Die Champions League
Die Geschichte des Wettbewerbs
Die Erfindung des Europapokals der Landesmeister wird zwei Personen zuschrieben: Zum einen dem französischen Sportjournalisten Gabriel Hanot, seines Zeichens Fußball-Chefredakteur der angesehenen Sport-Tageszeitung "L'equipe", zum anderen dem in den 1950er Jahren höchst einflussreichen Spiele-Vermittler Julius Ukrainczyk. Einen Vorläufer hatte der Europapokal der Landesmeister, für den schließlich im September 1955 der Startschuss fiel, im sog. Mitropa-Cup, um den zwischen 1927 und 1940 die Spitzenklubs aus Ungarn, Österreich, Italien und der Tschechoslowakei kämpften.
Im Dezember 1954 veröffentlichte Hanot in seiner Zeitung den Plan einer Art Europa-Liga der Klubs. Die Meister der jeweiligen Länder sollten in Hin- und Rückspielen die stärkste Mannschaft des Kontinents ermitteln. Die Europäische Fußball-Union, die UEFA, griff diesen Plan auf und rief den Europapokal der Landesmeister ins Leben.
Zunächst war der Europapokal eine alleinige Domäne von Real Madrid. Der königliche Klub aus Spaniens Hauptstadt - mit glanzvollen Namen wie Alfredo Di Stefano, Francisco Gento sowie später Ferenc Puskas und Raymond Kopa - blieb zwischen 1956 und 1960 in den Endspielen ungeschlagen. Gleich das erste Finale, das Real am 13. Juni 1956 in Paris nach zweimaligem Rückstand nur mit Mühe 4:3 gegen Frankreichs Meister Stade Reims gewann, machte den Fußballfans Appetit auf diesen neuen Wettbewerb. Der Europapokal verschaffte den Klubs willkommene Zusatzeinnahmen zu einer Zeit, da internationale Spiele noch eine Seltenheit waren, und garantierte den übertragenden Fernsehanstalten an den Mittwoch-Abenden hohe Einschaltquoten. Den vorerst letzten Sieg feierte Real am 18. Mai 1960 in Glasgow mit einem 7:3 gegen den Deutschen Meister Eintracht Frankfurt, der als erster deutscher Klub ein Europacup-Endspiel erreicht hatte.
Die 1960er Jahre begannen mit zwei Erfolgen von Benfica Lissabon mit ihrem Stürmerstar Eusebio. Dann begann die Ära der italienischen Klubs AC und Internationale Mailand. Milan gewann 1963 und 1969, Inter - das sich vor allem auf seine starke Deckung mit den Verteidigern Tarcisio Burgnich und Giacinto Facchetti verlassen konnte - siegte 1964 und 1965. Real gewann noch einmal 1966 gegen Partizan Belgrad, dann trugen sich andere Namen in die Siegerliste ein: Celtic Glasgow (1967) - als erster Klub Großbritanniens - sowie Manchester United (1968), wo Trainer Matt Busby zehn Jahre nach dem Flugzeugabsturz von München am 5. Februar 1958, bei dem fast alle Spieler der damals glanzvollen Mannschaft ums Leben gekommen waren, ein neues Team um Bobby Charlton und George Best formiert hatte.
Der Sieg von Feyenoord Rotterdam 1970 markierte in den 1970er Jahren den Aufstieg des niederländischen Klubfußballs. Von 1971 bis 1973 blieb der Meisterpokal dreimal in Folge in den Händen von Ajax Amsterdam mit Stars wie Ruud Krol, Johan Neeskens, Arie Haan, Johan Cruyff und Piet Keizer. Der Nachfolger von Ajax, der FC Bayern München, schaffte ebenfalls einen Hattrick. Beim ersten Griff nach dem Titel waren die Bayern allerdings vom Glück begünstigt: Im Finale am 15. Mai 1974 in Brüssel führte Atletico Madrid in der Verlängerung mit 1:0, als wenige Sekunden vor Schluss Vorstopper Hans-Georg Schwarzenbeck mit einem "Sonntagsschuss" aus 30 Metern Entfernung den Ausgleich erzielte. Das Wiederholungsspiel zwei Tage später gewannen die erstarkten Bayern durch jeweils zwei Tore von Uli Hoeneß und Gerd Müller mit 4:0. 1975, 2:0 gegen Leeds United, und 1976, 1:0 gegen AS St. Etienne, ließen die Bayern zwei weitere Triumphe folgen, in der Saison 1976/77 war dann im Viertelfinale Schluss.
