Der Kuckuck
Der Brutschmarotzer
Eine der interessantesten biologischen Auffälligkeiten des Kuckucks (Cuculus canorus) ist der sogenannte Brutparasitismus. Mit dieser Eigenschaft, seine Eier in fremde Nester zu legen und die Aufzucht seiner Jungen den „Stiefeltern“ zu überlassen, erlangte er zweifelhafte Berühmtheit. Dabei handelt es sich um eine faszinierende Anpassung an die nur kurze Verweildauer des Vogels in seinem Brutgebiet, da er beizeiten wieder seine lange Flugreise in Gebiete südlich des Äquators antreten muss.
Zunächst späht das Kuckucksweibchen die Stiefeltern seines künftigen Nachwuchses genau aus. In aller Regel bevorzugt es dabei Singvogelarten, von denen es selbst aufgezogen worden ist. Etwa 120 verschiedene Wirtsvogelarten unseres heimischen Kuckucks sind bekannt, darunter so kleine Arten wie das Rotkehlchen, der Zaunkönig, der Hausrotschwanz, die Bachstelze, der Teichrohrsänger, der Neuntöter, die Dorngrasmücke, die Heckenbraunelle oder der Baumpieper.
Zur Eiablage passt das Kuckucksweibchen bei den genau studierten Wirtsvögeln den richtigen Moment ab, um in deren Nest zu schlüpfen und eines der Eier dort aus dem unbewachten Nest zu entfernen. Manchmal hilft auch das Kuckucksmännchen bei dieser Aktion mit, indem es die Wirtsvögel von ihrem Gelege weglockt. An die freie Stelle legt das Weibchen dann sein eigenes Ei. Auf diese Weise bringt ein Kuckucksweibchen bei uns etwa ab Mitte April im Abstand von rund zwei Tagen seine insgesamt acht bis zehn Eier, selten sogar bis 25 Eier in fremden Nestern unter.
Das Kuckucksei ist im Verhältnis zur Größe des Vogels relativ klein - entsprechend den noch sehr viel kleineren Eiern der Wirtsvögel. Darüber hinaus ähnelt das eingeschmuggelte Ei meist in Färbung und Zeichnung denen der Wirtsvögel. So wird gewährleistet, dass das Kuckucksei von den zukünftigen Stiefeltern nicht sogleich als Fremdkörper identifiziert wird. Doch die Natur steht auch auf Seiten der kleinen Wirtsvögel. Sie werden recht häufig misstrauisch ob des mit über 20 mm immer noch recht großen Eies in ihrem Gelege. So kommt es nicht selten vor, dass die Wirtsvögel das Kuckucksei aus ihrem Nest wieder entfernen. Manchmal überbauen sie auch ihr altes Gelege mit dem fremden Ei oder geben das befremdliche Gelege vollständig auf und beginnen aufs Neue mit ihrer eigenen Eiablage und Brut.









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