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THEMEN

Die Entzifferung der Hieroglyphen

Was sind Hieroglyphen?

Das herausragende Merkmal der ägyptischen Schrift ist ihre Bildhaftigkeit, die ihr stets einen hohen künstlerischen Wert zukommen lässt. Die fast magisch anmutenden Zeichen, die eine Form von Piktogrammen besitzen, wurden daher schon von den Griechen ehrfürchtig als etwas Heiliges bestaunt und vom Geschichtsschreiber Herodot im 5. Jahrhundert vor Christus als „Hieroglyphen“, was im Griechischen so viel wie „heilige Zeichen“ heißt, benannt.

Für die Ägypter selbst hatten die Hieroglyphen nicht ausschließlich eine heilige Bedeutung. Zwar verwendeten sie ihre Schrift überwiegend in Tempeln, auf Gräbern, Denkmälern und anderen besonderen Orten, aber auch im täglichen Leben - besonders in der Verwaltung und zur Aufzeichnung historischer Ereignisse - wurden die Zeichen benutzt. Allerdings besitzen wir von diesen profanen Schriftbeispielen nur wenige Zeugnisse, da diese auf Holz geritzt oder auf Papyrus geschrieben wurden und folglich den Lauf der Zeit nicht so gut überstehen konnten wie die Hieroglyphen auf den steinenen Denkmälern.

Die Hieroglyphen entwickelten sich ca. 3000 v. Chr. Geschrieben wurden sie in der Regel in waagerechten Zeilen von rechts nach links, die Symbole alle zum Zeilenanfang hin ausgerichtet. Es existieren jedoch auch Hieroyglyphen in senkrechten Reihen, die aufgrund ästhetischer Gesichtspunkte so aufgezeichnet wurden. Bereits ab 2500 v. Chr. erfuhren die Hieroglyphen jedoch schon teilweise eine Vereinfachung: Kursive, abgeschliffene Zeichen bildeten eine leichter und schneller zu schreibende Gebrauchs- oder Schreibschrift, die überwiegend auf Papyrus mit Tinte geschrieben und in der Verwaltung des Staates, in Briefen oder in literarischen Texten eingesetzt wurde. Diese so genannte hieratische Schrift („Priesterschrift“) stand im Gegensatz zu den eingeritzten „heiligen Zeichen“ auf den steinernen Denkmälern.

Seit ca. 700 v. Chr. verwendeten die Ägypter eine nochmals vereinfachte Schriftform: Die so genannte demotische Schrift („Volksschrift“ - diese Bezeichnung stammte wiederum von Herodot) besaß flüchtige, fast an Stenographie erinnernde Zeichen, die ihren Bildcharakter weiter verloren hatten. Das Demotische diente als alltägliche Gebrauchsschrift, wurde allerdings nicht im religiösen Bereich verwendet. Hier lebte weiterhin die Hieroglyphenschrift fort. In den Tempeln entwickelte sie sich immer mehr zu einer Geheimschrift der Priester mit künstlich verkomplizierten Zeichen.

Allen Schriften liegt aber das gleiche Prinzip zugrunde, nämlich die Einteilung in drei Arten von Symbolen, die Wörter ergeben:
Bild- oder Begriffszeichen (Ideogramme) geben mithilfe einer bildlichen Darstellung konkrete Dinge (z. B. Flöte, weinen) oder abstrakte Begriffe und Handlungen (z.B. Alter, herrschen) direkt wieder.
Lautzeichen (Phonogramme) sind zwar ebenfalls bildhaft, stellen aber nur einen oder mehrere - insgesamt bis zu drei - Konsonanten dar.
Deutzeichen (Determinative) besitzen keinen phonetischen Wert. Sie stehen neben anderen Symbolen, um diese bestimmten Begriffsbereichen (z. B. „Tiere“, „Nahrung“) zuzuordnen, wenn mehrere Bedeutungen möglich sind.

Die überwiegende Anzahl der Wörter wurde durch eine Kombination von Begriffszeichen und Lautzeichen geschrieben. Wie in der heutigen arabischen oder hebräischen Schrift war die Hieroglyphenschrift eine reine Konsonantenschrift. Es gab also keine Vokale, was später, als das Altägyptische ausgestorben war, zu Übersetzungsproblemen bzw. Ausspracheproblemen führte, weil beispielsweise eine Darstellung der Konsonantenfolge wie „stb“ sowohl „Staub“ als auch „Stab“ hätte bedeuten können.

Die Aussprache:

Da die Hieroglyphen ohne Vokale geschrieben wurden, ist die Rekonstruktion der Aussprache (dieser toten Sprache) äußerst kompliziert. Ägyptologen waren daher übereingekommen, bei der Aussprache von Pharaonennamen Vokale einzufügen, die sie indirekt erschlossen hatten. So schufen sie eine Art künstliches Altägyptisch, das jedoch mit der tatsächlich im antiken Äygypten gesprochenen Sprache wenig zu tun haben dürfte. Inzwischen wird versucht, mithilfe der koptischen Sprache, die eine Vielzahl von altägyptischen Wörtern übernommen hat, die Aussprache der altägyptischen Sprache zu rekonstruieren. Danach dürfte „Nofretete“ ursprünglich „Nafteta“ ausgesprochen worden sein, und „Echnaton“ „Achanjati“.

  1. Was sind Hieroglyphen?
  2. Die Entzifferung
  3. Jean-François Champollion: ein Leben für die Wissenschaft

Bibliografie:

  • Lesley Adkins, Roy Adkins: Der Code der Pharaonen. Der dramatische Wettlauf um die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen, Bergisch-Gladbach 2002
  • Maria C. Betro: Heilige Zeichen. 580 ägyptische Hieroglyphen, Wiesbaden 2004
  • Bridget McDermott: Hieroglyphen entschlüsseln. Die Geheimsprache der Pharaonen lesen und verstehen, Erftstadt 2006
  • Karl-Theodor Zauzich: Von den Hieroglyphen zum Alphabet. Neue Erkenntnisse zur Herkunft unserer Schrift, Mainz 2006
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