Der moderne schweizerische Bundesstaat
Die Schweiz wird zum Industrieland
Die Bevölkerung der Schweiz wuchs zwischen 1870 und 1914 von 2,65 auf 3,9 Millionen Menschen. Die lange Zeit ungünstige Wanderungsbilanz kehrte sich ab 1890 um: Nun kamen mehr Menschen in die Eidgenossenschaft als fortgingen. Im Jahr 1910 belief sich die Zahl der in der Schweiz ansässigen Ausländer auf 451 900, dies entsprach 14,7% der Wohnbevölkerung.
Die Schweiz entwickelte sich trotz des Mangels an Rohstoffen - der erst seit den 1890er-Jahren durch den Einsatz von elektrischem Strom teilweise ausgeglichen werden konnte - vom Agrarstaat zum Industrieland. Bis 1913 behauptete sich die weiter mechanisierte Textilindustrie mit einem Anteil an den Gesamtexporten von 45% als erfolgreichster Industriezweig, obwohl seit 1887 der Anteil an der Gesamtheit der Arbeitsplätze von 35% auf 27% zurückging und die Spinnerei ebenso wie Seiden- und Wollindustrie auf Grund ausländischer Konkurrenz Verluste hinnehmen musste, während sich die Stickerei wieder erholte und 1913 wertmäßig an der Spitze der schweizerischen Exportgüter stand. Es folgten 1913 in der Rangliste der exportintensiven Branchen die Metall- und Maschinenindustrie (15%), Nahrungsmittelindustrie (15%), Uhrenindustrie (13%) und die Chemieindustrie (5%).
Trotz des aktiven Außenhandels, der pro Kopf der Bevölkerung die Schweiz in verschiedenen Branchen in die Spitzengruppe der großen Handels- und Industrienationen schnellen ließ, blieb die Handelsbilanz wegen des starken Bedarfs an Nahrungsmittel- und Rohstoffimporten chronisch defizitär. Der weit gehende Ausgleich der Zahlungsbilanz war vor allem ein Ergebnis der neuen Rolle der Schweiz als Drehscheibe im internationalen Finanzverkehr.









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