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THEMEN

Die Geschichte Österreichs

Kurzbeschreibung

Die heutige Republik Österreich geht zurück auf eine bayerische Grenzmark aus dem 12. Jahrhundert. Namentlich im Jahr 996 in einer Urkunde Kaiser Ottos III. erstmals erwähnt, erreichte Österreich unter den Babenbergern eine erste Blüte. Unter der Herrschaft des Hauses Habsburg, das über Jahrunderte auch die deutschen Kaiser stellte, wurde Österreich zu einer europäischen Großmacht. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verlor das Habsburgerreich den Großteil seines Territoriums. Übrig blieb das deutschsprachige österreichische Kernland, das sich 1918 zur Republik erklärte. Durch den "Anschluss" 1938-1945 dem nationalsozialistischen Deutschen Reich einverleibt, blieb es bis 1955 unter der Besatzungshoheit der Siegermächte. Erst durch den in diesem Jahr geschlossenen Staatsvertrag, in dem sie sich zu strikter Neutraliät verpflichtete, erhielt die seit 1945 bestehende Zweite Republik Österreich die volle Souveränität.

Die Geschichte Österreichs

Die Frühzeit

Erste Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Republik Österreich entstanden bereits in der Altsteinzeit. Ältestes Zeugnis früher Kulturen in diesem Raum ist die Statuette der "Venus von Willendorf". In der Jungsteinzeit betrieben die dort sesshaft gewordenen Völker Ackerbau und Viehzucht und waren bereits mit der Verarbeitung von Metall vertraut. Im Jahr 1991 wurde in einem Gletscher der so genannte "Ötzi", die außerordentlich gut erhaltene mumifizierte Leiche eines Menschen jener Epoche gefunden. Während der von ca. 800-400 v. Chr. bestehenden keltischen Hallstattkultur fand bereits ein lebhafter Tauschhandel statt. Grundlage der wirtschaftlichen Macht und der hohen kulturellen Entwicklungsstufe der Kelten war in erster Linie der Abbau und Handel mit Erz und Salz, welches beides im Alpenraum reichlich vorhanden war. Die römische Herrschaft: In der Zeit um Christi Geburt eroberten die Römer das Gebiet des heutigen Österreichs und errichteten dort die Provinz Noricum mit der Donau als Nordgrenze. Zu den Siedlungen, die die Römer in ihrer neuen Provinz gründeten, gehörten Iuvavum (Salzburg), Brigantium (Bregenz) und Vindobonum (Wien). Wie die anderen Provinzen des Imperium Romanum erhielt auch Noricum eine römische Verwaltung. Die einheimische Bevölkerung übernahm die Gottheiten der neuen Herren und die Errungenschaften der römischen Zivilisation. Seit 200 n.Chr. fielen germanische Stämme, vor allem die Markomannen in Noricum ein. Im 5. Jahrhundert verleibten sich die Langobarden weite Teile der Provinz ein. Nach dem Abzug der Römer wurde der Osten des ehemaligen Noricums von Awaren und slawischen Volksstämmen besiedelt. Im Westen rückten die Bajuwaren nach.

Die bajuwarische Herrschaft

Seit dem 6. Jahrhundert besiedelten die Bajuwaren (Bayern) den Donau- und Alpenraum, das heutige Österreich. In ihrem Gefolge kam es zu einer Christianisierung dieses Raums. Im Jahr 696 gründete der aus Worms stammende Bischof Rupert in Salzburg das Erzstift St. Peter, ein Kloster nach den Regeln des Heiligen Benedikt. Ab Mitte des 8. Jahrhunderts unterwarf sich auch Kärnten dem bayerischen Herzogsgeschlecht der Agilolfinger, unter dessen Herrschaft die christliche Missionierung bis an die Drau voranschritt.Wie schon sein Vater Odilo stiftete auch Herzog Tassilo III. von Bayern (748-788) etliche Klöster in den neuen Territorien. Im Jahr 788 wurde Tassilo von Karl dem Großen (768-814) abgesetzt, der Bayern und weite Teile des heutigen Österreichs seinem Frankenreich eingliederte. Nach der Zerschlagung des Awarenreiches (791-805) errichtete Karl der Große die Ostmark, die von der Enns bis an den Plattensee und von der Donau bis an die Drau reichte. Der Ostteil fiel jedoch bald an die Magyaren (Ungarn). Im 10. Jahrhundert dehnten diese ihre Eroberungszüge bis in das inzwischen wieder selbständige Herzogtum Bayern aus. Erst ihre Niederlage gegen ein vereintes deutsches Heer unter König Otto I. (936-973) auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955 veranlasste die Ungarn zum Rückzug in die pannonische Tiefebene. Damit fielen auch die eroberten österreichischen Gebiete an Bayern zurück.

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Kaiser Otto III.

Die Babenberger (976-1246)

Nach Streitigkeiten mit dem Bayernherzog Heinrich II. dem Zänker (955-995) um eine Beschneidung der bayerischen Territorialmacht bemüht, löste Kaiser Otto II. (961-983) Kärnten aus dem bayerischen Herrschaftsgebiet und erklärte es zum eigenen Herzogtum. Die restliche Ostmark gab er 976 dem ihm ergebenen bayerischen Markgrafen Leopold I. von Babenberg zum Lehen. Im Jahr 996 tauchte in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. (980-1002), mit der er dem bayerischen Bistum Freising Land an der Ybbs überließ, erstmals der Name "Österreich" auf. Im Jahr 1156 erhob Kaiser Friedrich Barbarossa (1152-1190) die bisherige babenbergische Markgrafschaft zum Herzogtum Österreich. Im "Privilegium minus" sicherte er den Babenbergern und ihren Nachfahren in männlicher und weiblicher Linie "für ewige Zeiten" die Herrschaft über das Herzogtum Österreich zu. Seine Blütezeit erlebte das babenbergische Österreich Ende des 12. Jahrhunderts unter Herzog (1176-1194) Leopold V., dem 1192 durch Erbvertrag auch die Steiermark zufiel. Wien entwickelte sich in dieser Zeit zu einem kulturellen Zentrum des Reiches und zu einer Hochburg des Minnesangs. Leopold V. nahm auch am 3. Kreuzzug und der Eroberung Akkons im Jahr 1191 teil. Bei dieser Gelegenheit wurde er vom englischen König Richard Löwenherz (1157-1199) schwer beleidigt. 1192 ließ er Richard, der sich auf der Rückreise nach England befand, bei Wien gefangen nehmen. Erst nach zwei Jahren und der Zahlung eines hohen Lösegeldes ließ er den auf der Burg Trifels festgesetzten König weiterziehen. Schon ein halbes Jahrhundert später erlosch mit dem Tod Herzog Friedrichs II. dem Streitbaren im Jahr 1246 das Geschlecht der Babenberger im Mannesstamm.

