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THEMEN

Die großen Kriege des 20. Jahrhunderts

Burenkrieg

Im Burenkrieg (1899-1902) versuchten die im südlichen Afrika gelegenen unabhängigen Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Transvaal, sich gegen die Hegemonialbestrebungen Großbritanniens zu wehren. Die Buren waren die Nachfahren weißer Siedler, die vorwiegend aus den Niederlanden eingewandert waren. Sie standen in Konflikt mit weißen Siedlern britischer Herkunft, die um 1895 unter Führung von Cecil Rhodes ein großes Gebiet nördlich der Burenrepubliken (Rhodesien) für die britische Krone annektiert hatten. Nach reichen Goldfunden in Transvaal verstärkte Großbritannien den Druck auf die Buren. 1895 konnten die von Ohm Krüger angeführten Buren einen bewaffneten Einfall englischsprachiger Truppen abwehren. (Das Glückwunschtelegramm des deutschen Kaisers Wilhelm II. an den Präsidenten der Buren ("Krüger-Depesche") führte zu einer Verschlechterung der deutsch-britischen Beziehungen.)

Im Oktober 1899 brach der offene Krieg zwischen den Burenrepubliken und Großbritannien aus. Anfangs konnten die Buren militärische Erfolge erzielen, u.a. durch geschickte Anwendung ihrer "Wagenburg-Taktik". Doch wurden sie im Juni 1900 von den militärisch weit überlegenen Briten geschlagen. Als die Buren den Kampf als Guerilla-Krieg fortsetzten, reagierten die britischen Truppen mit großer Härte. So wurden zehntausende Zivilisten, zumeist Frauen und Kinder, in Konzentrationslagern interniert, wo infolge schlechter Lebensbedingungen zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Mitte 1902 unterzeichneten die militärisch weit unterlegenen Buren einen Friedensvertrag, in dem sie die britische Oberherrschaft über die Burenrepubliken anerkannten.

Russisch-japanischer Krieg (1904/05)

Mit dem Ausbau der ostsibirischen Hafenstadt Wladiwostok stießen Anfang des 20. Jahrhunderts im fernen Osten die Interessen Russlands und des aufstrebenden japanischen Kaiserreichs zusammen. Japan hatte sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts widerstrebend dem Kontakt mit dem Westen geöffnet. 1902 traf Russland politische und miltärische Vorbereitungen, Korea in seinen Einflussbereich zu bringen. Das durch ein Bündnis mit Großbritannien gestärkte Japan fürchtete um seine Machtposition im Pazifik-Raum und versuchte erst auf diplomatischem Weg, Russland von dem Vorhaben abzubringen.

Als das Zarenreich Verhandlungen ablehnte, eröffnete Japan mit dem Überfall auf die russische Flotte vor Port Arthur am 8./9. Februar 1904 die Kampfhandlungen. Es war der erste Militär-Konflikt Japans mit einer europäischen Großmacht. Der militärisch und industriell aufstrebende Inselstaat erwies sich dem schwerfällig operierenden Zarenreich überlegen. In der Mandschurei fügten japanische Truppen den Russen schwere Niederlagen zu. Bei den Kämpfen kamen erstmals moderne Maschinenwaffen (Maschinengewehre) in größerem Ausmaß zum Einsatz und zeigten ihre verheerende Wirkung. Kriegsentscheidend war der japanische Sieg in der Schlacht bei Mukden (Februar/März 1905). Den Japanern gelang zudem die Eroberung von Port Arthur und die Vernichtung der herangeführten russischen Ostsee-Flotte bei Tsuschima.

Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) wird häufig als die "Ur-Katastrophe" des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Dies bezieht sich sowohl auf die politischen Veränderungen, die sich ergaben (u.a. Sturz der Monarchien in Deutschland, Russland, Österreich-Ungarn, Zerfall der Donaumonarchie), als auch darauf, dass der Erste Weltkrieg der erste Massenkrieg in der europäischen Geschichte war und zugleich der erste "industrialisierte" Krieg, in dessen "Materialschlachten" Millionen Soldaten getötet wurden.

