Die Salzburger Festspiele
Die Salzburger Festspiele
Jedes Jahr finden in der Zeit von Ende Juli bis Ende August die Salzburger Festspiele, eines der renommiertesten Theater-Festivals der Welt, statt. Obwohl sie heute aus dem kulturellen Leben nicht nur Österreichs, sondern der ganzen Welt nicht mehr wegzudenken sind, war es bis zu diesem Erfolg ein weiter Weg. Väter der Festspiele sind ein Dichter, ein Komponist und ein Regisseur: Hugo von Hofmannsthal, Richard Strauss und Max Reinhardt. Die geistigen Paten sind drei Ideale: der Dienst "am klassischen Besitz der Nation" (besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang Salzburgs großem Komponisten Mozart zu, dessen Werk jedes Jahr im Zentrum der Aufführungen steht); die Unterstützung des "Glaubens an Europa" und die Verbindung von Oper und Schauspiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es vor allem Herbert von Karajan, der das Festival aus seinen Kinderschuhen befreite und zu einem Ereignis von Weltgeltung machte.
Die Salzburger Festspiele haben verschiedene geschichtliche Wurzeln und eine lange Tradition musikalischer Ereignisse, aus denen sich schließlich die Festspiele in heutiger Form entwickelt haben:
- Mysterienspiele im 16. Jahrhundert
- Eröffnung des erzbischöflichen Hoftheaters am 27. Januar 1614 und Aufführung der ersten Opern im deutschsprachigen Raum
- Geburt Wolfgang Amadeus Mozarts am 27. Januar 1756
- 1842: die Internationale Stiftung Mozarteum veranstaltet das erste Musikfest, bei dem gleichzeitig Mozart geehrt wurde
- 1877: erstes Gastspiel der Wiener Philharmoniker außerhalb ihrer Heimatstadt
- 1887: Musikfest unter der Mitwirkung Hans Richters, der die Anregung gibt, alljährlich Mozart-Festspiele zu veranstalten
- Gründung eines Aktions-Komitees, das die Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer mit dem Bau des Festspielhauses beauftragt; aus Geldmangel zerschlägt sich der Plan
- 1904: neue Ideen zur Initiierung von Festspielen durch den Schriftsteller und Dramatiker Hermann Bahr, die ebenfalls an Geldmangel scheitern
- 1917: Gründung der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde
- 1918: Kaiser Karl I. begrüßt Max Reinhardts Idee von Salzburger Festspielen als einem "notwendigen Friedenswerk" und stimmt zu, "österreichische, den Hoftheatern verbundene Festspiele in Salzburg unter Max Reinhardts Leitung einzurichten"
- August 1918: Einberufung eines Kunstrates durch die Salzburger Festspielhaus-Gemeinde mit Max Reinhardt, Richard Strauss und Franz Schalk sowie Hugo von Hofmannsthal und Alfred Roller

Am 22. August 1920 werden die 1. Salzburger Festspiele mit Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" mit den seither weltbekannt gewordenen Worten
"Jetzt habet allsamt Achtung, Leut
Und hört, was wir vorstellen heut'"
eröffnet. Die Festspiele dauern in diesem ersten Jahr vier Tage und werden um zwei zusätzliche Aufführungen am 27. und 28. August ergänzt. Bereits ein Jahr später wird der Festspielkalender auf drei Wochen vom 2.-23. August und um musikalische Veranstaltungen, zunächst ausschließlich mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, erweitert. Zur Aufführung kommen:
- die Oper "Bastien und Bastienne";
- Orchesterkonzerte u. a. mit der "Prager Symphonie", "Eine kleine Nachtmusik";
- Kammerkonzerte mit einem Querschnitt durch Mozarts kammermusikalisches Schaffen;
- geistliche Musik mit Mozarts "Requiem".
