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THEMEN

Die Kreuzzüge

Die Kreuzzugsidee

Kombination von Pilgerreise und "heiligem Krieg"

Seit Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert über dem angeblichen Grab Jesu in Jerusalem eine Kirche hatte errichten lassen, war der Pilgerstrom zu den heiligen Stätten des Christentums nicht mehr abgerissen. Auch "Heilige Kriege" hatten ihre Tradition in der Geschichte des Christentums, z.B. auf der iberischen Halbinsel. Der kirchlichen Reformbewegung des 10. bis 12. Jahrhunderts, die den Kampf gegen Ungläubige befürwortete, verdankt sich die Idee, die Jerusalemwallfahrt mit dem Glaubenskrieg gegen die Mohammedaner zu verbinden. Zur politischen Praxis der Kreuzzüge wurde diese Idee, als 1071 die Seldschuken Palästina eroberten.

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Der Erste und Zweite Kreuzzug

Vielfältige Interessen

Die Motive, sich am Kreuzzug zu beteiligen, waren so vielfältig wie die teilnehmenden Gruppierungen. Besonders Kleriker und Ungebildete ließen sich von den Propagandisten der Idee fanatisieren. Ähnlich wie die islamischen Gotteskrieger des 20./21. Jahrhunderts waren sie der festen Überzeugung, durch ihre Teilnahme am Kampf gegen die Ungläubigen Sündenvergebung zu erlangen. Andere suchten das Abenteuer und hofften durch Plünderungen reich zu werden. Kaufleute vor allem aus Genua, Pisa und Venedig beteiligten sich am Transport der Kreuzzugsheere und an der Versorgung der Kreuzfahrerstaaten. So investierten sie in Stützpunkte für den Orienthandel. Sogar die Päpste, die in einem Zeitraum von rund 200 Jahren immer wieder von Rom aus die Kreuzzüge initiierten, mehr schlecht als recht leiteten und die Verantwortung trugen, hatten zeitweise den Hintergedanken, mit Hilfe der Militärmacht, über die sie verfügten, die oströmische Kirche mit der römisch-katholischen Kirche wiederzuvereinigen.

Der erste Kreuzzug (1096-1099) - Christen erobern Jerusalem

"Gott will es"

Von der früheren Toleranz der Mohammedaner gegenüber den Jerusalempilgern war nicht viel übrig geblieben, seit die seldschukischen Türken Palästina und Syrien 1071 den fatimidischen Kalifen Ägyptens entrissen und noch im gleichen Jahr die Byzantiner geschlagen hatten. Wallfahrer wie ansässige Christen wurden in der Religionsausübung behindert; sie waren Misshandlungen und Schikanen ausgesetzt. Die Reaktion im Abendland war um so stärker, als die kirchliche Reformbewegung gerade jetzt die Gemüter erhitzte. Als daher Papst Urban II., ehemals Prior in Cluny, auf der Synode im französischen Clermont im November 1095 mit zündenden Worten zur Befreiung Palästinas unter seiner Führung aufrief, scholl ihm begeistert der Ruf "Gott will es" entgegen. Ebenso fand sein Versprechen des Ablasses aller Sünden, der Aufhebung aller Zinsen für die Teilnehmer und des Schutzes für ihre Person, die Angehörigen und ihren Besitz im ganzen Abendland jubelnden Widerhall.

Die Deutschen wollen nicht

Der Papst und andere Kreuzzugsprediger wie Peter von Amiens gewannen besonders unter Franzosen und Normannen unzählige Freiwillige. Abgesehen von den Spaniern, die ihren eigenen Glaubenskrieg führten, fiel nur die Reaktion der Deutschen kühl aus. Der gebannte Kaiser Heinrich IV. dachte nicht daran, dem Papst zu helfen, und hatte für diesmal das Volk hinter sich.

