Die Geschichte des Burgenlandes
Die Geschichte des Burgenlandes
Die Frühzeit: Wie der Fund der um 5000 v.Chr. gefertigten Reliefplastik der "Venus von Draßburg" beweist, war die Gegend um Eisenstadt zu dieser Zeit schon besiedelt. Grabfunde aus den folgenden Jahrtausenden lassen darauf schließen, dass im burgenländischen Raum durchgehend sesshafte, Ackerbau und Viehzucht betreibende Kulturen lebten. Um 400 v.Chr. erschienen die Kelten, die besonders auf die Metallverarbeitung spezialisiert waren. Sie bauten ein florierendes Eisenhüttenwesen auf und betrieben regen Handel. Im Jahr 15 v.Chr. wurde das Gebiet nordöstlich der Alpen von römischen Truppen erobert und das heutige Burgenland Teil der römischen Provinz Pannonien. Mit den Römern kamen gegen Ende des 4. Jahrhunderts die ersten Christen nach Pannonien und verbreiteten unter der einheimischen Bevölkerung die neue Religion. Im Jahr 433 trat der oberste Heerführer des Weströmischen Reiches, Aetius Flavius, die Provinz Pannonien an den Hunnenfürsten Rua (auch Rugila) ab. Ein Jahr nach dem Tod Attilas wurden die Hunnen im Jahr 454 in der Schlacht an der Leitha von einem vereinten germanischen Heer aus Ostgoten, Gepiden und Rugiern vernichtend geschlagen. Nach ihnen wanderten Langobarden und seit dem 7. Jahrhundert die slawischen Awaren in den pannonischen Raum ein.

Die Karolingische oder Pannonische Ostmark: Nach dem erfolgreichen Feldzugs (791–803) gegen die die Ostgrenze seines Reiches bedrohenden Awaren, gründete Karl der Große 804 die Karolingische oder Pannonische Grenzmark, die von der Enns bis an den Wienerwald reichte. Die Ostgrenze verschob sich bald bis an den Plattensee. Bayern und Franken wanderten in die neue Provinz ein, die Reste der awarischen Bevölkerung wurden am Neusiedler See angesiedelt. Bedroht wurde die Karolingische Ostmark bald von dem um 830 zunächst unter fränkischer Lehenshoheit gegründeten Großmährischen Reich. Der seit 870 regierende Fürst Swatopluk erhob sich jedoch gegen das Frankenreich und dehnte sein Herrschaftsgebiet bald bis über das ganze östliche Mitteleuropa aus. Im Jahr 892 zog der letzte Karolingerkaiser Arnulf von Kärnten (†899) mit einem vereinten Heer aus Franken, Bayern, Alemannen und Ungarn nach Mähren und fügte Swatopluk eine vernichtende Niederlage zu.
Die Ungarische Landnahme: Seit 896 besetzte, aus dem Osten kommend, das Volk der Magyaren (Ungarn) das Pannonische Becken und vermischte sich mit den hier vorher eingewanderten Bayern und Slawen. In den Jahren 904–906 vernichteten sie das Großmährische Reich und wurden dadurch selber zur Bedrohung des bayerisch-fränkischen Raums. Am 4. Juli 907 erlitten die Bayern in der Schlacht bei Pressburg eine vernichtende Niederlage gegen die Ungarn. Dies bedeutete das Ende der Karolingischen oder Pannonischen Grenzmark.Das Gebiet östlich der Enns, also auch das heutige Burgenland und Niederösterreich gerieten unter ungarische Herrschaft. Die karolinigischen Verwaltungsstrukturen wurden vernichtet, die Kirchen zerstört. Nach einer schweren Niederlage der Ungarn bei Passau (913) mussten sie dem siegreichen Herzog Arnulf von Bayern Schonung seines Herrschafstbereichs zusichern. Um 920 setzten die Ungarn in dem Gebiet zwischen Enns und Traisen einen deutschen Lehensgrafen mit Sitz in Pöchlarn in Niederösterreich ein.

