Die Baugeschichte des Kölner Doms
Chronik
Im hohen Mittelalter war Köln die einflussreiche Metropole einer großen Kirchenprovinz. 1164 hatte Kaiser Barbarossa die vermeintlichen Gebeine der Heiligen Drei Könige durch Erzbischof Rainald von Dassel von Mailand nach Köln bringen lassen. Kurze Zeit später, 1181, begann Nikolaus von Verdun für die Gebeine einen Reliquienschrein, den so genannten Dreikönigenschrein, zu fertigen. Damit wurde Köln ein überaus beliebter Wallfahrtsort und der Wunsch nach einem neuen, größeren und prächtigeren Kirchenbau anstelle des alten Doms, dessen Weihe 870 war, wurde immer lauter.

Die französische Hochgotik schien der geeignete Baustil für das hochtrabende Projekt zu sein. Ende 1247, Anfang 1248, beschloss das Domkapitel den Neubau eines größeren Kirchenbaus über dem Dreikönigenschrein. Am 13. April 1248 folgte ein Vertrag zur Finanzierung. Vom "Zehnt", dem Vorläufer unserer Kirchensteuer, konnte das immense Bauvorhaben nicht verwirklicht werden. Der mittelalterliche Glaube, man könne sich durch entsprechende Zahlungen von seinen Sünden freikaufen, veranlasste die reichen Kölner Bürger allerdings, Unsummen in die Kirchenkasse zu zahlen. Kurz nach dem Finanzierungsvertrag, am 30. April 1248, brannte der alte Dom, wie Zeitzeugen erklärten, bis auf die Mauern ab. Unsachgemäß ausgeführte Abbrucharbeiten oder Brandstiftung waren die Ursache. Der Westteil wurde provisorisch wieder hergestellt und blieb bis zur Weihe des neuen Chors 1322 und zum Teil noch bis ins 15. Jahrhundert in Benutzung.
Am 15. August 1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238-1261) den Grundstein für den neuen gotischen Dom. Das Domkapitel berief Meister Gerhard als Architekten. Er ist von 1257 bis 1271 als Dombaumeister und Leiter der Bauhütte bezeugt. Ihm folgten Meister Arnold (1271-1308) und dessen Sohn Johann (1308-1331). 1322, zur feierlichen Weihe des Ostchores, waren die Arbeiten zum großen Teil abgeschlossen: der Dreikönigenschrein und die Gebeine der im Alten Dom beigesetzten Erzbischöfe wurden in den neuen Chor überführt. Die Chorausstattung (Glasgemälde, Chorpfeilerfiguren, Chorgestühl, Chorschranken und Hochaltar) war fertig. Nach Westen schloss man den Chor provisorisch durch eine Wand, die danach lange Zeit Bestand haben sollte.
Nach dem Bau des Chors gingen die Arbeiten nur schleppend weiter. Man begann mit dem Ausbau des Querschiffes und der Westfassade durch den mit der Bildhauerfamilie Parler verwandten Meister Michael. Es entstanden bis 1388 Teile des Querschiffes und um 1400 zwei Geschosse des Südturms. Im 15. Jahrhundert sind folgende Dombaumeister bezeugt: Nikolaus von Bueren (1424-1445), Konrad Kuyn (1445-1469) und Johann von Frankenberg (seit 1469). 1437 wurde mit der 11 Tonnen schweren Glocke Pretiosa das Geläut im Südturm, der bis dahin 58m hoch war, aufgenommen. Danach wurden alle Arbeiten an dieser Stelle eingestellt. Der 25m hohe Kran auf dem Turm gehörte jahrhundertelang, bis 1868, als Wahrzeichen Kölns zur Stadtsilhouette. Auch der Nordturm blieb in den Anfängen stecken. Das Langhaus wurde bis zu den Gewölbeanfängen gebaut, nur in den beiden nördlichen Seitenschiffen konnten um 1500 sieben Joche überwölbt werden.
1560 wurden wegen der Pest und aus Geldmangel alle Bauarbeiten am Dom eingestellt, die unfertigen Teile mit Holzdecken provisorisch abgedeckt und die Dombauhütte geschlossen. Im 18. Jahrhundert gab es einige Reparatur- und Verschönerungsversuche, die aber einen Verlust des mittelalterlichen Bestandes bedeuteten. So ließ z.B. Erzbischof Clemens August die Holzabdeckungen des Lang- und Querhauses 1748 bis 1751 durch hölzerne Scheingewölbe ersetzen. Wandmalereien und Steine wurden weiß übermalt und das Innere im Barockstil restauriert.
1794 zogen die französischen Revolutionstruppen in Köln ein. Sie verboten den Gottesdienst im Dom und nutzten ihn als Korn- und Fouragemagazin. Im Winter 1797/98 wurde die gesamte hölzerne Ausstattung des Lang- und Querhauses durch Kriegsgefangene verheizt. Schließlich wurde das Erzbistum Köln 1801 aufgelöst, der Sitz des Bistums nach Aachen verlegt und der Dom, der einst die größte Kathedrale der Welt werden sollte, zur Pfarrkirche degradiert. Erst 1821, nachdem Köln preußisch geworden war, wurde das Erzbistum wieder eingesetzt.
Zur gleichen Zeit, Anfang des 19. Jahrhunderts, besann man sich in romantischer Verklärung auf das Mittelalter und auf den "deutschen Stil", für den man die Gotik hielt. Der unvollendete Kölner Dom rückte wieder in den Mittelpunkt von Überlegungen zur Weiterführung und Restaurierung. Maßgeblich daran beteiligt war der Kölner Kaufmannssohn Sulpiz Boisserée, der 1808 mit einigen Helfern begann, das Fragment zu vermessen und zeichnerisch festzuhalten. Er wandte sich zunächst schriftlich, dann persönlich an Johann Wolfgang von Goethe, um ihn für die Idee einer Restaurierung und den Weiterbau zu begeistern, was ihm schließlich auch gelang. 1814 fand man auf dem Speicher des Gasthofs "Zur Traube" in Darmstadt und zwei Jahre später in Paris die Originalrisse für die Westfassade des Doms.
1823 wurde die Dombauhütte nach 263 Jahren wieder eingesetzt; man begann mit Wiederherstellungsarbeiten am Chor. 1833 schickte Karl-Friedrich Schinkel als oberster preußischer Baubeamter Ernst Friedrich Zwirner als Dombaumeister nach Köln. Zusammen entwickelten sie Pläne für den Ausbau des Doms. 1841 gründeten Kölner Bürger den Zentral-Dombauverein. Er trug einen Großteil der Kosten für den Weiterbau des Domes, den anderen Teil brachte das Königreich Preußen auf. Am 4. September 1842 legten Erzbischof-Koadjutor Johannes von Geissel (1841-1864) und Friedrich Wilhelm IV. gemeinsam den ersten Stein zum Weiterbau. Weitere Gelder flossen aus der 1864 gegründeten Dombau-Lotterie, deren Verein noch heute existiert.