Die Ritter wollen keinen Führer

In Bischof Adhemar von le Puy besaß das Unternehmen zwar einen geistlichen Führer, um eine politische Führung war es aber schlecht bestellt. Mit Gottfried von Bouillon, dem Herzog Niederlothringens, seinem Bruder Balduin, Graf Robert von Flandern, dem Nordfranzosen Robert von Normandie, dem Südfranzosen Graf Raimund von Toulouse und den beiden Normannen Bohemund von Tarent und Tankred hatte sich ein so gleichrangiger Kreis an Heerführern versammelt, dass keiner den Oberbefehl des anderen ertragen wollte. Man entschloss sich, getrennt zu marschieren. Sammelpunkt für alle sollte Konstantinopel sein, wo man auf Kaiser Alexios angewiesen war. Denn man brauchte Byzanz als Stützpunkt und Nachschubbasis.

Die Armen wollen reich werden und finden den Tod

Die von den Kreuzzugspropagandisten fanatisierten armen Leute bewegten sich in zügellose Haufen von Bauern und Leibeigenen, oft mit ihren Familien, im Frühjahr 1096 rhein- und donauabwärts. Sie dehnte - nicht ohne klerikale Bestärkung - den Begriff der "Feinde Christi" auf die Juden aus und richteten an Nieder- und Mittelrhein sowie in Süddeutschland unter ihnen das größte bisher dagewesene Blutbad an. Als sie auf dem Balkan ihren Plünderungszug fortsetzten, mussten sie sich mit bewaffneten Gegnern auseinandersetzen und wurden stark reduziert. Die Reste, die den Bosporus überschritten, wurden von den Türken getötet.

Balancepolitik Kaiser Alexios

Im Sommer 1097 traf das Kreuzfahrerheer mit 250 000 Mann in Byzanz ein. Kaiser Alexios hatte mit einem so großen Heer nicht gerechnet und sah sich vor schwerwiegende Versorgungsprobleme und staatspolitische Konsequenzen gestellt. Er misstraut u.a. den Normannen, seinen alten unteritalienischen Gegnern. Durch geschickte Verhandlungen konnte er die Führer des Zuges per Lehnseid verpflichten, ihm eroberte Gebiete und Städte, soweit sie zuvor zum Byzantinischen Reich gehört hatten, erneut zu unterstellen.

Marsch durch Kleinasien

So wurde zuerst die Stadt Nikaia (Nicäa) auf dem kleinasiatischen Festland im Juni 1097 den Byzantinern übergeben. Wenig später stießen die Kreuzfahrer bei Dorylaion im Landesinnern auf das seldschukische Heer. Obwohl den Christen die Kampfesweise der türkischen und arabischen Völker seit Ottos II. Niederlage von 982 gegen die Sarazenen bei Cotrone in Unteritalien hätte bekannt sein müssen, ließen sie sich durch die vorgespiegelte Flucht der Feinde täuschen und entkamen einer Niederlage nur knapp. Hunger, feindliche Überfälle und Hitze verlangsamten den Weg des Heeres, doch echte Probleme schufen die internen Reibereien und Spannungen unter den Rittern. So setzte sich Balduin nach einem Streit mit Tankred vom Heer ab und eroberte auf eigene Faust 1098 das Gebiet diesseits und jenseits des Euphratoberlaufes. Edessa wurde Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft unter Führung Balduins, der das eigentliche Ziel des Zuges damit aus dem Auge verlor. Nach neunmonatiger Belagerung fiel im Juni 1098 die Festung Antiochia durch Verrat. Bohemund von Tarent beanspruchte die Stadt für sich und seine Nachkommen und gründete mit dem Fürstentum Antiochia den zweiten Kreuzfahrerstaat nach Edessa. Gottfried von Bouillon musste mit dem Restheer alleine weiterziehen.

