Die 50 großen Amerikaner
Der Anfang - Kolonialzeit und Unabhängigkeitskrieg
Am 4. Juli 1776 erklärten sich die britischen Kolonien in Nordamerika selbständig. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung wurde von Thomas Jefferson (1743-1826) verfasst. Seine Schrift "A summary view of the rights of British America" ("Überblick über die Rechte Britisch-Amerikas") machte ihn zum führenden Kopf der Unabhängigkeitsbewegung, so dass ihn der amerikanische Kongress mit der Abfassung der Unabhängigkeitserklärung beauftragte. Jefferson löste die Aufgabe als Jurist, Gelehrter und Politiker mit Bravour. Beginnend mit dem selbstbewussten "We the people" ("Wir, das Volk") enthält die amerikanische Unabhängigkeitserklärung viele Grundsätze, die berühmt und für moderne Staaten grundlegend geworden sind, so die Gleichheit aller Menschen ("all men are created equal" - "alle Menschen sind gleich") und das Recht jedes Einzelnen auf Selbstverwirklichung ("the pursuit of happiness" - "das Streben nach Glück"). Nach dem Unabhängigkeitskrieg diente Jefferson seinem Land unter anderem als Botschafter in Paris 1785-89, als Außenminister im Kabinett Washington, und schließlich als dritter Präsident der Vereinigten Staaten (1801-09). Er gründete die Republikanische (später Demokratische) Partei und die Universität von Virginia.

Benjamin Franklin (1706-1790) machte schon 1754 Vorschläge zu einer politischen Union der nordamerikanischen Kolonien. Er vertrat den jungen Staat in einer wichtigen Phase als Botschafter in Paris 1776 bis 1785 und erreichte französische Hilfe im Krieg gegen England. Ebenso war er federführend beim Frieden von Paris 1783, in dem England die amerikanische Unabhängigkeit endgültig anerkannte. Nach seiner Rückkehr nach Amerika wurde Franklin Gouverneur von Pennsylvania. Franklin hat auch Verdienste in den Naturwissenschaften; er führte elektrische Experimente durch und erfand den Blitzableiter. Als Politiker und Diplomat leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Erlangung der amerikanischen Unabhängigkeit.
Waren Franklin und Jefferson die Köpfe, so war George Washington (1732-1799) der Arm Amerikas. Als der Unabhängigkeitskrieg gegen England ausbrach, wurde George Washington zum Oberbefehlshaber des Kolonialheeres ernannt. Nach seinem Sieg über die britischen Truppen bei Yorktown endete der amerikanische Unabhängigkeitskrieg 1781 mit der britischen Kapitulation. 1789 wurde Washington einstimmig zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Als Präsident vertrat er eine starke Zentralregierung, bemühte sich um Ausgleich mit dem ehemaligen britischen Mutterland und verhielt sich in allen europäischen Konflikten neutral. Dieselbe neutrale Position wahrte er auch im innenpolitischen Streit zwischen der Föderalistischen und Republikanischen (später Demokratischen) Partei. Washington betrachtete das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten als über den Parteien stehend und verlieh ihm Größe und Würde. Schon zu Lebzeiten als Nationalheld verehrt, wurden die Bundeshauptstadt und ein Staat im Nordwesten des Landes nach ihm benannt.
Der aus einer der berühmtesten Familien Neuenglands stammende John Adams (1735-1826) zählte in der Zeit der Amerikanischen Revolution zu den gemäßigten Kongressabgeordneten. Gerade seine moderate Einstellung befähigte ihn für den diplomatischen Dienst. Er war bis 1788 Gesandter in London. 1789 wurde er unter George Washington zum ersten Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten. Nachdem er sich gegen Thomas Jefferson durchgesetzt hatte, wurde er zwischen 1797 und 1801 auch der zweite Präsident der USA. In diesem Zusammenhang ist auch an seine Frau Abigail Smith Adams (1744-1818) zu erinnern, die sich energisch für die Rechte der Frauen einsetzte. Aus einem ihrer Briefe an ihren Mann stammt die berühmte Aufforderung "Remember the ladys!" ("Denkt an die Frauen!"). Sie schrieb: "Wenn die geplante Verfassung der Vereinigten Staaten uns Frauen keine gründliche Aufmerksamkeit schenkt, sind wir zum Aufruhr bereit und halten uns nicht für verpflichtet, uns Gesetzesbestimmungen zu unterwerfen, die uns keine Stimme und keine Vertretung unserer Interessen zusichern." Da sie den Wert der Bildung kannte, verlangte sie den Zugang dazu auch für Mädchen. Auch als First Lady im Weißen Haus nutzte sie ihren Einfluss für die Sache der Frauen.
Bürgerkrieg und Wilder Westen

Im Grunde beging dieser schön gedachte Bürgerstaat der Vereinigten Staaten von Beginn an zwei Todsünden, deren Folgen das Land noch heute zu tragen hat: Die Sklaverei und fortgesetzte Unterdrückung der Schwarzen und die Vertreibung und Ausrottung der amerikanischen Ureinwohner, der Indianer. Eine Gestalt, die wie keine andere Züge des Pioniergeistes des amerikanischen Wilden Westens verkörperte, war William Frederick Cody (1846-1917), besser bekannt als Buffalo Bill. An der aktiven Eroberung des Landes im Westen war er zweifach beteiligt. Als Kavallerieoffizier war er Teilnehmer am Vernichtungskrieg gegen die Indianer. Aber er trieb die Erschließung des Kontinents auch im Zivilberuf voran, als nämlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die großen transkontinentalen Eisenbahnlinien gebaut wurden. Cody war als Versorgungsleiter der Pazifischen Eisenbahn in vorderster Linie dabei. Dort tat er sich auch beim massenhaften Erlegen der amerikanischen Bisons, zugleich einer wichtigen Nahrungsquelle der bekämpften Indianer, hervor und erwarb sich so seinen Beinamen "Buffalo Bill". Unter diesem Namen gelang dem grossen Pionier und Abenteurer noch eine dritte Karriere, die ihn auf der ganzen Welt bekannt machte: Buffalo Bill trat ab 1883 mit seiner grossen Wildwestshow in ganz Amerika und Europa als Jahrmarktattraktion auf und zeigte den Menschen Szenen aus dieser eben erst eroberten Neuen Welt des amerikanischen Wilden Westen.
