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THEMEN

Deutschland vor dem Dreißigjährigen Krieg, 15551618

Ferdinand I. ohne Rückhalt zu Hause und im Reich

Teilung und Schwächung des Habsburger Reiches

Karls V. schrittweise Abdankung 1555/56 war mit der Teilung des habsburgischen Erbes verbundenen. Sein Sohn Philipp hatte Spanien mit den Überseegebieten sowie die Niederlande erhalten, während Karls Bruder Ferdinand bereits seit 1522 Herr über die österreichischen Erblande das Kaisertum übernommen hatte. Die Erbteilung in eine habsburgisch-spanische und habsburgisch-österreichische Linie löste das deutsche Reich aus dem Universalverband. Spanien sollte diese Schwächung seines Weltreichsanspruchs schnell zu spüren bekommen: Die langen militärischen Auseinandersetzungen mit Frankreich konnten erst 1598, die mit England erst 1603 beigelegt werden.

Ferdinands territoriale Macht

Mit der Teilung war das Reich aus der Reihe der führenden europäischen Mächte wieder ausgeschieden und konnte die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg unberührt von den Streitigkeiten zwischen Spanien, Frankreich, England und den niederländischen Generalstaaten verbringen. Die ständig umkämpften Stadtstaaten Mailand und Neapel waren an Philipp II. von Spanien gegangen. Ferdinand I. hatte mit den Herzogtümern Österreich unter und ob der Enns, Steiermark, Kärnten und Krain, dazu der Grafschaft Tirol und Vorderösterreich mit Sund- und Breisgau sowie dem durch Heirat erworbenen Königreich von Ungarn und Böhmen mit den Nebenländern Mähren, Schlesien und der Lausitz eine ziemlich geschlossene Hausmacht. Im Gegensatz zu seinem Bruder Karl V. hatte Ferdinand I. in den Konfessionsauseinandersetzungen eine versöhnliche Haltung eingenommen, so dass 1552 der "Passauer Stillstand" zustande gekommen war, dem sich Karl V. bis zuletzt widersetzt hatte. Nachdem dieser sich 1553 aus Deutschland zurückgezogen hatte, überließ er Ferdinand I. die Regierung im Reich und die Durchführung des Augsburger Reichstags 1555 mitsamt der Verkündigung des Augsburger Religionsfriedens.

Durchsetzungsprobleme gegenüber dem Adel

In den eigenen Erblanden gelang es Ferdinand I. zeitlebens nicht, die partikularen Bestrebungen des Adels zurückzudrängen. Das Selbstbewusstsein des böhmischen Adels wurde nur noch von dem des ungarischen übertroffen. Ressentiments hatte Ferdinand schon vor seiner Wahl zum ungarischen König zu spüren bekommen. Um ihre Unabhängigkeit zu bewahren, schreckten die Ungarn nicht einmal davor zurück, Verbindung zu den Türken zu suchen.

Bild
Europa in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts

Kaiser nicht viel mehr als ein Titel

Ferdinands 1531 noch zu Lebzeiten des kaiserlichen Bruders erfolgte Wahl zum römischen König hatte schon damals die Aussicht auf die Nachfolge im Kaisertum eröffnet, die sich 1558 mit der Wahl durch die Kurfürsten und der Krönung in Frankfurt erfüllte. Für Ferdinand I. bedeutete die neue Würde zwar eine Vermehrung seines Ansehens und die Verantwortlichkeit für die zum Deutschen Reich gehörigen Länder. Doch der reale Machtzuwachs war gering. Dass sieben Zehntel Deutschlands mittlerweile lutherisch waren, machte die Regierung für den katholischen Ferdinand schwierig. Politisch und religiös war alles im Fluss, so dass die Ordnung der staatlich-kirchlichen Verhältnisse und die Festigung des Konfessionsfriedens die Hauptaufgaben Ferdinands I. und seiner Nachfolger blieben. Doch weder er selbst noch Maximilian II. (15641576), Rudolf II. (15761612) oder Matthias (16121619) konnten im konfessionellen Streit einen Ausgleich erzielen nicht einmal in den eigenen habsburgischen Territorien.

  1. Ferdinand I. ohne Rückhalt zu Hause und im Reich
  2. Habsburgische Erbteilungsprobleme
  3. Die Hypothek der Türkengefahr
  4. Kaiser und Reich in Abhängigkeit der Reichsstände und Territorialinteressen
  5. Streit um Säkularisation führt zum Rechtsverfall
  6. Handlungsunfähigkeit des Reichstags
  7. Territorial-konfessionelle Konflikte in Österreich
  8. Die konfessionellen Zustände und Spannungen im Reich
  9. Der Jülich-Klevesche Erbfolgestreit
  10. Teste dein Wissen!

Bibliografie:

  • Benno von Bundschuh: Das Wormser Religionsgespräch von 1557 unter besonderer Berücksichtigung der kaiserlichen Religionspolitik, Münster 1988
  • Stefan Ehrenpreis und Ute Lotz-Heumann: Reformation und konfessionelles Zeitalter, Darmstadt 2002
  • Axel Gotthard: Das Alte Reich 1495-1806, Darmstadt 2003
  • Arno Herzig: Der Zwang zum wahren Glauben. Rekatholisierung vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Göttingen 2000
  • Alfred Kohler: Ferdinand I., 1503-1564. Fürst, König und Kaiser, München 2003
  • Ester-Beate Körber: Habsburgs europäische Herrschaft. Von Karl V. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, Göttingen 31977, Darmstadt 2002
  • Maximilian Lanzinner: Friedenssicherung und politische Einheit des Reiches unter Kaiser Maximilian II. (1564-1576), Göttingen 1992
  • Albrecht P. Luttenberger: Kurfürsten, Kaiser und Reich. Politische Führung und Friedenssicherung unter Ferdinand I und Maximilian II., Mainz 1994
  • Heinrich Lutz: Reformation und Gegenreformation, München/Wien 1997
  • Heinz Ollmann-Kösling: Der Erbfolgestreit um Jülich-Kleve (1609-1614). Ein Vorspiel zum Dreißigjährigen Krieg, Regensburg 1996
  • Ronnie Po-chia Hsia: Gegenreformation. Die Welt der katholischen Erneuerung 1540-1770, Frankfurt/M. 1998
  • Heinz Schilling: Aufbruch und Krise. Deutschland 1517-1648, Berlin 1988
  • Winfried Schulze: Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert 1500-1618, Frankfurt/M. 1987
  • Karl-Heinz ZurMühlen: Reformation und Gegenreformation. 2 Bde., Göttingen 1999
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Also ich finde es super spannend


Hallo, ich finde es gut.
Ja, ja!