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THEMEN

Die Feldlerche (Vogel des Jahres 1998)

Steckbrief Feldlerche

Wissenschaftlicher Name: Alauda arvensis

Klasse: Vögel (Aves)

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Unterordnung: Singvögel (Oscines)

Familie: Lerchen (Alaudidae)

Größe: 1819 cm

Verbreitung: in fast ganz Europa mit Ausnahme weiter Teilen Norwegens, Griechenlands, sowie dem äußersten Norden von Finnland und Russland, in Zentralasien bis Ostsibirien und Japan

Lebensraum: ursprünglich Steppe, in offener Landschaft mit trockenen und wechselfeuchten Böden und niedriger, vielfältig strukturierter, lückenhafter Vegetation

Lebensweise: im Westen und Süden Europas standorttreu, ansonsten im Winter Rückzug nach Südfrankreich, Spanien, teils auch Nordafrika und Kleinasien

Nahrung: kleine Bodentiere (Insekten, Spinnen), Pflanzenteile, Samen

Fortpflanzung: Brutzeit 1112 Tage, erste Brut ab Mitte April, häufig noch zweite Brut bis Anfang August, Jungvögel sind nach 30 Tagen selbstständig

Feinde: Hamster, Maulwürfe, Igel, Wiesel, Füchse und Krähen als Nesträuber, Sperber, Baumfalken und Merline, Intensivlandwirtschaft

Gefährdung: noch nicht gefährdet, aber wegen massiver Bestandsrückgänge (über 20 Prozent in 20 Jahren) auf die Vorwarnliste der Roten Liste aufgenommen

Porträt

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Feldlerche

Zwar ist die Feldlerche auch Himmelslerche, Kornlerche, Morgenlerche, Ackerlerche, Saatlerche, Weglerche oder Singlerche genannt der häufigste Feldvogel in Deutschland, aber sie zu beobachten ist schwierig. Denn für den unscheinbaren Vogel gilt "Tarnung ist alles". Als ursprünglicher Steppenbewohner ist er auf dem Boden, nicht auf Bäumen heimisch und damit natürlichen Feinden besonders ausgesetzt. Nach Mitteleuropa ist er erst mit zunehmender Abholzung der Waldgebiete und mit dem Fortschritt des Ackerbaus aus den asiatischen Steppen vorgedrungen. Für den Bestandsrückgang in moderner Zeit aber hat vor allem die intensive Landwirtschaft gesorgt, die zu wenig Unterschlupfmöglichkeiten bietet und durch Insektizide und Unkrautvernichtungsmittel das Nahrungsangebot drastisch beschränkt.

Feldlerchen rangieren in Größe und Gewicht zwischen Spatzen und Staren. Ihr Gefieder ist in den verschiedensten Tönen braun gesprenkelt. Nach der Vollmauser im Spätsommer ist der Rücken kräftiger gefärbt. Die Feldlerche hat einen relativ kurzen und kräftigen Schnabel. Ist sie erregt, kann sie die Scheitelfedern zu einer kleinen markanten Haube aufstellen. Allerdings ist diese viel kleiner als bei ihrer Verwandten, der Haubenlerche, die als Kulturfolgerin sogar in Städten zu finden ist. Außerdem unterscheiden sich die Feldlerchen von anderen Lerchen durch einen weißen Außensaum am relativ langen Schwanz, der beim Flug gut sichtbar wird.

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Alauda arvensis

Feldlerchen leben bevorzugt in offener Landschaft mit möglichst vielfältiger, niedriger Vegetation und trockenen oder wechselfeuchten Böden. Die traditionelle, bäuerliche Kulturlandschaft, vor allem extensiv bewirtschaftete Grünflächen, sind ein idealer Lebensraum für sie. Geschlossene Wälder und freie Flächen mit weniger als 50 Prozent Vegetation werden dagegen gemieden. Für ihre Schlafmulden und Bodennester brauchen die Lerchen einerseits einen gut getarnten Platz, geschützt vor Nesträubern wie Hamstern, Füchsen, Igeln oder Krähen. Andererseits darf der Bewuchs rundherum auch nicht zu hoch und dicht werden. Denn dann ist den erwachsenen Lerchen der schnelle Fluchtweg versperrt und das Gelege hat es zu kühl und schattig. Ideal ist eine Vegetationshöhe von etwa 1520 cm. Um den richtigen Platz zu finden, probiert das Weibchen im zeitigen Frühjahr oft Dutzende von Stellen aus, bevor es die geeignete Mulde durch Strampeln mit den Füßen vertieft und mit feinem Pflanzenmaterial auspolstert. Für die erste Brut werden oft Felder mit Wintergetreide bevorzugt, für die zweite Leguminosen. Aber Feldarbeiten und die häufigen Mäharbeiten auf intensiv genutzten Wiesen zerstören viele Eier.