955 begannen die Ungarn, zwischen Leitha und Lafnitz einen Verteidigungswall gegen das Deutsche Reich zu errichten. Noch im selben Jahr fielen sie in Bayern ein und gelangten bis vor Augsburg. Dort wurden sie am 10. August 955 von einem vereinten deutschen Heer unter Führung Kaiser Ottos I. (912–973) in der Schlacht auf dem Lechfeld besiegt. Damit war die Ungarngefahr für Mitteleuropa vorerst gebannt. Nach dem Sieg über die Ungarn ließ Kaiser Otto I. im Osten des heutigen Österreichs neue Grenzmarken errichten. Das Gebiet westlich des Wienerwalds kam wieder unter bayerische Herrschaft. Die Magyaren wurden endgültig in der ungarischen Tiefebene sesshaft, d.h auch in dem Gebiet um den Neusiedlersee, dem heutigen Burgenland. Fürst Geza (†997) festigte die fürstliche Macht und ließ erste christliche Missionare in sein Land. Sein Sohn Stephan der Heilige (um 975–1038) ließ sich im Jahr 1001 mit einer von Papst Sylvester II gestifteten Krone (der ungarischen Stephanskrone) zum König krönen. Als Zeichen der nunmehrigen Zugehörigkeit Ungarns zum christlichen Abendland wurde 1009 die Diözese Raab gegründet. Nach dem Aussterben des kroatischen Königshauses im Jahr 1091 wurden beide Länder in Personalunion regiert und gehörten bis 1918 zusammen. Der größte Teil Dalmatiens fiel allerdings bald an die Republik Venedig. Das ungarische Königtum war von Anfang an bedroht und geschwächt durch die große Macht der adligen Territorialherren.
Der Kampf zwischen dem Reich und Ungarn: Im Jahr 1030 stellte sich ein von Kaiser Konrad II. geführtes Reichsheer vor Wien einem Aufgebot der Ungarn. Der mit dem Kaiser in Streit liegende Babanberger Markgraf Adalbert von Österreich nahm an den Kampfhandlungen nicht teil. Das kaiserliche Heer verlor die Schlacht, Konrad II. konnte einer Gefangennahme jedoch entgehen. In dem ein Jahr darauf mit König Stephan I. von Ungarn geschlossenen Frieden trat Kaiser Konrad II. das Gebiet zwischen Fischa, Donau und Leitha an Ungarn ab. Sein Sohn König Heinrich III.(1017–1056) erreichte, von dem abgesetzten König Peter von Ungarn um Hilfe gebeten, nach einigen Siegen über die Ungarn 1043/44 die Rückgabe dieser Gebiete des heutigen Burgenlandes. Der wieder eingesetzte König Peter I. von Ungarn erkannte 1045 in Stuhlweißenburg (Sszékesfehérvár) die kaiserliche Lehenshoheit an. Ein Jahr später verdrängte König Andreas I. (um 1030–1060) den Ungarn Peter I. vom Thron und wehrte alle Angriffe seitens der Deutschen erfolgreich ab. Bei einem Treffen auf dem Marchfeld 1058 gab die Kaiserinwitwe Agnes – in ihrer Funktion als Reichsverwalterin für ihren minderjährigen Sohn Heinrich IV. – König Andreas I. von Ungarn die seit 1045 bestehende Lehenshoheit über Ungarn zurück. Damit stand auch das spätere, inzwischen von einer deutschen Bevölkerungsmehrheit besiedelte Burgenland wieder unter rein ungarischer Oberhoheit. Als Grenzwächter siedelten die Ungarn gegen Ende des 11. Jahrhunderts am Neusiedlersee und zwischen Leitha- und Rosaliengebirge Petschenegen, Angehörige eines ehemals nomadisierenden Turkvolkes, an. Im Laufe des 12. Jahrhunderts wurde das Land um den Neusiedlersee zunehmend erschlossen. 1157 wurden in Güssing eine hölzerne Burg errichtet und ein Benediktinerkloster gegründet. Den ersten zisterziensischen Klostergründungen St.Gotthard (1184) und Marienberg (1194) folgten in der Gegend des Neusiedlersee bis um das Jahr 1200 noch etliche andere. Herzog Friedrich II. von Österreich: Im Mai 1241 suchte König Bela IV. von Ungarn vor dem Mongolenansturm Zuflucht bei Herzog Friedrich II. von Österreich und der Steiermark. Diesem verpfändete er für die erbetene Waffenhilfe die westungarischen Gebiete Ödenburg, Wieselburg und Eisenburg. Friedrich II. besetzte daraufhin sogleich die westungarischen Grenzbefestigungen, obwohl die Mongolen nach dem plötzlichen Tod ihres Khans bereits aus Ungarn und Siebenbürgen abzogen. Als Bela IV. die verpfändeten Komitate zurückforderte, kam es am 15. Juni 1246 zur Schlacht an der Leitha, bei der Herzog Friedrich II. ums Leben kam. Da mit seinem Tod das Geschlecht der Babenberger ausgestorben war, entbrannte zwischen seinem Schwagern Bela IV. von Ungarn und König Przemysl Ottokar II. von Böhmen ein Krieg um das österreichische Erbe. Schließlich erhielt Bela IV. 1254 die Steiermark, Ottokar II. Österreich.