Eine direkte Gegenfigur zu Leuten vom Schlage des Buffalo Bill kann man in dem Indianerhäuptling Sitting Bull (ca. 1831-1890) erblicken. Wir kennen seinen Namen nur in der Sprache der Eroberer, auf indianisch lautet er "Tatanka Yotanka" ("Sitzender Stier"). Er war der Stammeshäuptling der Sioux, doch überwand er angesichts der gemeinsamen Bedrohung die Stammesgrenzen und verbündete sich mit anderen Häuptlingen. Er wurde so zum überragenden Führer der letzten indianischen Freiheitsbewegung von 1866-76. Sein grosser Triumph war die gewaltige Niederlage, die er 1876 dem berüchtigten US General Custer am Little Big Horn zufügte, als er dessen 200 Mann starkes Kavallerieregiment völlig aufrieb. Nach der Schlacht am Little Big Horn wurde Sitting Bull als Staatsfeind angesehen und lebte bis 1881 im kanadischen Exil, schließlich in einem Indianerreservat in North Dakota. Dort wurde er 1890 bei der Teilnahme an von den Weißen verbotenen kultischen Handlungen erschossen.
Ein Mann, der sich unmittelbar vor Ausbruch des Sezessionskrieges vehement für die Sklavenbefreiung einsetzte, war John Brown (1800-1859). Brown griff für seine Überzeugungen allerdings zu drastischen Mitteln. Er beschränkte sich nämlich nicht darauf, flüchtige Sklaven zu unterstützen, sondern griff die Sklavenhalter als die Urheber des Übels direkt an. John Brown beging zahlreiche Überfälle, Mord- und Terroraktionen gegen die reichen Plantagenbesitzer des Südens. Sein leidenschaftlicher Kampf gegen die Sklaverei war gewaltsam, und er endete auch durch Gewalt. Bei einem Überfall auf ein Waffenarsenal in Harpers Ferry in West Virginia 1859 wurde er von Regierungstruppen umstellt und gefangen genommen. Im Dezember desselben Jahres wurde er zum Tode verurteilt und in Charleston gehängt. Er wurde zu einem romantischen Helden, von ihm und seinem Kampf singt das Volkslied "John Brown's body".

Zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges der Süd- gegen die Nordstaaten übte Abraham Lincoln (1809-1865) das Präsidentenamt aus. Lincoln als strikter Gegner der Sklaverei galt als Symbolfigur des stärker industrialisierten Nordens und war für den unterentwickelten Süden mit seinen großen Plantagen, die von der Sklavenarbeit abhängig waren, eine Reizfigur. Als er 1861 zum Präsidenten gewählt wurde, war das für die Südstaaten der Anlass, sich vom Norden abzuspalten, zumal mit Lincoln in der Sklavenfrage kein Kompromiss möglich war. Der mit den damals modernsten Mitteln geführte amerikanische Bürgerkrieg (Sezessionskrieg, 1861-65) war blutig und verlustreich. 600000 Amerikaner verloren auf beiden Seiten ihr Leben, ganze Landstriche des Südens waren verwüstet. Die Wirtschaft dort war ruiniert, wohingegen sie im Norden kriegsbedingt sogar einen Aufschwung genommen hatte. Lincoln ging jetzt an ein groß angelegtes Wiederaufbauprogramm für den Süden, das auch der nationalen Versöhnung dienen sollte. Der 1864 wieder gewählte Präsident wurde aber am 15. April 1865 von dem Rassenfanatiker John Wilkes Booth in einem Washingtoner Theater erschossen. Lincoln war einer der bis heute am meisten verehrten Präsidenten der Vereinigten Staaten. In Washington D. C. wurde zu seinen Ehren das Lincoln Memorial erbaut.
Weitab von den bewegten Zeiten lebte in Massachussetts die Dichterin Emily Dickinson (1830-1886), mit die bedeutendste Lyrikerin der USA. In völliger Zurückgezogenheit lebte und arbeitete sie, die ihr Elternhaus nie verließ. Vom Puritanismus geprägt, bezog sie ihre Einflüsse aus Shakespeare und John Donne, Henry Vaughan und vor allem aus der Bibel und schuf rund 1200 liedhafte Gedichte, deren Gegenstand Liebe, Verzweiflung, immer wieder auch der Tod und die Sehnsucht danach waren. Zu ihren Lebzeiten erschienen davon lediglich sieben Gedichte, die erste dreibändige Ausgabe ihres Werkes erfolgte erst 1890-96. In ihrer Bedeutung gewürdigt wurde sie so recht erst Mitte des 20. Jahrhunderts.
Der bedeutendste Vertreter der Romantik in der Literatur war Edgar Allan Poe (1809-1849). Seine Lyrik entfaltete große Wirkung auf die französischen Symbolisten. Bekannt sind vor allem die Gedichte "Tamerlane" (1827) und "Der Rabe" (1845). Poes Ruhm beruht jedoch hauptsächlich auf seinen Kurzgeschichten und Kriminalromanen, z. B. "Der Untergang des Hauses Usher" (1839), "Der Doppelmord in der Rue Morgue" (1841) oder "Der entwendete Brief" (1844). Poes längste Erzählung ist "Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym" (1838).
Amerika als große Wirtschaftsmacht
Amerika erlebte gegen Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Schub. Die Industrialisierung schritt sprunghaft fort. Eisenbahnen von Küste zu Küste, Bodenschätze und auch der Reichtum der vielen neuen Menschen bewirkten bei rigoroser und expansiver Wirtschaftspolitik das Entstehen einer großen Wirtschaftsmacht. Riesige Vermögen wurden angehäuft, während auf der anderen Seite breite Bevölkerungsschichten in Armut lebten. Einer der größten amerikanischen Industriellen war John Davison Rockefeller (1839-1938). Ihn machte das Ölgeschäft groß, das für die explodierende Industrialisierung weltweit unerlässlich war. Mit nicht immer einwandfreien Methoden setzte er eine Monopolstellung im Ölgeschäft durch. Sein Standard Oil Trust kontrollierte die gesamte amerikanische Erdölindustrie. John D. Rockefeller war zu einem der mächtigsten Männer Amerikas, ja der ganzen Welt geworden. Er häufte ein riesiges Vermögen an. Auch betätigte er sich als Förderer der Wissenschaft. Er gründete die Universität von Chicago, das Rockefeller Institute for Medical Research und 1913 die noch bestehende Rockefeller Foundation.