Vorgeschichte und Verlauf

Nationalismus und Imperialismus waren vor 1914 die beherrschenden Faktoren der europäischen Politik. Zwischen den Großmächten Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland bestanden zahlreiche Rivalitäten und Konflikte, aber auch Bündnisse (z.B. zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn, "Mittelmächte"). Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo am 28. Juni 1914 wurde zum Auslöser eines europäischen Krieges. Österreich erklärte zunächst Serbien; Deutschland erklärte Russland und Frankreich den Krieg. Durch das Eingreifen Englands mit seinen Kolonien in Übersee wurde der Konflikt zum Weltkrieg.

Die Heeresführungen aller Kriegsparteien erwarteten eine schnelle Kriegsentscheidung, doch waren insbesondere auf Grund der unerwartet starken Waffenwirkung (MG, Artillerie) nach mehreren Schlachten (Marneschlacht) die Fronten bereits Ende 1914 im Westen erstarrt. Es begann ein verlustreicher Stellungskrieg, mit dem kein Generalstab gerechnet hatte. Im Osten konnten russische Truppen zunächst weit nach Ostpreußen vordringen, wurden aber nach wenigen Wochen von deutschen Truppen zurückgeschlagen (Schlacht bei Tannenberg, 27.-30.8.1914). An der Westfront gab es in den folgenden Kriegsjahren auf beiden Seiten immer wieder Großoffensiven, die aber kaum zu Gebietsgewinnen führten (Schlachten bei Arras, Ypern). Die 1916 bei Verdun über Monate geführte Materialschlacht wurde zum Synonym für die Schrecken des verlustreichen Stellungskriegs im Ersten Weltkrieg.

Erstmals wurde auch Giftgas gegen feindliche Truppen angewendet, wodurch auf beiden Seiten tausende Soldaten getötet, zehntausende schwer verletzt wurden. Anfang 1918 tauchten die ersten Tanks (Panzer) auf dem Schlachtfeld auf. Im Frühjahr 1917 griffen die US-Amerikaner auf dem europäischen Kriegsschauplatz ein - unmittelbar eine Reaktion auf den uneingeschränkten U-Boot-Krieg des deutschen Reiches - und verschoben die Gewichte stark zu Gunsten der Kriegsgegner Deutschlands und Österreich-Ungarns (Mittelmächte). Vorübergehende Entlastung brachte den Mittelmächten der Seperatfrieden, den sie im März 1918 mit den Bolschewiki schlossen, die im Oktober 1917 in Russland die Macht an sich gerissen hatten.

Doch zeigte sich bereits 1917, dass Deutschland sowohl militärisch als auch kriegswirtschaftlich den Gegnern im Westen nicht gewachsen war. Die Bevölkerung an der "Heimatfront" hatte unter zunehmenden Entbehrungen zu leiden ("Steckrübenwinter" 1917/18), der 1914 ausgerufene "Burgfrieden" zwischen den Parteien und Klassen wurde brüchiger. In dieser Situation übernahmen die Generäle Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg als "3. OHL" (Oberste Heeresleitung) faktisch die diktatorische Macht im Deutschen Reich. Doch konnte die militärische Niederlage nicht mehr abgewendet werden. Erst als im September 1918 der Zusammenbruch der Armeen der Mittelmächte unmittelbar bevorstand, forderte die OHL die Einleitung von Waffenstillstandsverhandlungen. Am 11. November 1918 wurde in Compiègne bei Paris der Waffenstillstand unterzeichnet, der die Niederlage Deutschlands besiegelte. Zwei Tage zuvor war in Berlin die Republik proklamiert worden. Der 1919 unterzeichnete Versailler Vertrag legte Deutschland, das als Hauptschuldiger am Kriegsausbruch bezeichnet wurde, sehr hohe Reparationszahlungen und die Reduzierung seines Heeres auf 100000 Mann auf.