Zum Balztanz produzieren sich die männlichen Feldlerchen mit aufgeplustertem Brustgefieder, gesträubtem Schopf und leicht angehobenen Flügeln. Landet ein Weibchen in ihrem Bezirk, beginnen sie es hüpfend zu umtanzen, kehren ihnen ihren leicht erhobenen Schwanz zu und zittern mit den Flügeln. Ist das Weibchen zur Paarung bereit, läuft es mit waagrecht gehaltenem Körper, hängenden Flügeln und eingezogenem Hals auf das Männchen zu. Dieses schlägt den Rücken des Weibchens mehrmals mit dem Flügel, bevor es aufspringt. Die Ablage des ersten Eis erfolgt 34 Tage nach der Begattung. Die erste Brut beginnt etwa Mitte April und dauert im Allgemeinen elf Tage. Das Gelege umfasst 35 hell braune, gesprenkelte Eier. Die Männchen brüten nicht, helfen aber beim Füttern der Jungen. Diese sind die ersten drei Tage blind und sperren nur auf akustische Reize hin den Schnabel auf. Nach 6 Tagen hüpfen die Jungen zum ersten Mal aus dem Nest, nach etwa 15 werden sie flügge. Dann hat das Männchen die Hauptlast der Versorgung zu tragen, während das Weibchen oft schon wieder zu brüten beginnt. Nach etwa 30 Tagen greift das Männchen die selbsständig gewordenen Jungen an und vertreibt sie. Die jungen Feldlerchen bleiben für den Rest des Jahres in kleinen Gruppen zusammen, während die Eltern eine zweite, manchmal sogar eine dritte Brut aufziehen. Als Nahrung dienen hauptsächlich Kleintiere Insekten, Larven, Spinnen und Würmer , vor allem im Herbst aber auch Unkraut- und Grassamen sowie andere Pflanzenteile. Erwachsene Lerchen sind die Beute kleiner Raubvögel wie Sperber, Merline und Baumfalken, Jungtiere und Eier werden von Wieseln, Igeln, Füchsen, Maulwürfen, Hamstern und Krähen gefressen. Das Auffälligste an der Feldlerche ist ihr Singflug. Der wohlklingende, laute und anhaltende Gesang dauert manchmal sogar über zehn Minuten. Die Lerche schraubt sich dabei mit kurzen Flügelschlägen und gespreiztem, gegen den Wind gestelltem Schwanz immer weiter in den Himmel hinauf. Im Mittel werden 50 m erreicht, aber auch bis zu 100 m sind möglich, so dass der Vogel vom Boden kaum noch auszumachen ist. Wie die Lerchen es schaffen, während des anstrengenden Steilflugs ohne Unterbrechung zu singen manchmal sogar mit Futter im Schnabel ist noch nicht zufriedenstellend geklärt. Hat die Lerche ihre Höhe erreicht, kreist sie singend über ihrem Revier, das sie so für Artgenossen deutlich markiert. Deshalb sind die Singflüge der Männchen auch während der Partnersuche und der Brutzeiten des Weibchens am häufigsten und dauern am längsten. Nach einigen Minuten beginnt die Lerche langsam mit ausgebreiteten Flügeln immer noch singend nach unten zu segeln. Etwa in zehn oder 15 m Höhe verstummt sie in der Regel und stürzt mit vorgeneigtem Körper und halb angelegten Flügeln in einem schnellen, steilen Sturzflug nach unten. Ihr dabei mit den Augen zu folgen ist schwierig. Das ist auch Sinn der Sache, denn schließlich soll kein Feind Landeplatz und Nest der Lerche ausfindig machen können. Am Boden ist der Ruf der Lerche dagegen ein schrilles, pfeifendes trrr-lit, manchmal auch ein gemütvolles, flötendes gürr. Die Verbreitungsgebiete der Feldlerche ziehen sich wie ein breites Band über ganz Europa und Zentralasien hin bis nach Ostsibirien und Japan. Lediglich im Inneren Norwegens, im Norden Finnlands und Russlands, sowie in weiten Teilen Griechenlands finden sich auf unserem Kontinent keine Feldlerchen. In Kanada und Neuseeland wurde die Feldlerche vom Menschen eingeführt. Im Süden und Westen ihres Gebietes sind die Lerchen standorttreu. Aus dem Norden und Osten ziehen sie im Winter eine relativ kurze Strecke nach Süden, meist Südeuropa, kleine Populationen auch nach Nordafrika. Während der beiden Zugperioden kann man Schwärme von 200 bis 800 Vögeln beobachten. In Deutschland bleiben die Lerchen teilweise über den Winter oder weichen nur stärkerem Schnee aus. Immer wieder werden Winterbeobachtungen von kleinen Vogeltrupps (etwa 20) gemeldet. Die Zugvögel kehren Mitte Februar an ihre Brutplätze zurück. Zuerst erscheinen die Männchen, die ein mindestens 3000 bis 35000 Quadratmeter großes Revier besetzen, in dem sie keine Artgenossen dulden. Meist nehmen sie dabei ihren Lebensraum aus dem vergangenen Jahr wieder in Besitz. Etwa zehn Prozent der Vögel bleiben ohne Revier, ersetzen aber Artgenossen, wenn diese umkommen. Die Weibchen erscheinen etwa 10 Tage später. Der Herbstzug erfolgt zögernd ab Mitte September und hat im Oktober seinen Höhepunkt.

