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THEMEN

Die 50 großen Deutschen

Frühes und Hohes Mittelalter

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Heinrich I.

Als das im Grunde nationenübergreifende karolingische Kaisertum auf deutschem Boden erlosch, wechselte im deutschen Reichsteil die Dynastie. Zum König wurde Heinrich I. (um 875936), der Herzog von Sachsen gewählt. Er musste sich zunächst gegen die Bayern und Schwaben durchsetzen. Das zwischen Deutschland und Frankreich umstrittene Herzogtum Lothringen konnte er 925 für das Reich gewinnen. Von ständigen Ungarneinfällen bedroht kaufte Heinrich das Reich 926 durch Tributzahlungen auf einige Jahre frei, die er zur Aufrüstung und zum Krieg gegen die verschiedenen slawischen Stämme jenseits der Saale und Elbe nutzte. Damals wurden die späteren Länder Sachsen und Brandenburg von den Slawen erobert und durch Burgen wie Merseburg und Meißen und die neuen Bistümer im Osten kontrolliert. Als Heinrich genügend aufgerüstet hatte, kündigte er den Ungarntribut und konnte 933 das ungarische Heer bei Riade schlagen. Die ständige Gefahr durch die Ungarnzüge war damit einstweilen gebannt.

Sein Sohn Otto I. (912973) erhielt schon von den Zeitgenossen den Beinamen "der Große". Seine Krönungszeremonie 936 in Aachen war besonders prunkvoll und lehnte sich bewusst an die alte karolingische Tradition an. Otto musste sein Königtum zuerst gegen die mächtigen Herzöge von Franken, Lothringen und Bayern durchsetzen. Er setzte in den Herzogtümern bevorzugt Familienangehörige ein. Nachdem diese Familienpolitik aber nicht vor Aufständen schützte, bei denen sich vor allem sein jüngerer Bruder Heinrich, der Herzog von Bayern, hervortat, schuf Otto I. das so genannte "Ottonische Reichskirchensystem", indem er den Bischöfen reiche Privilegien verlieh und sich so eine Schicht staatstragender Geistlicher in führenden Positionen schuf. Ein Beispiel eines solchen verlässlichen Kirchenfürsten war vor allem sein Bruder Brun, der Erzbischof von Köln. Die deutsche Kirche war seit dieser Zeit aufs Engste mit dem König- und Kaisertum verbunden, was später im Kampf zwischen Kaiser und Papst zu Schwierigkeiten führte.

Otto I. führte die Ostpolitik seines Vaters fort und wie dieser Krieg gegen die Elbslawen. Er erreichte die Erhebung seiner Lieblingsstadt Magdeburg zum Erzbistum als Zentrum des eroberten Gebietes. 955 errang Otto I. in der Lechfeldschlacht bei Augsburg einen triumphalen Sieg über ein großes ungarisches Heer. Seither hatte er einen leuchtenden Ruf als Feldherr und Retter der Christenheit. Er war nun endgültig reif für die Kaiserkrone, für die er zwei Italienzüge unternahm. Auf dem ersten 951/952 befreite er die Witwe König Lothars von Italien, Adelheid. Durch seine Heirat mit ihr erwarb er auch die langobardische Königskrone, die für die Herrschaft in Italien stand. 962 erlangte er dann in Rom die Kaiserkrönung. Das byzantinische Kaisertum beobachtete den Aufstieg des Deutschen zum Kaisertum mit Argwohn. Otto I. verbesserte die Beziehungen, indem er seinen Sohn Otto II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu vermählte.

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Königin Adelheid

Seine zweite Frau, die Kaiserin Adelheid (um 931999), erwies sich nach Ottos I. Tod als eine fähige Politikerin. Sie sicherte im Verein mit ihrer Schwiegertochter Theophanu ihrem erst dreijährigen Enkel Otto III. die Krone. Als Theophanu überraschend im Jahr 991 starb, übernahm Adelheid sogar alleine die Regentschaft. Dabei konnte sie sich auf den Erzkanzler des Reiches, Erzbischof Willigis von Mainz, stützen. Die unsicheren Verhältnisse im Reich wurden inzwischen von den Elbslawen zu Aufständen genutzt, so dass zeitweise das ganze von den Ottonen eroberte Land im Osten wieder verloren ging. Adelheid hatte von Jugend an in Burgund, Italien und Deutschland immer mit hoher Politik zu tun gehabt und großen Einfluss ausgeübt. Dennoch zog sie sich, nachdem sie mit der Mündigkeit ihres Enkels auch ihre letzte Mission erfüllt hatte, von der Macht zurück. Sie trat in ihre Stiftung Kloster Selz im Elsass ein. Dort wurde ihr Grab verehrt. 1097 wurde sie heiliggesprochen.

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Friedrich I. Barbarossa

Von den mittelalterlichen Kaisern und Königen ist Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) durch sein Fortleben in der Kyffhäusersage der bekannteste. Zudem gibt es in ganz Deutschland Spuren seines intensiv betriebenen Burgenbaus. Seine Regierungszeit war von zwei grundlegenden Auseinandersetzungen geprägt: dem staufisch-welfischen Gegensatz und dem Kampf des Kaisertums gegen die päpstlichen Vorherrschaftsansprüche.