Die ersten Habsburger

Anspruch auf das Herzogtum Österreich erhoben nun der mit einer Schwester des letzten Babenbergers verheiratete König Ottokar II. von Böhmen (1233-1278 ) und König Bela IV. von Ungarn (1235-1270). Durch Vermittlung des Papstes wurde Österreich im Jahr 1254 aufgeteilt. Die Steiermark fiel an Ungarn, das übrige Österreich an Böhmen. Als Ottokar sich auch um die deutsche Königskrone bemühte, zogen die deutschen Kurfürsten dem mächtigen böhmischen König einen kleineren Territorialherren vor. 1273 wählten sie in Frankfurt Graf Rudolf IV. von Habsburg (1218-1291) als Rudolf I. einstimmig zum deutschen König. Er entstammte einem seit dem 10. Jahrhundert in der heutigen Schweiz und Südwestdeutschland angesiedelten Geschlecht. In seiner neuen Funktion als deutscher König konnte Rudolf die Entfremdung der Reichslehen Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain nicht hinnehmen. 1276 besiegte er Ottokar vor den Toren Wiens, der daraufhin Österreich, die Steiermark, Kärnten, Krain, die Windische Mark und das Egerland an das Reich verlor. Nach dem Tod Ottokars bei einer zweiten Schlacht im Jahr 1278 auf dem Marchfeld ging König Rudolf I. daran, seine Hausmacht in den Südosten des Reiches auszudehnen und gab seinen Söhnen Albrecht I. (1255-1308) und Rudolf II. (1271-1290) die Herzogtümer Österreich und Steiermark zum erblichen Lehen. Dies wurde das Kerngebiet der habsburgischen Erblande.

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König Albrecht I. von Österreich

Territorialgewinne und Teilung des Landes: Rudolfs Sohn Albrecht I. hatte zunächst mit dem aufständischen Adel seiner neuen Herzogtümer zu kämpfen. Nach seiner Wahl zum deutschen König im Jahr 1298 gelang es ihm aber, seine Hausmacht in Österreich wieder zu festigen. Mit Friedrich III. dem Schönen (1289-1330) gelangte 1314 für die nächsten hundert Jahre vorerst der letzte Habsburger auf den deutschen Thron. Im 14. Jahrhundert begann mit einer Reihe von Niederlagen gegen die Eidgenossen der allmähliche Verlust der habsburgischen Stammlande in der Schweiz. Als neue Erblande konnten sie durch geschickte Heiratspolitik und Erbschaften indes 1335 Krain, 1363 Tirol, 1368 Freiburg und das Breisgau (Vorderöstereich) sowie 1382 die Hafenstadt Triest dazugewinnen. 1379 kam es zu einer Teilung der habsburgischen Erblande: Oberösterreich und Niederösterreich fielen dabei an die Albertinische Linie, die Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol an den Leopoldinischen Zweig des Hauses. Dieser Zweig wurde 1411 noch einmal geteilt und gab Anlass für etliche habsburgische Bruderkämpfe. Zudem musste sich Österreich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der ersten Türkeneinfälle und den Begehrlichkeiten benachbarter Mächte erwehren. Zwischen 1477 und 1485 eroberte der ungarische König Matthias Corvinus (1440-1490) Niederösterreich, die Steiermark und Kärnten und schlug in Wien seine Residenz auf. Friedrich III. (1440-1493), seit 1452 deutscher Kaiser, musste sich nach Linz zurückziehen.

Maximilian I.

Nach dem Tod von Matthias Corvinus vertrieb Friedrichs Sohn Maximilian (1459-1519) 1491 die Ungarn aus Österreich und war nun, nachdem er schon 1490 in den Besitz Tirols gelangt war, im alleinigen Besitz der habsburgischen Erblande. Mit seiner geschickten Heiratspolitik legte Maximilian I., seit 1508 auch deutscher Kaiser, den Grundstock für das habsburgische Weltreich, in dem unter Karl V. "die Sonne nicht unterging". Durch seine eigene Heirat mit Maria von Burgund sicherte er dem Hause Habsburg dieses reiche Herzogtum. Durch die Verheiratung seines Sohnes Philipp des Schönen mit der Erbin von Kastilien und Aragon, Johanna der Wahnsinnigen, sicherte er seiner Familie auch die Anwartschaft auf die spanische Krone. Karl (1500-1558), der älteste Sohn aus dieser Verbindung, wurde 1516 als Karl I. König von Spanien, Neapel und Sizilien und Herrscher über die südamerikanischen Kolonien Spaniens. Im Jahr 1519 wurde er als Karl V. zum deutschen Kaiser gekrönt. Dessen jüngerem Bruder Ferdinand (1503-1564) sicherte Maximilian 1515 durch eine doppelte Heirat mit dem Hause Jagiello die Anwartschaft auf die Kronen Ungarns und Böhmens, die ihm im Jahr 1526 zufielen. Ferdinand erhielt 1521 von seinem Bruder Karl die österreichischen Erblande und wurde 1556 nach dessen Abdankung auch zum deutschen Kaiser gewählt.

In seinen österreichischen Erblanden setzte Maximilian den Grundstock für eine effektive Verwaltung. Er richtete zwei verschiedene "Regimenter" ein, denen Verwaltung, Rechtspflege und Finanzen unterstanden. Das eine mit Sitz in Wien verwaltete den östlichen Teil Österreichs, das andere Regiment mit Sitz in Innsbruck den westlichen. Das von Maximilian so zielstrebig erbaute habsburgische Weltreich zerfiel mit dem Rücktritt Karls V. im Jahr 1556 wieder. Das Haus Österreich teilte sich in zwei Linien, in die von Karls Sohn Philipp II. (1556-1598) begründete spanisch-burgundische und die von seinem Bruder Ferdinand begründete österreichisch-deutsche Linie.

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Kaiser Ferdinand I.

Ferdinand I. und seine Nachfolger

Die im Zuge der Reformation in Südwestdeutschland und Mitteldeutschland ausbrechenden Bauernaufstände griffen 1525 zuerst auf Tirol und dann auch auf andere Teile Österreichs über. Ferdinand gelang es zwar, sie niederzuschlagen, nicht allerdings, dem weiteren Vordringen des Protestantismus Einhalt zu gebieten. Vor allem beim Adel gewann der neue Glauben bald viele Anhänger. Viele Bauern schlossen sich der Bewegung der Wiedertäufer an. Eine weit größere Bedrohung nicht nur für Ferdinands Herrschaft, sondern für den Bestand seines Erbes überhaupt, stellten die sich fast alljährlich wiederholenden, mit Plünderungen und Verwüstungen einhergenden Einfälle der Türken in die südlichen und südöstlichen Landesteile dar. Die Türken hatten bereits den größten Teil seines Königreiches Ungarn erobert, als sie im September 1529 bis vor Ferdinands Hauptstadt Wien vordrangen. Es gelang zwar, die Belagerer zurückzuschlagen, die Türkengefahr blieb jedoch noch bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts bestehen.