In Deutschland wird das Vorkommen auf etwa 2,5 bis 3,6 Millionen Brutpaare geschätzt. Die Bestände sind aber in den letzten zwanzig Jahren um über ein Fünftel zurückgegangen, in Schleswig-Holstein sogar um die Hälfte. Die Feldlerche wird deshalb auf der Vorwarnliste der Roten Liste geführt, die jene Arten enthält, die aufgrund beständiger Rückgänge besonders beobachtet werden sollten. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) rechnet damit, dass die Lerche in zehn Jahren zu den bedrohten Brutvogelarten gehören könnte, wenn sich die Agrarpolitik nicht ändert. Mit der Wahl der Feldlerche zum "Vogel des Jahres 1998" wollte der NABU generell auf die Probleme der modernen, intensiven Agrarwirtschaft aufmerksam machen. Die Lerche sollte Symbol für die vielen gefährdeten Pflanzen- und Tierarten sein. Die "aufgeräumte" Landschaft ohne Hecken und bewachsene Ackerraine bietet den Vögeln nicht mehr genug gute Verstecke für ihre Nester, aber auch zu wenig Anhaltspunkte, um sie aus der Luft wieder zu finden. Vor allem aber werden durch Insektizide und Unkrautvernichtungsmittel, die Kleintiere und Wildkräuter ausgerottet, die der Feldlerche und anderen Bewohnern dieses Lebensraumes wie Hamster, Feldhasen und Kiebitz zur Nahrung dienen. In Italien, Frankreich und Griechenland gehört die Feldlerche zu den Singvögeln, die zum Fang in Netzen und zum Abschuss freigegeben sind. Einer Studie der Europäischen Kommission nach, werden in Frankreich jährlich 1,5 bis 5 Millionen Feldlerchen gefangen und getötet. Aber auch in Deutschland wurden Lerchen früher in großer Menge gefangen und gegessen. Die Vogelfänger verkauften sie schockweise (Schock = 60 Stück) an Gasthäuser oder boten sie auf den Märkten an. Die "Leipziger Lerchen", ein Gebäck, sind wohl nach den gebratenen Singvögeln benannt. Bestrebungen zum Schutz der Vogelwelt und erste Fangverbote setzten um 1880 ein.

Stichwort: Singvögel

Fast die Hälfte aller Vogelarten auf der Welt, rund 4000, werden zu den so genannten Singvögeln gerechnet. Allerdings können keineswegs alle von ihnen wirklich gut singen. Obwohl sie mehr als drei Paar Stimmmuskeln haben und damit zu differenzierterer Lautbildung fähig sind als andere Vögel, singen viele überhaupt nicht oder nur schlecht. Außer der Zahl der Stimmmuskeln ist vor allem die Gestaltung der Läufe entscheidend für die Einordnung in die Untergruppe der Singvögel. Die meist recht kleinen und leichten Singvögel (Größe 7,5110 cm, Gewicht 5 bis 1750 g) gelten als die Vogelgruppe, die am meisten von den Urvögeln abweicht. Bislang hat man überhaupt erst zwei fossile Vertreter gefunden. Auch über den internen Stammbaum herrscht noch große Unklarheit. Selbst die Zuordnung zu Familien ist noch nicht geklärt. Meist geht man von einer Einteilung in 45 Familien aus, die Einteilungen variieren aber zwischen 42 und 53 Familien. Auch darüber, welche Vögel die "modernsten", also in der Evolution am weitesten fortgeschrittenen, sind, herrscht Uneinigkeit. Früher nahm man an, die besten Sänger, die Drosselvögel, ständen am Gipfelpunkt der Evolution, später meinte man, die körnerfressenden Finkenvögel seien am weitesten entwickelt, dann tendierte man dazu, die Rabenvögel, als die intelligentesten an die Spitze der Vogelwelt zu setzen.

