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THEMEN

Die Klassik - Humanität, Schönheitskult und Weltbürgertum

"Dichtung in bewegten Zeiten"

Der alte Goethe hat in einem Gespräch mit seinem Sekretär Eckermann (25. Febr. 1824) stichwortartig die politischen Ereignisse genannt, die den Hintergrund seines Wirkens und das seiner Freunde bildeten. "Ich habe den großen Vorteil", fuhr er fort, "dass ich zu einer Zeit geboren wurde, wo die größten Weltbegebenheiten an die Tagesordnung kamen und sich durch mein langes Leben fortsetzten, so dass ich vom Siebenjährigen Krieg, sodann von der Trennung Amerikas von England, ferner von der Französischen Revolution und endlich von der ganzen napoleonischen Zeit bis zum Untergange des Helden und den folgenden Ereignissen lebendiger Zeuge war. Hierdurch bin ich zu ganz anderen Resultaten und Einsichten gekommen, als allen denen möglich sein wird, die jetzt geboren werden."

Goethe hat von Kindheit an den Aufstieg Preußens unter Friedrich II. zu einer europäischen Großmacht verfolgen können, aber auch den Absturz in die Tiefe nach der Schlacht von Jena im Oktober 1806. Obwohl die Intellektuellen jener Zeit in der Kleinstaaterei aufwuchsen - die drei großen Staaten Preußen, Österreich und Bayern bildeten ja die Ausnahme -, war ihr geistiger Horizont keineswegs eng, sondern die Weltbegebenheiten bewegten sie mehr als die Anordnungen ihres Souveräns.

Bild
Der Bauer trägt alle Lasten (Adel und Klerus), bzw. ernährt sie. Karikatur auf die Gesellschaftsordnung vor der Französischen Revolution.

In der gebildeten Welt, bei Dichtern und Denkern, Journalisten wie Publizisten wurde die Französische Revolution als Erfüllung der durch die Aufklärungsliteratur erweckten Hoffnungen begrüßt. Man glaubte, es werde bald ein gerechteres Zeitalter anbrechen. Von nun an wurden die Privilegien, die sich Adel und Klerus anmaßten, noch fragwürdiger, und der deutsche Untertan nahm, wenigstens in Gedanken, nicht mehr alles als selbstverständlich und gottgegeben hin. Wenn auch die deutschen Dichter die teilweise verwirrenden Ereignisse ihrer Zeit nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar in ihren Dichtungen spiegeln, so setzten sie sich doch persönlich damit auseinander. Die politische Szenerie zur Zeit der deutschen Klassik war also keineswegs eine ruhige Zeit, sondern eine Epoche, in der sich teilweise die Ereignisse nur so überstürzten.

  1. "Dichtung in bewegten Zeiten"
  2. Die deutsche Klassik
  3. Das klassische Drama
  4. Goethe
  5. Schiller
  6. Die epische Dichtung
  7. Die Lyrik
  8. Was bedeutet "Gegenklassik"?
  9. Meisterwerke der Klassik

Bibliografie:

  • Wilhelm Amann: Heinrich von Kleist. Leben Werk Wirkung, Berlin 2011
  • Volker C. Dörr: Weimarer Klassik, Paderborn 2007
  • Erika Fischer-Lichte: Geschichte des Dramas. Band 1: Von der Antike bis zur deutschen Klassik, Tübingen 2010
  • Norbert Oellers, Robert Steegers: Weimar. Literatur und Leben zur Zeit Goethes, Stuttgart 2009 (Reclam Taschenbuch; 20182)
  • Manfred Pfister: Das Drama, München 2001
  • Heinrich Pleticha (Hg.): Das klassische Weimar - Texte und Zeugnisse, 1983
  • Georg Voigt: Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus, Berlin 1960
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