Innenpolitisch setzte Ferdinand die von seinem Vater Maximilian begonnene Verwaltungsreform fort und schuf 1556 vor allem angesichts der ständigen Bedrohung durch das Osmanische Reich einen Hofkriegsrat. Entgegen dem Beispiel seines Vaters beschloss Ferdinand 1554 in der "Hausordnung" eine neuerliche Teilung seines Besitzes unter seine Söhne. Sein ältester Sohn Maximilian II. (1527-1576), seit 1564 auch deutscher Kaiser, erhielt Ober- und Niederösterreich mit der Hauptstadt Wien, das Salzkammergut sowie Böhmen, Mähren, Schlesien und Ungarn. Erzherzog Ferdinand erhielt Vorderösterreich und Tirol mit Innsbruck als Regierungssitz. Innerösterreich mit der Hauptstadt Graz fiel an Erzherzog Karl. Dieser war dort angesichts der Türkeneinfälle zu erheblichen Zugeständnissen gegenüber den protestantischen Ständen bereit. Ebenso verfuhr Maximilian II. in seinen Territorien. Ihre Nachfolger dagegen leiteten eine strenge Rekatholisierung ein.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts brach unter der Herrschaft von Maximilians Sohn Rudolf II. (1552-1612, seit 1576 deutscher Kaiser) der "Bruderzwist im Hause Habsburg" aus. Er hatte seine Residenz von Wien nach Prag verlegt und lebte dort vor allem für die Wissenschaft und die Kunst. Rein geographisch weit entfernt von seinen von den Osmanen bedrohten Untertanen, ließ er keine Aktivitäten im Kampf gegen die Türken erkennen. Auf Betreiben des Wiener Bischofs Melchior Khlesl wurde Rudolf daher 1607 für abgesetzt erklärt und sein Bruder Matthias (1557-1619, seit 1612 deutscher Kaiser) zum Oberhaupt des Hauses Habsburg ernannt. 1608 musste Rudolf ihm Ober- und Niederösterreich, sowie Ungarn und Mähren abtreten.

Der Dreißigjährige Krieg

Unter Ferdinand II. von Innerösterreich (1578-1637, seit 1619 deutscher Kaiser) kamen 1619 die gesamten Erblande mit Ausnahme Tirols, sowie Böhmen (1617) und Ungarn (1618) wieder in eine Hand. In allen seinen Ländern eine strikte Rekatholisierung betreibend, ging er auch rücksichtslos gegen die protestantischen böhmischen Stände vor. Der reiche böhmische Adel und das städtische Bürgertum, die in ihrer Mehrheit zu der neuen Religion übergetreten waren und ohnehin antihabsburgisch gesonnen waren, waren nicht bereit, weiterhin die österreichische Bevormundung hinzunehmen. Am 23. Mai 1618 wurden zwei kaiserliche Statthalter demonstrativ aus einem Fenster der Prager Burg geworfen. Damit begann der böhmische Aufstand gegen Habsburg, der in den Dreißigjährigen Krieg mündete. Die mit dem Aufständischen anfangs sympathisierenden Stände Ober- und Niederösterreichs unterwarfen sich angesichts der militärischen Misserfolge der Böhmen jedoch bald wieder dem Kaiser. Am 8. November 1620 wurde das Heer der böhmischen Stände am Weißen Berg bei Prag vernichtend geschlagen. Ferdinands Rache an den Aufständischen war grausam. Die Anführer wurden sämtlich hingerichtet, alle Protestanten, d.h. auch fast der gesamte angestammte Adel Böhmens wurden des Landes verwiesen. Dessen reiche Besitztümer, Schlösser und riesige Ländereien gingen an kleine österreichische Gefolgsleute Ferdinands und Söldnerführer, die mit Grafen- und Fürstentiteln versehen, zu Begründern der großen böhmischen Magnatenhäusern wurden. Böhmen, bisher ein Wahlkönigtum, wurde zum erblichen Bestandteil der habsburgischen Länder erklärt. Für seine Hilfe im Kampf gegen die Böhmen verpfändete Ferdinand 1621-1628 Oberösterreich an Kurfürst Maximilian I. von Bayern (1573-1651), den Führer der Katholischen Liga. Die von dessen Statthaltern brutal vorangetriebene Wiedereinführung des Katholizismus führte 1626 zu Aufständen unter den oberösterreichischen Bauern, die allerdings bald niedergeschlagen wurden. Den Adel zwang Ferdinand zur Rückkehr zum katholischen Glauben oder zur Auswanderung und vollständiger Enteignung. Damit war der Protestantismus in Österreich für die nächsten zwei Jahrhunderte ausgeschaltet.

In dem mit dem Prager Fenstersturz von 1618 begonnenen, halb Europa verheerenden Dreißigjährigen Krieg gelang es Ferdinands Oberbefehlshaber Albrecht von Wallenstein, fast ganz Deutschland zu erobern. Als er dem Kaiser zu mächtig geworden war, ließ er ihn 1634 in Eger ermorden. Den Oberbefehl übertrug er seinem Sohn Ferdinand III. (1608-1657, seit 1637 deutscher Kaiser). Dieser, militärisch wenig erfolgreich, aber weniger unerbittlich wie sein Vater, bemühte sich seit 1641 um einen Frieden, der 1648 schließlich gelang. Aufstieg zur Großmacht: Nach dem Westfälischen Frieden konnte Österreich unter Leopold I. (1640-1705), seit 1658 auch deutscher Kaiser, seine Kräfte zum Kampf gegen die Türken bündeln. 1664 gelang es dem österreichischen Feldherren Graf Raimund Montecuccoli, das von Süden herannahende osmanische Heer bei St. Gotthard an der Raab zurückzuschlagen. Im Sommer 1683 drang ein riesiges türkisches Heer bis vor die Tore Wiens vor, der Kaiser und seine Familie flohen nach Linz. Nach wochenlanger Belagerung Wiens rückten aus dem ganzen deutschen Reich Truppen zum Entsatz der Stadt heran. Von Osten nahte der polnische König Jan Sobieski mit einem großen Heer. Mit vereinten Kräften brachten sie den Türken am 12. September 1683 in der Schlacht am Kahlenberg eine vernichtende Niederlage bei. Mit Hilfe so tüchtiger Heerführer wie Prinz Eugen von Savoyen, Kurfürst Max Emanuel von Bayern, Markgraf Ludwig von Baden (im Volksmund der "Türkenlouis" genannt) und Karl von Lothringen begann jetzt die Vertreibung der Türken aus Ungarn. 1686 wurde Ofen (heute Budapest) zurückerobert, 1687 mussten sich die Osmanen hinter Drau und Theiß zurückziehen. In einer im selben Jahr erfolgten Huldigung erkannten die ungarischen Stände Kaiser Leopold und seine Nachkommen als ihre Könige an. Damit wurde aus dem Wahlkönigtum der Ungarn de facto eine erbliche Monarchie des Hauses Habsburg. Nach weiteren militärischen Erfolgen Prinz Eugens, gewann das Haus Österreich 1699 im Frieden von Karlowatz auch das zur Stephanskrone gehörende Siebenbürgen und Slawonien von den Türken zurück: Im Frieden von Passarowitz (1718) fielen Belgrad mitsamt Nordserbien, das Banat und Teile der Walachei an Österreich. Bis auf das Banat gingen diese Eroberungen jedoch bald wieder an die Türken verloren.