Habsburger und Ungarn: Im Jahr 1273 in Frankfurt zum deutschen König gewählt, gab Graf Rudolf IV. von Habsburg (1218–1291) im Jahr 1282 seinen Söhnen Albrecht I. (1255–1308) und Rudolf II. (1271–1290) Österreich und die Steiermark zum gemeinsamen Lehen. Nach Protesten des österreichischen Adels wurde Albrecht I. 1283 zum alleinigen Lehensherrn ernannt. Nach der Ermordung König Ladislaus’ IV. von Ungarn 1290 belehnte König Rudolf wegen angeblicher Herrschaftsansprüche des Reiches seinen Sohn Albrecht von Österreich mit Ungarn. In der "Güssinger Fehde" siegte Albrecht über die Grafen von Güssing, die Besitzer des gesamten mittleren und südlichen Teils des heutigen Burgenlands. Inzwischen hatte jedoch der ungarische Adel Andreas III. (um1265–1301) zum König gewählt, der sich sofort mit seinen Truppen nach Wien aufmachte. Bei einem 1291 ausgehandelten Vergleich verzichtete Albrecht auf die ungarische Königskrone. Er musste alle Eroberungen im Burgenland zurückgeben, die Burgen von Mattersdorf und Agendorf wurden geschleift. In den folgenden Jahrhunderten versuchten die Habsburger, das Burgenland durch Verpfändungen ungarischen Besitzes an österreichische Herren oder an Angehörige ihres eigenen Hauses zu ihrem Einflussgebiet zu machen. Am 21. Januar 1458 wurde der ungarische Reichsverwalter Matthias Hunyadi von einem Großteil der ungarischen Magnaten zum König gewählt. Nach seinem Wappentier, einem Raben, nannte er sich fortan Matthias Corvinus. Am 17. Februar 1459 wählten 25 in Güssing versammelte oppositionelle ungarische Magnaten Kaiser Friedrich III. (1415–1493) zum Gegenkönig, der bereits die größten westungarischen Burgherrschaften für das Haus Habsburg erobert hatte. Im Jahr 1477 im Burgenland eingefallen, brachte Matthias Corvinus in kurzer Zeit über 100 Burgen und 30 Städte in seinen Besitz. 1481 gewannn er auch das Pfandrecht über St. Pölten und eroberte nacheinander Niederösterreich, Kärnten und die Steiermark. Am 1. Juni 1485 zog Matthias Corvinus in Wien ein, wo er bis zu seinem Tod 1490 als freigiebiger und kunstsinniger Regent residierte. Noch im Todesjahr des Ungarnkönigs konnte König Maximilian I. (1459–1519, seit 1508 deutscher Kaiser) die ungarischen Eindringlinge aus Österreich vertreiben. Im Frieden von Pressburg 1491 erstattete ihm der neue ungarische König Wladislaw Jagiello (1456–1516) die westungarischen, burgenländischen Gebiete zurück.

