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THEMEN

Die Maul- und Klauenseuche

Die Maul- und Klauenseuche ist eine akute fieberhafte und hoch ansteckende Viruserkrankung der Wiederkäuer und Schweine. Sie verursacht immer wieder große wirtschaftliche Verluste, beispielsweise durch Produktionsausfall oder durch Einschränkungen während des Seuchenverlaufs; das können Handelssperren wegen Quarantäneverordnungen oder die Tötung („Keulung“) der gesamten betroffenen oder unter Verdacht stehenden Tierbestände sein. Immer wieder gehen Meldungen über das Aufflackern der gefährlichen Maul- und Klauenseuche durch die Presse. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter dieser Schreckensmeldung? Wie wirkt sich die Infektionskrankheit auf die betroffenen Tiere aus? Handelt es sich eher um eine Tierseuche, bei der die Landwirte ihre wirtschaftlichen Einbußen beklagen, oder müssen gar die Tiere stark leiden? Können wir Menschen uns an der Maul- und Klauenseuche anstecken? Und was kann man gegen die Erkrankung tun bzw. was wird getan?

Die Krankheit

Die Maul- und Klauenseuche ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die weltweit verbreitet ist. Sie kann nach aktuellem Erkenntnisstand nur Tiere befallen, und zwar in erster Linie Paarhufer wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Rotwild, Rehwild, Damwild und Schalenwild. Aber auch Elefanten, Igel und Ratten können sich mit dieser Tierkrankheit infizieren. Und nicht nur in Europa, sondern weltweit gilt die Maul- und Klauenseuche neben dem so genannten „Rinderwahnsinn“ (BSE) als eine der wirtschaftlich bedrohlichsten Tierkrankheiten. Denn wenn sie nicht rechtzeitig eingedämmt wird, verbreitet sich das widerstandsfähige Virus rasch und führt zu einer unkontrollierbaren Seuche. Der Welthandel reagiert sofort auf das Bekanntwerden eines Erkrankungsfalles an Maul- und Klauenseuche. Allein der Verdacht reicht schon aus, um in anderen Ländern ein entsprechendes Importverbot für das betroffene Land zu verhängen. Nicht selten ist damit ein enormer finanzieller Verlust durch Handelseinbußen verbunden.

Die Beschwerden der Tiere

Von der Ansteckung eines Tieres bis zum Auftreten der ersten Krankheitssymptome (Inkubationszeit) vergehen je nach Tierart ein bis zwölf Tage. Bei den einzelnen Nutztierarten unterscheidet sich zudem der typische Krankheitsverlauf.

Beim Rind setzt zunächst eine bis zu drei Tage andauernde Fieberphase ein. Etwa vergleichbar mit einer sehr schweren Grippe verschlechtert sich das Allgemeinbefinden des Tieres drastisch. Bei Milchkühen bleibt fast augenblicklich die Produktion der Milch aus oder zumindest reduziert sie sich schlagartig. Aus dem Maul tritt verstärkt ein zähflüssiger Speichel aus. Die Maulschleimhaut ist stark gerötet. Mit fortschreitender Maul- und Klauenseuche kann man im Umfeld des erkrankten Rindes regelrechte „Speichellachen“ beobachten. Das Tier käut kaum noch wieder. Rasch schreiten die Entzündungsprozesse im Maul voran: Es bilden sich erbsen- bis tischtennisballgroße Blasen (Aphthen), die mit flüssigem Sekret gefüllt sind. Diese Aphthen entstehen nicht nur auf der Maulschleimhaut und der Zunge, sondern auch am gesamten Euter und den Zitzen sowie den Klauen des Rindes. Sie sind äußerst schmerzhaft für das Tier. Meist drückt es dies aus, indem es das Maul geschlossen hält und mit den betroffenen Beinen lahmt.