Zweiter Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Gab und gibt es im Falle des Ersten Weltkriegs Diskussionen über die "Kriegsschuldfrage", so ist diese im Falle des Zweiten Weltkrieg unzweifelhaft. Dieser Krieg wurde von Hitler und der nationalsozialistischen Führung begonnen, um mit militärischen Mitteln ihr Hauptziel, die nationalsozialistische Vorherrschaft in ganz Europa, zu erreichen. Ein anderes Hauptziel des NS-Regimes, die Vernichtung der europäischen Juden, stand mit dem Krieg in engem Zusammenhang. Polen war von der Wehrmacht nach vier Wochen besiegt. Die westlichen Teile wurden annektiert; Teile Ostpolens zum "Generalgouvernement" unter deutscher Besatzungsherrschaft erklärt. Große Gebiete in Ostpolen fielen an die Sowjetunion, mit der die Nationalsozialisten noch im August 1939 einen Nichtangriffspakt geschlossen hatten. (Die Aufteilung Polens war in einem geheimen Zusatzprotokoll vereinbart worden.) Frankreich und Großbritannien erklärten Deutschland am 3. September 1939 den Krieg.

"Blitz-Kriege"

Anfang April 1940 besetzten deutsche Truppen überfallartig Dänemark und Norwegen, um die schwedische Erzzufuhr zu sichern. Dies war der Beginn von mehreren "Blitz-Kriegen", die im Frühjahr 1940 gegen die Niederlande, Belgien (unter Verletzung von Neutralitätsbestimmungen) und Frankreich geführt wurden und jeweils mit einem schnellen Sieg der Wehrmacht endeten.

Mit der Kapitulation Frankreichs am 22. Juni 1940 war das militärische und politische Prestige des NS-Regimes, insbesondere des "Führers" Adolf Hitler, stark gestiegen. Noch 1940 allerdings brachte die für Deutschland erfolglose "Luftschlacht um England" einen militärischen Rückschlag. Unter größeren Verlusten gelang es den Briten, die deutsche Luftwaffe abzuwehren. Die deutsche Heeresführung rückte darum von dem Vorhaben einer Invasion auf der britischen Insel ab. In London war inzwischen Winston S. Churchill zum Premierminister einer großen Kriegskoalition geworden. In dieser Position verstand er es in der Folgezeit, alle wirtschaftlichen und militärischen Reserven Großbritanniens zu mobilisieren ("Blut, Schweiß und Tränen"-Rede). Durch deutsche Flächenbombardements waren zuvor Rotterdam und das britische Coventry weitgehend zerstört worden.

Anfang 1941 wendete die Wehrmacht sich gegen Südost- und Südeuropa und zwang Jugoslawien und Griechenland zur Kapitulation. Auf dem Balkan entbrannte ein verlustreicher Guerilla-Krieg, in dem auch von Wehrmachtsangehörigen wiederholt Kriegsverbrechen begangen wurden. Gleichzeitig sollte durch Operationen in Nordafrika ("Afrikakorps" unter General Erwin Rommel) die Stellung Großbritanniens im Mittelmeerraum geschwächt werden. Das mit Deutschland verbündete faschistische Italien unter Benito Mussolini war an den Kämpfen beteiligt. Nach Anfangserfolgen (Eroberung von Tobruk im Juni 1942) endete der Afrika-Feldzug im Mai 1943 mit der Kapitulation der deutschen und italienischen Truppen.

Bild
Stalingrad, 1942: Strassenkampf vor einem Fabrikgelände

Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion

Am 22. Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht unter Bruch vertraglicher Vereinbarungen die Sowjetunion. In den ersten Wochen erzielten die deutschen Truppen zwar große Erfolge und drangen sehr schnell nach Osten vor, doch kam der deutsche Angriff im Dezember 1941 vor Moskau zum Stehen. Für einen Winterkrieg war die Wehrmacht völlig unzureichend ausgerüstet. Im Frühjahr 1942 stießen deutsche Truppen im Rahmen einer Groß-Offensive an der Südfront weit nach Osten vor. Jedoch wurde die 6. Armee bei Stalingrad nach wochenlangen erbitterten Kämpfen Ende Januar 1943 vernichtend geschlagen. Die Niederlage von Stalingrad bedeutete die Wende auf dem östlichen Kriegsschauplatz. Die personelle und materielle Überlegenheit der sowjetischen Armee kam nunmehr voll zum Tragen. Zudem wurde die Sowjetunion von den USA mit Kriegsmaterial unterstützt. Die USA waren im Dezember 1941, nach dem japanischen Überfall auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbour auf Hawaii, in den Krieg eingetreten.

