Der Messias
Händel und das Oratorium

Noch zu Zeiten seiner zweiten unglückseligen Opern-Ära waren Händels große Erfolge die kirchenmusikalischen Werke, vor allem jedoch seine Oratorien, und es sollte Händels Verdienst sein, auf diesem Gebiet erstmals englische Musikgeschichte zu schreiben. Standen seine frühen Oratorien wie "La Resurrezione" (1708) noch unter italienischem Einfluss, so beginnt sich ab 1730 eine eigentliche englische Form in englischer Sprache herauszubilden, deren Gipfel Händel 1741 mit dem "Messias" erreicht.
Was sich Aaron Hill, ehemaliger Direktor des Queen's Theatre am Haymarket, von Händel zur Reformierung der Oper gewünscht hatte, sollte dem Komponisten schließlich im Oratorium gelingen und ihn unsterblich machen. Hill wünschte sich "die Schaffung einer Musik..., bei der gute Dichtung die Grundlage wäre, bei der die Vortrefflichkeit der Töne nicht mehr herabgezogen wird durch die Jämmerlichkeit der Gedanken, an die sie gekettet sind. Sie könnten zeigen, dass das Englische biegsam genug für die Oper ist, wenn es von Dichtern gehandhabt wird, die zwischen der Lieblichkeit und der Kraft unserer Sprache zu unterscheiden wissen,... Und ich bin sicher, dass eine bestimmte dramatische Opernform geschaffen werden kann, die Sinn und Würde mit der Musik und geschmackvollen Ausstattung vereinigte, die das Ohr entzücken und zugleich das Herz ergreifen würde."
Die Begründung einer englischen Oratorien-Tradition bildet darüber hinaus die Voraussetzung für eine neue Säule im kulturellen Leben des Landes: es entstehen 'Philharmonische Gesellschaften' mit Chor und Orchester, die sich der Aufführung und künftigen Pflege dieser Oratorien verschreiben werden.
Händels erstes großes und bewegendes Oratorium ist "Esther", eine überarbeitete Fassung des weltlich-geistlichen Mischlings "Haman und Mordecai" aus dem Jahre 1720, das am 2. Mai 1732 im King's Theatre vor einem begeisterten Publikum uraufgeführt wird. Nach seinen sowohl künstlerisch als auch finanziell wenig erfolgreichen Opern der vorhergehenden Monate, sieht Händel plötzlich eine Möglichkeit, seine Operngesellschaft mit Hilfe der neuen Gattung über Wasser zu halten. 1733 entsteht "Deborah", aber Händels Geschäftssinn schießt bei den Eintrittspreisen über das Ziel hinaus und somit wird das Oratorium entgegen Händels Erwartungen ein finanzieller Flop. Erst mit "Saul" und "Israel in Ägypten", beide innerhalb weniger Wochen in der zweiten Hälfte des Jahres 1738 komponiert, gelingen Händel wieder Erfolge. Vor allem jedoch verläuft die künstlerische Arbeit von nun an, fernab vom kräftezehrenden Opernbetrieb, in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens weitaus befriedigender.
Unter Händels Oratorien, die sowohl geistlichen als zum Teil auch weltlichen Inhalts sind, nimmt "Der Messias" eine Sonderstellung ein. Nicht nur die kurze Entstehungszeit von lediglich drei Wochen ist bemerkenswert, sondern auch der Inhalt, handelt es sich doch weder um ein weltliches Oratorium mit einer Darstellung von historischen Begebenheiten und Personen, noch um eine reine Vertonung von Bibeltexten. "Der Messias" ist zwar auf Bibelstellen gegründet, doch seine zentrale Aussage ist vor allem eine tiefe und sehr persönliche Religiosität, was dem Werk über alle Zeiten hinweg einen gültigen Platz im Repertoire der Philharmonischen Chöre gesichert hat. Georg Friedrich Händel selbst hat dieses Werk besonders geschätzt und den Erlös aus dessen Aufführungen oft für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt. Die Uraufführung am 13. April 1742 in Dublin gestaltet sich zu einem der glänzendsten Erfolge in Händels Karriere.
- Händel und das Oratorium
- Geschichte des "Messias"
- Inhalt
- Händel und die Nachwelt
- Händel in Dublin, Stationen einer Konzertreise
Bibliografie:
- Hans Marx: Händels Oratorien, Oden und Serenaden 1998
- W. Zentner (Hrsg.): Georg Friedrich Händel: Der Messias. Judas Maccabäus, Stuttgart 1986









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