Den Aufbau einer ähnlichen Monopolstellung schaffte auch William Randolph Hearst (1863-1951), der Tycoon der Pressewelt. Hearst wurde zusammen mit und in Konkurrenz zu J. Pulitzer Ende des Jahrhunderts durch seine Zeitung "New York Journal" zum Erfinder der Sensationspresse. Hearst baute bis 1910 ein Zeitungs- und Verlagsimperium mit über 40 Blättern auf. Mit seinem Konzern verfügte Hearst über beträchtlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung, den er für eine isolationistische Politik und den publizistischen Kampf gegen den Nationalsozialismus nützte.
Amerikas und vielleicht der Welt größter Erfinder war Thomas Alva Edison (1847-1931). Ungeheuer vielseitig und auch als Unternehmer erfolgreich, machte er gewissermaßen das Erfinden zum Beruf. Er hielt über 2000 Patente. Zu seinen bedeutendsten Entdeckungen zählen das Kohlekörnermikrofon, das telefonische Ferngespräche ermöglicht, der Phonograph, der Vorläufer des Grammophons, die Kohlefadenlampe (Glühbirne), der Kinematograph als erste Laufbildkamera und der dazugehörige perforierte Kinofilm. 1882 baute Edison für New York City das erste öffentliche Elektrizitätswerk der Welt. 1883 entdeckte er den nach ihm benannten glühelektrischen Edisoneffekt, Vorraussetzung zum Bau der Elektronenröhre. Edison unterhielt ab 1876 in Menlo Park eine regelrechte "Erfinderfabrik", in der er mit seinen Mitarbeitern an immer neuen Ideen und Lösungen arbeitete.
Detroit wurde zur Geburtsstadt der amerikanischen Automobilgeschichte, denn dort baute der Maschinist und Ingenieur Henry Ford (1863-1947) schon im Jahre 1892 sein erstes Auto. Vier Jahre darauf verbesserte er es und entwickelte diesen neuen Typen zum berühmten "Modell T", der "Tin Lizzy", weiter. Über 15 Millionen Modell Ts wurden verkauft. Vor allem aber führte Ford 1913 die Fließbandproduktion ein. Dadurch konnte er sein Produkt konkurrenzlos günstig anbieten. Die Ford Motor Company wurde so zu einem der größten Autokonzerne der Welt. Seinen immensen Reichtum nutzte Henry Ford auch zu sozialen Zwecken, er bedachte zahlreiche Stiftungen und gründete selbst die "Ford Foundation".
Das Bild der Welt verändert hat auch der große Architekt Louis Henry Sullivan (1856-1924), denn dieser war ein Pionier des Hochhausbaus.Sullivan verwendete die zukunftsweisende Skelettbauweise, die die große Höhe erst ermöglichte. Es entstanden sensationelle Geschäftshäuser, zunächst noch stufenartig aufgebaut, dann aber zunehmend vom Funktionalismus geprägt, von ganz klaren, vor allem natürlich vertikalen, Linien und Formen. Sullivan hatte durch seine Schriften und durch seinen berühmten Schüler Frank Lloyd Wright großen Einfluss auf die Architektur des 20. Jahrhunderts.
Von 1913-21 war Thomas Woodrow Wilson (1856-1924) der 28. Präsident der Vereinigten Staaten. Seine Politik war liberal und um Reformen bemüht. Im ersten Weltkrieg strebte Präsident Wilson nach Neutralität; durch die bedrohliche Ausweitung des U-Boot-Krieges sah er sich jedoch 1917 zur Kriegserklärung an Deutschland gezwungen. Bei den Friedensverhandlungen in Paris stellte Wilson seinen bedeutenden "14 Punkte"-Plan vor, der in den Reparations- und territorialen Forderungen mäßiger war als der spätere Versailler Vertrag. Auch nach Kriegsende warb Wilson unermüdlich für Frieden und internationale Verständigung. Er setzte sich sehr für die Gründung des Völkerbundes in Genf ein. Dafür wurde ihm der Friedensnobelpreis 1919 verliehen.
Pioniere der Luftfahrt
Pioniere der Luftfahrt waren die Brüder Orville (1871-1948) und Wilbur (1867-1912) Wright. Ihr erster Motorflug mit dem 355 kg schweren "Flyer I" am 17. Dezember 1903 dauerte zwölf Sekunden und trug sie 50 m weit. Ein verbessertes Modell konnte im Folgejahr schon Kurven fliegen, und bereits 1905 waren Flugstrecken bis 45 km möglich. Die Wrights begannen auch, Piloten auszubilden. Mit den von ihnen entwickelten und immer weiter verbesserten Flugzeugen haben sich die Wrights in die Geschichte der internationalen Luftfahrt eingetragen.
Amerikas großer Held der Zwischenkriegszeit war Charles A. Lindbergh (1902-1974), der sich als jugendlicher Flieger 1927 Weltruhm erworben hatte, als ihm der erste Alleinflug über den Atlantischen Ozean von New York nach Paris Le Bourget gelang. In Europa und Amerika frenetisch gefeiert, wurde "Lindy" zu einer Kultfigur. Das war von Nachteil für seine Ehe mit der Diplomatentochter und Schriftstellerin Anne Morrow Lindbergh, die ihn fortan als Partnerin auf vielen seiner Flugreisen begleitete. Aufsehen erregend war die Entführung und Ermordung ihres ersten Kindes, die Geschichte um das "Lindbergh-Baby". Lindbergh als Flugpionier leistete der entstehenden amerikanischen Flugindustrie wichtige Dienste als Berater. Er nutzte seine Kontakte auch dazu, noch vor dem Krieg den Stand des deutschen Flugzeugbaus kennen zu lernen. Es wurden ihm Sympathien für das Dritte Reich unterstellt. Während des Krieges nutzte er seine große Popularität dazu, für eine isolationistische Position zu werben. Auch nach dem Krieg stand er wieder der amerikanischen Luftfahrtindustrie zur Verfügung.