Vernichtung der europäischen Juden

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion steigerte das NS-Regime die Verfolgung der Juden zu einem systematischen Vernichtungsfeldzug. Hinter der Front ermordeten sog. Einsatzgruppen der SS in Osteuropa hunderttausende Juden.

In mehreren Vernichtungslagern (Auschwitz, Treblinka, Majdanek, Sobibor, Belzec, Chelmno) wurden mehrere Millionen Juden aus ganz Europa systematisch ermordet. Insgesamt fielen mehr als 5,5 Millionen Juden den Vernichtungsaktionen der Nationalsozialisten zum Opfer.

"Zweifronten-Krieg" und Kapitulation der Wehrmacht

Ab Frühjahr 1944 stieß die überlegene Rote Armee rasch nach Westen vor und drang im Oktober 1944 in Ostpreußen erstmals auf deutsches Gebiet vor. Beim weiteren Vormarsch der sowjetischen Truppen kam es wiederholt zu grausamen Übergriffen auf die deutsche Zivilbevölkerung, welche nun die Rache für das Wüten der SS in den besetzten Gebieten zu erleiden hatte. Am 4. Juni 1944 landeten US-amerikanische und britische Truppen in der Normandie und schufen damit eine "zweite Front". In verlustreichen Kämpfen gelang es den Westalliierten bis Ende 1944 Frankreich und die Benelux-Staaten zu befreien. Im Oktober 1944 wurde Aachen als erste deutsche Großstadt erobert.

Seit Anfang 1943 hatte der Luftkrieg die deutsche Zivilbevölkerung mit den Schrecken des Krieges konfrontiert. Infolge von Flächenbombardements waren immer mehr deutsche Städte in Trümmer gesunken. Die sowjetische Großoffensive ab Mitte Januar 1945 leitete die militärische Niederlage Nazi-Deutschlands und das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa ein. Italien hatte bereits im September 1943, nach dem Sturz des Diktators Mussolini, mit den Alliierten einen Waffenstillstand geschlossen.

Die Ardennen-Offensive der Wehrmacht brachte im Dezember 1944 nur vorübergehende Geländegewinne an der Westfront. Britische und US-amerikanische Soldaten überschritten Anfang März 1945 den Rhein und stießen weiter ins Landesinnere vor, während sowjetische Truppen von Osten her ihren Vormarsch fortsetzten. Am 25. April 1945 trafen in Torgau an der Elbe erstmals sowjetische und amerikanische Truppen zusammen. Am 2. Mai 1945 wurde Berlin von der Roten Armee erobert. Am 7. und 8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Damit war der Zweite Weltkrieg in Europa mit der völligen Niederlage Nazi-Deutschlands beendet. Deutschland wurde gemäß den Vereinbarungen der Alliierten in vier Besatzungszonen geteilt.

Mehr als 36 Millionen Menschen, etwa 20,5 Millionen Soldaten und etwa 15,5 Millionen Zivilisten wurden getötet. Der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gegen Juden, Behinderte, Sinti- und Roma fielen mehr als 6 Millionen Menschen zum Opfer. Im pazifischen Raum endete der Zweite Weltkrieg erst mit der japanischen Kapitulation am 2. September 1945. Zuvor waren die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki durch US-amerikanische Atom-Bomben zerstört worden.