Noch gibt es das Festspielhaus nicht, und alle musikalischen Aufführungen finden im Mozarteum, in der Residenz oder im Dom statt. Nachdem sich das Opern-Programm im Festspieljahr 1922 bereits erweitert hatte, finden im Jahr 1923 nur Aufführungen des Schauspiels "Der eingebildete Kranke" von Molière und 1924 überhaupt keine Festspiele statt. Etwas musste geschehen, wenn die ganze Idee nicht gleich wieder sterben sollte. Der neugewählte Präsident der Festspielhaus-Gemeinde, Vizebürgermeister und Ingenieur Richard Hildmann, unternimmt endlich den ersten konkreten Schritt zur Gestaltung eines Festspielhauses. Wie Max Reinhardt bereits früher vorgeschlagen hat, wird ein Teil der ehemaligen Hofstallungen für diesen Zweck umgebaut, und 1925 wird dieses provisorische Festspielhaus erstmals zum Schauplatz der Festspiele. Auch das Programm ist merklich erweitert: neben drei Schauspielen kommen drei Opern - und nicht mehr nur von Mozart - zur Aufführung, und erstmalig gibt es auch Ballett-Veranstaltungen. Daneben bereichern Orchesterkonzerte, Kammerkonzerte und Liederabende das Programm. Insgesamt werden 37 Veranstaltungen organisiert, in denen namhafte und beliebte Künstler mitwirken.
Trotzdem bringt der Festspielsommer nicht den erhofften finanziellen Erfolg, und der Umbau des neuen Festspielhauses, das noch nicht alle künstlerischen Anforderungen befriedigend erfüllt, bedeutet einen weiteren Griff in die sowieso schon leeren Kassen. Die endgültige Eröffnung des Festspielhauses findet am 7. August 1926 statt und leitet ein nochmals erweitertes Festspiel-Programm ein. Aber die finanziellen Sorgen reißen nicht ab. Waren es erst die berühmten 'Geburtswehen', so kommen später wirtschaftliche (Weltwirtschaftskrise 1929) und politische (Hitler-Ära und Zweiter Weltkrieg) dazu, die einen mangelnden Zuspruch des Publikums bewirken und von den Nationalsozialisten auch drastische Eingriffe in die inhaltliche Planung der Festspiele bedeuten. Rückblickend lebt diese Zeit allerdings mehr in der Erinnerung an die großen Namen, die damals die Salzburger Festspiele prägten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhebt sich zunächst die Frage, ob das traditionelle Schauspiel "Jedermann", mit dem seinerzeit die ersten Festspiele im Jahr 1920 eröffnet worden waren und das seit 1938 nicht mehr gespielt worden war, wieder in den Spielplan aufgenommen werden sollte. Viele Stimmen meinen, nach dem millionenfachen Tod auf Schlachtfeldern und in Konzentrationslagern sei das Stück um den Tod eines reichen Lebemannes fehl am Platze. Letztendlich setzen sich aber die Stimmen durch, die das Mysterienspiel als ein Stück Tradition und im Gedenken an den ersten Regisseur Max Reinhardt, der 1943 im New Yorker Exil verstorben war, wieder in das Programm aufnehmen möchten. Bis heute hat sich das Stück im Programm der Salzburger Festspiele gehalten, und viele große Darsteller - von Alexander Moissi bis Attila Hörbiger, von Walther Reyer bis Maximilian Schell, von Curd Jürgens und Klaus Maria Brandauer bis Helmuth Lohner - haben ihm und der Figur des Jedermann jeweils neues Leben eingehaucht und ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt.

Nachdem die künstlerischen Möglichkeiten der Salzburger Festspiele - sowohl inhaltlich als auch personell - unter der Diktatur der Nationalsozialisten stark beschränkt gewesen waren, steht nach dem Ende des Krieges und der ideologischen Manipulierung wieder das ganze Spektrum des Literatur- und Musikschaffens zur Verfügung. Mehr und mehr kommen jetzt auch zeitgenössische Werke zur Aufführung. So erscheinen Kompositionen von Aaron Copland, Paul Hindemith, Arthur Honegger oder Igor Strawinsky in den Konzerten; Opern wie "Dantons Tod" von Gottfried von Einem, "Antigonae" von Carl Orff oder "Die Liebe der Danae" von Richard Strauss und Schauspiele wie Eugene O'Neills "Fast ein Poet", Fritz Hochwälders "Donnerstag" oder Thomas Bernhards "Der Ignorant oder der Wahnsinnige" erfahren ihre Ur- bzw. deutsche Erstaufführung.
