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THEMEN

Die Ostgoten (Austrogoti)

Germanenkult im 19. Jahrhundert

"Das weiße Licht fiel auf ein apollinisch schönes Antlitz mit lachenden, hellblauen Augen; mitten auf seiner Stirn teilte sich das lichtblonde Haar in zwei lang fließende Lockenwellen, die rechts und links bis auf seine Schulter wallten; Mund und Nase, fein, fast weich geschnitten, waren von vollendeter Form, ein leichter Anflug goldhellen Bartes deckte die freundliche Lippen und das leicht gespaltene Kinn; er trug nur weiße Kleider, einen Kriegsmantel von feiner Wolle, durch eine goldene Spange in Greifengestalt auf der rechten Schulter fest gehalten, und eine römische Tunika von weicher Seide, beide mit einem Goldstreif durchwirkt: Weiße Lederriemen festigten die Sandalen an den Füßen und reichten, kreuzweis geflochten, bis an die Knie; die nackten, glänzend weißen Arme umzirkten zwei breite Goldreife: Und wie er, die Rechte um eine hohe Lanze geschlungen, die ihm zugleich als Stab und Waffe diente, die Linke in die Hüfte gestemmt, ausruhend von dem Gang, zu seinen langsameren Weggenossen hinunterblickte, schien in den grauen Tempel eine jugendliche Göttergestalt aus seinen schönsten Tagen wieder eingekehrt."

Dieser nordische Edelmensch, aus der wilhelminischen Fantasie des dichtenden Professors Felix Dahn (*1834, 1912) entsprungen, stammt aus dem vierbändigen Roman "Ein Kampf um Rom", der 1876 bis 1878 erschien, und stellt den Totila dar, den König der Ostgoten (541-552), der 552 in der Schlacht bei Tadinae fiel, als er versuchte, die Rückeroberung Italiens durch Narses, den Feldherrn von Byzanz, zu verhindern.

Die Gegenfigur ist Teja (552), der letzte Ostgotenkönig, von Dahn zu einem schwarzen Helden stilisiert; er fiel ebenfalls in jener Schlacht. Im Roman kommt es dann zu jener frei erfundenen pathetischen Szene, als Harald der Wiking mit seiner Flotte die Reste des geschlagenen Gotenheeres aufnimmt, um sie auf seinen Drachenschiffen nach Norden zu bringen: "nach Norden, gen Thuleland".

In jeder besseren deutschen Bürgerstube stand dieser "Kampf um Rom", und wer als Kind Karl May gelesen hatte, kannte auch meist die Schicksale der gotischen Helden. So setzte sich eine bestimmte Vorstellung vom edlen Germanentum und Deutschtum fest, die im Heldenkult des Dritten Reiches nur aktiviert zu werden brauchte.

  1. Germanenkult im 19. Jahrhundert
  2. Zeitzeuge Prokop
  3. Belisar unterwirft die Ostgoten
  4. Totila - König der Ostgoten
  5. Ostroms Gegenschlag
  6. Totilas Tod
  7. Das Ende der ostgotischen Herrschaft in Italien

Bibliografie:

  • F. Dahn: Ein Kampf um Rom. Ungekürzte Neuauflage, 1989
  • H. Wolfram: Artikel Ostgoten (Historisches). In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 22, 2003
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