Der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714) und die Pragmatische Sanktion (1713)

Nach dem Aussterben der spanischen Linie der Habsburger im Jahr 1700 erhoben die österreichischen Habsburger Anspruch auf die Länder der spanischen Krone. Dies rief Frankreich auf den Plan, das einen Machtzuwachs der Habsburger nicht hinnehmen wollte. Unterstützt wurden die Habsburger vom Reich, von England, den Generalstaaten und von Portugal, Frankreich vom bayerischen Kurfürsten Max Emanuel. Der 1701 ausgebrochene Krieg um die spanische Erbfolge wurde außer in Spanien vor allem in den Niederlanden, Süddeutschland und Norditalien geführt. In den Friedenschlüssen von Utrecht (1713) und Rastatt (1714) erhielt Philipp V., ein Enkel Ludwigs XIV. von Frankreich, Spanien mitsamt den überseeischen Besitzungen, an Österreich fielen die bisher spanischen Niederlande mit der Hauptstadt Brüssel, ferner Mailand, Neapel sowie Sardinien, das allerdings 1720 gegen Sizilien ausgetauscht wurde. Im Krieg um die polnische Thronfolge verlor Kaiser Karl VI. (1685-1740, seit 1711 deutscher Kaiser) 1733 Neapel und Sizilien an die spanischen Bourbonen, erhielt dafür aber Parma und Piacenza. Österreich konnte zwar erhebliche Territorialgewinne verzeichnen. Ein Nachteil war allerdings, dass die neuen Besitzungen weitab vom habsburgischen Kernland lagen und durch völlig unterschiedliche historische Entwicklungen geprägt waren.

In seinen von starken Ständen dominierten Ländern Ungarn und die südlichen Niederlande (dem heutigen Belgien) regte sich in dieser Zeit zudem Widerstand gegen den zunehmend absolutistischen Regierungsstil Karls VI. Nach dem Tod seines einzigen Sohnes im Jahr 1716 galt dessen ganze Sorge dem Erhalt des Hauses Habsburg und seiner Erblande. Da dort nur die männliche Erbfolge galt, setzte er in der 1713 erlassenen "Pragmatischen Sanktion" fest, dass die Habsburgischen Erblande nach seinem Tod an seine älteste Tochter Maria Theresia fielen. Zwischen 1720 und 1735 erreichte er die Zustimmung der meisten europäischen Mächte. 1732 wurde die "Pragmatische Sanktion" auch von den Reichsständen angenommen, obwohl sie die Erbrechte der Töchter von Karls VI. älteren Bruder Kaiser Joseph I. (1678-1711, deutscher Kaiser seit 1705) überging.

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Maria Theresia und Franz I. mit ihren elf Kindern auf einer Terrasse des Schlosses Schönbrunn. Monographie von Martin Meytens d.J.

Der Österreichische Erbfolgekrieg (1741-1748)

Als nach Karls VI. Tod am 20. Oktober 1740 dessen 23jährige Tochter Erzherzogin Maria Theresia (1717-1780) gemäß dem neuen Hausgesetz dessen Nachfolge als Herrscherin über die habsburgischen Erblande antrat, legten die mit Töchtern Kaiser Josephs I. verheirateten Kurfürsten Karl Albrecht von Bayern (1742-1745 auch deutscher Kaiser) und Kurfürst August III. von Sachsen sofort Protest ein. Unterstützung fanden sie bei König Philipp V. von Spanien und König Friedrich II. von Preußen (1712-1786), einem Vetter Maria Theresias. Ohne Kriegserklärung marschierten seine Truppen im Dezember 1740 in Schlesien ein. Damit begann der Erste Schlesische Krieg, der sich, nachdem sich auch Bayern, Frankreich und Spanien sowie fast alle anderen europäischen Länder gegen Österreich stellten, zum Österreichischen Erbfolgekrieg auswuchs. Zur Entlastung ihrer Truppen verzichtete Maria Theresia 1742 auf den größten Teil Schlesiens. Im selben Jahr gewann das bis dahin isolierte Österreich die Unterstützung Großbritanniens, Russlands und der Niederlande. Zunehmende militärische Erfolge Österreichs und seiner Verbündeter veranlassten Friedrich II. im Sommer 1744 zum Einfall in Böhmen. Damit begann der Zweite Schlesische Krieg. Nach dem Tod des bayerischen Kurfürsten und deutschen Kaisers Karl Albrecht im Januar 1745 erkannte dessen Sohn Kurfürst Maximilian III. die Pragmatische Sanktion an und versprach, die Wahl von Maria Theresias Gemahl Franz Stephan von Lothringen (1780-1765) zum neuen deutschen Kaiser zu unterstützen. Dafür erhielt er sein von österreichischen Truppen besetztes Kurfürstentum Bayern zurück. Mit dem im Oktober 1748 geschlossenen Frieden von Aachen ging der Österreichische Erbfolgekrieg zu Ende. Maria Theresia bestätigte darin noch einmal den Verlust Schlesiens an Preußen und verlor ihre norditalienischen Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla an Spanien. In ihrem Besitz blieben dagegen die wohlhabenden Österreichischen Niederlande. Zuvor schon hatte sie im September 1745 in Frankfurt den Triumph der Krönung ihres Gemahls Franz I. Stephan von Lothringen zum deutschen Kaiser erlebt. Er hatte bereits bei seiner 1735 erfolgten Heirat mit Maria Theresia im Tausch auf die Toskana auf sein lothringisches Erbe verzichtet. Maria Theresia selber war gegen die landläufige Meinung nie selber Kaiserin, jedoch Erzherzogin und Herrscherin über die österreichischen Erblande, sowie Königin von Böhmen und von Ungarn.

Der Siebenjährige Krieg

Mit dem Verlust Schlesiens an Preußen begann der bis 1866 dauernde österreichisch-preußische Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland. Unterstützt von ihrem Gemahl Kaiser Franz Stephan und ihrem Kanzler Fürst Wenzel von Kaunitz, die die Meinung vertraten, dass Österreich nur Bestand habe, wenn Preußen niedergerungen werde, nahm Maria Theresia eine völlige Umorientierung seiner Bündnispolitik vor. Der erste Schritt war die Beilegung der jahrhundertelangen Feindschaft zwischen Habsburg und Bourbon durch das Bündnis von Versailles von 1756. Dieses Bündinis sollte später durch eine Heirat besiegelt werden. Im Jahr 1770 wurde die 15jährige Kaisertochter Marie Antoinette mit dem 16jährigen Enkel König Ludwigs XV. von Frankreich, dem späteren Ludwig XVI., verheiratet. Als französische Königin von ihrer Mutter ständig mit schriftlichen Verhaltensmaßregeln geplagt und in Frankreich als österreichische Spionin verdächtigt, bezahlte die Tochter Maria Theresias diese Heirat in der Französischen Revolution schließlich mit ihrem Leben.