Nachdem sich die Festspiele mehr und mehr zu einem kulturellen Ereignis von europäischer und Welt-Geltung entwickeln, wird ab Herbst 1956 ein neues Festspielhaus gebaut, das aus dem ehemaligen 'Haus der Natur' neben dem bisherigen Festspielhaus hervorgeht. In der Festspielsaison 1960 wird es am 26. Juli feierlich eröffnet. Das alte, 'kleine' Festspielhaus, in dem auch weiterhin parallel Aufführungen stattfinden, hält im Vergleich mit dem akustisch und technisch weit besser ausgestatteten Großen Festspielhaus nicht mehr stand. Zwischen Herbst 1962 und Sommer 1963 finden die notwendigen Renovierungsarbeiten statt, sodass das Kleine Festspielhaus am 29. Juli 1963 mit Mozarts Oper "Die Hochzeit des Figaro" wieder eröffnet werden kann. Zwischen 1967 und 1969 schließt sich ein mehrfacher Umbau der Felsenreitschule, in der seit 1926 bei schönem Wetter Aufführungen veranstaltet werden, an. So können also heute unter Einbeziehung aller Veranstaltungsorte mehrere Tausend Menschen an einem Abend gleichzeitig eine der vielfältigen künstlerischen Darbietungen genießen.
Die Aufführungen finden an folgenden Orten statt:
- Großes Festspielhaus mit 2170 Plätzen;
- Kleines Festspielhaus mit 1320 Plätzen;
- Felsenreitschule mit 1540 Plätzen;
- Domplatz für die Aufführung des "Jedermann" mit 2160 Sitz- und 300 Stehplätzen;
- Saal des Mozarteums für Kammerkonzerte;
- Landestheater für kleinere Schauspiele;
- Kollegienkirche, Stiftskirche St. Peter und Dom für geistliche Konzerte.

Die Veranstaltungen umfassen inzwischen die unterschiedlichsten künstlerischen Gattungen aus allen Epochen: Opern- und Schauspiel-Aufführungen, Ballett-Abende (nur von 1925-1928, 1931/32 und von 1953-1968), Orchester- und Kammerkonzerte, Liederabende und Kirchenkonzerte, Serenaden und Matineen sowie Rezitationsabende.
Der deutsche Theatermacher Jürgen Flimm ist seit Oktober 2006 Leiter der Salzburger Festspiele. Er wurde Nachfolger von Peter Ruzickas, der das Festival nach Ende der Saison 2006 vertragsgemäß verlassen hat. Im Mai 2009 wurde Alexander Pereira als Nachfolger von Flimm gekürt (ab 2011).
Unter den Mitwirkenden bei den Salzburger Festspielen finden sich seit Anbeginn große Künstler sowie bekannte Ensembles und Orchester aus aller Welt. Die folgende Zusammenstellung kann nur einen ersten Überblick bedeuten:
- Die Salzburger Festspiele
- I. Musik:
- II. Theater
- III. Ballett-Ensembles
Bibliografie:
- Wilhelm Holzbauer, Francois Valentiny: Die Bauten der Salzburger Festspiele von 1894 bis 2006, Salzburg 2006
- Monika Mertl: Almanach der Salzburger Festspiele 2008, St. Pölten 2008
- Monika Mertl: Unterwegs. Salzburger Festspiele 26. Juli bis 31. August 2008. Lesebuch und offizielles Programm, St. Pölten 2008
- Gisela Prossnitz: Die Salzburger Festspiele 1945-1960, Salzburg 2007
Institution(en):
- Kartenbüro der Salzburger FestspielePostfach 140, 5010 Salzburg, Österreich









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