Als weibliches Gegenstück zu Lindbergh galt vielen die amerikanische Fliegerin Amelia Earhart (1898-1937). Sie hatte 1920 ihre Neigung zur Fliegerei entdeckt und erreichte als erste Frau eine Flughöhe von 4200 Metern. Jedoch brachten nicht Höhenrekorde, sondern allein Fernflüge Ruhm ein. Im Juni 1928 überquerte daher Earhart zusammen mit zwei männlichen Piloten den Atlantik in Ost-West-Richtung, also entgegen Lindberghs Route, und wiederholte diese Leistung 1932 im Alleinflug. Die nunmehr berühmte Fliegerin heiratete den Verleger und gerissenen Geschäftsmann George Palmer Putnam. Dieser organisierte 1937 für sie mit großem Medienrummel einen Flug um die Welt, den er vermarkten wollte. Genau am amerikanischen Unabhängigkeitstag sollte sie in die Staaten zurückkehren. Jedoch einen Tag vorher, am 3. Juli 1937, ging ihre Lockheed-Elektra über dem Pazifik verloren. Der Funkkontakt brach ab, obwohl mehrere Schiffe und alle Radiostationen des Raumes in Bereitschaft waren. Eine der größten Suchaktionen der Geschichte blieb erfolglos.
Die Zeit des Zweiten Weltkrieges
Als ganz Europa langsam aber sicher im Rassenwahn versank, bemühte sich die amerikanische Anthropologin Ruth Benedict (1887-1948), neue Wege zur Erklärung menschlicher Kultur zu finden. Durch eine enge Zusammenarbeit der Völkerkunde mit Psychologie und Soziologie stellte sie ihr Fach in neue Zusammenhänge und wollte so auch zur Völkerverständigung und zum Frieden auf der Welt beitragen. Dazu unternahm die New Yorkerin ausgedehnte Forschungsreisen zur Untersuchung verschiedener Indianerkulturen. Ihre Ergebnisse fasste sie in den Werken "Zuny mythology" und vor allem "Urformen der Kultur" zusammen. Ihre Studie "Die Rassenfrage in Wirtschaft und Politik" ist eine überzeugende Widerlegung der Rassentheorie. Ruth Benedict gilt als Begründerin der modernen amerikanischen Anthropologie. Nach dem Krieg erhielt sie eine Professur an der New Yorker Columbia-Universität.
Auf seine Art kämpfte auch der Leichtathleth Jesse Owens (1913-1980) gegen den Rassismus. 1935 konnte er innerhalb einer Stunde vier verschiedene Weltrekorde brechen. Sein größter Triumph wurden die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. In der Hauptstadt des rassistischen Deutschen Reiches, in der Hitler die Überlegenheit des Germanentums auch im Sport erweisen wollte, gewann der sympathische schwarze Rennläufer vier Goldmedaillen. Er siegte über 100 m und 200 m, im Weitsprung und in der 4×100 m-Staffel. Seine insgesamt 11 Weltrekorde hatten teilweise über zwei Jahrzehnte Bestand, bei der enormen Entwicklung in der Leichtathlethik eine ungeheure Leistung.
Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden die Geschicke der USA von Präsident Franklin Delano Roosevelt (1882-1945) geleitet. Nach ersten politischen Erfolgen zog er sich 1921 wegen Kinderlähmung aus der Politik zurück. Trotz dieser Krankheit gelang dem ehrgeizigen Politiker ein Come-back. 1932 wurde er zum Präsidenten gewählt. Seine Politik des "New Deal" bedeutete eine Abkehr vom bisherigen Wirtschaftsliberalismus hin zum Sozialstaat. Außenpolitisch wandte sich Roosevelt vom bisher gepflegten amerikanischen Isolationismus ab und verbesserte die Beziehungen zu Lateinamerika und der Sowjetunion. Schon 1937/38 schätzte er die vom nationalsozialistischen Deutschland ausgehende Gefahr für den Weltfrieden richtig ein und unterstützte ab 1939 über das von der offiziell neutralen Haltung Amerikas erlaubte Maß hinaus Großbrittanien und Frankreich mit Waffen. 1941 legte Roosevelt mit Churchill zusammen in der Atlantik-Charta die Grundzüge einer gemeinsamen Nachkriegspolitik fest, wie sie in den späteren alliierten Konferenzen mit Stalin bestätigt wurden. Roosevelt hatte in der Kriegszeit eine solche Autorität, dass man ihn entgegen der sonstigen Beschränkung auf zwei Amtszeiten 1940 und 1944 noch ein drittes und viertes Mal zum Präsidenten wählte. Er starb am 12. April 1945 kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Seine Gemahlin Eleanor Roosevelt (1884-1962), eine Nichte Präsident Theodore Roosevelts, hatte als demokratische Politikerin selbst großen Anteil an der Politik des "New Deal". Sie engagierte sich insbesondere in der sozialen und der Frauenfrage. Vor ihrer politischen Karriere war sie als Lehrerin und Journalistin tätig. 1905 heiratete sie Franklin D. Roosevelt, mit dem sie eine von beiderseitigen Affären geprägte und vom Interesse an der gemeinsamen Sache getragene Ehe führte. Sie nützte ihre Popularität als elegante First Lady für ihre Arbeit in sozialen und Frauenorganisationen. Nach dem Krieg war sie von 1946-52 Amerikas Vertreterin bei den Vereinten Nationen; von 1947-1951 leitete sie die UN-Menschenrechtskommission.
1943 übernahm der deutschstämmige Physikprofessor Julius Robert Oppenheimer (1904-1967) das neugegründete amerikanische Kernforschungszentrum in Los Alamos in der Wüste von New Mexico. Oppenheimer war Experte für Quantentheorie und Kernphysik. Das prädestinierte ihn zum Leiter des so genannten "Manhattan Project", wie die streng geheim gehaltene Entwicklung der Atombombe mit Codenamen hieß. Die Versuche waren erfolgreich, und 1945 warfen die USA über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki Atombomben ab. Bei Oppenheimer stellten sich tief gehende ethische Zweifel betreffend die Atombombe ein. Als Vorsitzender der Atomkommission stimmte er daher 1949 auch gegen den Bau der Wasserstoffbombe. Wegen seiner Haltung geriet er in einem zunehmend vom Kalten Krieg geprägten Amerika in den Verdacht, Kommunist zu sein und musste sich daher 1953 vor der McCarthy-Kommission verantworten. Seitdem war er als politisch unzuverlässig von Geheimprojekten ausgeschlossen. Erst 1963 rehabilitierte ihn J. F. Kennedy. Bis zu seiner politischen Kaltstellung hatte Oppenheimer eine Schlüsselstellung in der Kernenergiebranche mit Einfluss auf die amerikanische Sicherheitspolitik inne; er blieb der wohl berühmteste Wissenschaftler auf diesem Gebiet.