Die Habsburger als Könige von Ungarn: Als der ungarische Reichsrat 1505 entschied, künftig nur noch Ungarn auf den Thron zu wählen, schlossen König Maximilian I. und König Waldislaw Jagiello von Ungarn und Böhmen 1506 den Vertrag von Wiener Neustadt. Er legte die Heirat eines der Enkel Maximilians (Karls V. oder Ferdinands I.) mit Anna, der Tochter Wladislaws, und die Heirat von Wladislaws Sohn Ludwig mit Maximilians Enkelin Maria fest. So war in jedem Fall einem ihrer Enkelkinder der ungarische Thron sicher. Als der erst 20-jährige König Ludwig II.von Ungarn am 28. August 1526 nach seiner Niederlage gegen die Osmanen bei Mohács ums Leben kam, fiel die ungarische Königskrone an den mit Ludwigs Schwester Maria verheirateten Ferdinand I. von Österreich (1503–1564, seit 1556 deutscher Kaiser). In den folgenden Jahren wurde fast ganz Ungarn von den Türken erobert, 1529 standen sie sogar vor Wien. In das Burgenland wanderten in großen Mengen von den Osmanen aus ihrer Heimat vertriebene Kroaten ein. Bei den osmanischen Kriegszügen gegen Ungarn und Österreich wurde das Burgenland immer wieder zum Kampfgebiet und erlitt schwere Verwüstungen. Den einzigen großen Sieg über die Türken errang ein von Fürst Raimund Montecuccoli geführtes vereintes Heer aus Reichstruppen und französischen Einheiten am 1. August 1664 bei St.Gotthard a.d.Raab im Burgenland. Aber erst mit dem Entsatz von Wien 1683 war die Türkengefahr für das Burgenland, das bei dieser Gelegenheit noch einmnal schwere Verwüstungen hinnehmen musste, gebannt. In den Jahren danach wurde ganz Ungarn von den Osmanen zurückerobert.

Die ungarischen Magnaten und das Haus Habsburg: Ein großer Teil der mächtigen ungarischen Magnaten war durchaus nicht zu akzeptieren gewillt, dass die Habsburger das ungarische Wahlköngtum als eine in ihrem Hause erbliche Monarchie behandelten. Daher, und auch weil sich viele ungarische Adelige inzwischen zum Calvinismus bekannten, kam es immer wieder zu Adelserhebungen gegen die Habsburger Herrscher. Auch im Burgenland waren Teile des ungarischen Adels calvinistisch geworden, das deutsche Bürgertum jedoch war zumeist zum protestantischen Glauben übergetreten. Im 16. und im 17. Jahrhundert war im Norden des Burgenlandes die Esterhazý, im Süden die Batthyány, daneben noch die Erdödy und Nádasdy die mächtigsten Magnaten. Vor allem die zum Dank bald in den Fürstenstand erhobenen Esterhazý erwiesen sich bei der von den Habsburgern auch in Ungarn und im Burgenland gewaltsam vorangetriebenen Gegenreformation als treue Diener des Hauses Österreich. Nach der Schlacht von Lackenbach zwischen habsburgischen Truppen und den von Gabor Bethlen angeführten ungarischen Aufständischen wurde Nikolaus I. Esterhazý für seine Treue zum Hause Habsburg mit Eisenstadt und Forchenstein belohnt. Im Jahr 1625 wurde Nikolaus I. Esterhazý Palatin von Ungarn und damit der höchste Würdenträger seines Landes und Stellvertreter des Königs. 1663 baute sich sein Nachfahre Fürst Paul Esterhazý in seiner Residenzstadt Eisenstadt ein prachtvolles Barockschloss. 1671 kam es im restlichen, noch nicht von den Osmanen eroberten habsburgischen Ungarn, in Kroatien und in der Steiermark zu Aufständen gegen die zentralistischen und gegenreformatorischen Maßnahmen Kaiser Leopolds I. (1678–1711). Auf dem ungarischen Reichstag in Ödenburg zwangen die ungarischen Magnaten 1681 die kaiserliche Regierung zur Rücknahme fast aller ihre Freiheiten bedrohenden Maßnahmen. Die ungarische Verfassung wurde wieder in Kraft gesetzt und Fürst Paul Esterhazý zum Palatin gewählt.

