Der Tower von London
Baugeschichte

Der älteste Teil, der White Tower mit seinen meterdicken Außenmauern, wurde 1078 unter Wilhelm dem Eroberer begonnen und 1097 fertiggestellt. Erbaut aus roh behauenem Sandstein, ist sein Aussehen geprägt von den Burgen der Normannenherrscher. Zwölf Jahre vor Baubeginn war Wilhelm, der Herzog der Normandie, in England gelandet und hatte den angelsächsischen König Harald II. am 14.10.1066 in der Schlacht bei Hastings besiegt. Der White Tower beherbergt heute die Royal-Armouries-Ausstellung mit königlichen Rüstungen sowie Folterinstrumente. Zur gleichen Zeit wie der White Tower, um 1080, entstand die Chapel of St John the Evangelist, die älteste erhaltene Kirche Londons. Die zwei Stockwerke einnehmende Kirche erscheint heute wieder wie zu der Zeit, in der Gundulf, der Bischof von Rochester, sie erbaute. Im Mittelalter wurde sie von König und Hofstaat besucht, später von Angehörigen des Order of the Bath. Zur Zeit von Karl II. im 17. Jh. wurde die Kapelle zum Aufbewahrungsraum für Staatsakten umgewandelt, erst 1857 wurde sie wieder in ihren Originalzustand zurückversetzt. Im 17. Jh. wurden die ursprünglichen Schießscharten des White Tower durch Bogenfenster ersetzt. Sie sind zusammen mit den Metallkuppeln der Türme die charakteristischen baulichen Elemente. In der Nähe des White Tower befindet sich das Fusilierś Museum (Infanteriemuseum), das eigenständige Museum des Royal Regiment of Fusiliers. Im Laufe der Jahrhunderte wurde "Her Majesty's Royal Palace and Fortress the Tower of London" umgestaltet und ständig erweitert. Rund um den Innenhof mit dem White Tower entstand eine Befestigungsmauer mit insgesamt 13 eindrucksvollen Türmen, die wiederum von einer zweiten Maueranlage mit sechs Türmen und zwei Eckbastionen verstärkt wird. Die auf der einen Seite von der Themse begrenzte Festungsanlage wurde schließlich noch von einem breiten Wassergraben umgeben, der heute trockengelegt ist. Der Tower konnte früher nur über eine Zugbrücke betreten werden. In einzelnen Türmen der Festung lagen früher Gefängniszellen, Folterkammern und Hinrichtungsstätten. Einer von ihnen, der Bloody Tower (Blutturm), erhielt von daher sogar seinen Namen. Aber auch der Beauchamp Tower und der Bell Tower beherbergten jahrhundertelang Gefangene. An der Water Lane auf der dem Fluss zugewandten Seite der Burg liegt auch das Traitors Gate (Verrätertor), durch das viele berühmte Gefangene den Tower betraten und oftmals nie wieder verließen - außer zur Hinrichtung.
Bibliografie:
- Heilmann, M.: Der Tower von London. Ihrer Majestät Königlicher Palast und Festung, 1992









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