Die napoleonische Zeit (1800-1815)
General wird erfolgreicher Staatsmann

Die Anfänge Napoleons waren nicht sehr viel versprechend. Als die Nachricht vom Staatsstreich des 18. Brumaire 1799, der Napoleon in einer neuen Konsulatsregierung an die Macht brachte, durch die Welt ging, wusste man zwar, dass dieser Napoléon Bonaparte ein tüchtiger General war, der in Norditalien und in Ägypten erstaunliche Proben seines Könnens an den Tag gelegt hatte. Von seinen staatsmännischen Fähigkeiten war die Welt schon weniger überzeugt. Insbesondere sein Auftreten vor den Deputierten war nicht sehr überzeugend gewesen. Der Bruder Napoleons, Lucien, hatte ihn vor der tobenden Kammer in Saint Cloud retten müssen, die er durch ein ungeschicktes Vorgehen und eine provozierende Rede gereizt hatte. Am Abend des 18. Brumaire, der dem 9. November entsprach, waren die 500 Mitglieder der Kammer auseinandergetrieben. Die zweite Kammer der Alten hatte daraufhin den von den Verschwörern beantragten Verfassungsänderungen zugestimmt. In den Morgenstunden des 10. Novembers 1799 legten die drei Konsuln, der ehemalige Abbé Graf Sieyès, Roger Ducos und Napoléon Bonaparte, den Eid auf die eine unteilbare Republik, die Freiheit, die Gleichheit und das Repräsentativsystem ab, ein Eid, der schon bald gebrochen werden sollte! Sieyès, der geglaubt hatte, in diesem Direktorium die Hauptrolle spielen zu können, erkannte rasch, dass der kleine General Bonaparte die ganze Macht wollte und seinen Mitdirektoren bestenfalls eine Nebenrolle überließ. "Wir haben einen Herrn", sagte er ahnungsvoll am Abend nach dem Staatsstreich, "der alles weiß, der alles kann und alles will."
Als Napoleon 1799 die Herrschaft in Frankreich übernahm, befand sich das Land mit Österreich und England im Krieg; im Inneren Frankreichs war das Verhältnis zur katholischen Kirche ungelöst, in einer Zangenbewegung von Oberitalien und von Süddeutschland her zwang Napoleon Österreich zum Frieden von Lunéville (9. Februar 1801). Ein Jahr später schloss Bonaparte mit England in Amiens einen für Frankreich höchst vorteilhaften Frieden (26. März 1802).
Nicht weniger erfolgreich endeten seine Verhandlungen mit der katholischen Kirche. Am 16. Juli 1801 schloss er mit der Kurie ein Konkordat. Alle Bischöfe wurden ihrer Ämter entsetzt und Neue im Einvernehmen mit Napoleon ernannt. Die Bistumsgrenzen entsprachen den von Napoleon neu eingerichteten Arrondissements.
In einer von allen, auch von seinen Gegnern bewunderten Weise hatte er alle Probleme gelöst und Frankreich einen höchst ehrenvollen Frieden nach außen und innen verschafft. An die Stelle der von der Revolution eingerichteten konkurrierenden Gewalten setzte er im Stil des aufgeklärten Absolutismus eine streng zentralistische, auf seine Person abgestellte, höchst effektive Verfassung. Aus den Distrikten wurden Arrondissements, die ihre Weisungen von der Zentrale empfingen. 1802 machte er sich zum Konsul auf Lebenszeit. Bonaparte fühlte sich nicht als Vollstrecker der Ideen der Revolution, sondern als eine Persönlichkeit, die eine neue Zeit der politischen Freiheit, des rationalen Staatsaufbaus und der Organisation höchster staatlicher Macht im Sinn der französischen Staatsrechtsdiskussion des 18. Jahrhunderts heraufführte. Im selben Jahr gründete er mit der Ehrenlegion einen neuen französischen Adel. Es war in seinen Augen folgerichtig und entsprach auch der in der Revolution gepflegten römischen Tradition, wenn er sich, um sich von der Revolution abzugrenzen, 1804 zum erblichen Kaiser der Franzosen erklärte. Hierbei erneuerte er die Tradition der römischen Cäsaren und setzte sich deutlich von der Tradition der Römischen Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ab, für dessen 900-jährige Tradition er wenig Verständnis hatte. Am 2. Dezember 1804 setzte er sich selbst die Krone in einer glanzvollen Zeremonie in Notre Dame in Anwesenheit von Papst Pius VII. aufs Haupt und empfing den Segen des Papstes. Viele, darunter Ludwig van Beethoven, der die an ihn gerichtete Widmung der 3. Sinfonie ("Eroica") tilgte, sahen darin einen Verrat an der Revolution.
Die Festigung seiner Stellung nach innen gab Bonaparte die Möglichkeit, auf die benachbarten Völker auszugreifen. In Holland und Italien, zu dessen Präsident er sich wählen ließ, führte er moderne, von ihm entworfene Verfassungen ein. In der Schweiz trennte er das Wallis ab, das er als Verbindungslinie zu Italien brauchte. Von den Schweizern um Vermittlung in inneren Problemen gebeten, gab er ihnen eine auf föderalistischer Grundlage aufgebaute Verfassung, die so genannte Mediationsakte vom Februar 1803, die allgemein als Beweis der staatsmännischen Klugheit des Konsuls Bonaparte galt. Piemont gliederte er Frankreich an. Am 26. März 1805 krönte sich der neue Kaiser der Franzosen in Mailand mit der Eisernen Krone der Lombardei zum König von Italien.
Hatte sich der Konsul Bonaparte in Holland, Italien und der Schweiz die Kontrolle über diese Staaten gesichert, so fiel ihm die Neuordnung Deutschlands nach Lunéville wie eine reife Frucht in die Hand.









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