Zwischen 1977 und 1982 blieb der Pokal in englischer Hand. 1977 bezwang der FC Liverpool im Finale in Rom Borussia Mönchengladbach 3:1, ein Jahr später gelang in London gegen den FC Brügge ein 1:0. In den folgenden zwei Jahren beherrschte Nottingham Forest den Wettbewerb. Ihr ergebnisorientierter, fast destruktiver Stil reichte für Siege gegen Malmö FF (1979 in München) und gegen den Hamburger SV (1980 in Madrid), obwohl die Hamburger als Favorit galten, nachdem sie im Halbfinale Real Madrid mit 0:2 und 5:1 aus dem Rennen geworfen hatten. 1981 gewann der FC Liverpool 1:0 gegen Real Madrid, ein Jahre später zeigte Aston Villa - das Team aus Birmingham - dem FC Bayern seine Grenzen auf und gewann am 25. Mai 1982 in Rotterdam mit 1:0.
Mit dem Standardergebnis von 1:0 endete auch das Finale am 25. Mai 1983 in Athen. Der Sieger hieß überraschend Hamburger SV, der durch ein Tor von Felix Magath den hohen Favoriten Juventus Turin bezwingen konnte. Die Nachfolge des HSV trat der FC Liverpool an, der 1984 das Finale gegen den AS Rom nach 1:1 in der Verlängerung erstmals durch Elfmeterschießen gewann. Das Endspiel am 29. Mai 1985 zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin wurde zur größten Tragödie in der Geschichte dieses Wettbewerbs. Bei Ausschreitungen vorwiegend britischer Fans kamen vor Spielbeginn im Brüsseler Heysel-Stadion 38 Menschen ums Leben, fast 400 Zuschauer erlitten teilweise schwere Verletzungen. Das Finale wurde dennoch angepfiffen und durch Michel Platini mit seinem Tor zum 1:0 für die Italiener entschieden. Als Reaktion auf die Brüsseler Ereignisse schloss die UEFA alle englischen Vereine für fünf Jahre von den europäischen Fußballwettbewerben aus.
In der ersten Europacup-Saison ohne englische Klubs gewann 1986 mit Steaua Bukarest (im Elfmeterschießen gegen den FC Barcelona) erstmals eine osteuropäische Mannschaft den Wettbewerb. Ein Jahr später führte der FC Bayern München im Finale von Wien am 21. Mai 1987 gegen den FC Porto bis zwölf Minuten vor Schluss mit 1:0, ehe die Portugiesen innerhalb von zwei Minuten die Münchener aus allen Träumen rissen und 2:1 gewannen. Die folgenden Sieger hießen PSV Eindhoven und AC Mailand, der 1990 - dank der niederländischen "Gastarbeiter" Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard - nach einem Jahrzehnt wechselnder Sieger seinen Titel behaupten konnte. Roter Stern Belgrad (Crvena Zvesda) gewann in der Saison 1990/91 letztmals den Wettbwerb im reinen K.o.-System. Der FC Barcelona errang den Titel in der Saison 1991/92 erstmals unter einem geänderten Spielmodus (Gruppenspiele nach den ersten beiden Runden).
