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THEMEN

Dialekte des Deutschen: Das Niederdeutsche

Einleitung

"Die Dialekte sterben aus!" Diesen Satz hat sicher schon jeder in der einen oder anderen Variante gehört. Als Befürchtung, als nüchterne Feststellung oder aber auch als wünschenswertes Ergebnis der neueren Entwicklungen, denn der Dialekt erschwere doch bloß die Verständigung zwischen Nord und Süd, Ost und West, mache untauglich für die Globalisierung und sei bestenfalls etwas für alte Leute. Aber Totgesagte leben länger! Denn es gibt Dialektwettbewerbe, Dialekt in der Schule und in den elektronischen Massenmedien (auch im Internet) und Dialektkolumnen in Tageszeitungen erfreuen sich großer Beliebtheit und beweisen den Lesern teilweise erst wirklich, dass ihre Zeitung in der Gegend erscheint, in der sie sich heimisch fühlen. Dialekt hat also sehr viel mit Heimatgefühl zu tun und mit der Vorstellung von der eigenen Identität. Und jeder, der einmal im Zug quer durch Deutschland reist, kann sich von der Existenz der Dialekte überzeugen, denn von Bahnhof zu Bahnhof ändert sich langsam aber deutlich hörbar die Art des Sprechens bei den Mitreisenden. Und dieser erste Eindruck würde sich noch verstärken, stiege man an jeder Station aus und hörte den Menschen ein bisschen zu. Es gibt die Dialekte also noch.

Gleichzeitig weiß jeder auch aus seiner eigenen Familiengeschichte, dass die Oma oder der Uropa ausschließlich Dialekt gesprochen hat, man selbst aber nur noch selten oder gar nicht. Sterben die Dialekte also doch aus, und wir erleben gerade noch das letzte Stadium? Sicher werden die deutschen Dialekte nicht wieder die Bedeutung erlangen, die sie noch vor 500 Jahren hatten. Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit brauchen das Standarddeutsche, um sich zu verständigen (und oft inzwischen auch Englisch, um sich international Gehör zu verschaffen). Aber die Qualität des Dialekts, Privates auf den Punkt zu bringen und ein Gefühl von Heimat zu schaffen, ist für das Leben eines jeden unverzichtbar. Auch wer keinen Dialekt mehr aktiv spricht, kennt den seinen, versteht ihn zumindest in Ansätzen und hört ihn gerne. Deshalb gehören zur heutigen Mehrsprachigkeit in Deutschland auch die Dialekte. Und es ist nicht abzusehen, dass sie daraus in nächster Zeit verschwinden sollten.

Das Niederdeutsche: Sprache oder Dialekt?

Bild
Verbreitung deutscher Mundarten

Nach dem landläufigen Verständnis von deutscher Standardsprache und Dialekt geht man davon aus, dass das Niederdeutsche (oder auch Plattdeutsche) ein Dialekt der Hochsprache sei. Betrachtet man jedoch die Geschichte unserer Standardsprache und die des Niederdeutschen, so stellt man schnell fest, dass unsere heutige Standardsprache eine Weiterentwicklung des so genannten Neuhochdeutschen ist. Das "Hoch" in diesem Wort bezieht sich jedoch nicht auf eine gesellschaftlich anerkannte Norm (bessere gegen schlechtere Sprache), sondern auf eine geographische Ausdehnung der Sprache. "Hochdeutsch" ist gleichzusetzen mit "das Deutsch, das im südlichen Teil des deutschen Sprachraums gesprochen wird". "Niederdeutsch" hingegen ist die Sprache, die im nördlichen Teil des deutschen Sprachraums gesprochen wird. Diese Bezeichnungen zeigen also, dass wir es mit zwei gleichberechtigten Sprachen zu tun haben.