Wenn die Aphthen aufplatzen, entstehen zunächst großflächige nässende Wunden (Erosionen), die bei der milden Verlaufsform der Maul- und Klauenseuche meist ohne Narbenbildung in den nächsten zwei Wochen abheilen. Der Heilungsprozess der Aphthen an den Klauen nimmt in aller Regel vier Wochen in Anspruch. Wenn das Rind allerdings von der bösartigen Verlaufsform der Virusinfektion betroffen ist, greift die Krankheit auf das Herz über und führt bei rund 80% der Rinder zum Tode. Von dieser schweren Verlaufsform sind vor allem Kälber betroffen. Aber selbst bei der milden Variante der Seuche, die für sich genommen „nur“ bei etwa 2-5% der erkrankten Rinder tödlich verläuft, kommt es vielfach zu gefürchteten Spätschäden durch eine bakterielle Infektion, die sich aufgrund des geschwächten Immunsystems des Tieres recht leicht auf die Virusinfektion setzen kann.

Infiziert sich ein Schwein mit dem Virus, sind in erster Linie seine Klauen von der Erkrankung betroffen. Dies kann zu sehr schmerzhaften Lahmheiten des Tieres führen, manche erkrankten Schweine können sich gar nicht mehr auf ihren von Aphthen und Erosionen übersäten Beinen halten (so genanntes „Festliegen“). Wie bei den Kälbern kommt es vor allem bei Jungtieren ebenfalls häufig zum plötzlichen Herztod durch die Infektion. Während die Hauterscheinungen an Rüssel und Gesäuge meist innerhalb von zwei Wochen abheilen, wird der Heilungsprozess an den Klauen durch bakterielle Folgeentzündungen oft sehr erschwert. Unter Schweinen ist die Krankheit so ansteckend, dass bei Intensivhaltung innerhalb weniger Tage der gesamte Bestand infiziert ist.

Die milde Verlaufsform ist bei Schaf und Ziege weniger dramatisch als beim Rind. Wie beim Schwein sind auch beim Schaf die Aphthen an den Klauen vorherrschend. Auch die Durchseuchung der Herde geht wesentlich langsamer vor sich. Die Infektion macht sich meist nur durch einige vor Schmerzen lahmende Tiere bemerkbar. Bei den Ziegen dominiert die Aphthenbildung im Kopfbereich. Besonders augenfällig sind hier auftretende Schwellungen, typischerweise zusätzlich betont von aufgestelltem Haarkleid.

Der Erreger

Der Erreger der gefürchteten Tierseuche ist ein Virus, 1897 von Friedrich August Johannes Loeffler (1852-1915) entdeckt, einem deutschen Mediziner, Hygieniker, Bakteriologen und Schüler von Robert Koch. Heute weiß man, dass es sich um ein hüllenloses Einzelstrang-RNA-Virus aus der Familie der Picornaviren handelt. Aufgenommen wird das Virus von den infizierten Tieren in aller Regel über ihre Mundschleimhaut. Kommt das Virus dort mit einer Wirtszelle in Kontakt, heftet es sich an deren nach außen gerichtete Erkennungsmoleküle (Rezeptoren). Die Wirtszelle umhüllt daraufhin das Virus. Wie ein Parasit sorgt die genetische Information des Virus dafür, dass der gesamte Stoffwechselapparat der Wirtszelle aktiv wird, um unzählige neue Viren herzustellen. Letztlich geht die Wirtszelle an dieser Überproduktion zugrunde und setzt somit große Mengen des Krankheitserregers im Wirtsorganismus frei. Jedes dieser Viren kann nun seinerseits eine neue Zelle des infizierten Tieres auf die gleiche Weise befallen.

Übertragungswege

Das krank machende Virus wird in erster Linie durch Kontakt- und Schmierinfektion übertragen - also stets durch eine Form des direkten Kontaktes. So kann die Infektion sowohl unmittelbar von Tier zu Tier erfolgen, als auch über kontaminierte Stallungen oder Pferche oder Transportfahrzeuge. Des Weiteren können auch Lebewesen das Virus übertragen, die selbst nicht daran erkranken, wie wir Menschen oder Pferde, die nicht zu den Paarhufern gehören. Der widerstandsfähige Krankheitserreger kann sogar über die Kleidung oder den PKW eines Menschen, der mit den infizierten Tieren Kontakt hat, durch ungekochte Futterabfälle, durch Jauche und sogar stehende kleinere Wassermengen weitergegeben werden. Er übersteht sowohl Austrocknung als auch niedrige Temperaturen. Diese Zähigkeit des Virus erhöht die Infektionsgefahr enorm.

