Deutschland. Ein Wintermärchen (Heinrich Heine)
Kurzinfo
Der Titel dieses Gedichts, Ein Wintermärchen, nimmt Bezug auf Shakespeares A Winter's Tale, in dem die sizilianische Königin Hermione nach 16 Jahren aus ihrer Versteinerung erwacht. Heinrich Heine aber schreibt 1843/44 gegen den Erstarrungsschlaf der politischen Restauration in Deutschland an: Das Wintermärchen sei „politisch-romantisch“, schreibt er. Es ist aber auch liebevoll-spöttisch, satirisch-tiefsinnig, leicht im Schreibstil und bewusst subjektiv.
Form

Heinrich Heine verfasste Deutschland. Ein Wintermärchen als
in 27 „Caputs“ (Kapiteln) mit vierzeiligen Strophen im jambischen Versmaß und einem lyrischen Ich-Erzähler.Zeit: 1843
Orte: Heines Reise über Aachen, Köln, Mülheim, Hagen, Unna, den Teutoburger Wald, Paderborn, Minden, Bückeburg, Hannover, Celle nach Hamburg
Inhalt
Das Versepos ist eine ironische Abrechnung mit allem, was den Dichter an seiner deutschen Heimat, besonders an Preußen, störte: mit dem militanten Nationalgefühl, den starren religiösen Institutionen, dem Franzosenhass, der Kleinstaaterei, der bürgerlichen Enge und Verbohrtheit, der Willkür des preußischen Polizeistaats. Festgemacht an den Stationen seiner ersten Reise nach Deutschland als Exilant, beschrieb Heine mit bitterem Spott
- Begebenheiten auf der Reise (z. B. die Gepäckkontrolle beim deutschen Zoll)
- Gedanken zu Landschaften und Bauwerken (z. B. zum Kölner Dom)
- seine (Wunsch-)Träume (z. B. sein Gespräch mit Barbarossa am Kyffhäuser).
Kein anderer Dichter des 19. Jahrhunderts hat die Möglichkeiten politischer Dichtung so ausgeschöpft wie Heine. Hoffnungsvoll bricht er auf (Caput I: Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten!), aber deprimiert endet das Gedicht:
O König! Ich meine es gut mit dir,
Und will einen Rat dir geben:
Die toten Dichter, verehre sie nur,
Doch schone, die da leben. (Caput XXVII)
Entstehung
Heinrich Heine begann das Gedicht auf einer Reise 1943 zu seiner Mutter nach Hamburg und beendete es im Januar 1844 in Paris. Es bildet den Abschluss der Neuen Gedichte, die bereits vorab verlegt wurden, weil das Wintermärchen harten Änderungsvorgaben der deutschen Zensur unterworfen worden war. Dazu schrieb Heine im Vorwort: „… die freie Luft des Ortes [Paris] wehete in manche Strophe weit schärfer hinein, als mir eigentlich lieb war.“
Ungekürzt erschien diese politische Satire 1844 nur in der revolutionären Pariser deutschen Zeitschrift „Vorwärts“. Als das Wintermärchen in Deutschland erschien, wurde es in Preußen sofort beschlagnahmt, in den übrigen Teilen des Deutschen Bundes verboten.
Rezeption
Zu Heines Lebzeiten fand das Wintermärchen nur in Frankreich öffentliche Anerkennung, in den Ländern des Deutschen Bundes war der Dichter bei den Nationalisten als Nestbeschmutzer verhasst. Lesen konnte ihn niemand, weil seine Bücher verboten waren. Antisemitisch und als „Französling“ beschimpft wurde er trotzdem.
Während des Nationalsozialsozialismus war Heines Werk wegen seiner jüdischen Herkunft ebenfalls verboten. Sein hellseherisches Wort: „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man bald auch Menschen“ sollte in dieser Zeit in Deutschland grausame Wirklichkeit werden. Zu jeder Zeit aber versammelten sich hinter Heines Schriften die Kämpfer für Meinungsfreiheit und Demokratie, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Für die Entwicklung einer Kultur der politischen Satire in Deutschland hat das Wintermärchen den Grundstein gelegt.
Lebensdaten
| 13.12.1797 | Heinrich Heine wird als Harry Heine in Düsseldorf geboren |
| 1822 | Erste Gedichte erscheinen |
| 1825 | Juristische Promotion in Göttingen |
| ab 1831 | Schriftsteller und Journalist im französischen Exil |
| 17.02.1856 | Heine stirbt in Paris an seiner langjährigen Rückenmarkschwindsucht |









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