Nahost-Kriege

1. Nahost-Krieg (1948/49)

Unmittelbar nach der Proklamation des Staates Israel im Mai 1948 eröffneten die arabischen Nachbarstaaten den Krieg mit dem Ziel, den jüdischen Staat zu beseitigen. Ägyptische, libanesische, syrische, jordanische und irakische Truppen erzielten gegen die schlecht bewaffneten Israelis rasch Erfolge und rückten auf Jerusalem und Tel Aviv zu. Ende Mai 1948 wurde die Altstadt von Jerusalem von den Arabern erobert. Waffenlieferungen aus den USA und der Tschechoslowakei gaben Israel die Möglichkeit zu Gegenoffensiven, in deren Verlauf die Israelis bis Dezember 1948 ganz Galiläa und weite Teile der Sinai-Halbinsel eroberten. Im Juli 1949 kam es zu einem Waffenstillstandsvertrag. Israel zog sich aus dem Sinai zurück, konnte aber sein ursprüngliches Territorium u.a. um Teile des Westjordanlands erweitern. In den folgenden Jahrzehnten gab es noch mehrere Nahost-Kriege zwischen Israel und den arabischen Staaten.

2. Nahost-Krieg (Suez-Krise, 1956)

Im Oktober 1956 stießen israelische Truppen über den Sinai zum Suez-Kanal vor, den der ägyptische Staatspräsident Gamal Abd el Nasser kurz zuvor verstaatlicht hatte. Wenige Tage später besetzten französische und britische Fallschirmjäger die Kanalzone. Doch drohte die Sowjetunion mit dem Einsatz von Interkontinentalraketen, wenn Israel und seine Verbündeten sich nicht zurückzögen. Auch die USA fürchteten eine Eskalation des Konflikts und übten diplomatischen Druck aus. Daraufhin zog sich Israel hinter die Waffenstillstandslinien von 1949 zurück.

3. Nahost-Krieg ("Sechs-Tage-Krieg", 1967)

Als die politischen und militärischen Drohungen der arabischen Staaten 1966/67 immer stärker wurden (Aufruf zum "heiligen Krieg") unternahm Israel im Juni 1967 einen Überraschungsangriff. Durch Luftschläge wurde fast die gesamte Luftwaffe Ägyptens, Syriens und Jordaniens zerstört. Innerhalb weniger Tage drangen die israelischen Panzer bis zum Suez-Kanal vor und eroberten im Norden die syrischen Golan-Höhen. Nach sechstägigen Kämpfen, bei denen die Israelis an allen Fronten siegreich waren, wurde ein Waffenstillstand geschlossen.

4. Nahost-Krieg (Jom-Kippur-Krieg, 1973)

Anfang Oktober 1973, zu Beginn des jüdischen Festes Jom Kippur, griffen ägyptische und syrische Truppen überraschend am Suez-Kanal und den Golan-Höhen an. Ägyptische Panzerverbände stießen mit Luftunterstützung in einer ersten Angriffswelle weit auf den Sinai vor. Die Syrer rückten auf den Golan-Höhen vor. Erst nach vier Tagen konnten die Israelis die arabischen Angriffe stoppen und eine Gegenoffensive einleiten. Bis Ende Oktober drangen israelische Truppen weit auf syrisches Territorium vor; am Suez-Kanal wurden große ägyptische Panzerverbände eingeschlossen. In dieser Situation drohte die UdSSR mit einer Intervention auf Seiten der Araber. Die USA drängten Israel, die Angriffe zu stoppen. Am 26. Oktober 1973 schlossen Israel und die arabischen Staaten einen vorläufigen Waffenstillstand. Im Januar 1974 kam ein erstes Truppenentflechtungsabkommen zustande, in dessen Rahmen Israel seine Armee aus großen Teilen des Sinai und den eroberten syrischen Gebieten östlich des Golan zurückzog.