Friedrich war Staufer, über seine Mutter Judith jedoch auch den Welfen verwandt. Mit der Rückgabe des Herzogtums Bayern an seinen welfischen Vetter Heinrich den Löwen gelang der Ausgleich zwischen den beiden rivalisierenden Geschlechtern. Nach dem Vertrag von Konstanz 1153 mit Papst Eugen III. konnte sich Friedrich auch 1155 in Rom zum Kaiser krönen lassen. Jedoch kam es 1157 zu einem Eklat, als der kaiserliche Kanzler das Papstwort "beneficium" (Wohltat) mit "Lehen" übersetzte. Lehensmann des Papstes wollte der Kaiser keinesfalls sein! Auf mehreren Italienzügen unterwarf Barbarossa die mit dem Papst verbündeten Städte der Lombardei und Rom, bis er 1168 wegen einer Malariaseuche im Heer zum Rückzug gezwungen wurde.

Zum Zerwürfnis mit Heinrich dem Löwen kam es, als dieser den Kaiser auf einem weiteren italienischen Feldzug nicht mehr unterstützte. Der Kaiser entzog Heinrich dem Löwen seine Lehen; Heinrich musste nach England ins Exil gehen. Auch mit dem Papsttum kam es zu neuem Streit: Entgegen dem Willen von Papst Alexander III. vermählte Barbarossa seinen Sohn Heinrich VI. mit Konstanze, der Erbin des Königreiches Sizilien. Damit wurde dem deutschen Königtum bei traditionell starkem Einfluss auf Norditalien auch die Kontrolle von ganz Süditalien möglich. Als Kaiser auch einer der Führer der Christenheit, nahm Barbarossa auch am 3. Kreuzzug teil. Er ertrank 1190 bei einem Bad im Fluss Saleph.

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Friedrich II., Enkel von Friedrich I. Barbarossa

Ein Europäer auf dem Kaiserthron war der Barbarossaenkel Friedrich II. (11941250). Er war von Geburt an deutscher und sizilischer König, zum Kaisertum berufen. Da er beim Tod seines Vaters Heinrichs VI. jedoch noch unmündig war, war er zunächst der Spielball fremder Mächte. Papst Innozenz III. als sein Vormund setzte ihn in Deutschland als Gegenkönig zum welfischen König Otto IV. ein, gegen den sich der jugendliche Staufer auch durchsetzen konnte, da viele deutsche Fürsten zu ihm überliefen.

1220 krönte ihn der Papst gegen ein Kreuzzugsversprechen zum Kaiser. Zunächst war ihm aber sein Lieblingsreich Sizilien wichtiger, das er zu einem modernen zentralistischen Staat mit gut funktionierender Verwaltung ausbaute. Süditalien, Schmelztiegel der europäischen und arabischen Kultur, erlebte eine Hochblüte. Friedrich war selbst hoch gebildet, beherrschte mehrere Sprachen und verfasste mit seinem Falkenbuch eine wissenschaftlich bedeutende Anleitung zur Falknerei. Auch Aufstände der lombardischen Städte unter Führung Mailands nahmen den Kaiser in Anspruch, so dass er den versprochenen Kreuzzug immer wieder verschob. Dem Papsttum bot das den Anlass, den Kaiser zu bannen. Als Friedrich 1228/29 dann wirklich ins Heilige Land zog, einigte er sich mit dem Sultan Al Kamil und gewann so die Stadt Jerusalem und die dortige Königskrone ohne Krieg. Wegen erneuten Kämpfen mit den traditionell dem Papst verbundenen lombardischen Städten wurde der Kaiser wieder gebannt.

Der Streit zwischen Kaiser und Papst um die Vorherrschaft in der Welt wurde unter Friedrich II. mit besonderer Schärfe geführt. Beiderseitige Propaganda verteufelte jeweils die Gegenseite. Bei seinem Tod verfiel das Reich. Der Glanz dieser staufischen Epoche wurde nicht wieder erreicht.

Während die meisten althochdeutschen Sprachzeugnisse anonym überliefert sind, kennen wir den Schöpfer einer großen deutschen Bibeldichtung. Es ist Otfrid von Weißenburg (ca. 800871). Otfrid war Schüler des berühmten Hrabanus Maurus und lebte nach dieser sehr guten Ausbildung als Mönch und Lehrer im elsässischen Kloster Weißenburg. Sein Evangelienbuch "Krist" verbindet die vier Evangelien zu einer fünfteiligen Geschichte des Lebens Jesu Christi. In den Text schob Otfrid immer wieder Betrachtungen und Kommentare ein, mit denen er sich offenbar an ein Laienpublikum wandte, das er in christlichem Sinne bessern wollte. Das Besondere an Otfrids Werk ist zum einen die Tatsache, dass er es ganz in der deutschen und nicht der lateinischen Sprache schrieb, und dass er statt des alten germanischen Stabreimes erstmals den Endreim verwendete.