Mit der Saison 1992/93 wurde der Wettbwerb in UEFA Champions League umbenannt. Die Sieger hießen Olympique Marseille (1993), AC Mailand (1994), Ajax Amsterdam (1995) und Juventus Turin (1996). Am 28. Mai 1997 gewann erstmals in der Vereinsgeschichte Borussia Dortmund den Titel durch ein 3:1 gegen Juventus Turin im Münchener Olympiastadion. Die Tore erzielten Karlheinz Riedle (zweimal) und der damalige Jungstar Lars Ricken. Am 20. Mai 1998 ging für den königlichen Klub Real Madrid ein Traum in Erfüllung: Mit dem 1:0 im Finale über Juventus Turin wurde zum siebten Mal in der Vereinsgeschichte, erstmals seit 1966 wieder, die höchste Trophäe im europäischen Vereinsfußball in die spanische Hauptstadt geholt. Im Jahr 2000 wiederholten die Spanier den Triumph. Im Jahr dazwischen, am 26. Mai 1999, erlebten die Zuschauer in Barcelona und Millionen an den Fernsehschirmen eines der dramatischsten Finale in der Geschichte dieses an Sensationen nicht eben armen Wettbewerbs. In der Nachspielzeit entriss Manchester United durch Tore von Teddy Sheringham und Ole Gunnar Solskjaer dem FC Bayern, der seit der 6. Minute durch einen Freistoß von Mario Basler geführt hatte, noch den Sieg. Ein Jahr später, am 23. Mai 2001, stand der FC Bayern erneut im Finale, diesmal gegen den FC Valencia. Auch dieses Spiel war an Spannung kaum zu überbieten: Beim Stand von 1:1 nach der regulären Spielzeit und torloser Verlängerung musste das Elfmeterschießen entscheiden. Trotz zweimaligen Rückstands konnten die Bayern das Ruder herumreißen: Drei Spanier scheiterten an der hervorragenden Leistung von Torhüter Oliver Kahn; die Begegnung endete beim Stand von 5:4 für den FC Bayern München.
Während am 15. Mai 2002 Real Madrid den europäischen Fußballthron bestieg, musste sich Bayer Leverkusen zum dritten Mal innerhalb von nur zehn Tagen mit einem undankbaren zweiten Platz begnügen. Die 1:2-Niederlage gegen Real Madrid beendete Leverkusens letzte Hoffnung auf einen Titelgewinn in der Saison 2001/2002. Im Jahr 2003 holte sich der AC Mailand im "italienischen" Champions-League-Endspiel gegen Juventus Turin zum sechsten Mal den Titel der Landesmeister (3:2 im Elfmeterschießen). 2004 besiegte der FC Porto in einem wenig spektakulären Finale den AS Monaco verdient mit 3:0. In einem der besten und packendsten Endspiele in der Geschichte des Fußball-Europapokals konnte 2005 der FC Liverpool nach einer unglaublichen Aufholjagd den AC Mailand im Elfmeterschießen bezwingen und wurde zum fünften Mal Champions-League-Sieger. Barcelona gewann durch ein 2:1 gegen Arsenal London die Champions League der Saison 2005/2006. 2007 konnte Milan zum siebten Mal den Titel erringen. Im Mai 2008 besiegte Manchester United den FC Chelsea mit 6:5 im Elfmeterschießen. Manchester konnte damit zum dritten Mal nach 1968 und 1999 den Titel der besten Vereinsmannschaft Europas erringen. 2009 besiegte der FC Barcelona den Titelverteidiger Manchester United mit 2:0. Dass Inter im Mai 2010 die wichtigste Trophäe im internationalen Fußball erstmals seit 1965 nach Mailand mitnehmen durfte, hatte das Team von José Mourinho in erster Linie dem überragenden Torjäger Diego Milito zu verdanken. Mit seinen beiden Toren zerstörte er Bayerns Traum vom Dreifacherfolg!
- Die Geschichte des Wettbewerbs
- Champions-League-Finale 2011
- Der Spielmodus
- Die Trophäe der Champions League
- Endspiele im Europapokal der Landesmeister bzw. Champions League
- Erfolgreichste Vereine in den europäischen Fußball-Pokalwettbewerben 1956-2011
Bibliografie:
- Ulrich Hesse-Lichtenberger: Flutlicht und Schatten. Die Geschichte des Europapokals, Göttingen 2005
- kicker Fußball-Jahrbuch 2011/2012, München 2011
- Pat Lauer, Gerald Drews: Fußball-Experte. Alles rund ums Leder, Bindlach 2006
- Hardy Grüne: Weltfußball Europa & Asien, Göttingen 2007
- Thomas Roth: Fußball Europa-Elf, München 2008
Institution(en):
- Union of European Football AssociationChemin de la Redoute 54
Case postale 85
CH-1260 Nyon 2+41/22/9944444+41/22/9944488









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