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Gottfried von Bouillon (um 1060-1100)

Eroberung Jerusalems

Im Juni 1099 stand das auf 20 000 Reiter geschrumpfte Kreuzzugsheer vor Jerusalem. Über fünf Wochen zog sich die Belagerung hin. Am 15. Juli 1099 fiel die Stadt in die Hände der Christen, die die ansässige muslimische Bevölkerung massakrierten, um dann die römisch-katholische Kirche und einen weiteren Kreuzfahrerstaat zu installieren. Gottfried von Bouillon, der die weltliche Herrschaft übernahm, lehnte aus Bescheidenheit und Achtung vor der Dornenkrone Jesu die Königskrone ab und nannte er sich "Beschützer des Heiligen Grabes". Einen Monat später besiegte er das ägyptische Heer bei Askalon.

Das Königreich Jerusalem und die Kreuzfahrerstaaten

Wirtschaftlich abhängig

Gottfried von Bouillon starb am 18. Juli 1100. Sein Bruder Balduin übernahm als "König von Jerusalem" die Herrschaft. Die Kreuzfahrerstaaten waren ständig von äußeren Feinden und innerer Uneinigkeit bedroht. Die Landwege für Nachschub und frische Pilger waren weit, und immer nur ein Teil der ursprünglichen Menge langte wohlbehalten an. Hätten nicht Genua, Pisa und Venedig für den zuverlässigen Transport über das Meer gesorgt, wären die Kreuzfahrerstaaten, zu denen 1109 noch die Grafschaft Tripolis hinzukam, weder lebensfähig gewesen noch hätten sie in den folgenden Jahrzehnten ihr Territorium durch Eroberung der Seestädte Cäsarea, Akkon, Tyrus, Sidon und Beirut erweitern können.

Politisch unabhängig

Sowohl die Grafschaften Edessa und Tripolis als auch das Fürstentum Antiochia standen in recht lockerer Lehnsabhängigkeit zum Königreich Jerusalem. Die erste Klasse des Lehnsadels, die Barone, wurden bei allen wichtigen politischen und juristischen Entscheidungen befragt, ihre Lehen waren in männlicher und weiblicher Linie erblich, und wie der König in seinem königlichen Territorium, so übten die Vasallen in ihren Gebieten unmittelbar die Hoheitsrechte über Gesetzgebung, Rechtsprechung, Zölle, Märkte und Münze aus. Die Freiheiten waren teils größer als in der Heimat. Noch unabhängiger waren die unter italienischem Einfluss stehenden Küstenstädte organisiert, in denen die freiheitliche Entwicklung der oberitalienischen Stadtstaaten vorweggenommen wurde.

Johanniter und Templer - die neuen Ritterorden

Pfleger, Ritter, Geistliche - die Johanniter

Die Orden der Johanniter und Templer waren gegründet worden, um Pilger gegen muslimische Übergriffe zu schützen, ihnen sicheres Geleit zu verschaffen, Geld und Verpflegung zur Verfügung zu stellen und sie bei Krankheit zu pflegen. Schon früh hatten Kaufleute aus dem italienischen Amalfi in Jerusalem ein Hospital gebaut, das Johannes dem Täufer geweiht war. Es war die Keimzelle der "Johanniter" oder "Hospitaliter", die zentralistisch von einem Großmeister geführt wurden und als Ritter nach Ablegung der mönchischen Gelübde "Armut, Keuschheit und Gehorsam" sich dem Krankendienst verschrieben, ehe allmählich die karitative Tätigkeit von den militärischen Erfordernissen in den Hintergrund gedrängt und dienenden Brüdern (Servienten) überlassen wurde. Die Ritter übernahmen den Schutz der Pilger und Geistliche die religiöse Betreuung der Kranken. Das Ordenskleid war ein schwarzer Mantel mit weißem Kreuz.

Mächtige Templer

Ein weißer Mantel mit rotem Kreuz war das Ordenskleid der Templer. 1119 aus einem Zusammenschluss von acht französischen Rittern entstanden, die nahe dem salomonischen Tempel wohnten, breitete sich der Orden, der als viertes Gelübde den Kampf gegen die Moslems forderte, schnell aus. Dank der Unterstützung durch Bernhard von Clairvaux wurde die Vereinigung vom Papst anerkannt und mit Privilegien ausgestattet. Macht und Einfluss nahmen zu, damit auch die Gefahren der Verweltlichung, des Standesdenkens und der Herausbildung eines eigenen Staates innerhalb der Kreuzfahrerstaaten.