Als erster arabischer Staatschef erklärte sich der ägyptische Präsident Anwar Al Sadat 1977 zu Friedensverhandlungen mit Israel bereit. Das unter US-Vermittlung zustande gebrachte Camp-David-Abkommen vom September 1978 zwischen Israel und Ägypten war der erste Schritt auf einem langen, von Rückschlägen begleiteten Weg zu einer Friedenslösung. Im Oktober 1998 wurde das Wye-Abkommen zur Beilegung des Konflikts mit den Palästinensern geschlossen, das u.a. den weiteren Rückzug Israels aus besetzten Gebieten vorsieht. Nachdem 1994 auch Jordanien mit Israel Frieden geschlossen hat, wächst u.a. in Syrien die Bereitschaft, zu einer Friedenslösung mit Israel zu gelangen.

Vietnam-Krieg

Der Indochina- bzw. Vietnam-Krieg dauerte mit Unterbrechungen über 30 Jahre und endete mit dem Sieg der von China unterstützten kommunistischen Vietminh und Vietcong zunächst über Frankreich (1954), dann über die US-amerikanischen Truppen und das rechtsgerichtete Regime in Südvietnam (1973/75). Ab 1946 versuchte Frankreich, seine einstige Kolonialherrschaft über Südostasien mit militärischer Gewalt wiederherzustellen. Im 1. Indochina-Krieg wurden die französischen Truppen im Mai 1954 jedoch von den kommunistischen Vietminh bei Dien Bien Phu entscheidend geschlagen. Die anschließende Indochina-Konferenz beschloss die Teilung des Landes in ein kommunistisches Nordvietnam und ein westlich orientiertes Südvietnam.

Ab Januar 1958 verstärkte die kommunistische Untergrund-Organisation Vietcong ihre militärischen Aktivitäten gegen die Rechts-Regierung in Saigon/Südvietnam. Die USA intensivierten ihre Wirtschafts- und Militärhilfe für das von Korruption und Machtkämpfen rivalisierender Gruppen zerrissene Südvietnam, um eine Machtausdehnung der Kommunisten auf den Süden zu verhindern. Bis Ende 1963 war die Zahl der US-Militärberater in Südvietnam, in dem im November 1963 rechtsgerichtete Generäle die Macht übernommen hatten, auf rund 16000 gewachsen.

Den nie aufgeklärten "Tongking-Zwischenfall" - nordvietnamesische Patrouillenboote sollen Anfang August 1964 US-Kriegsschiffe beschossen haben - nahm US-Präsident Lyndon B. Johnson zum Anlass, im Februar 1965 die Bombardierung Nordvietnams zu befehlen. Im Juni 1965 griffen US-Bodentruppen erstmals offen in den Konflikt ein. In den folgenden Monaten und Jahren schickte die US-Regierung bis zu 500000 US-Soldaten nach Vietnam. Auf der anderen Seite wurden Nordvietnam und der Vietcong vor allem von China massiv unterstützt. Anfang 1968 konnte die Tet-Offensive des Vietcong erst nach schweren Verlusten auf Seiten der Amerikaner und Südvietnamesen zurückgeschlagen werden. Die USA flogen schwere Luftangriffe auf nordvietnamesische Städte. Der Dschungel-Krieg wurde auf beiden Seiten mit großer Härte geführt.

In den USA, wie in anderen Staaten des Westens, verstärkten sich ab 1968 die Proteste gegen den Vietnam-Krieg. Nicht zuletzt um einen weiteren Image-Verlust der USA zu vermeiden, leitete der neue US-Präsident Richard Nixon 1969 die "Vietnamisierung" des Krieges ein. Größere Truppen-Kontingente wurden abgezogen, bei Verstärkung der Luftangriffe. Mitte 1970 marschierten US-amerikanische und südvietnamesische Truppen nach Kambodscha ein. 1972 nahmen die USA und Nordvietnam Verhandlungen auf, die zur Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens im Januar 1973 in Paris führten. Die USA zogen sämtliche Truppen aus Südvietnam ab.