Von Maria Theresia bis zum Wiener Kongress: Am 20. Oktober 1740 trat die junge Erzherzogin Maria Theresia (1717–1780), gesichert durch die von ihrem verstorbenen Vater Kaiser Karl VI. erlassene "Pragmatische Sanktion", die Herrschaft über die österreichischen Erblande an. Am 25. Juni 1741 wurde sie in Pressburg zur Königin von Ungarn gekrönt, am 12. Mai 1743 in Prag auch zur Königin von Böhmen. Als sie am 2. Mai 1794 ihre zisleithanischen (links der Leitha gelegenen) Länder zu einem Einheitstaat zusammenfasste, war das Burgenland als transleithanisch (westlich der Leitha gelegen) und zu "den Ländern der Krone Ungarns" gehörig, nicht dabei. Daher war das Burgenland auch nicht von den in Maria Theresias österreichischen Erblanden vorgenommenen großen Reformen betroffen. Die in Östereich 1774 erlassene allgemeine Schulordnung für Trivial-, Haupt- und Normalschulen wurde ebenso wie das Torleranzedikt Kaiser Josephs II. (1741–1790) allerdings in Ungarn und damit auch im Burgenland übernommen. Der ungarische Freiheitskampf: Als Kaiser Franz II. am 6. August 1806 angesichts des von Napoleon zu verantwortenden Auseianderfallens des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation die deutsche Kaiserkrone niederlegte und sich fortan Kaiser Franz I. von Österreich nannte, war Ungarn fester integriertes Bestandteil des neuen Kaiserreichs. Als sich im Zuge des Wiener Kongresses am 8. Juni 1815 41 souveräne Fürsten und Freie Städte zum "Deutschen Bund" zusammenschlossen, war Österreich nur mit seinen deutschen Landesteilen sowie mit Böhmen und Mähren dabei. Ungarn, und damit auch das Burgenland gehörten nicht dazu. Die von Metternich für das Gebiet des Deutschen Bundes durchgesetzten "Karlsbader Beschlüsse" von 1819, die zur Vermeidung jeglicher revolutionärer Umtriebe strenge Zensurmaßnahmen ebenso wie eine Kontrolle der Universitäten vorsahen, wurden jedoch auch im ungarischen Landesteil angewendet. So begann auch dort mit der "Taufrede" des ungarischen Oppositionsführers Lajos Kossuth (1802–1894) der allgemeine Aufstand gegen die metternichische Unterdrückungspolitik und der Freiheitskampf der Ungarn.

Als die Ungarn am 12. Dezember 1848 dem neuen Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) die Anerkennung als König von Ungarn verweigerten, marschierte der österreichische Feldmarschall Fürst Alfred Windischgrätz im Burgenland ein, nahm Pressburg und Raab und rückte gegen Budapest vor. Erst mit Hilfe von Truppen des Zaren Nikolaus I. konnte der ungarische Aufstand am 3. Oktober 1849 blutig niedergeschlagen werden. Der einzige Erfolg der im Übrigen auch in Österreich fehlgeschlagenen Revolution von 1848 war die Befreiung der Bauern aus der Erbuntertänigkeit. Zu einer friedlichen Einigung mit den nach Selbständigkeit strebenden Ungarn kam es durch den österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867. In der nun bestehenden kaiserlich-königlichen Doppelmonarchie Österreich-Ungarn wurden nur noch Außen-, Militär- und Finanzpolitik zentral von Wien aus gesteuert. Ungarn erhielt seine eigene Verfassung, eine unabhängige Verwaltung und freie Hand in allen innerungarischen Angelegenheiten. Daher hatte Österreich auch keine Handhabe gegen die gewaltsame Magyarisierung solcher mehrheitlich von Deutschen bewohnten Gebiete Ungarns wie des Burgenlandes. Teils wegen der Magyarisierung, die auch die Unterdrückung der deutschen Sprache einschloss, teils wegen der zunehmenden Verarmung des Burgenlandes suchte bald ein großer Teil der dortigen deutschstämmigen Bevölkerung in Wien ihr Auskommen oder wanderte in die USA aus. 1918–1945: Die Niederlage Östereich-Ungarns im Ersten Weltkrieg führte am 16. November 1918 zur Proklamation der Republik Ungarn. Am 6. Dezember 1918 wurde daraufhin in Mattersdorf im Burgenland die deutschsprachige "Republik Heinzenland" ausgerufen.