Europa und speziell die westdeutsche Bundesrepublik Deutschland sind einem amerikanischen Militär zu tiefem Dank verpflichtet, George C. Marshall (1880-1959). Marshall galt schon seit dem Ersten Weltkrieg als strategisches Talent. Im Zweiten Weltkrieg Chef des amerikanischen Generalstabes, entwickelte er ab 1947 als Außenminister den nach ihm benannten Marshallplan zum Wiederaufbau der Wirtschaft in den vom Krieg zerstörten Ländern Europas. Davon profitierten 14 westeuropäische Länder, die damit auch gegen die sowjetische Einflusssphäre gestärkt werden sollten. Der Marshallplan war der Bundesrepublik Deutschland eine wertvolle Hilfe in dem Prozess, der als deutsches "Wirtschaftswunder" bekannt werden sollte.
Wie kein Zweiter amerikanischer Politiker verkörpert Henry A. Kissinger (geb. 1923) die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Als deutscher Jude in Fürth geboren, wanderte er 1938 mit seinen Eltern in die USA aus, konnte studieren und war ab 1952 Dozent an der renommierten Harvard University. Er diente in der ganzen Zeit des Kalten Krieges von Eisenhower an allen Präsidenten als Sicherheitsberater und unerlässlicher Experte. Er beförderte, besonders in seiner späteren Position als amerikanischer Außenminister, die Entspannungspolitik, als deren maßgeblicher Architekt er gilt. Er ermöglichte eine Annäherung an China und die Sowjetunion und beendete den Vietnamkrieg, der für sein Land zum Trauma geworden war. Auch im Nahen Osten wirkte Kissinger für den Frieden. 1973 erhielt er für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis.
Showbusiness und Filmindustrie
In Los Angeles in Hollywood entwickelte sich ab 1913 das Mekka der amerikanischen Filmindustrie. Einer ihrer größten Produzenten war Samuel Goldwyn (1884-1974). Er erkannte frühzeitig die Chancen des neuen Mediums und war bereit, darin zu investieren. 1913 gründete er seine erste Filmgesellschaft, 1924 die Metro Goldwyn Mayer, neben Paramount und 20th Century Fox einer der drei Branchenriesen im amerikanischen wie internationalen Filmgeschäft. Samuel Goldwyn wurde 89 Jahre alt; er hat die Geschichte des Films von Anfang an erlebt und von der kommerziellen Seite her entscheidend mitgeprägt.
Der große Charlie Chaplin hatte in Amerika einen traurigen Bruder im Geiste, den Komiker, Schauspieler und Regisseur Buster Keaton (eigentlich Joseph Francis Keaton, 1896-1966). Er fing als Zirkusartist an und war schon ab 1912 beim Film. Mit seinem traurigen Charme, dem Ernst und der Würde, die er in den widrigsten Situationen zu wahren suchte, füllte er zahlreiche Stummfilmkomödien, z. B. "Sherlock Holmes jr." (1924), "Buster Keaton, der Cowboy" (1925), "Der Killer von Alabama" und "Der General" (1926). Buster Keaton hat seine große Zeit, die Stummfilmära, noch um Jahrzehnte überlebt.
Die Welt der Comics und des Zeichentrickfilms prägte der Karikaturist und Reklamemaler Walt Disney (1901-1966). Ab 1922 befasste er sich mit der Möglichkeit, auch diesen gezeichneten Bildern das Laufen zu lernen und entwickelte so den Zeichentrickfilm. 1926 entstand die bekannteste Comicfigur der Welt "Mickey Mouse". Um diese Gestalt herum gruppierten sich bald weitere Charaktere, so vor allem der von Carl Barks erfundene "Donald Duck", "Goofy", die "Minnie Mouse" und der steinreiche Geizhals "Onkel Dagobert". Diesen ersten Trickfilmen folgten bald abendfüllende Spielfilme, z. B. "Schneewittchen und die sieben Zwerge" (1937), "Pinocchio" (1940), "Bambi" (1941), "Alice im Wunderland" (1951) und 1955 "Susi und Strolch". Weitere Welterfolge ließen ein Zeichentrickimperium entstehen. 1955 eröffnete zudem in Anaheim/Kalifornien der erste Disney-Vergnügungspark "Disneyland", in dem man die weltbekannten Figuren auch in der dritten Dimension erleben kann. Disney wurde inzwischen zu einem weltweit agierenden Unterhaltungskonzern.
Die bekannteste Schauspielerin Amerikas ist Marylin Monroe (Norma Jean Baker, 1926-1962). Sie begann als Aktmodell und Pin-up-girl, bevor sie zum Film kam. Sexkomödien wie "Wie angelt man sich einen Millionär?", "Blondinen bevorzugt" (beide 1952), "Das verflixte 7. Jahr" (1955) oder "Manche mögen’s heiß" (1959) machten sie zum Superstar. Berühmt war auch ihr Privatleben; ihre Ehen mit dem Boxstar Joe DiMaggio und dem Schriftsteller Arthur Miller, ihre Affäre mit Präsident J. F. Kennedy. Man sah in ihr nur das zwar sympathische, aber etwas dümmliche blonde Sexsymbol. Gehaltvollere Rollen, in der sie als Schauspielerin mehr hätte zeigen können, wurden ihr nicht gegeben. Eine Ausnahme bildete "Nicht gesellschaftsfähig" (1960), ein ernsthafter Stoff nach Arthur Millers Drehbuch, für den sich das Publikum jedoch nicht interessierte. Monroe kam mit ihrem immensen Erfolg und der nur auf Sex reduzierten Wahrnehmung ihrer Person nicht mehr zurecht und nahm sich 1962 das Leben.
