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THEMEN

Die Goldenen Zwanziger

Goldene Zeiten

Mythen und Verheißungen

Wenn einem Zeitabschnitt das Attribut "golden" zugeordnet wird, dann verbindet sich damit die Vorstellung von Friede, Glück und allgemeiner Sorglosigkeit. Entweder liegen diese idealen Zeiten in einer mythisch verklärten Vergangenheit, oder sie sind Heilsversprechen für eine ferne Zukunft. In einer nachprüfbaren Gegenwart liegen sie selten. Die Vorstellungen vom Goldenen Zeitalter, vom Paradies oder gar vom Paradies auf Erden waren in allen Epochen der Menschheitsgeschichte ideale Gegenentwürfe zu einer als unbefriedigend erlebten Gegenwart - in den Heilslehren der Religionen wie in deren säkularisierter Variante des Kommunismus.

Die dunkle Rückseite einer goldenen Epoche

Im Gegensatz dazu sind die Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine gut dokumentierte Geschichtsepoche. Um so erstaunlicher ist es, dass auch sie mit dem Attribut "golden" versehen worden ist. Für die folgenden Generationen bis in die Gegenwart ging und geht von diesem Jahrzehnt eine Faszination aus, deren Gegenstand wohl seine populäre liberale Kultur ist, die aber bei genauer Prüfung der historischen Fakten dennoch nicht ganz einfach zu erklären ist. Denn die Zwanziger Jahre waren keine Ausnahmezeit. Gewiss, der Erste Weltkrieg war zu Ende gegangen, und nach wenigen bewaffneten Konflikten Anfang der Zwanziger Jahre (Polen-Sowjetunion, Griechenland-Türkei) herrschte außenpolitisch Frieden in den USA und den europäischen Staaten. Im Innern dagegen gab es zahlreiche Konflikte und Gewalttätigkeiten. Nicht nur Deutschland, das als Kriegsverursacher und -verlierer durch die Reparationsleistungen wirtschaftlich stark belastet war, hatte sich mit antidemokratischer Agitation und Gewalttätigkeit auseinander zu setzen, sondern auch Italien, das seit 1922 vom Faschismus beherrscht wurde. Sogar in den USA, wo nach der russischen Revolution von 1917 die Kommunistenangst hysterische Züge annahm, verlor die Demokratie durch Gewalttaten des rassistischen Ku Klux Klan oder Rechtsbeugungen wie die Verurteilung der Anarchisten Sacco und Vanzetti (1927) an Glaubwürdigkeit. Ausgerechnet in den USA, dem Kernland der Golden Twenties, erreichte die Gewaltkriminalität in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts mit den großen Bandenkriegen ihren Höhepunkt.

  1. Goldene Zeiten
  2. US-konjunkturabhängige Epoche
  3. Urbanes Phänomen
  4. Die populäre Kultur der Epoche

Bibliografie:

  • Peter Alter (Hrsg.): Im Banne der Metropolen. Berlin und London in den zwanziger Jahren, Göttingen 1993
  • Sabine Dermann und Hans Veigl: Die wilden 20er Jahre. Alltagskulturen zwischen zwei Kriegen, Wien 1999
  • Otto Friedrich: Morgen ist Weltuntergang. Berlin in den zwanziger Jahren, Berlin 1998
  • Wolfgang Jansen: Glanzrevuen der zwanziger Jahre, Berlin 1996
  • Gesa Kessemeier: Sportlich, sachlich, männlich. Das Bild der ‚Neuen Frau' in den Zwanziger Jahren. Zur Konstruktion geschlechtsspezifischer Körperbilder in der Mode der Jahre 1920 bis 1929, Berlin 2000
  • Volker Kühn: Bei uns um die Gedächtniskirche rum ... Friedrich Hollaender und das Kabarett der zwanziger Jahre, Berlin 1996
  • Steffen Raßloff: Bürgerkrieg und Goldene Zwanziger. Erfurt in der Weimarer Republik, Erfurt 2008
  • Ute Scheub: Verrückt nach Leben. Berliner Szenen in den zwanziger Jahren, Reinbek 2000
  • Hanna Vollmer-Heitmann: Wir sind von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. Die zwanziger Jahre, Hamburg 1993
  • Christine Waidenschlager u.a.: Mode der 20er Jahre. Bestandskatalog, erschienen anlässlich der Ausstellung Couture - Konfektion - Varieté. Aus dem Berliner Museum, Tübingen 1993
  • Inga van der Wees und Andrea Thiem: Shimmy und Charleston. Die Jazztänze der zwanziger Jahre, Frankfurt/M. 1993
  • Billy Wilder: Der Prinz von Wales geht auf Urlaub. Berliner Reportagen, Feuilletons und Kritiken der zwanziger Jahre, München 2000
  • Manfred Wille: Die goldenen Zwanziger, Magdeburg 1995
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