Verbreitung

Die Maul- und Klauenseuche ist bis auf Neuseeland weltweit verbreitet. In Europa ist die Tierkrankheit durch strenge Überwachung und Zusammenarbeit der nationalen und internationalen Veterinärdienststellen unter Kontrolle. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die Quarantäne eingeführter Tiere, die vollständige Vernichtung infizierter Tierbestände sowie ein Importverbot aus Ländern, in denen die Seuche ausgebrochen ist. Dennoch wird der äußerst zähe und widerstandsfähige Erreger immer wieder durch Einfuhren eingeschleppt. Vor allem in Asien, Afrika und weiten Teilen Südamerikas werden zahlreiche mit dem Virus durchseuchte Tierbestände vermutet. So flackert die Seuche immer wieder kurzzeitig auf wie im August 2007 in Großbritannien.

Behandlung und Maßnahmen

Wie bei den meisten Viruserkrankungen gibt es auch bei der Maul- und Klauenseuche keine erfolgversprechende Therapie. Bereits bei Verdacht, in jedem Fall aber bei Nachweis der Infektion wird der betroffene Betrieb komplett gesperrt. Es besteht zwingende Anzeigepflicht beim zuständigen örtlichen Veterinäramt oder der Ortspolizei, die die entsprechenden Quarantänemaßnahmen in die Wege leitet. Sofort müssen vom Stallbesitzer folgende Maßnahmen ergriffen werden: Alle Paarhufer (Klauentiere) müssen isoliert gehalten werden, also separiert werden. Kein Tier darf den Betrieb verlassen. Alle Stallungen, die mit den infizierten Tieren in Kontakt waren, dürfen nur noch mit entsprechender Schutzkleidung betreten werden. Sowohl die Tierprodukte als auch verendete Tiere dürfen nicht vernichtet, sondern müssen zu Untersuchungszwecken aufbewahrt werden. Sowohl die Eingänge der Stallungen als auch die Einfahrten des Betriebes unterliegen strengen Desinfektionen - auch die Räder von Fahrzeugen müssen desinfiziert werden. Im Umkreis von drei Kilometern werden zwecks Quarantäne alle Straßen gesperrt (Sperrbezirk). Wenn nach 30 Tagen Quarantäne keine weiteren Infektionen aufgetreten sind, werden intensiv alle Mäuse und Ratten bekämpft und quasi der gesamte Betrieb desinfiziert. Es wird schnell deutlich, dass die Landwirte bei Auftreten der Seuche massive finanzielle Kosten und Einbußen hinnehmen müssen.

Es gibt zwar die Möglichkeit einer Impfung gegen die Maul- und Klauenseuche. Da jedoch die Unterscheidung von geimpften und infizierten Tieren über die Antikörper sehr schwierig ist, hat die Europäische Union die ehemals durchgeführten Pflichtimpfungen wieder untersagt.

Gefahr für den Menschen?

Unter anderem das renommierte Robert-Koch-Institut mit dem Spezialgebiet Infektionskrankheiten bestätigt, dass die Maul- und Klauenseuche für Menschen ungefährlich ist. Selbst wenn sie in unmittelbarer Nähe auftreten sollte, bestehen für Menschen daher so gut wie keine gesundheitlichen Gefahren. Nur äußerst selten soll das Virus bei Menschen zu sehr leichten Krankheitserscheinungen führen. Für gewöhnlich wird es, selbst wenn es über infiziertes Fleisch aufgenommen wird, durch die Magensäure abgetötet.

Bibliografie:

  • Joachim Beer: Infektionskrankheiten der Haustiere, Fischer-Verlag, Jena 1987
  • Eugen Kolisko: Das Wesen und die Behandlung der Maul- und Klauenseuche, Verlag am Goetheanum 2001
  • Elisabeth Roesicke und Hans J. Bätze: Maul- und Klauenseuche: Erkennen, Vorbeugen, Bekämpfen, aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft; Auflage: 4., überarbeitete Auflage 2001
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