Das Desaster des zweiten Kreuzzugs (1147-1149) und die Folgen

Bernhards Werbekampagne

In den Jahren nach Balduins Tod (1118) begannen muslimische Fürsten, die christlichen Gebiete zurückzugewinnen. Der Fall Edessas 1144 beflügelte die papstkirchliche Propaganda aufs neue. Drei Jahre später begann ein zweiter Kreuzzug, an dessen Zustandekommen Bernhard von Clairvaux den größten Anteil hatte. Seine Beredsamkeit ergriff die Massen der Frommen in Westeuropa, aus denen ein neues Heer an Glaubenskriegern rekrutiert werden konnte. Angeblich war er es auch, der den französischen König Ludwig VII. und den deutschen König Konrad III. samt seinem Neffen, dem Herzog Friedrich (Barbarossa) von Schwaben, für die "militärische Wallfahrt" gewonnen hat.

Untergang des deutschen Heeres

Das deutsche Aufgebot mit dem jungen Barbarossa, Welf VI. von Baiern, Heinrich von Österreich, Markgraf Hermann von Baden, den Bischöfen Otto von Freising und Stephan von Metz mit einem Heer von etwa 30 000 Kriegern gelangte im Frühling/Sommer 1147 unter Führung Konrads III. auf dem Landweg nach Kleinasien, wo der König das Heer teilte. Der Hauptteil wurde in der Nähe von Dorylaion vom Sultan von Ikonion vernichtend geschlagen. Konrad und sein Neffe konnten entkommen und stießen mit den Resten des Heeres zu Ludwig VII. von Frankreich, der auf demselben Weg nachgekommen war. Während Konrad in Ephesos erkrankte und nach Konstantinopel zurückkehrte, erreichte Ludwig unter Verlusten die Südküste und setzte nach Antiochia über. Im Frühjahr 1148 trafen sich beide Könige in Jerusalem, von wo aus sie weiter erfolglos agierten, bevor Konrad III. im September 1148 und Ludwig VII. im Frühsommer 1149 in ihre Heimatländer zurückkehrten.

Saladin besetzt Jerusalem

Während sich dort die Militärs und die Kleriker gegenseitig die Schuld am Misserfolg zuwiesen und die Gottgefälligkeit des Unternehmens vor allem in Deutschland schon mal angezweifelt wurde, verschlechterte sich die Situation der Christen in Palästina. 1171 hatte Sultan Saladin Ägypten erobert, 1174 Damaskus besetzt und Mesopotamien 1183 gewonnen. Abgeschnitten von der Versorgung, saßen die Christen in der Falle. Bei Hattin in der Nähe des Sees Genezareth wurde am 4. Juli 1187 das Ritterheer des Königreiches Jerusalem aufgerieben, der König, der Großmeister der Templer und viele Vornehme gerieten in Gefangenschaft. Beirut, Sidon und Akkon gingen verloren, Jerusalem musste im Oktober kapitulieren. Das christliche Kreuzzeichen wurde vom Tempel Salomons heruntergestürzt und zersprang.

Scheitern nach starkem Beginn - der dritte Kreuzzug (1189-1192)

Einigkeit der Herrscher

Trotz Skepsis und Kontroversen nach dem erfolglosen zweiten Kreuzzug fanden Kirche und Adel rasch zum Konsens, nachdem Jerusalem verloren war. Die Herrscher verpflichteten sich zum Kreuzzug. Der inzwischen König und Kaiser gewordene Barbarossa normalisierte sein zuvor spannungsreiches Verhältnis mit der Kurie. Die Könige von Frankreich und England, Philipp II. August und Heinrich II. beschlossen, ihre Fehde ruhen zu lassen. Als Heinrich II. 1189 gestorben war, übernahm sein Sohn Richard von Poitou, genannt "Löwenherz", die Verpflichtung des Vaters. Zusammen mit dem französischen König brach er im Juni 1190 von Vézelay in Burgund auf, von Messina aus fuhr man nach Palästina. Hier wollte man mit Barbarossas Heer zusammentreffen, doch der war zu diesem Zeitpunkt schon tot.