Diese beiden Sprachen haben sich ab einem bestimmten Zeitpunkt weitgehend getrennt von einander entwickelt und eigene Formen ausgeprägt. Bereits um 500 v. Chr. beginnen sich beide Sprache voneinander zu trennen. Im 16. Jahrhundert wird das Niederdeutsche dann mehr und mehr vom Hochdeutschen verdrängt, bis sich das Hochdeutsche bald in vielen wichtigen gesellschaftlichen und politischen Belangen soweit durchgesetzt hat, dass dem Niederdeutschen nur noch ein Randbereich der Sprache bleibt - der des Dialekts. Niederdeutsch ist also sprachwissenschaftlich gesehen kein Dialekt, sondern der Restbestand einer ehemals eigenständigen deutschen Sprache, der heute im nördlichen Teil des deutschsprachigen Raums als Dialekt gesprochen wird. Wie aber kann man einen solchen Dialekt von einem anderen abgrenzen und welche Besonderheiten weist er auf? Bevor diese Frage beantwortet werden kann, ist zunächst ein Blick in die Geschichte dieser Sprache aufschlussreich.

Die historische Entwicklung des Niederdeutschen

Wie das Hochdeutsche (Hd.) wird auch das Niederdeutsche (Nd.) in drei grundlegende Phasen unterteilt: das Altniederdeutsche (And.) oder auch Altsächsische, das Mittelniederdeutsche (Mnd.) und das Neuniederdeutsche (Nnd).

Das Altniederdeutsche

Die Vorstufen des Altniederdeutschen oder Altsächsischen gehen bis in das 5.-8. Jahrhundert nach Christus zurück. Die klassische Phase des Altniederdeutschen liegt jedoch zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung.

Das Altniederdeutsche entstand durch die sogenannte Lautverschiebung. Diese begann im 5. Jahrhundert, breitete sich über das Bairische und Alemannische nach Norden aus und war in großen Teilen im 8. Jahrhundert n. Chr. abgeschlossen. Dort, wo die Lautverschiebung sich durchsetzte (etwa bis zum Rhein und dem Gebiet des heutigen Nordhessens) wurde dann Hochdeutsch, in den restlichen nördlichen Gebieten Niederdeutsch gesprochen. Die Lautverschiebung bedeutete eine Veränderung des Konsonantensystems: So wurden z. B. die Konsonanten p, t oder k an bestimmten Stellen des Wortes zu pf, tz (z) oder ch verschoben. Aus dem altniederdeutschen "pund" wurde das althochdeutsche "pfund", aus "appel" wurde "apfel", aus "holt" "holz" oder aus "maken" "machen". Diese grundlegenden Veränderungen scheiden bis heute den hoch- vom niederdeutschen Sprachraum. Wer aber waren die Völker, die weiterhin eine Sprache ohne diese Lautverschiebungen sprachen? Es waren die so genannten Sachsen, die in der damaligen Zeit Norddeutschland in einem losen Landesverbund bevölkerten.

Wegen der nur wenigen (archäologischen) Funde, die zu diesem Sprachstand erhalten geblieben sind, ist eine detaillierte Beschreibung ihrer Sprache sehr schwer. Das wichtigste erhaltene Textzeugnis ist der so genannte "Heliand", in dem in der Form einer germanischen Heldensaga die Geschichte von Jesus Christus erzählt wird. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Thô telêt that liuduuerod / aftar themu lande allumu,
tefôr folc mikil, / sîdor iro frâho giuuêt
an that gebirgi uppan, / barno rîkeost,
uualand an is uuilleon.

Da verliefen sich die Leute über all dem Lande,
Das Volk zerfuhr, da ihr Fürst entwichen war
Hinauf ins Gebirge, der Gebornen Mächtigster,
Der Waltende, nach seinem Willen.
(In der Übersetzung von Karl Simrock aus dem Jahre 1856)

Das Mittelniederdeutsche

Die zweite Phase des Niederdeutschen nennt man "Mittelniederdeutsch". Diese Phase erstreckte sich vom 13. bis zum 17. Jahrhundert und wird wiederum in drei Teile untergliedert: Die Frühzeit bis 1350, die klassische Periode bis 1550 und die Spätzeit bis 1650. Der Terminus "Mittelniederdeutsch" wurde von Jacob Grimm, einem der beiden als Sprachforscher und Märchensammler bekannten Brüder, zwar nicht erfunden, aber doch geprägt. Auch das Mittelniederdeutsche zerfällt wie das Altniederdeutsche noch in viele regionale Unterscheidungen.