Der unkompliziert energische Held des Abenteuer- und Wildwestfilms war Gary Cooper (1901-1961). In seinen vielen Filmen, von denen viele Welterfolge wurden, verkörperte er den aufrichtigen amerikanischen Mann, so in dem Drama aus dem Spanischen Bürgerkrieg "Wem die Stunde schlägt" (1943) nach Hemingway, dem Western "Zwölf Uhr mittags" (1952) mit Grace Kelly, oder "Vera Cruz" (1954).
Aus einer irischen Familie stammte Grace Kelly (1929-1985), die mit Ehrgeiz und Disziplin eine große Schauspielerinnenkarriere machte. Zunächst am Broadway, wurde sie eine bekannte Filmschauspielerin mit Welterfolgen wie "Zwölf Uhr mittags" (1952), "Über den Dächern von Nizza" (1955) und "Die oberen Zehntausend" (1956). Bei den Dreharbeiten zu "Über den Dächern von Nizza" hatte sie Fürst Rainier III. (1923-2005) von Monaco kennen gelernt, den sie 1956 heiratete. Als nunmehrige Fürstin Gracia Patricia war sie bis zu ihrem Unfalltod Fürstin von Monaco.
Musik
All that Jazz: Als eine Spielart der schwarzen amerikanischen Musik entwickelte sich noch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts der Ragtime. Der Name bezieht sich auf den zerrissenen Rhythmus. Zum bedeutendsten Vertreter dieses Musikstils wurde der schwarze Pianist und Komponist Scott Joplin (1868-1917). Sein bekanntestes Klavierstück ist der weltberühmte "Maple Leaf Rag" von 1899.
Große Verdienste um den Jazz erwarb sich auch die Sängerin und Tänzerin Josephine Baker (1906-1975), die ihn über Paris in ganz Europa heimisch machte. Nach ersten Erfolgen am Broadway wurde die neunzehnjährige schwarze Künstlerin 1925 in Paris zum gefeierten Star. Vor allem mit ihrem Bananentanz machte sie Furore. In Paris betrieb sie auch ihren eigenen Nachtklub "Chez Josephine". Im Zweiten Weltkrieg schloss sie sich der französischen Résistance an. Nach dem Krieg adoptierte sie eine große Zahl Waisenkinder aller Hautfarben, mit denen sie auf ihrem französischen Schloss lebte. In den 70er Jahren erlebte sie ein großes Come-back.
Aus dem New Orleans-Jazz der 20er Jahre kam der größte Trompeter aller Zeiten, Louis Armstrong (1900-1971), auch "Satchmo" genannt. Armstrong gründete eigene Bands und spielte von Anfang an auch Platten ein. Ab 1935 wandte er sich der Swingmusik zu, die er mit dem Dixie seiner südlichen Heimat verschmolz. Mit seiner Trompete und seiner rauchigen Stimme wurde er weltbekannt. Nicht nur seine exzellente Technik und sein musikalischer Ideenreichtum, sondern auch sein Humor und seine warmherzige Ausstrahlung machten den Trompeter zum Publikumsliebling.
Das bekannteste Orchester des Swing stellte Glenn Miller (1904-1944) mit seiner 1937 gegründeten Bigband auf. Miller begann als Posaunist in verschiedenen Orchestern, bevor er sich 1937 mit seiner eigenen Bigband selbständig machte. Er kreierte einen eigenen, nach ihm benannten Sound. Bei Kriegseintritt der USA stellte sich Miller seinem Land zur Verfügung und spielte statt der Tanzmusik als Leiter einer Armeeband nun Militärmärsche. Im Dezember 1944 verlor der gefeierte Bandleader bei einem Flugzeugabsturz über dem Ärmelkanal sein Leben.
George Gershwin (1898-1937), Komponist jüdischer Abstammung aus New York, verband die klassische Musik mit dem Jazz und eroberte mit diesem "sinfonischen Jazz" die ganze Welt. Sein bekanntestes Werk ist die "Rhapsody in blue". Berühmt ist auch das f-Moll-Konzert für Klavier in demselben Stil. Ein Welterfolg wurde auch "Ein Amerikaner in Paris" (1928) und vor allem seine große Oper "Porgy and Bess" (1935), zu der sein Bruder Ira den Text schrieb.
Aus diesem Spannungsfeld zwischen klassischer und moderner amerikanischer Musik lebt auch das Werk von Leonard Bernstein (1918-1992). Als weltbekannter Dirigent arbeitete Bernstein mit Orchestern in allen Erdteilen und war bis zu seinem Tode einer der ganz Großen der internationalen Konzertwelt. Neben diesen großen Leistungen komponierte Bernstein noch Sinfonien, Kammermusik, Ballett- und Filmmusiken und das weltbekannte New Yorker Straßenmusical "West Side Story" (1957).
Die Stimme Amerikas in der Unterhaltungsmusik war "The Voice" Frank Sinatra (1915-1998), der in einer jahrzehntelangen Karriere in Amerika und weltweit zum Inbegriff des amerikanischen Showbusiness wurde. Seine große Popularität ließ ihn stets im Rampenlicht stehen. Seine Ehen (unter anderem mit Ava Gardner 1951-64 und Mia Farrow 1966-68) wurden viel besprochen. Er war einer der Hofsänger der Kennedy-Ära. Sinatra machte sich aber auch als Schauspieler einen Namen, etwa in "Verdammt in alle Ewigkeit" (1953) oder "Der Mann mit dem goldenen Arm" (1960). Sinatra stand auch in den 80er und 90er Jahren noch auf der Bühne und verkörperte selbst, was er sang: "I did it my way".
Die Sängerin der Gospels, der religiösen Lieder der amerikanischen Schwarzen, war Mahalia Jackson (1911-1972). Sie stellte ihre große Begabung bewusst allein in den Dienst Gottes und beschränkte sich ausdrücklich auf die Gospels. Auf ausgedehnten Konzerttourneen warb sie mit ihrem vom Blues geprägten, bisweilen in die Nähe des Jazz vorrückenden Interpretationsstil dieser Gesangsform weltweit eine große Fangemeinde.