Tod Friedrich Barbarossas

Kaiser Friedrich I. hatte seine Truppen unter den üblichen Schwierigkeiten durch die Byzantiner einigermaßen vollzählig bis nach Kleinasien geführt. Ein Sieg bei Ikonion öffnete den Weg bis nach Antiochia. Doch der 65-jährige Kaiser ertrank am 10. Juni 1190 vor den Augen seiner Leute im Fluss Saleph. Ein Teil des führerlosen Heeres trat sofort den Heimweg an; mit dem Rest von 5000 Kriegern zog Barbarossas Sohn Friedrich V., Herzog von Schwaben, weiter nach Antiochia, dann über Tyrus, wo der Verstorbene beigesetzt wurde, nach der Seefestung Akkon.

Zwietracht der Herrscher

Als Friedrich V. im Januar 1191 während der Belagerung Akkons starb, waren weder der französische noch der englische König angelangt. Philipp II. kam im April, Richard Löwenherz, der erst noch Zypern dem Byzantinischen Reich abgenommen hatte, im Juni nach Akkon. Knapp einen Monat später gelang die Eroberung der Stadt nach fast zweijähriger Belagerung. Es sollte der einzige militärische Erfolg bleiben. Der Kreuzzug scheiterte an der Uneinigkeit der Engländer und Franzosen. König Philipp II. setzte sich Ende Juli verärgert in die Heimat ab, ebenso Herzog Leopold von Österreich, der von Richard Löwenherz durch das Herabreißen seiner gehissten Flagge gekränkt worden war. Vergebens versuchte der englische König, die Rückeroberung Jerusalems allein abzuschließen. Ein dreijähriger Waffenstillstand, der Besitz der Küstenstädte von Jaffa bis Tyrus und der ungehinderte Zugang der Christen zum Heiligen Grab, waren, gemessen an Aufwand und Zielsetzung, das magere Ergebnis des dritten Kreuzzugs.

Der vierte Kreuzzug (1202-1204) - Sieg der venezianischen Kaufleute

Ziel aus den Augen verloren

Der vierte Kreuzzug war ein ausschließlich französisch-italienisches Unternehmen. Es war gegen das islamische Ägypten geplant, doch Venedig, das den Truppentransport übernahm, nutzte die Kriegsmacht für eigene Interessen: Erst musste das von Venedig abgefallene Zara an der dalmatinischen Küste erobert, dann in Konstantinopel der entthronte Kaiser Isaak I. Angelos und sein Sohn Alexios wieder installiert werden. Dahinter standen handelspolitische Interessen Venedigs. Der Papst gab seinen Segen, da er sich von Alexios den Anschluss der griechischen Kirche an die römische erhoffte. Hinter diesen wirtschafts- und machtpolitischen Interventionen trat das eigentliche Ziel des Kreuzzugs zurück und wurde aufgegeben.

Byzanz wird "Lateinisches Kaiserreich"

Die Eroberung von Konstantinopel gelang im Sommer 1203, doch die Stadtbevölkerung wollte weder den Kaiser Isaak samt Sohn noch katholisch werden. Sie revoltierte, woraufhin die christlichen Ritter im April 1204 die Stadt ein zweites Mal eroberten - diesmal mit Plünderung. Sie errichteten ein "Lateinisches Kaiserreich", dessen erster Kaiser Balduin von Flandern wurde. Venedig sicherte sich die Küstenstriche des Adriatischen und ägäischen Meeres sowie die wichtigsten Inseln Korfu, Aigina, Euböa und Kreta.