Das Mittelniederdeutsch ist hauptsächlich durch die so genannte Hansesprache geprägt. In diesem Verbund stellte vor allem die Stadt Lübeck durch ihre herausragende Rolle als Gerichtsoberhof der Hanse ein sprachliches Vorbild dar. Von dort aus wurden viele schriftliche Erlasse erteilt, die sich über den ganzen Hansebund bis nach England, Russland und Norwegen (und sogar darüber hinaus) verbreiteten. Diese so genannte Lübische Sprache, wurde zur Verkehrssprache oder lingua franca des Hansebundes. Einen besonders großen Einfluss hatte die Hansesprache zu dieser Zeit auf die skandinavischen Sprachen, teilweise beeinflusste sie sogar den slawischen Raum.

Die Sprachgrenzen des Mittelniederdeutschen hatten sich, vor allem aufgrund der Vormachtstellung des Hansebundes, gegenüber dem Altniederdeutschen deutlich erweitert. Im Osten grenzte es an das Slawische, im Norden an das Nordgermanische und das Friesische, im Süden an das Hochdeutsche und im Westen an das Mittelniederländische, wobei sich hier die Sprachen stark durchdrangen und oft keine klaren Grenzen festzulegen waren. Zum Zeitpunkt der größten Ausdehnung des Mittelniederdeutschen im 15. Jahrhundert, umfasste das Sprachgebiet also einen Raum, der von der heutigen niederländischen Grenze im Westen die gesamte Ostseeküste entlang bis an die heutige russische Grenze im Osten reicht.

Wichtigstes erhaltenes Textzeugnis dieser Zeit ist der "Sachsenspiegel", eine umfangreiche Sammlung sächsischer Rechtsangelegenheiten, die um 1225 entstand und bis in 19. Jahrhundert hinein die Rechtsprechung im europäischen Raum prägte. Einziges literarisches Zeugnis für die mittelniederdeutsche Sprache ist das in einem Lübecker Druck von 1498 bearbeitete lehrhafte Tierepos "Reinke de Vos" (Reinecke Fuchs). Dieses Werk verbreitete sich bis zum 16. Jahrhundert in ganz Deutschland und wurde später von Goethe bearbeitet.

Mit dem Ende der Hansezeit im 16. Jahrhundert überschritt das Mittelniederdeutsche den Zenit seiner Verbreitung und Bedeutung. Nach dem Westfälischen Frieden zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) und der Trennung der Niederlande vom Deutschen Reich hatte sich jedoch der mittelniederdeutsche Dialekt als wichtige Grundlage für die neu entstehende niederländische Standardsprache erwiesen.

Der Übergang zum Neuniederdeutschen

Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts lassen sich in der Endphase des Hansebundes verstärkt Spracheinflüsse durch das Hochdeutsche nachweisen. Bis 1680 hat das Niederdeutsche seine Selbständigkeit als Standardsprache verloren: in Rechtsprechung, Wissenschaft, Theologie und Schulunterricht wurde das Hochdeutsche üblich.

Vor allem Martin Luther gab mit seiner Gesamt-Bibelübersetzung ins Deutsche aus dem Jahre 1522 einen Maßstab vor. Obwohl der Wittenberger sie in Hochdeutsch verfasste, bevorzugte er doch hier und da vor den hochdeutschen einige niederdeutsche Wörter, die somit zu standardsprachlichen Begriffen wurden. So verwendete er z. B. niederdeutsch "pflügen" statt hochdeutsch "ackern", niederdeutsch "Ufer" statt hochdeutsch "Gestade", niederdeutsch "Lippe" statt hochdeutsch "Lefze". Aber nicht nur durch Luthers Einfluss wurden Elemente des Niederdeutschen in das Hochdeutsche eingebunden. So ist zum Beispiel auch die Aussprache durch die Niederdeutschen geprägt worden, die sich beim "Erlernen" des Hochdeutschen oft überkorrekt an das Schriftbild hielten. Diese Art der Aussprache ist bis heute die vorbildliche. Auch das stimmhafte "s", das das Hochdeutsche eigentlich nicht kennt (alle "s" werden hochdeutsch gleich ausgesprochen) hat sich mittlerweile auf den gesamten deutschsprachigen Raum ausgedehnt.