Zur Niederwerfung und Einkreisung Preußens sowie zur Rückeroberung Schlesiens entschlossen, ging Maria Theresia 1756 noch Militärallianzen mit Russland und Schweden ein. In dem im selben Jahr ausbrechenden Siebenjährige Krieg, in dem auch Großbritannien und Frankreich ihren Kampf um die Vorherrschaft in Nordamerika ausfochten, konnten die Österreicher und ihre Verbündeten anfangs erhebliche militärische Erfolge erzielen. Friedrich II. von Preußen schien schon besiegt, als im Jahr 1762 russische Truppen in Berlin einmarschierten. Da starb plötzliche Maria Theresias Verbündete, die Zarin Elisabeth. Ihr Neffe und Nachfolger, der preußenbegeisterte Peter III., ordnete den sofortigen Rückzug seiner Militärs an. Nach dessen Ermordung führte auch dessen Nachfolgerin Katharina die Große den Krieg gegen Preußen nicht weiter. So war Österreich zu Verhandlungen gezwungen. Der Frieden von Hubertusburg besiegelte 1763 den endgültigen Verbleib Schlesiens bei Preußen. Territoriale Gewinne konnte Maria Theresia verzeichnen, indem sie sich in der zusammen mit Preußen und Russland vorgenommenen Ersten Polnischen Teilung 1772 Galizien und Lodomerien einverleibte. 1775 kam die Bukowina hinzu, im Bayerischen Erbfolgekrieg 1779 auch das Innviertel.

Die Reformen Maria Theresias

Gleich nach ihrem Regierungsantritt begann Maria Thersia mit der inneren Reform ihrer Erblande. 1742 bildete sie die von Kaunitz geleitete Hof- und Staatskanzlei zur Regelung außenpolitischer und die Dynastie betreffender Angelegenheiten. 1749 fasste sie die österreichischen Erblande und Böhmen zu einem einheitlichen Staat zusammen, dessen politische Leitung und Finanzverwaltung einem gemeinsamen Direktorium, und 1762 der Vereinigten Österreichisch-böhmischen Hofkanzlei übertragen wurden. Ungarn behielt seine eigene Verwaltung. Zur Aufbewahrung wichtiger Staatsdokumente richtete Maria Theresia das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien ein. Die Trennung von Verwaltung und Justizwesen wurde 1749 durch die Einrichtung einer Obersten Justizbehörde vollzogen. Als allem übergeordnetes beratendes Gremium wurde ein Staatsrat installiert. Maria Theresias sozialpolitische Reformen kamen vor allem den Bauern zugute. Die grundherrlichen Kompetenzen bei der Steuererhebung und der Gerichtsbarkeit wurden eingeschränkt, bäuerlicher Besitz in Katastern aufgenommen. Zur Förderung von Handwerk, Manufakturwesen, Handel und Gewerbe wurde der Zunftzwang gelockert. Mit der Einführung des Maria-Theresia-Talers wurde eine einheitliche Währung geschaffen.

Die josephinischen Reformen

Maria Theresias Sohn Joseph II. (1741-1790, seit 1765 deutscher Kaiser) ging in seiner Reformtätigkeit erheblch weiter als seine Mutter. Er hob die Leibeigenschaft auf und schaffte die Todesstrafe ab. Seine Toleranzedikt von 1781 sicherte allen christlichen Glaubensgemeinschaften gleiche Rechte in der Ausübung ihres Kultus zu, auch die Stellung der jüdischen Gemeinden wurde verbessert. Dagegen wurde der Einfluss der Katholischen Kirche stark beschnitten. Alle Klöster, die sich nicht der Krankenpflege, der Seelsorge oder der schulischen Ausbildung widmeten, wurden aufgehoben. Joseph II. strich einen Großteil der katholischen Feiertage, schränkte die Zahl der Wallfahrten stark ein und schrieb sogar die maximal zu verwendende Anzahl von Kerzen beim Gottesdienst vor. Aus Ersparnisgründen wurde sogar die Verwendung von Särgen bei Beerdigungen untersagt, die Toten mussten in Säcken bestattet werden. Diese und ähnliche radikale Neuerungen mussten jedoch angesichts der Proteste in der Bevölkerung bald wieder zurückgenommen werden. Wegen der mangelnden Rücksichtnahme Josephs II. gegenüber den Traditionen und lokalen Eigenheiten seiner verschiedenen Länder stießen seine Reformen überall auf Widerstand. Bei seinem Tod blieb von dem Reformwerk nur das Toleranzedikt und die Aufhebung der Todesstrafe übrig.

Gründung des österreichischen Kaiserreiches: Die Französische Revolution und die anschließend ausbrechenden Kriege brachten ganz Europa aus dem Gleichgewicht. 1792 schloss Leopold II. (1747-1792, seit 1790 deutscher Kaiser) ein antifranzösisches Bündnis mit Preußen. Daraufhin erklärte Frankreich Österreich den Krieg. Nach dem Ersten Koalitionskrieg (1792-1797) verlor Österreich, inzwischen regiert von Leopolds Sohn Franz II. (1768-1835, seit 1792 deutscher Kaiser), im Frieden von Campo Formio die österreichischen Niederlande und Oberitalien bis zur Etsch an Frankreich.

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Franz II., (Stich von G. Longhi nach dem Gemälde von N. Schiavoni)

Nach der gegen Napoleon erlittenen katastrophalen Niederlage bei Austerlitz besiegelte der Frieden von Pressburg (1805) auch den Verlust der restlichen italienischen Besitzungen, Dalmatiens, Vorderösterreichs und Tirols. Dafür erhielt Österreich Berchtesgaden und das bislang selbständige Fürstbistum Salzburg. Auf die1804 erfolgte Selbstkrönung Napoleons zum Kaiser von Frankreich antwortete Österreich mit der Proklamation Franz II. zum österreichischen Kaiser Franz I. Als sich 1806 sechzehn deutsche Reichsfürsten zu dem unter dem Protektorat Napoleons stehenden Rheinbund zusammenschlossen, legte Franz II. die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nieder, das damit nach über tausendjährigem Bestehen unterging.