Fünfter Kreuzzug (1228-1229) - ein diplomatisches Meisterstück

Nach einem weiteren erfolglosen Kreuzzugsunternehmen des ungarischen Königs Andreas II. und Herzog Leopolds VI. von Österreich zwischen 1218 und 1221 richtete sich die Erwartung der Papstkirche auf den deutschen Kaiser Friedrich II., der die versprochene Jerusalemfahrt allerdings so lange aufschob, bis der erboste Papst Gregor IX. ihn 1227 bannte. Doch im folgenden Jahr löste der Staufer das Kreuzzugsversprechen ein und fuhr ins Heilige Land. Ohne Krieg, allein durch diplomatisches Geschick, basierend auf seinen guten Beziehungen zur arabischen Welt und der Beherrschung der arabischen Sprache, erreichte er vom Sultan in einem zehnjährigen Waffenstillstand die Rückgabe Jerusalems, Bethlehems, Nazareths und der Städte und Landschaften zwischen Akkon und Jerusalem. Da weder der Papst noch der Patriarch von Jerusalem dieses auf der Basis gegenseitiger Toleranz vollzogene diplomatische Meisterstück anerkennen wollten und der Bann nicht aufgehoben wurde, krönte sich Friedrich II. am 18. März 1229 selbst zum König von Jerusalem.

Sechster (1248-1254) und siebter (1270-1275) Kreuzzug

Der Fall Jerusalems

15 Jahre hielt der Vertrag Friedrichs II. Dann mischten sich die Christen Palästinas in die innenpolitischen Machtkämpfe der Moslems ein. Zum zweiten Mal und jetzt endgültig fiel Jerusalem am 24. August 1244 in die Hände der "Ungläubigen". In der Schlacht bei Gaza am 18. Oktober wurde das christliche Aufgebot total aufgerieben, nur die Festungen Jaffa, Akkon, Tripolis und Antiochia konnten sich halten.

Ruhmloses Ende

In Europa gab es nur noch einen Herrscher, der unrealistisch genug war, 1244 spontan den Kreuzzug zu geloben: der französische König Ludwig IX. der Heilige (1226-1270). 1248 löste er sein Versprechen ein und segelte nach Ägypten, wo er beim Marsch auf Kairo im April 1250 gefangen genommen wurde. Gegen die Zahlung eines hohen Lösegeldes freigelassen, blieb Ludwig noch vier Jahre in Palästina, ohne viel ausrichten zu können. Einen weiteren Fehlschlag landete er 1270 in einem Krieg gegen Tunis. Der christliche Rest Palästinas blieb sich nun selbst überlassen, keine Hand regte sich mehr zu neuerlicher Unterstützung. Tripolis fiel 1289, Akkon, das letzte wichtige Bollwerk, ergab sich im Mai 1291. Die "Franken" räumten freiwillig die letzten Plätze, Tyrus, Sidon und Beirut.

Fazit

Ziel nicht erreicht

Die Kreuzzugsbewegung des 11. und 12. Jahrhunderts war von den offenen und heimlichen Zielen her ein Fehlschlag. Der dem Rausch religiöser Begeisterung folgende Massenaufbruch konnte weder politisch noch organisatorisch kanalisiert werden und entglitt den Päpsten immer mehr. Das Heilige Land wurde nicht endgültig für das Christentum gesichert, geschweige denn als Lehen des Papstes vergeben, wie es dem päpstlichen Legaten Dagobert von Pisa beim ersten Kreuzzug vorgeschwebt hatte. Die erhoffte Wiederangliederung der Ostkirche blieb auch weiterhin ein Wunschtraum. Die Begeisterung hatte schon nach dem zweiten Kreuzzug einen Dämpfer erlitten, doch immer wieder verstanden es die Päpste und ihre Propagandisten, den glimmenden Funken neu zu entfachen. Erhielten die ersten Kreuzzüge ihre Aufbruchsstimmung und ihren kollektiven Schwung durch die fanatisch vorgetragene und aufgenommene Idee von der Befreiung Jerusalems, so fehlte den Kreuzfahrten des 13. Jahrhunderts diese Stimulans. Mangelnde Solidarität und profane Zielsetzungen bei den Mächtigen waren das Problem von Anfang an - nur wurden sie immer beherrschender.