Zum Ende des 17. Jahrhunderts war das Hochdeutsche im gesamten deutschen Raum gültig, das Niederdeutsche wurde in die alltägliche Mündlichkeit verdrängt. Wo es überhaupt noch in schriftlicher Form eingesetzt wurde, diente es zumeist nur noch der Belustigung. Das Ansehen des Niederdeutschen hatte seinen Tiefstand erreicht. Erst im 18. Jahrhundert wurde das Niederdeutsche von einige Literaten wieder als ernsthafte poetische Sprache aufgegriffen, so u. a. von Brentano. Im 19. Jahrhundert begannen einige Schriftsteller, ihren eigenen Dialekt wieder mit Prestige aufzuladen. Prominenteste Autoren sind Fritz Reuter (1810-1874, "Ut mine Stromtid") und Klaus Groth (1819-1899, "Quickborn"), die durch ihre niederdeutschen Dichtungen große Aufmerksamkeit und Anerkennung errangen und eine Welle von Dialektliteratur nach sich zogen.

Das heutige Niederdeutsch

Auch heute noch wird der niederdeutsche Dialektraum weiter unterteilt, um die regionalen Eigenheiten der einzelnen Dialekte zu berücksichtigen. Zunächst unterteilt man das Niederdeutsche in die beiden großen Bereiche Westniederdeutsch und Ostniederdeutsch, wobei das Ostniederdeutsche vor allem die zur Zeit der Hanse entstandenen Ostkoloniegebiete abdeckt, das Westniederdeutsche hingegen das eigentliche Stammesgebiet der Sachsen. Das Westniederdeutsche wird weiter unterteilt in das Nordsächsische, das Westfälische, das Ostfälische und das Niederfränkische. Das Ostniederdeutsche unterteilt man im Allgemeinen ins Mecklenburg-Vorpommersche, das Mittel- und Ostpommersche, das Niederpreußische und das Brandenburgische. Geographisch betrachtet hat sich im Gegensatz zum Mittelniederdeutschen das Sprachgebiet deutlich verringert. Auch wenn es einige Sprachinseln außerhalb der heutigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland gibt, so konzentriert sich die Anwendung des Dialektes maßgeblich auf den nördlichen Teil des innerdeutschen Raums.

Wer spricht heute wann Platt?

"Platt" reden heißt nichts anderes "Dialekt reden". Reines Platt wird heute so gut wie nirgends mehr in gesprochen, zumeist findet sich eine umgangssprachliche Vermischung zwischen hochdeutscher Standardsprache und niederdeutschem Dialekt. Selbst in den abgelegensten Sprachgegenden lassen sich an die 30% Spracheinfluss aus dem Hochdeutschen nachweisen. Diese Vermischung nennt man auf das Niederdeutsche bezogen "Missingsch".

Bei einer Befragung von Sprechern quer durch alle heutigen niederdeutschen Dialekträume gaben im Schnitt 20% der Personen auf die Frage "Können Sie plattdeutsch reden?" an, dass sie den Dialekt "sehr gut" beherrschen. 15% beantworteten die Frage mit "gut" und 21% mit "ein wenig". 43% der Befragten gaben an, dass sie nicht in der Lage sind, den Dialekt zu sprechen. Auf die Frage hin, ob der Dialekt auch angewendet wird ("Sprechen Sie tatsächlich Platt?") gaben die Befragten an, dass sie "sehr oft/oft" (37%) oder "manchmal/selten" (54%) Platt sprechen. Lediglich 8% der Befragten antworteten "nie". Auf die Frage "Warum sprechen Sie Plattdeutsch?" gab der Großteil der Befragten an, dass ihnen die Sprache so gut gefalle (49%), dicht gefolgt von den Antworten, dass es sich ja um die Muttersprache handle (47%) und dass die Sprache vor Ort viel gesprochen werde (44%). Erfreulich ist die Tatsache, dass 31% der Befragten angaben, das Niederdeutsche durch die Einbindung in die eigene Sprache aktiv erhalten zu wollen.

