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THEMEN

Die napoleonische Zeit (1800-1815)

Auswirkungen der Kontinentalsperre

Die Kontinentalsperre hatte eine ökonomische und eine politische Seite. Für das von Napoleon beherrschte Europa hätte sie die große Chance geboten, unabhängig von der überlegenen englischen Industrieproduktion eine eigene Industrie aufzubauen. In der Praxis knebelte der ganz in merkantilistischen Vorstellungen des 18. Jahrhunderts denkende Napoleon seine Verbündeten in Handelsverträgen so, dass Frankreich allein der Nutznießer war. Ein ungeheurer Schmuggel setzte ein, der aber das Ausbleiben der englischen Waren des Welthandels nicht ausgleichen konnte. Neben den durch die Kriege erzwungenen finanziellen Forderungen und der ständigen Notwendigkeit, Soldaten für Napoleons Kriege zu stellen, wurde die Kontinentalsperre der Anlass einer ganz Europa erfassenden Depression. Sie war einer der Gründe für die Missstimmung, die sich gegen Napoleon ausbreitete.

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Joseph Bonaparte (1768 - 1844)

Nicht weniger bedeutend waren die territorialen Auswirkungen der Kontinentalsperre. Sie griff ja nur, wenn der Kontinent dicht war. 1806 waren die Bourbonen aus Neapel vertrieben worden. Napoleon machte dort erst seinen Bruder Joseph, 1808 seinen sehr viel energischeren Schwager Murat zum König. Da sich das mit England seit 1703 verbündete Portugal weigerte, der Kontinentalsperre beizutreten, eilte Napoleon 1808 auf die Pyrenäenhalbinsel. Auch in Spanien griff Napoleon ein. In Bayonne zwang er den allgemein verachteten König Karl IV. und seinen Sohn Ferdinand zum Thronverzicht. An ihrer Stelle machte er seinen Bruder Joseph, der bisher König von Neapel gewesen war, zum König. Das allen Neuerungen abholde spanische Volk ließ sich von den Segnungen einer fortschrittlichen Verfassung nicht gewinnen.

Nun rächte sich, dass Napoleon den Kirchenstaat, um auch dieses Loch der Kontinentalsperre zu stopfen, 1808 besetzt und mit Frankreich vereinigt hatte. Der von England über das verbündete Portugal unterstützte Krieg der Spanier gegen die französischen Besetzer artete in einen blutigen Guerillakrieg aus. Niederlagen der in Spanien operierenden französischen Armeen erregten großes Aufsehen. König Joseph wurde mehrfach aus Madrid vertrieben und konnte sich nur mühsam halten.

Etwas mehr als ein Jahr nach dem spektakulären Bündnis mit Zar Alexander wurde dessen Haltung für Napoleon zweifelhaft. Die englische Flotte operierte in der Ostsee von Schweden aus. Das vom Handel mit England abhängige Russland litt schwer unter der Kontinentalsperre. Napoleon drängte Alexander, England und Schweden den Krieg zu erklären. Das tat Alexander nach einigem Zögern auch. Er eroberte Finnland. Um die Missstimmung mit Alexander zu beseitigen, lud Napoleon ihn in die französische Enklave Erfurt im Herbst 1808 zu einem festlichen Treffen aller verbündeten Fürsten ein. Vom 27. September bis 14. Oktober entfaltete Napoleon in Erfurt den Glanz seiner Herrschaft. Nach langen Unterredungen mit Zar Alexander entwickelte er fantastische Pläne einer gemeinsamen Operation gegen England und Indien. Aber der Zar hielt sich zurück. Der von Napoleon 1807 als Außenminister abgesetzte, gedemütigte Talleyrand warnte Alexander, Napoleons Herrschaft sei brüchig. Das spanische Abenteuer zeige bedenkliche Schwächen seiner Armee. Alexander schloss zwar in Erfurt ein neues Defensivbündnis mit Frankreich und formulierte einen gemeinsamen Friedensappell an England. Aber Napoleon war sich seiner Person nicht mehr sicher.

  1. Einleitung
  2. General wird erfolgreicher Staatsmann
  3. Territoriale Neuordnung Deutschlands
  4. Französische Siege über die Alliierten
  5. Preußisches Debakel im Frieden von Tilsit
  6. Erzwungener Modernisierungsprozess
  7. Auswirkungen der Kontinentalsperre
  8. Demütigung Österreichs
  9. Napoleons Machtverfall
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