Stichwort: Lerchen

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Singflug

Die Lerchen sind fast auf der ganzen Welt verbreitet. Nur Südamerika und die ozeanischen Inseln bilden eine Ausnahme. Die meisten Lerchenarten leben in Afrika, wo auch die ursprüngliche Heimat dieser Steppenvögel vermutet wird. Insgesamt gibt es 15 Gattungen mit über 70 Arten. In Mitteleuropa kommen die Feldlerche, die Haubenlerche und die Heidelerche vor. Ursprünglich sind die Lerchen Bodenvögel der Steppen und Wüsten. Mit ihrem unauffälligem, erdfarbenen Federkleid können sie sich leicht in der Landschaft tarnen. Sie schlafen auf dem Boden in kleinen Mulden, die sie selber gescharrt haben und brüten auch in Bodennestern. Im Gegensatz zu anderen Vögeln baden sie niemals in Wasser, sondern nur in Sand und Staub, wie man es auch von den Hühnern kennt. Manche Lerchen können vollkommen auf Wasser verzichten und nehmen allein durch den Tau Flüssigkeit auf. Sie haben relativ große Füße, auf denen sie geschickt rennen können und dabei Geschwindigkeiten bis zu sieben Stundenkilometern erreichen. Sehr unterschiedlich ist bei den einzelnen Arten vor allem die Schnabelform, die dem jeweiligen Nahrungsangebot angepasst ist. Manche Arten sind Zugvögel, andere hingegen äußerst standorttreu. Der Name Lerchen geht auf das germanische Wort "Laiwrikon" zurück, das wohl lautmalerisch die ausdauernde Sangeskunst der Lerchen zum Ausdruck bringen sollte.

Hintergrund: Lerchengesang und Literatur

Obwohl unscheinbar, gehört die Feldlerche wegen ihres Gesanges zu einem der volkstümlichen Vögel, die in vielen Liedern und Gedichten besungen wird. Ihr Gesang gilt geradezu als Synonym des Frühlings. So lässt Goethe seinen Faust beim Osterspaziergang sagen: "Doch ist es jedem eingeboren, dass sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt, wenn über uns, im blauen Raum verloren, ihr schmetternd Lied die Lerche singt;" Noch bekannter ist natürlich die Lerche als Botin des Morgens in Shakespeares "Romeo und Julia": " Es war die Nachtigall, nicht die Lerche, die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang ..." "Die Lerche wars, die Tagverkünderin, ..." Fast schon einen Abgesang stellt dagegen Franz-Josef Degenhardts "Sommerlied" dar: "Und die Illusion der Lerchen, nahe der Sonne überm Feld? Soll ich sie entlarven? Märchen braucht diese bedrohte Welt."

Hintergrund: Vogel des Jahres

Jedes Jahr stellt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) einen Vogel des Jahres vor. Nachfolger der Feldlerche wurde im Jahr 1999 die Goldammer. Die Vorschläge werden im Laufe des Jahres ganz demokratisch gesammelt. Jedes Mitglied kann Ideen einreichen. Dabei geht es weniger darum, die jeweils am meisten gefährdetste Vogelart zu finden, sondern an einem Vogel symbolisch die Bedeutung eines größeren Ökosystems aufzuzeigen. So sollte die Feldlerche auf die Probleme der Kulturlandschaft aufmerksam machen. Sie stehe für viele Tier- und Pflanzenarten, die durch intensive Landwirtschaft gefährdet würden. Da man Würmer und Insektenlarven schlecht zählen kann, dient die Verbreitung der so genannten Endkonsumenten wie Vögel als wichtiges Frühwarnsystem für den Zustand eines Ökosystems. Auf ökologisch bewirtschafteten Feldern brüten zwei- bis dreimal so viele Feldlerchen wie auf herkömmlich genutzten Ackerflächen. Auch der Bruterfolg ist höher und die Jungen entwickeln sich besser. Deshalb fordert der NABU eine Umkehr zu einer naturverträglichen Landwirtschaft, die Pflanzen und Tieren Lebensraum und den Menschen Erholung bieten könne.

Bibliografie:

  • Jonson, L.: Die Vögel Europas, 1992
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