Wie unterscheidet sich das Niederdeutsche vom Hochdeutschen?

Lautstand

Die niederdeutschen Sprachen haben, ebenso wie das Niederländische, das Friesische und das Englische, die germanische oder hochdeutsche Lautverschiebung nicht vollzogen. Daher sind viele Wörter der niederdeutschen Dialekte deutlich von den heute gültigen hochdeutschen Formen unterschieden und ähneln eher den entsprechenden englischen und skandinavischen Ausdrücken:

niederdeutsch: Water
englisch: water
dänisch: vand
hochdeutsch: Wasser

niederdeutsch: Pann, Panne
englisch: pan
hochdeutsch: Pfanne

niederdeutsch: Salt
englisch: salt
dänisch: salt
hochdeutsch: Salz

Grammatik

Die im Folgenden aufgeführten Beispiele des Niederdeutschen decken nicht den gesamten grammatischen Unterschied zwischen dem Hochdeutschen und dem Niederdeutschen ab, zeigen aber ein paar wichtige Eigenheiten.

a) Artikel haben nur zwei Geschlechter; weibliche und männliche Artikel sind formidentisch:
de Mann / de Man (der Mann)
de Fru / de vrouw (die Frau)
dat (auch: het) Kind (das Kind)

b) Auch die Demonstrativpronomina haben nur zwei Geschlechter; weibliche und männliche Artikel sind formidentisch:
Singular: disse, dit (dieser/diese, dieses, jener/jene, jenes)
Plural: disse/düsse/dese/deze, de/die (diese, jene)

c) Das Kasussystem ist - parallel zum Englischen und den skandinavischen Sprachen - auf drei Fälle vereinfacht, Akkusativ und Dativ sind zum Objektiv vereinigt:
Ik kiek den Mann an (Ich sehe den Mann an, Akkusativ)
Ik geev den Mann Geld (Ich gebe dem Mann Geld, Dativ)

d) Bei den Personalpronomina hat die dritte Person Singular eine andere Wurzel als im Hochdeutschen (he/hij statt er):
Singular: Ik (ich) - du/je (du) - he/hij, se/ze, dat/et, het (er, sie, es)
Plural: Wi/wij (wir) - ji/jullie (ihr) - se/ze (sie)

e) Das Partizip II wird im sächsischen Kernland oft ohne die ge-Form gebildet:
Ik hebb Brod köfft: Ich habe Brot gekauft.
He hett Brod eten: Er hat Brot gegessen.

f) Das Futur wird - anders als im Hochdeutschen und ähnlich wie im Englischen - mit dem Hilfsverb sallen/schallen/zullen (verwandt, aber nicht bedeutungsidentisch mit dem hochdeutschen sollen) gebildet: "Ik schall na School gahn" kann sowohl "Ich werde zur Schule gehen" als auch "Ich soll zur Schule gehen" bedeuten. Tatsächlich bevorzugt das Niederdeutsche aber (wie auch das gesprochene Hochdeutsche) reines Präsens zur Bezeichnung des Futurs ("Ik gah mörgen na School")

Bibliografie:

  • Heinrich Kahl u. a.: Kleines plattdeutsches Wörterbuch, Neumünster 2002
  • Wulf Lammers: Die plattdeutsche Sprache. Ursprung, Entwicklung, Verwandte, Prognose, Wachholtz 1998
  • Rolf Schwippert: Fiete lehrt Plattdüütsch. En Lehrbook för Anfänger, Lütte un anner Lüüd, Husum 2005
  • Dieter Stellmacher: Niederdeutsche Sprache. Eine Einführung. In der Reihe: Germanistische Linguistik. Hrsg. von Hans-Gert-Roloff, Band 26, Bern / Frankfurt a. M. / New York / Paris, 1990
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