Die Revolution der Bühne - Erwin Piscator und sein Theater
Kindheit, Jugend und Erster Weltkrieg
Erwin Piscator wird am 17. Dezember 1893 in Ulm, Kreis Wetzlar geboren. Er stammt aus einer alten hessischen Pastorenfamilie. So hatte u. a. einer seiner Vorfahren, ein Professor der Theologie Johannes Piscator, im Jahr 1600 eine neue Bibelübersetzung herausgegeben und in diesem Zusammenhang den Familiennamen „Fischer“ in „Piscator“ latinisiert.

Von 1898 bis 1913 verlebt Erwin Piscator seine Jugend- und Schulzeit in Marburg. Dort besucht er das Gymnasium, das er 1913 abschließt. Noch im selben Jahr nimmt er ein Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität in München auf. Das Theater zieht ihn jedoch bald in seinen Bann und im Oktober 1914 wird er Schauspielvolontär am Münchner Hof- und Nationaltheater und debütiert in Kleists „Hermannsschlacht“. Der Erste Weltkrieg vereitelt dann allerdings alle weiteren Bühnenpläne. Piscator, dem die allgemeine Kriegsbegeisterung fremd ist, wird im Januar 1915 zum Heer eingezogen und erlebt zwei Jahre lang als Funker an der Ypernfront, wo er schwer verletzt wird, das Grauen des Krieges. Dieses Erlebnis macht ihn zum radikalen Pazifisten und Sozialisten und lässt ihn u. a. Gedichte gegen den Krieg verfassen, die er in der „Aktion“, der damals bedeutendsten freiheitlichen Zeitschrift für Politik und Literatur, veröffentlicht. 1916 wird er einem Fronttheater in Kortrijk (Belgien) als Schauspieler und Regisseur zugeteilt. Zur Unterhaltung und Ablenkung der Soldaten werden dort im Fronttheater Stücke der leichten Muse aufgeführt, wie z. B. „Charleys Tante“ oder „Im Weißen Rössl“. Piscator spielt hierbei meist das Fach des jugendlichen Lebemannes oder Komikerrollen. In dieser Zeit, so schreibt Piscator später, „waren Kunst und Politik zwei Wege, die nebeneinander herliefen. Kunst als Selbstzweck war nicht mehr imstande, mich zu befriedigen. Andererseits sah ich immer noch nicht den Schnittpunkt beider Wege, an dem ein neuer Begriff der Kunst entstehen mußte, aktiv, kämpferisch, politisch.“
- Kindheit, Jugend und Erster Weltkrieg
- Theater für die proletarischen Massen
- Die Piscatorbühnen
- Emigration
- Theater im Nachkriegsdeutschland
Bibliografie:
- Ulrich Amlung: „Leben - ist immer ein Anfang“. Erwin Piscator: 1893-1966, der Regisseur des politischen Theaters, Marburg 1993
- Manfred Brauneck (Hrsg.): Zeittheater. „Das politische Theater“ und weitere Schriften von 1915-1966, Reinbek bei Hamburg 1986
- Peter Jung: Erwin Piscator. Das politische Theater. Ein Kommentar, Berlin, 2007
- Maria Ley-Piscator: Der Tanz im Spiegel. Mein Leben mit Erwin Piscator, Reinbek bei Hamburg 1993
- Erwin Piscator: Das Politische Theater, Reinbek bei Hamburg 1979
- Michael Schwaiger: Bertolt Brecht und Erwin Piscator. Experimentelles Theater im Berlin der Zwanzigerjahre, Wien 2004
- Klaus Wannemacher: Erwin Piscators Theater gegen das Schweigen, Tübingen 2004
- Stefan Woll: Das Totaltheater. Ein Projekt von Walter Gropius und Erwin Piscator, Berlin 1984









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