Laut dem vom amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson geforderten Selbstbestimmungsrecht der Völker als Grundlage eines künftigen Friedens erließ die ungarische Regierung unter Ministerpräsident Graf Mihály Károlyi ein Gesetz über das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes in Ungarn. Nach dem nur einige Monate dauernden, fehlgeschlagenen Versuch, im Jahr 1919 in Ungarn eine kommunistische Räteregierung zu installieren, wählte die ungarische Nationalversammlung am 1. März 1920 den ehemaligen Kriegsminister Miklós Horthy (1868–1957) zum Reichsverwalter. Durch den am 4. Juni 1920 mit den Siegermächten des Ersten Weltkriegs geschlossenen Frieden von Trianon verlor Ungarn 68 % seines Staatsgebiets an Rumänien sowie an die neugebildeten Länder Tschechoslowakei und Jugoslawien. Das Burgenland sollte an Österreich abgetreten werden. Darüber kam es ab August 1921 zu mehreren schweren Gefechten zwischen einrückenden österreichischen Gendarmerieeinheiten und ungarischen Militärs. Erst diplomatische Bemühungen Italiens veranlassten die Ungarn schließlich am 13. Oktober 1921 zur Räumung des Burgenlandes. Für den Raum Ödenburg (Sopron) wurde eine Volksabstimmung angesetzt, bei der sich im Dezember desselben Jahres eine Mehrheit der dortigen Bevölkerung für denVerbleib bei Ungarn entschied. Am 18. Juni 1922 fanden im nun österreichischen Burgenland die ersten Landtagswahlen statt, im Jahr 1925 wurde Eisenstadt Landeshauptstadt. Schon am 11. März 1938, einen Tag vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich und zwei Tage vor der Proklamation des "Anschlusses" Österreichs an das Deutsche Reich übernahm im Burgenland die dortige lokale NSDAP die Macht. Im Zuge der Neugliederung der "Ostmark" nach NS-Muster wurde das Burgenland zwischen dem "Gau Niederdonau" und dem "Gau Steiermark" aufgeteilt. Die seit Jahrhunderten dort ansässige große jüdische Gemeinde des Burgenlandes wurde ebenso wie die Sinti und Roma enteignet und in Konzentrationslager verschleppt und ermordet; für Kroaten und Ungarn wurden "Aussiedlungspläne" erstellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg: Am 29. März 1945 marschierten Einheiten der Roten Armee in das Burgenland ein. Bis zur Wiedererlangung der vollen staatlichen Souveränität durch den Österreichischen Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 blieb das gesamte Burgenland sowjetische Besatzungszone. Am 27. April 1945 proklamierte die von Karl Renner (1870–1950) geführte provisorische Staatsregierung Österreichs die Zweite Republik, am 1. Oktober 1945 wurde das Burgenland in seinen wiederhergestellten Grenzen von 1921–1938 österreichisches Bundesland. Seine alte Verbundenheit mit Ungarn wurde dem Burgenland noch einmal bewusst, als nach dem von den Sowjets niedergeschlagenen antikommunistischen ungarischen Aufstand von 1956 Hunderttausende von Flüchtlingeaus dem Nachbarland über seine Grenzen in die Freiheit strömten. Im Jahr 1989 wurde im Burgenland ein Kapitel europäischer Geschichte geschrieben. Bereits den ganzen Sommer über waren Tausende von DDR-Bürgern, in der Hoffnung, von dort über den sich allmählich auflösenden Eisernen Vorhang in den Westen zu kommen, nach Ungarn geströmt. Am 19. August 1989 veranstaltete die von dem CSU-Europaparlamentarier Otto von Habsburg (*1912), dem Sohn des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn Karl I. (1887–1922), geführte Paneuropaunion an der österreichisch-ungarischen Grenze bei Sopron (Ödenburg) ein Treffen mit dem Ungarischen Demokratischen Forum. Den in Budapester Flüchtlingslagern ausharrenden DDR-Bürgern war signalisiert worden, dass dort in einem symbolischen Akt der "Eiserne Vorhang" von beiden Seiten buchstäblich durchschnitten werden sollte. Als dies tatsächlich geschah, ohne dass ungarische oder österreichische Grenzsoldaten eingriffen, nutzten Tausende von DDR-Bürgern diese Chance zur Massenflucht nach Österreich. Damit begann des Ende der DDR, dem nach der Demokratisierung Russlands auch das Ende der kommunistischen und sowjetischen Herrschaft über Osteuropa folgte.
- Die Geschichte des Burgenlandes
Bibliografie:
- Ernst, A.: Geschichte des Burgenlandes, 1991









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