Meister Eckhart (um 12601328) gilt neben seinen Schülern Johannes Tauler und Heinrich Seuse als einer der bedeutendsten Mystiker. Als Seelsorger, Lehrer und Oberer des Dominikanerordens entfaltete er mit seinen Predigten große Wirkung, von denen über 200 erhalten sind. Die Ausstrahlung seiner Gedanken war auch deswegen so groß, weil Eckhart sie in deutscher Sprache formulierte. Seine ausdrucksstarken und wortgewaltigen Texte zählen zur Spitze der deutschsprachigen Mystik. Eckhart studierte in Paris Theologie und machte eine Karriere im Dominikanerorden. Er war Provinzial der neugegründeten Ordensprovinz Saxonia. Allerdings musste er sich nach 1326 gegen den Vorwurf der Häresie verteidigen, den der Erzbischof von Köln auf Grund seiner Schriften gegen Eckhart erhob. Der Häresieverdacht brachte Eckhart mehrere Inquisitionsverfahren ein, während dessen letztem an der päpstlichen Kurie in Avignon er starb.

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Hartmann von Aue

Der schwäbische Adlige Hartmann von Aue (ca. 11601210) übertrug die alte britische Artuslegende, wie sie in Frankreich modern geworden war, mit eigenen, auf französischen Vorlagen beruhenden Werken ins Deutsche. Diese ersten mittelhochdeutschen Artusromane sind "Erec" (um 1190) und "Iwein" (um 1200). Sie lehnen sich an die entsprechenden Romane des französischen Epikers Chrétien de Troyes an. Beide schildern den Weg der Helden über eine Fehlentwicklung hin zum richtigen Verhalten eines Artusritters. Ferner stammen von Hartmann die höfische Verslegende "Der arme Heinrich", in der ein Ritter von einer opferbereiten Jungfrau gerettet wird, sowie die Inzestlegende "Gregorius", zudem eine Minnelehre in Form eines Streitgespräches zwischen Seele und Körper und einige Minne- und Kreuzzugslieder. Hartmann war für die deutsche Literatur der Wegbereiter der höfischen Dichtung und des klassischen Ritterideals.

Neben Hartmann von Aue und Gottfried von Straßburg (ca. 11801215), dem Schöpfer des deutschen "Tristan", von dem nichts näheres bekannt ist, ist Wolfram von Eschenbach der dritte große Epiker der deutschen Literatur des hohen Mittelalters. Er stammte aus verarmtem fränkischen Kleinadel und zog daher als fahrender Sänger umher. Ähnlich wie bei Gottfried von Straßburg ist auch über sein Leben nur weniges, und das auch nur aus Einzelstellen in seiner Dichtung, bekannt. Demnach wissen wir, dass Wolfram über eine gute Kenntnis der französischen höfischen Literatur wie der Werke seiner deutschen Kollegen verfügte, und sich in höfischer ebenso wie in der Heldenepik auskannte. Zu seinem Wirkungsgebiet zählten Franken und Thüringen, das Main-Odenwald-Gebiet mit der Wildenburg ebenso wie der Hof des thüringischen Landgrafen Hermann I. Zeitweilig lebte Wolfram in der Steiermark und kehrte gegen Ende seines Lebens wohl wieder nach Eschenbach zurück. Wolframs Hauptwerk ist der riesige Versroman "Parzival" (ca. 12001210), in dem er in 16 Büchern die Entwicklung des "tumben Toren" Parzival beschreibt. Vorlage war auch hier ein unvollendeter französischer Gralsroman Chrétiens de Troyes. Ebenfalls auf ein französisches Vorbild geht das Heldenepos "Willehalm" (1212-1217) zurück. Wolfram bearbeitet darin den Gegensatz zwischen Christen- und Heidentum, den er aber zu Gunsten eines höheren Gottes- und Menschenbegriffes auflöst. Das Fragment "Titurel" greift die Geschichte zweier Nebenfiguren aus dem "Parzival" wieder auf und thematisiert an ihnen Konflikte von Ritterschaft und Minne. Wolfram verfasste auch Minne- und Tagelieder.

  1. Frühes und Hohes Mittelalter
  2. Spätes Mittelalter
  3. Barock und Klassik
  4. Das 19. Jahrhundert
  5. Revolution und Weimarer Republik
  6. Das Dritte Reich
  7. Film
  8. Die Bundesrepublik Deutschland

Bibliografie:

  • A. Andree: Die Knef, 2000
  • M. Gräfin Dönhoff: Die neue Mittwochsgesellschaft, 2000
  • R. Friedenthal: Goethe, 1999
  • R. Friedenthal: Luther, 2000
  • H. Hamm-Brücher: Erinnern für die Zukunft, 2001
  • H. Hamm-Brücher: Freiheit ist mehr als ein Wort, 1996
  • Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Ludwig Erhard und seine Politik, 1999
  • H. Knef: Der geschenkte Gaul, 2002
  • A. Schwarzer: Man wird nicht als als Frau geboren, 2000
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