Mit einem allgemeinen Aufstand der von Napoleon besetzten europäischen Länder rechnend, eröffnete Österreich 1809 im Sommer den Krieg gegen Frankreich, musste aber schon nach kurzer Zeit die Waffens strecken. Auch der von Andreas Hofer angeführte Tiroler Volksaufstand gegen die französisch-bayerische Besatzung wurde niedergeschlagen. Österreich verlor nun auch noch Salzburg, das Innviertel, den Villacher Kreis und Galizien. Der neue Außenminister Fürst Clemens von Metternich (1773-1859) betrieb zur Begrenzung weiteren Schadens für Österreich eine Annäherung an Frankreich. Als Unterpfand dieser neuen Verbindung diente die Kaisertochter Marie Louise, die 1810 gegen ihren Willen mit Napoloen verheiratet wurde. Nach der Rückkehr Napoleons und seiner geschlagenen Grande Armée vom gescheiterten Russlandfeldzug 1812 kam es in ganz Europa zu Aufständen und Volkserhebungen gegen die französischen Besatzer, denen sich auch Österreich anschloss. In der Völkerschlacht von Leipzig 1813 wurde Napoleon vernichtend geschlagen. 1814 von den Truppen der politisch von Metternich dominierten Alliierten auch in Frankreich geschlagen, wurde Napoleon zur Abdankung gezwungen. Den französischen Thron bestieg der von den Verbündeten aus dem Exil zurückgerufene Ludwig XVIII., der Bruder des unter der Guillotine gestorbenen Ludwig XVI.

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Klemens Wenzel Fürst von Metternich

Nach dem Wiener Kongress

Nach der erzwungenen Abdankung Napoleons berief Metternich 1814/15 in Wien einen Kongress ein, auf dem über die Neuordnung Europas verhandelt wurde. Österreich verzichtete zugunsten der Niederlande auf den südlichen, bisher österreichischen Landesteil (heute Belgien), und zugunsten Württembergs und Badens auf Vorderösterreich. Dafür erhielt es Tirol, Vorarlberg, Salzburg, Kärnten, Krain, Triest, Venetien, Mailand und Galizien zurück. Aus den Staaten des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ging der von der Präsidialmacht Österreich geführte Deutsche Bund mit einer Bundesversammlung in Frankfurt und einem gemeinsamen Bundesheer hervor. Der Vielvölkerstaat Österreich gehörte dem Deutschen Bund nur mit seinen deutschsprachigen Kernlanden und Böhmen an. Die anderen habsburgischen Länder Ungarn, Siebenbürgen, Galizien, Kroatien, Slawonien, Dalmatien sowie die italienischen Besitzungen blieben ausgeschlossen. Die Politik innerhalb des Deutschen Bundes und der Donaumonarchie wurde in der Folgezeit von Staatskanzler Metternich nach seinen Prinzipien Legitimität und Stabilität bestimmt. Zur Wahrung dieser Grundsätze wurde überall ein straff organisiertes Polizei- und Spitzelwesen installiert und eine strenge Zensur eingeführt. Jegliche konstitutionellen oder nationalstaatlichen Regungen wurden unterdrückt.

Die Revolution von 1848

Seit der französischen Julirevolution von 1830 gärte es in ganz Europa, die Autonomiebestrebungen der nichtdeutschen Völker der Donaumonarchie traten immer deutlicher hervor. Ermutigt von der Pariser Februarrevolution 1848, forderten die Ungarn unter Führung des Politikers und Journalisten Lojos Kossuth eine Repräsentativverfassung. In Wien verlangten Bürger und Studenten, in bald in blutige Unruhen ausartenden Protestaktionen, die Entlassung Metternichs, der auch stattgegeben wurde. Ferner forderten sie die Aufhebung der Zensur, die Bildung einer Nationalgarde, die Umwandlung von Ministerrat und Hofkanzleien in einen Staatsrat mit verschiedenen Fachministerien und die Verkündung einer Konstitution. Die daraufhin erlassene "Aprilverfassung" wurde nach einem neuerlichen Aufstand radikalerer Kräfte im Juli 1848 wieder aufgehoben, das allgemeine Wahlrecht eingeführt und ein Reichstag gebildet, der als ersten Akt die bäuerliche Untertänigkeit unter die Grundherren aufhob.

Zur gleichen Zeit erhoben sich auch die anderen Nationen des Vielvölkerstaates. Der in Prag tagende Slawenkongress forderte die Umwandlung der Donaumonarchie in einen Bund gleichberechtigter Völker, Ungarn sowie Lombardei-Venetien die völlige Unabhängigkeit von Österreich. Sardinien kam den aufständischen italienischen Landsleuten mit Truppen zu Hilfe, wurde aber von Fürst Windischgrätz bei Custozza und Novara geschlagen. Nach einem dritten Aufstand in Wien im Oktober 1848 flohen Kaiser Ferdinand (1793-1875) und der Hof nach Olmütz. Indessen eroberten kaiserliche Truppen unter Fürst Windischgräz und General Jelacic die rebellische Hauptstadt. Der Hof kehrte nach Wien zurück, im Dezember 1848 dankte der als geistesschwach geltende, vom Familienrat zu diesem Schritt gedrängte Kaiser Ferdinand zugunsten seines 18jährigen Neffen Franz Joseph I. (1830-1916) ab. Bis dahin waren alle Revolutionssversuche von den Österreichern niedergeschlagen worden, die aufständischen Ungarn kapitulierten erst 1849 nach dem Eingreifen russischen Militärs. Im März 1849 verkündete Kaiser Franz Joseph eine oktroyierte Verfassung für die gesamte Monarchie. Der Reichstag wurde aufgelöst.

Neue Konflikte

Nach den Erfahrungen des Jahres 1848 verfolgte die Regierung unter Fürst Felix Schwarzenberg (1800-1852) einen neoabsolutistischen Kurs, der die Einheit des Vielvölkerstaates wahren sollte. Es gab nur geringfügige Reformen wie die Einführung einer allgemeinen Grund- und Einkommensteuer und eine Neuordnung des Schulwesens. Die nie in Kraft getretene oktroyierte Verfassung von 1848 wurde schon 1851 wieder aufgehoben. Außenpolitisch war der neoabsolutistische Kurs wenig erfolgreich. Im Krimkrieg (1853-1856) verprellte Österreich seinen wichtigsten Verbündten Russland durch die Verweigerung militärischer Hilfe und die Besetzung der Donaufürstentümer Moldau und Walchei. Nach der mit dem Verlust der Lombardei, der Toskana und Modenas verbundenen Niederlage in der Schlacht von Solferino 1859, aus der Frankreich und Sardinien als Sieger hervorgingen, außenpolitisch geschwächt, schwenkte die österreichische Regierung auf einen liberaleren Kurs ein. Das "Oktoberdiplom" von 1860 sollte eine auf Föderalimus aufgebaute Verfassung schaffen. Dagegen opponierten die deutschösterreichischen Liberalen und die nationalistisch gesonnenen Ungarn jedoch ebenso wie gegen die zentralistisch orientierte Februarverfassung von 1861.