Eine Weiterentwicklung des schwarzen amerikanischen Rhythm and Blues ist der Rock'n Roll. Von einem meist jugendlichen begeisterten Publikum getragen, war diese Musik auch ein Stück Protest gegen die bisherige Unterhaltungsmusik und die ältere Generation. Zu seinem größten Star wurde der aus den Südstaaten stammende Sänger und Gitarrist Elvis Presley (1935-1977). Er hatte mit seinen kreisenden Beckenbewegungen (Spottname "Elvis the pelvis" - "Elvis, das Becken") einen speziellen Tanzstil entwickelt und war für seine junge weltweite Fangemeinde schlicht der "King". Seine Schallplatten brachen alle Verkaufsrekorde, und neben seinen erfolgreichen Konzertauftritten versuchte er sich auch als Schauspieler. In den 70er Jahren erlebte der bereits von Fresssucht, Alkohol- und Tablettenmissbrauch gezeichnete Superstar ein glanzvolles Come-back, bevor er 1977 mit nur 42 Jahren starb. Elvis Presley war einer der ersten und unbestritten auch der größten Popstars.
Malerei
Pop art ist eine angloamerikanische Kunstrichtung, die seit den 50er und 60er Jahren auf die Vermassung der Welt durch Industrieprodukte und Massenmedien reagiert. Sie stellt Gegenstände des von Konsum und Werbung geprägten alltäglichen Lebens in grellen Farben bewusst plakativ dar. Einer ihrer führenden Vertreter war Andy Warhol (1927-1998), dessen New Yorker Atelier, die "Fabrik" genannt, ein Zentrum der Pop art-Bewegung wurde. Warhol arbeitete gerne mit dem Prinzip der Reihung und Wiederholung, zu seinen bekanntesten Bildern gehören Siebdruckserien mit Allerweltsartikeln wie Campbell-Suppendosen oder dem Bildnis von Marylin Monroe. Als Filmemacher schuf er mit Laiendarstellern und beauftragten Regisseuren über 80 Filme.
Literatur
Die Vertreter des "Jazz Age", so die amerikanische Bezeichnung für die 20er Jahre, in der Literatur waren das ebenso glamouröse wie elende Ehepaar Francis Scott Fitzgerald (1896-1940) und seine Frau Zelda. Als einer der Hauptvertreter der "lost generation" schildert Fitzgerald in seinen Erzählungen und großen Romanen "Diese Seite des Paradieses" (1920), "Der große Gatsby" (1925) und "Zärtlich ist die Nacht" (1934) das hektische und mondäne Leben der 20er Jahre, wie er und seine Frau es in all seinen Höhen und Tiefen kennen gelernt und als gefeiertes Traumpaar auch vorgelebt hatten. Zelda Fitzgerald litt stets darunter, ihr Talent dem ihres Mannes untergeordnet und nichts aus sich gemacht zu haben. Ein Versuch, als Tänzerin Fuß zu fassen, scheiterte. Sie hatte Depressionen und große seelische Probleme. Aber auch F. Scott Fitzgerald blieb nicht der gefeierte Schriftsteller. Gegen Ende seines vom Alkohol zerstörten Lebens arbeitete er verarmt als Drehbuchschreiber für Hollywoods Traumfabriken. Der Roman "Der letzte Tycoon" blieb unvollendet.
Die "lost generation" der amerikanischen Literatur fand sich in den 20er und 30er Jahren in einer großen Künstlerkolonie in Paris wieder. Eine der großen Gastgeberinnen dieses immens produktiven Kreises war die amerikanische Schritstellerin Gertrude Stein (1874-1946). Von klein auf in einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus mit Kunst, vor allem der Malerei, vertraut, trat sie auf literarischem Feld hervor. In Werken wie "The Making of Americans" (1906-08) und "Drei Leben" (1909) entwickelte sie eine beispielgebende moderne Experimentierprosa, deren äußere Kennzeichen und Stilmittel die Absenz von Interpunktion und formelhafte Wiederholungen sind. Geschichte machte ihr Satz "A rose is a rose is a rose is a rose" - "Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose". Im Grunde war ihr umfassendes Werk eine von den Zeitgenossen lange unverstandene Sprachrevolution. Sie befreite die Sprache von den Banden der Tradition und machte sie offen für das neue Jahrhundert.
Stein erreichte ihre Wirkung jedoch vor allem mit ihrem zusammen mit Alice B. Toklas geführten berühmten Salon, der über und über mit Bildern der modernen Maler des Fauvismus und Kubismus geschmückt war. Dort scharte sie allsamstaglich die Avantgarde der Bildenden Kunst und Literatur um sich. Sie entdeckte den jungen Picasso und übte großen Einfluss auf die jungen amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway, John Dos Passos, Francis Scott Fitzgerald und Sherwood Anderson aus, für die sie die Bezeichnung der "lost generation" erfand. In ihrer "Autobiographie von Alice B. Toklas" (1933) stellte sie ihr exzentrisches Leben aus der Sicht ihrer Lebensgefährtin Alice B. Toklas dar. Diese ebenfalls hoch gebildete Frau blieb stets und auch noch Jahrzehnte nach Steins Tod bewusst in ihrem Schatten. Sie trat so hinter einem Werk zurück, das in oft nicht erkanntem Maße auch das ihre war.
Der bekannteste amerikanische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts dürfte wohl Ernest Hemingway (1899-1961) sein. Er führte von Jugend an ein Abenteurerleben, das ihn in den Ersten Weltkrieg ebenso wie auf Seiten der internationalen Freiwilligenverbände in den Spanischen Bürgerkrieg führte. Dazwischen war er wie viele andere seiner "lost generation" ein Amerikaner in Paris. Krieg nutzte er als Erkenntnismittel, und so nahm er an der alliierten Landung in Frankreich am Ende des Zweiten Weltkriegs teil. Krieg war für ihn ebenso Herausforderung wie der Stierkampf, die Großwildjagd oder die Hochseefischerei. Über all diese Erlebnisbereiche schrieb er in realistischem, knappen, aber gerade deswegen sehr eindrucksvollem Stil Geschichten und Romane, in denen es nicht nur um sein eigenes, sondern vielmehr um ein überindividuelles machtvoll gestaltetes Männerleben ging. "Fiesta" (1926), "In einem anderen Land" (1929), "Wem die Stunde schlägt" (1940), "Der Schnee vom Kilimandscharo" (1948) und "Der alte Mann und das Meer" (1952) wurden teilweise auch verfilmte Welterfolge. 1954 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Als Hemingway wegen Krankheit sein Leben nicht mehr in der gewohnten aktiven Weise führen konnte, nahm er es sich.