Erfolg für die Kaufleute

Das auch im Rahmen der Kreuzzüge von den Arabern befreite Mittelmeer erlaubte einen ungefährdeten Handelsaustausch eigener Produkte mit den Stoffen, Teppichen, Gewürzen und Spezereien des Orients, der hauptsächlich über die italienischen Seestädte Pisa, Genua und Venedig lief. So hatte sich die Investition in die Kreuzzüge für die italienischen Kaufleute gelohnt.

Kulturtransfer

Bei aller Glaubensvermessenheit konnte den christlichen Rittern die Überlegenheit der arabischen Kultur nicht entgehen. Über die Kreuzzugswege kamen orientalische Textilien und andere kunstgewerbliche Gegenstände in die mittelalterlichen Burgen des Abendlandes. Man lernte Glasfenster und Wasserleitungen kennen, übernahm das Schachspiel. Die arabisch-persische Poesie beeinflusste die europäische Minnedichtung, und die arabischen Ziffern verdrängten die römischen fast völlig. Ein breiter Strom naturwissenschaftlichen Wissens in Medizin, Mathematik und Astronomie floss nach Europa, und viele griechische Schriftsteller lernte man erst durch Vermittlung der Mohammedaner kennen.

Teste dein Wissen!

Fragen

1) Wie lautete die offizielle Idee und Begründung der Kreuzzüge?

2) Welche Rolle spielte Byzanz für die an den Kreuzzügen beteiligten Mächte?

3) Wie unterschied sich der Kreuzzug Kaiser Friedrichs II. von denen seiner Vorgänger?

Antworten

1) Die Papstkirche rief mit der Begründung, die heiligen christlichen Stätten in Palästina, insbesondere in Jerusalem, zu befreien, zum Kreuzzug gegen die seldschukischen Türken auf. Diese beherrschten die Region seit 1071 und drangsalierten die ansässigen Christen und Pilger. Zuvor hatten die ägyptischen Fatimiden Palästina beherrscht und Toleranz gegen Juden und Christen geübt.

2) Zunächst brauchte man für den langen Landweg nach Palästina Byzanz als Stützpunkt und Nachschubbasis. Beim ersten Kreuzzug war es Kaiser Alexios gelungen die Kreuzritter unter Lehnseid zu stellen, so dass er von den Eroberungen auch noch Vorteile hatte. In der Folge wurden die Byzantiner aber eher die Opfer der Kreuzzüge. Die Normannen versuchten, sie vom italienischen Festland und von den Inseln zu drängen. Venedig verfolgte handelspolitische Interessen, es versuchte Byzanz innenpolitisch zu beeinflussen und als die Kreuzfahrer Konstantinopel erobert und aus Byzanz das "Lateinische Kaiserreich" gemacht hatten, sicherte sich Venedig die Küstenstriche des Adriatischen und ägäischen Meeres sowie die wichtigsten Inseln Korfu, Aigina, Euböa und Kreta. Der Papst hoffte - allerdings vergeblich - auf den Anschluss der griechischen Kirche an die römische.

3) Friedrich II. erreichte ohne Krieg, allein durch diplomatisches Geschick, basierend auf seinen guten Beziehungen zur arabischen Welt und der Beherrschung der arabischen Sprache, vom Sultan in einem zehnjährigen Waffenstillstand die Rückgabe Jerusalems, Bethlehems, Nazareths und der Städte und Landschaften zwischen Akkon und Jerusalem.

Bibliografie:

  • Die Chronik der Kreuzzüge. Gütersloh/München 2005
  • Die große Chronik Weltgeschichte. Band 8: Orient und Okzident im Aufbruch. Gütersloh, München 2008
  • Die große Chronik Weltgeschichte. Band 9: Blüte und Herbst des Mittelalters. Gütersloh. München 2008
  • Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 2005
  • Peter Thorau: Die Kreuzzüge, München 2007
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