Seit 1865 verfolgte Österreich wieder eine neoabsolutistische Politik. Was das Verhältnis zu Preußen betraf, so hatte Schwarzenberg in der "Olmützer Punktation" 1850 eine Restitution des Deutschen Bundes unter der Präsidialmacht Österreich durchgesetzt. In der Folgezeit ließ der preußische Gesandte am Frankfurter Bundestag, Otto von Bismarck (1815-1898), nichts unversucht, um die österreichische Opposition zu schwächen. Seit 1862 preußischer Ministerpräsident, hielt Bismarck seinen König Friedrich Wilhelm IV. davon ab, Kaiser Franz Joseph 1863 auf dem Franfurter Fürstentag zu treffen, auf dem sich die beiden Monarchen hätten einigen können. Der ein Jahr später ausbrechende Konflikt mit Dänemark führte noch einmal zu deutsch-österreichischer Waffenbrüderschaft. Im Jahr 1866 entlud sich der österreichisch-preußische Konflikt über die Führung in Deutschland zum Krieg. Zwar schlug Österreich das mit Preußen verbündete Italien zu Land bei Custozza und bei Lissa zur See, verlor aber im direkten Kampf mit den Preußen die Schlacht von Königgrätz. Österreich musste Venetien an Italien abtreten, der Auflösung des Deutschen Bundes zustimmen und eine Neuordnung Deutschlands unter preußischer Führung hinnehmen. Damit war es Bismarck gelungen, Österreich, dessen Herrscher jahrhundertelang die deutschen Kaiser gestellt hatten, endgültig aus Deutschland herauszubefördern.

Die k.k. Doppelmonarchie

Die Niederlage gegen Preußen und das erzwungene Ausscheiden aus Deutschland veranlasste Österreich dazu, den Autonomieforderungen der Ungarn nachzugeben. Mit dem österreischisch-ungarischen Ausgleich von 1867 wurde die kaiserlich-königliche Dopelmonarchie Österreich-Ungarn geschaffen. Nur Außen, Militär- und Finanzpolitik wurden weiter zentral gesteuert. Ungarn erhielt seine eigene Verfassung und eine unabhängige Verwaltung, sowie die völlige Autonomie in allen innerungarischen Angelegenheiten. Nach diesen Zugeständnissen, die auch dem Einfluss der ungarnbegeisterten Kaiserin Elisabeth zu verdanken waren, krönten die Ungarn Franz Joseph zu ihrem König. Außenpolitisch dominierte jetzt das Bemühen, die Machtposition Österreichs auf den Kontinent sowie ein Gleichgewicht der Kräfte zu bewahren, die Politik. Ein Ergebnis war der Dreikaiserbund von 1872-1873. Nach dem russisch-türkischen Krieg von 1877-1878, der Bulgarien die Befreiung von der jahrhundertelangen türkischen Herrschaft brachte, fürchtete Österreich eine Schwächung seines Einflusses auf dem Balkan. Auf dem Berliner Kongress 1878 setzte Österreich bei den anderen Mächten die Zustimmung zur Besetzung Bosniens und der Herzegowina durch. 1879 schlossen Östereich-Ungarn und Deutschland den Zweibund über gegenseitige Waffenhilfe im Falle eines russsichern Angriffs. Im Jahre 1882 folgte der Dreibund mit Deutschland und Italien, im Jahr 1883 ein Bündnis mit Deutschland und Rumänien.

Das Ende der Monarchie

Im Inneren des Vielvölkerstaates begann es in dieser Zeit zunehmend zu gären. Die Gründung der Doppelmonarchie und die damit demonstrierte Bevorzugung Ungarns hatte die ebenfalls nach Autonomie strebenden Slawen tief verärgert. Einen Fürsprecher fanden sie in dem Thronfolger Franz Ferdinand (1863-1914), der für einen Trialismus eintrat, mit einem Großkroatien als autonomen slawischen Land innerhalb der Monarchie. Weitere politische Gruppierungen, die in dieser Zeit um Einfluss kämpften, waren die Deutschnationalen mit ihrer "Los-von-Rom-Bewegung", die Christsozialen mit stark antiliberaler und antisemitischer Ausrichtung und die Sozialdemokraten. Starke nationalistische Strömungen machten sich auch bei den Tschechen breit, die mit gewalttätigen Aktionen u.a. für die Einführung des Tschechischen als Amtssprache in Böhmen kämpften und im Reichsrat eine strikte Obstruktionspolitik betrieben. Auch außenpolitisch geriet Österreich in Bedrängnis. Die Annexion Bosniens und der Herzegowina 1908 rief Russland und Serbien auf den Plan. Alle Hoffnungen, dass der slawenfreundlich gesonnene Thronfolger Franz Ferdinand die Nationalitätenprobleme in der Monarchie lösen könnte, wurden zunichte gemacht, als er am 28. Juni 1914 in Sarajewo einem von ultranationalistischen Serben angezettelten Attentat zum Opfer fiel. Dies war der Beginn des Ersten Weltkriegs, der Österreich und dem verbündeten Deutschen Reich eine katastrophale Niederlage bescherte. Das Kriegsende 1918 bedeutete das Ende der drei europäischen Kaiserreiche Deutschland, Russland und Österreich-Ungarn. Von der großen Donaumonarchie blieb nach dem Abfall aller anderen Kronländer nur das kleine Deutschösterreich übrig.

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Verhaftung des Attentäters des Bombenanschlages von Sarajewo auf den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand 28.6.1914

Die Erste Republik

Am 21. Okotober 1918 trat in Wien eine "Provisorische Nationalversammlung des selbständigen deutschösterreichischen Staates" zusammen, die nach der am 11. November erfolgten Thronverzichtserklärung Kaiser Karls (1887-1922) die Republik Deutschösterreich proklamierte. Diese bestand laut dem 1919 unterzeichneten Friedensvertrag von St.Germain nur noch aus Ober- und Niederöstereich, Salzburg, Nordtirol (Südtirol fiel an Italien), Vorarlberg, Kärnten, Nordsteiermark (die Südsteiermark fiel an die neue "Republik der Serben, Kroaten und Slowenen") und Burgenland. Der Vertrag verbot die Bezeichnung "Deutschösterreich" ebenso wie den Zusammenschluss mit Deutschland. Als unter Berufung des von dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson verkündeten Selbstbestimmungsrecht der Völker in einigen Landesteilen Volksabstimungen stattfanden, in der eine übergroße Mehrheit der Österreicher für einen Anschluss an Deutschland votierten, reagierten die Siegermächte mit einem sofortigen Einfuhrstopp für Lebensmittel. Das unter einer schweren Hungersnot leidende Östereich gab notgedrungen nach.