Ein Friedensvertrag zwischen Hanoi und Saigon kam jedoch nicht zustande. Ende 1974 begann der Vietcong eine Großoffensive. Mit der Eroberung der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon durch den kommunistischen Vietcong im April 1975 endete der Vietnam-Krieg. Vietnam wurde unter kommunistischer Vorherrschaft wiedervereinigt. Hauptleidtragende des Krieges war die Zivilbevölkerung. Bei Kämpfen und Luftangriffen wurden etwa 2 Millionen Zivilisten getötet. Auf Seiten Südvietnams fielen etwa 200000 Soldaten, bei der nordvietnamesischen Armee und dem Vietcong etwa 960000. Die US-Armee registrierte mehr als 45000 gefallene Soldaten.

1. Golf-Krieg (1980-1988)

Im September 1980 gab der irakische Diktator Saddam Hussein den Angriffsbefehl auf den Nachbarstaat Iran. Als Vorwand dienten angebliche Grenzprovokationen des Iran. In Wirklichkeit verfolgte Saddam Hussein das Ziel, den Irak durch die Eroberung reicher Ölvorkommen in der iranischen Provinz Chusistan und die Kontrolle des strategisch wichtigen Schatt Al Arab an der Nordspitze des Persischen Golfes zur vorherrschenden Macht im Mittleren Osten zu machen. Der irakische Diktator setzte darauf, dass der Iran durch die islamische Revolution politisch und militärisch noch geschächt war. Zudem erwartetete er Unterstützung aus dem Westen und von arabischen Staaten, die ein Ausbreiten der islamischen Revolution befürchteten.

Doch gelang es der iranischen Führung unter Ajatollah Khomeini, im persischen Volk und in der Armee große Kraftreserven zu mobilisieren. In einer Gegenoffensive konnten persische Truppen sogar auf irakisches Gebiet vordringen. Im Gegenzug verstärkte Bagdad die Luftangriffe auf iranische Städte und griff Öltanker und Bohrinseln an, um die Ölexporte des Kriegsgegners zu unterbinden. Der irakische Diktator schreckte nicht einmal vor dem Einsatz von Giftgas zurück, trotz internationaler Ächtung dieser heimtückischen Waffe. In der Folgezeit konnte keine der Kriegsparteien größere Erfolge erzielen. Die rund 1200 km lange Front erstarrte in einem verlustreichen Stellungskrieg. Als 1987 der Iran versuchte, den Persischen Golf durch Minen zu blockieren, griffen die USA in den Konflikt ein, indem sie US-Kriegsschiffe Ölinseln und iranische Kriegsschiffe beschießen ließen.

Anfang 1988 geriet der Iran sowohl politisch als auch militärisch immer mehr in Bedrängnis. Gemäßigte Politiker um Parlamentspräsident Hojatoleslam Haschemi Rafsanjani akzeptierten im August 1988 einen von der UN geforderten Waffenstillstand. Allerdings weigerte sich der Irak zunächst, aus den eroberten Gebieten im Schatt el Arab vollständig abzuziehen, solange Teheran irakischen Schiffen nicht freien Zugang zum Golf gewährt, was wiederum von der iranischen Führung abgelehnt wurde.

2. Golf-Krieg (1991)

Die Waffenruhe am Persischen Golf war nur von kurzer Dauer. Im August 1990 besetzte der Irak den Nachbarstaat Kuwait und erklärte ihn zur irakischen Provinz. Eine internationale Streitmacht unter Führung der USA hatte im Januar 1988 mit UN-Mandat in den Konflikt eingegriffen und die irakischen Truppen aus Kuwait vertrieben. Trotz militärischer Überlegenheit sah die US-Führung jedoch davon ab, weiter auf irakisches Gebiet vorzustoßen und den Sturz des Diktators Saddam Hussein herbeizuführen.

Bibliografie:

  • Rüdiger Dingemann: Krisenherde der Welt. Daten, Fakten, Hintergründe, 1994
  • Gerhard Hirschfeld u. a.: Enzyklopädie Erster Weltkrieg, 2003
  • Gabriel Kolko: Das Jahrhundert der Kriege, 1999
  • Bruno Thoß, Hans-Erich Volkmann: Erster Weltkrieg-Zweiter Weltkrieg: Ein Vergleich, 2002
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