Die Mumien im germanischen Siedlungsgebiet
Einleitung
Dass ein Toter mit Beigaben versehen bestattet wird, setzt eine bestimmte Vorstellung vom Tod voraus, es ist - um einen Begriff der Völkerkunde heranzuziehen - die Idee des lebenden Leichnams, die allen Versuchen einer Mumifizierung, einer dauerhaften Bestattung zu Grunde liegt. Man trocknet den Toten, der einem so wichtig ist, am Feuer aus und nimmt ihn mit, man verschließt ihn in Körben wie bei den Indios in Nord-Arizona, verpackt ihn in Lehm wie in Neu-Mexiko oder konserviert ihn so kunstvoll, wie dies die Ägypter taten.
Trotz dieses Aufgebots an raffinierten Techniken rufen diese Mumien kaum noch den Eindruck der lebenden Person hervor. Ganz anderen Aussehens sind die Leichen aus der "germanischen" Frühzeit, die, in Baumsärgen bestattet oder im Moor versenkt, erhalten blieben. Sie haben sich aus Gründen, die bei der Bestattung oder Versenkung niemand vorhersehen konnte, auf eine so hervorragende Weise konserviert, dass man nicht nur Gerippe oder Knochenreste, sondern den vollständig erhaltenen Leichnam freizulegen vermag. Die Erklärung für diese Konservierung liegt in der Art der Bestattung bzw. in den chemischen Prozessen, die im Holz des Sarges, im Boden oder im Moor wirksam werden.
Bibliografie:
- Artikel Moorleichen, In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 20, Berlin, New York 2002
- Alfred Dieck: Die europäischen Moorleichenfunde (Hominidenfunde), Neumünster 1965
- Michael Müller-Wille: Opferkulte der Germanen und Slawen, Stuttgart 1999 (= Archäologie in Deutschland: Sonderheft, 1999)









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