Bis zu Zwirners Tod 1861 war das Querschiff vollendet und das Langhaus bis zum Gewölbeansatz ausgeführt; 1863 konnte endlich die Mauer von 1322 vor dem Chor abgebrochen und die Westfassade mit den beiden Türmen ausgebaut werden. Der Domausbau war inzwischen zum nationalen Prestigeobjekt geworden.
Die Weihe am 15. Oktober 1880 in Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. bestand jedoch gleich aus mehreren Affronts. Das Herrscherpaar ging zunächst zum evangelischen Dankgottesdienst, das Domkapitel boykottierte daraufhin alle Feierlichkeiten außerhalb des Domes und Wilhelm I. nahm sich für die Besichtigung kaum Zeit. Eine Würdigung des Bauwerkes schien auszubleiben, obwohl der Dom mit seinen über 157 m hohen Türmen damals nicht nur das höchste Bauwerk der Welt, sondern auch eine der größten Kirchen der Christenheit (144 m Länge, 45 m Breite, 43 m Innenhöhe und 75 m Länge der Querschiffe) war.
Aber der Dom stand nur wenige Jahre vollständig und unversehrt. Schon ab 1904/05 musste das gesamte Strebewerk wegen schwerer Verwitterungsschäden erneuert werden. Im Zweiten Weltkrieg richteten Fliegerbomben am Dom erhebliche Schäden an. Nach dem Krieg erhielt Dombaumeister Willy Weyres den Auftrag, bis zum Jubiläumsjahr 1948 den Chor wieder nutzbar zu machen, der gesamte Innenraum konnte erst 1956 der Gemeinde übergeben werden.
Aber die Bauarbeiten gingen und gehen ständig weiter. Witterungsschäden und Schadstoffe der Luft, vor allem das Schwefeldioxid, das sich mit Niederschlägen zu saurem Regen, zu Schwefelsäure verbindet, zerfressen das Gestein. Wie im Mittelalter übernimmt auch heute eine ständige Dombauhütte mit circa 75 Mitarbeitern und mehreren Vertragsfirmen die Restaurierung der zerstörten Bauteile.
Ab 1999 wird die Hütte erstmals von einer Frau geleitet. Jedes Jahr werden mittlerweile 150 Tonnen Domgestein ausgewechselt und Tausende Dübel erneuert, die die schweren Steinquader verankern. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Im Kölner Volksmund heißt es: "Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter". Aber die jahrhundertelangen Anstrengungen um den Dombau haben sich insofern gelohnt, als dass die UNESCO den Kölner Dom 1996 zum Weltkulturerbe erklärte.
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- Baubeschreibung
Bibliografie:
- Ute Kaltwasser, Csaba P. Rakoczy: Der Kölner Dom zu Fuß, Köln 2001
- Markus Klein (Hrsg.): Der Kölner Dom. Ein literarischer Führer, Frankfurt/Main 1998
- Erich Läufer (Hrsg.): Gottes Gotisches Haus am Rhein. 750 Jahre Kölner Dom. Ein Lesebuch, Köln 1998
- Thomas Schumacher: Großbaustelle Kölner Dom. Technik des 19. Jahrhunderts bei der Vollendung einer gotischen Kathedrale, Köln 1993
- Marc Steinmann: Der Kölner Dom. Die Vollendung der Gotik, Bad Homburg v.d. Höhe 2008









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