die 1898 entstandene, im Dreißigjährigen Krieg spielende Oper "Der Bärenhäuter" aufgeführt wird. Siegfried Wagner war 1915 mit Winifred Williams verheiratet, beide hatten vier Kinder: Wieland, Friedelind, Wolfgang und Verena. Siegfried Wagner starb am 4.8.1930 in Bayreuth.
Winifred Wagner
Winifred Wagner wurde am 23.6.1897 als Winifred Marjorie Williams im englischen Hastings geboren. Nach dem Tod ihrer Eltern im Jahr 1899 wurde sie 1907 von dem deutschen Ehepaar Klindworth adoptiert und lebte zunächst in Berlin. Durch ihren Adoptivvater, den Pianisten und Dirigenten Karl Klindworth, kam sie früh mit dem Wagner-Kreis in Verbindung. 1915 heiratete sie den 28 Jahre jüngeren Siegfried Wagner. Durch ihren Schwager Houston Chamberlain, Ehemann von Siegfrieds Schwester Eva, geriet sie zunehmend in den Sog antisemitischer Propaganda und trat 1920 als eine der Ersten in die NSDAP ein. Sie war wie viele andere fasziniert von Adolf Hitler und bezog in den folgenden Jahren auch öffentlich für den Diktator Stellung. 1930 übernahm Winifred nach dem Tod ihres Ehemannes die Leitung der Bayreuther Festspiele, die danach zunehmend zu einer NS-Wallfahrtsstätte und politischen Propaganda-Maschinerie degenerierten. Während der von 1944-1950 dauernden Festspielpause übergab sie das Intendanten-Zepter an ihre Söhne Wieland und Wolfgang. Winifred Wagner starb am 5.3.1980 in Überlingen am Bodensee.
Wieland Wagner
Wieland Wagner war der älteste Sohn von Siegfried und Winifred Wagner und wurde am 5.1.1917 in Bayreuth geboren. Seine Ausbildung als Maler und Fotograf kam ihm ab 1950 zugute, als er die Festspielleitung gemeinsam mit seinem Bruder Wolfgang übernahm, und war u. a. für die legendären Lichteffekte in den Inszenierungen der folgenden Jahre verantwortlich. Eine 2003 veröffentlichte Studie der Historiker Albrecht Bald und Jörg Skriebeleit, in der Wagners Verbindung zum Außenlager Bayreuth des KZ Flossenbürg nachgewiesen wird, rückt diese künstlerischen Errungenschaften allerdings in ein zweifelhaftes Licht. Denn die in diesem Lager (offiziell "Institut für physikalische Forschung") arbeitenden KZ-Häftlinge wurden von Wagner, der gleichzeitig als stellvertretender ziviler Leiter des Lagers fungierte, auch zu physikalischen Experimenten für seine bühnentechnischen Effekte herangezogen. Jedoch bleibt es sein Verdienst, den Festspielen durch eine - zunächst heftig umstrittene - Modernisierung (Verzicht auf traditionelle Ausstattungen; Vereinfachung und Abstraktion statt Naturalismus in den Inszenierungen) sowie ein exzellentes musikalisches Niveau neue Impulse gegeben und damit deren Zukunft gesichert zu haben. Wieland Wagner starb am 17.10.1966 in München.
Wolfgang Wagner
Wolfgang Wagner wurde am 30.8.1919 als zweiter Sohn von Siegfried und Winifred Wagner in Bayreuth geboren. Nach einer Ausbildung zum Bühnenbildner und Regisseur arbeitete er ab 1940 zunächst als Assistent von Heinz Tietjen an der Preußischen Staatsoper in Berlin. Gemeinsam mit seinem Bruder Wieland übernahm er 1950 die Leitung der Bayreuther Festspiele und begründete mit ihm die Ära des sog. Neu-Bayreuth. Neben Wielands stilistischen Akzenten setzte er vor allem mit immer wieder neuen Inszenierungsansätzen auf den "Werkstattcharakter" der Festspiele, die allerdings nicht immer nur Beifall ernteten wie z. B. 2004 die umstrittene Parsifal-Version von Christoph Schlingensief. Seit Wielands Tod im Jahr 1966 bis Ende August 2008 hatte Wolfgang Wagner die Festspielleitung inne. Er war in erster Ehe mit Ellen Drexel verheiratet (eine Tochter, ein Sohn); nach der Scheidung im Jahr 1976 heiratete er Gudrun Mack, die ihm eine weitere Tochter gebar. Gudrun Wagner, sie starb am 28.11.2007, war über viele Jahre hinweg seine engste Mitarbeiterin. Ihr plötzlicher Tod heizte die Diskussion um die Nachfolge des gesundheitlich stark angeschlagenen Festspielchefs weiter an. Im April 2008 kündigte Wolfgang Wagner dann an, dass er Ende August von seinem Amt zurücktreten wird. Seine beiden Töchter Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner leiten die Festspiele jetzt als Duo. Wolfgang Wagner starb am 21. März 2010 im Alter von 90 Jahren in Bayreuth.
Otto Brückwald
Otto Brückwald wurde am 6.5.1841 in Leipzig geboren. Nach seinem Schulabschluss begann er 1857 zunächst mit einer Maurerlehre, bevor er 1860 ein Stipendium für die Königliche Akademie der Bildenden Künste in Dresden erhielt. Mit dem Abschluss im Jahr 1863 erhielt er gleich seinen ersten Auftrag, den Neubau des Leipziger Stadttheaters, für den er mit Carl Ferdinand Langhans zusammenarbeitete. 1868 eröffnete er in Leipzig ein eigenes Architekturbüro, zog jedoch bereits ein Jahr später nach Altenburg, um wiederum einen Theaterbau zu realisieren. Dafür erhielt er 1871 den Titel "Herzoglich Sachsen-Altenburgischer Hofbaumeister". Im folgenden Jahr wurde ihm der Bau des Bayreuther-Festspielhauses angeboten, das 1876 feierlich eröffnet wurde. Darüber hinaus war Otto Brückwald für den Umbau, Neubau und Wiederaufbau zahlreicher Wohnhäuser, Paläste und öffentlicher Gebäude vor allem in Leipzig verantwortlich, wo er am 15.2.1917 starb.
- Kleines Bayreuth-Lexikon
- Richard Wagners Theaterreform
- Das Festspielhaus als "Theater der Zukunft"
- Die Bayreuther Festspiele - Gralshüter eines Nationalkunstwerks?
Bibliografie:
- Brigitte Hamann: Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth, München 2003
- Oliver Hilmes: Die Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner, Berlin 2008
- Philippe Olivier: Der Ring des Nibelungen in Bayreuth von den Anfängen bis heute, Mainz 2007
- Frederic Spotts: Bayreuth. Eine Geschichte der Wagner-Festspiele, München 1994
- Friedelind Wagner: Nacht über Bayreuth, Berlin 2002
Institution(en):
- Anfragen können nur auf schriftlichem Wege gestellt werden an:Kartenbüro der Bayreuther FestspielePostfach 100262, 95402 Bayreuth







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