1920 trat eine neue Verfassung mit einem Zweikammersystem in Kraft. Aus den im selben Jahr stattfindenden Wahlen gingen die Christdemokraten als Sieger hervor. Seit dem Jahr 1927 kam es zu einer zunehmenden Radikalisierung aller Parteien, die sich in offenen Straßenschlachten bekämpften. Unter diesem Eindruck fand 1929/30 eine Verfassungsreform statt, die die Stellung des Bundespräsidenten erheblich stärkte. Die 1929 eingetratene Weltwirtschaftskrise verstärkte die katastrophale ökonomische Situation Restösterreichs, das seine Kornkammer Ungarn und seine Industriegebiete in Böhmen verloren hatte. Eine parlamentarische Krise nutzte der seit 1932 amtierende Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892-1934) im März 1933 dazu, Österreich handstreichartig in einen christlich-autoritären ("austrofaschistischen") Ständestaat zu verwandeln. Gestützt wurde er durch die neugebildete Vaterlandische Front. Republikanischer Schutzbund, NSDAP und Sozialdemokrtaische Partei wurden verboten. Beim Vorgehen gegen die Sozialdemokraten und den Republikanischen Schutzbund kam es zu bürgerkriegsartigen blutigen Auseinandersetzungen.

Eine am 1. Mai 1934 von Dollfuß verkündete neue Verfassung verwandelte Österreich endgültig von einem Parteienstaat in einen autoritären Ständestaat. Am 25. Juli 1934 kam Dollfuß bei einem gescheiterten nationalsozialistischen Putsch ums Leben. Sein Nachfolger Kurt von Schuschnigg (1897-1977) musste auf Drängen Hitlers im Februar 1938 den Führer der österreichischen Nationalsozialisten, Arthur Seys-Inquart (*1892, 1946 in Nürnberg als Kriegsverbrecher hingerichtet), als Innenminister in sein Kabinett aufnehmen. Als Schuschnigg für den 13. März 1938 eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs ansetzte, marschierten am 12.März deutsche Truppen in Österreich ein. Schuschnigg wurde verhaftet, sein Nachfolger Seys-Inquart unterzeichnete den Anschluss Östereichs an das Deutsche Reich. Bei der anschließenden Volksabstimmung votierten die Österreich mit 99,73 % für den Anschluss. In den nächsten sieben Jahren als "Ostmark" Teil des NS-Staates, nahmen die Österreicher an allen deutschen Feldzügen des Zweiten Weltkriegs teil, viele hatten hohe und höchste Positionen in der NSDAP und anderen NS-Organisationen wie SA und SS inne.

Die zweite Republik

Das Kriegsende war noch nicht offiziell verkündet, als der frühere (1912-1920) sozialdemokratische österreichische Staatskanzler Karl Renner (1870-1950) am 27. April 1945 schon eine provisorische Regierung einsetzte und die Unabhängigkeit Österreichs verkündete. Auf Beschluss der Alliierten wurde Österreich kurz darauf in seinen Grenzen von 1937 wiederhergestellt. Das Land, sowie die Hauptstadt Wien wurden in je eine amerikanische, eine englische, eine französische und eine sowjetische Besatzungszone aufgeteilt. Die ersten noch 1945 stattfindenden Wahlen brachten eine klare Mehrheit für die Österreichische Volkspartei (ÖVP), die mit der zweitstärksten Partei, den Sozialisten (SPÖ), eine Koalition einging. 1955 gelang es Bundeskanzler (1953-1961) Julius Raab und Außenminister (1953-1959) Leopold Figl in Verhandlungen mit den Siegermächten den Abschluss eines Staatsvertrages zu erreichen. Das am 15. Mai 1955 unterzeichnete Abkommen beendete den Besatzungsstatus und brachte Österreich die volle Souveränität. Dafür hatte sich Österreich zu strikter und immerwährender Neutralität und zum Verzicht auf jegliche politische oder wirtschaftliche Vereinigung mit Deutschland verpflichtet.

Was die Innenpolitik betrifft, so hatte die Koalition aus ÖVP und SPÖ bis 1966 Bestand. Seit der 1970 erfolgten Wahl des Sozialisten Bruno Kreisky (1911-1990) zum Bundeskanzler blieb die SPÖ bis 1983 stärkste Kraft in Österreich. Seitdem regierten die SPÖ-Kanzler Fred Sinowatz (1983-1986) und Franz Vranitzky (1986-1997) zusammen mit der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Seit den Wahlen von 1987 wurde Österreich von einer Großen Koaliton aus SPÖ und ÖVP regiert. Die Nationalratswahlen im Oktober 1999 führten zu einer ÖVP/FPÖ-Koalition unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (am 4.2.2000 vereidigt). Auf Grund eines politischen Richtungsstreits innnerhalb der FPÖ, der drei Minister, darunter auch Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer], im September 2002 zu Rücktrittserklärungen veranlasste, entschloss sich Bundeskanzler Schüssel, vorzeitige Neuwahlen herbeizuführen. Dabei erzielte die ÖVP den höchsten Stimmenzuwachs (von 26,9 auf rd. 42,3 %), den es jemals für eine österreichische Partei bei Nationalratswahlen seit 1945 gegeben hatte. Erstmals seit 32 Jahren wurde die ÖVP wieder stärkste Kraft im Parlament. Während SPÖ und Grüne ebenfalls Stimmengewinne verzeichneten, musste die FPÖ katastrophale Verluste hinnehmen. Sie gewann nur noch 18 Nationalratsmandate (1999: 52 Mandate). Im Februar 2003 einigten sich ÖVP und FPÖ auf eine Neuauflage ihrer Koalitionsregierung. Wolfgang Schüssel blieb Regierungschef. Die Koalition setzte trotz massiver Streikaktionen der Gewerkschaften eine Reform des Pensionssystems durch. Nach internen Konflikten spaltete sich 2005 die FPÖ. J. Haider und die bisherigen FPÖ-Regierungsmitglieder gründeten die neue Partei BZÖ. Bundeskanzler W. Schüssel entschloss sich zu einer Fortsetzung der Regierungsarbeit mit den BZÖ-Ministern. Die Nationalratswahlen 2006 gewann die SPÖ. Alfred Gusenbauer (SPÖ) bildete 2007 eine Regierung der großen Koalition. Diese wurde nach den Wahlen 2008 unter Führung von Werner Faymann (SPÖ) fortgesetzt.

Bundespräsident ist seit 2004 Heinz Fischer (SPÖ).

Österreich gehört seit 1955 der UNO und seit dem 1.Januar 1995 auch der Europäischen Union an. 2002 erfolgte die Euro-Bargeldeinführung.

Politisches System

Österreich ist eine parlamentarisch-demokratische Republik mit dem Nationalrat als Parlament und dem Bundesrat als Vertretung der Bundesländer (Vorarlberg, Tirol, Steiermark, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland, Wien). Der Nationalrat wird alle vier Jahre, der Bundespräsident alle sechs Jahre direkt vom Volk gewählt.

Bibliografie:

  • Die Chronik Österreichs, 1994
  • Thomas Chorherr, Eine kurze Geschichte Österreichs, 2003
  • Karl Vocelka, Geschichte Österreichs, 2002
  • Wilhelm J. Wagner, Geschichte Österreichs, 2002
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