Eine Amerikanerin in der Welt war auch die Schriftstellerin Pearl S. Buck (1892-1973). Sie wuchs als Tochter eines Missionars in China auf, studierte in den USA und kehrte als Frau eines Missionars nach China zurück. In Nanking lehrte sie von 1922-32 als Professorin englische Literatur. Ab 1935 lebte sie wieder in den Staaten und betrieb eine Farm in Pennsylvania. Aber das Reich der Mitte war das große Thema ihres Lebens und so beschrieb sie es in ihren zahlreichen Romanen. Für "Die gute Erde" (1931) erhielt Pearl S. Buck 1932 den Pulitzer- und 1938 den Nobelpreis für Literatur.
Paris als Anlaufstelle für amerikanische Künstler spielte auch für Henry Miller (1891-1980) eine wichtige Rolle, denn dort erlebte der New Yorker, gefördert von seiner Geliebten Anaïs Nin, mit "Wendekreis des Krebses" (1934) ersten Erfolg. Auch seine weiteren Werke "Wendekreis des Steinbocks" (1939), "Schwarzer Frühling" (1934), die Romantrilogie aus "Sexus", "Plexus" und "Nexus" (1945-1957) sowie "Stille Tage in Clichy" (1966) erregten in ihrer Vitalität und Aggressivität und der provozierend freien Darstellung sexueller Themen ebenso Bewunderung wie Empörung. Die bewusst schockierenden Elemente seiner Romane und Erzählungen, die sich stilistisch zwischen Realismus und Surrealismus bewegen, bedeuteten eine Abkehr vom puritanischen amerikanischen Moralbegriff. Millers Modernität machte ihn zu einem Vorbild für die Beat Generation und die Hippies und gewährte seinen teilweise verbotenen Romanen begeisterte Aufnahme in den Siebzigern.
New frontiers - Aufbruch in eine neue Zivilisation
Am 20. Januar 1961 trat John Fitzgerald Kennedy (1917-1963) sein Amt als 35. Präsident der Vereinigten Staaten an. Er verkörperte den Aufbruch zu neuen Grenzen, den "new frontiers", von denen in seiner berühmten Ansprache zu Amtsantritt die Rede war. Seine neue und bisweilen visionäre Politik fand bei der jungen Generation, den Intellektuellen und Künstlern begeisterte Zustimmung, weniger jedoch im konservativen Kongress, den viele von Kennedys Reformen in der Sozial- und Bildungspolitik und den Bürgerrechten nicht passierten. Sein ehrgeiziges Weltraumprogramm jedoch wurde akzeptiert. Im Kalten Krieg mit der Sowjetunion vertrat Kennedy eine vorsichtige Entspannung bei Wahrung der beiderseitigen Interessen. Er reagierte entschieden, als die Sowjetunion 1962 auf Kuba, sozusagen vor der amerikanischen Haustür, Atomraketen stationierte. Die Kubakrise endete mit dem sowjetischen Einlenken. In der Berlinkrise bei der Errichtung der Berliner Mauer im Sommer 1961 allerdings akzeptierte Kennedy trotz seiner "Ich bin ein Berliner!"-Rede die sowjetische Einflusssphäre. Kennedy wollte den wirtschaftlichen Imperialismus der USA gegenüber Lateinamerika durch ein partnerschaftliches Verhältnis ablösen und erkannte auch in Abweichung von der bisherigen amerikanischen Politik die Bestrebungen der Länder der Dritten Welt nach Neutralität gegenüber den beiden Supermächten an. Dennoch geht der Vietnamkrieg auf seine Regierungszeit zurück. Der junge Präsident war sehr beliebt und erweckte weltweite Hoffnungen. Seine Ermordung auf einer Wagenfahrt in Dallas/Texas am 22. November 1963 löste daher weltweit Schock und Trauer aus.
Die 50er und 60er Jahre waren auch Jahre des Kampfes um die Bürgerrechte, um ein gleichberechtigtes Zusammenleben der Weißen und der Schwarzen in den USA. Der Vorkämpfer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung war Dr. Martin Luther King (1929-1968). Der Baptistenpfarrer gründete verschiedene Organisationen, um mit friedlichen Mitteln gegen den Rassismus zu kämpfen. Nach dem Vorbild Gandhis forderte King zu gewaltlosem Widerstand auf und wurde dafür mehrfach inhaftiert. Zentrum seines Kampfes waren die Städte des amerikanischen Südens, in denen die schwarze Bevölkerung besonders unter den Rassentrennungsgesetzen und Diskriminierung zu leiden hatte. Martin Luther King war auch ein begabter Redner, der auf unzähligen Veranstaltungen für seine Sache und für mehr Verständnis warb. Die politische Durchsetzung der Forderungen der Bürgerrechtler wurde in der Kennedy-Ära in Angriff genommen, stieß aber im Kongress auf Hindernisse. Es kam zu Rassenunruhen und zu einer Reihe von Attentatsversuchen auf King. Einem davon fiel er schließlich im April 1968 in Memphis zum Opfer.
Ausdruck einerseits des Kalten Krieges, der zwischen den USA und der Sowjetunion auch ideell um die Vorherrschaft in der Welt geführt wurde, andererseits des in der Kennedy-Ära gefeierten amerikanischen Traums war ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm mit dem Ziel, auf dem Mond zu landen. Dies gelang am 20. Juli 1969 mit dem Raumschiff Apollo 11. Neil Alden Armstrong (geb. 1930) setzte zusammen mit E. A. Aldrin mit einer Mondfähre auf dem Mond auf und war der erste Mensch, der ihn betrat.
Bibliografie:
- J. Baker: Ausgerechnet Bananen, 1976
- A. Böhm: Die Amerikaner, 2004
- Chronik Handbuch Amerika, 1998
- J. Heideking, C. Mauch: Die amerikanischen Präsidenten, 2004
- J. Milton: Die Lindberghs. Eine Biographie, 1995
- R. Stendhal (Hrsg.): Gertrude Stein: Ein Leben in Bildern und Texten, 1989
- F. T. Zumbach: Edgar Allan Poe, 1999









0 Kommentare